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Baba Dunjas letzte Liebe

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015

(32)
Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.«
Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreissend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer aussergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.
Rezension
"Eine grosse Geschichte von Menschen und ihrem Mut, ihrer Kraft und ihrer Unbeugsamkeit (...) Am Ende des Romans, nach 154 Seiten, hätte ich das Buch am liebsten umarmt." Christine Westermann WDR, Frau TV, Christine Westermann
Portrait
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 17.08.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-04802-5
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 196/135/17 mm
Gewicht 230
Auflage 8. Auflage
Verkaufsrang 1.495
Buch (gebundene Ausgabe)
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
32 Bewertungen
Übersicht
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8
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starke Bilder einer untergegangenen Welt...
von einer Kundin/einem Kunden am 25.08.2015

Für Baba Dunja, den sterbenskranken Petrow, die Melkerin Marja, die Gawrilos und den fast hundertjährigen Sidorow scheint es egal , ob sie ein Jahr mehr oder weniger leben. Sie kehren zurück nach Tschernow in ihre leerstehenden Häuser und versuchen ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Ein beschwerliches Leben und eine... Für Baba Dunja, den sterbenskranken Petrow, die Melkerin Marja, die Gawrilos und den fast hundertjährigen Sidorow scheint es egal , ob sie ein Jahr mehr oder weniger leben. Sie kehren zurück nach Tschernow in ihre leerstehenden Häuser und versuchen ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Ein beschwerliches Leben und eine zerbrechliche Gemeinschaft , die voller Humor beschrieben wird und eine tiefe Nachdenklichkeit zurück lässt. Baba Dunja erzählt böse in sperrigen Bildern und doch voller Wärme - und sie hat viel zu erzählen , von Jegor ihrem nichtsnutzigen Mann, den sie geliebt hat , von ihrer Tochter Irina, die Pakete aus Deutschland schickt, die sie in einem beschwerlichen Marsch aus dem nächsten Ort abholt und von ihrer unbekannten Enkelin, der sie lange Briefe schreibt. Die Welt scheint fast in Ordnung, kaum fassbar nach dem Reaktorunglück von 1986, bis ein viel greifbares Unglück hereinbricht : Fremde erreichen das Dorf, ein Vater strandet mit seinem kleinen Mädchen , was einer Katastrophe gleich kommt und die Auflösung dieser Gemeinschaft bedeutet ! Ein beeindruckendes starkes Buch , was anrührend poetisch ist und einen lange nicht mehr loslässt !

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Ein wunderbares Büchlein
von Xirxe aus Hannover am 03.10.2016

Baba Dunja, die nun wirklich keine 82 Jahre mehr ist ;-) kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo, das in der Todeszone von Tschernobyl liegt. Sie ist die Erste, die sich dort, in ihrem alten Haus, wieder niederlässt, doch nach und nach steigt die Zahl der BewohnerInnen. Es sind meist... Baba Dunja, die nun wirklich keine 82 Jahre mehr ist ;-) kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo, das in der Todeszone von Tschernobyl liegt. Sie ist die Erste, die sich dort, in ihrem alten Haus, wieder niederlässt, doch nach und nach steigt die Zahl der BewohnerInnen. Es sind meist Alte, die Jüngsten um die 60 Jahre, zum Teil schwer krank, die nichts fürchten, auch nicht den Tod. Jede/r lebt dort sein Leben, eine wirkliche Gemeinschaft gibt es nicht. Gemüse und Obst werden im eigenen Garten angebaut, was man sonst so braucht und nicht selbst herstellen kann, wird von der kärglichen Rente im nächsten Städtchen Malyschi gekauft. Es könnte ein Idyll sein, doch Baba Dunja, die Ich-Erzählerin, ist sich der prekären Situation durchaus bewusst: Sie (wie auch der Rest in Tschernowo) strahlt mittlerweile selbst wie ein kleines Atomkraftwerk und ein Happy End ist bestimmt nicht zu erwarten. Wie sollte es in ihrem Alter auch aussehen? Denn eines ist gewiss: der Tod. Und diesem in Tschernowo zu begegnen, ist das Schlechteste nicht. Baba Dunja erzählt nicht nur von ihrem Leben im Dorf, sie erinnert sich auch an ihr Leben davor, das voller Mühsal war und darin bestand, für andere da zu sein: ihre Kinder Irina und Alexej; ihren Mann Jegor; die Kranken, die sie als medizinische Hilfsschwester behandelt hat. Nun kann sie zum erstem Mal in ihrem Leben das tun, was sie will: leben und sterben in Tschernowo. Ihrer Tochter Irina, die als Chirurgin in Deutschland lebt, ein Kind hat und nicht verstehen kann, weshalb ihre Mutter dorthin zurückgekehrt ist, schreibt sie beruhigende Briefe. Zitat: "Mädchen", sagte ich, "guck mich an. Siehst Du, wie alt ich bin? Und das alles ohne Vitamine und Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Wenn sich jetzt irgendetwas Schlechtes in mir einnistet, dann lasse ich es in Ruhe. Niemand soll mich mehr anfassen und mit Nadeln pieksen, wenigstens das habe ich mir verdient." Alina Bronskys Schreibstil trifft den Tonfall dieser alten Baba Dunja wunderbar: gelassen, durch nichts zu erschüttern und immer noch voller Lebensfreude. Sie weiß um die guten und schlechten Seiten der Menschen, verurteilt niemanden und nimmt das Leben wie es kommt - doch ohne sich sagen zu lassen, was sie zu tun hat. Zufälligerweise habe ich gerade zuvor das Buch Eierlikörtage: Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre gelesen - das genaue Gegenteil eines Lebens im Alter. Dort wohl versorgt im Altenheim, alles läuft nach Plan: Essen, Trinken, Unterhaltungsprogramm, sofern es eines gibt. Ohne Eigeninitiative (die nicht unbedingt gerne gesehen wird) nichts als gepflegte Langeweile. Wie erfrischend hingegen das Leben in der Todeszone, ohne dass es verklärt wird. Wenn man mich fragen würde, wo ich lieber meine letzten Tage verbringen möchte, wäre die Antwort klar: Tschernowo ;-)

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Baba Dunja
von einer Kundin/einem Kunden am 14.04.2016

Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja... Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja nicht, schließlich ist sie auch keine 82 mehr. Aus der Ich-Perspektive erzählt Alina Bronsky, in einfachen und ruhigen Sätzen, die Geschichte einer in die Todeszone rund um Tschernobyl Zurückgekehrten. Zwei Dinge treten deutlich hervor: Einerseits die liebevolle Beschreibungen der Charaktere und die wirklich wunderbar gelungene Erzählung, die manchmal auch ein wenig poetisch wirkt. Baba Dunja erinnert mich da ganz stark an meine eigene Baba. Leider viel zu kurz ist die gelungene Erzählung geworden, viel zu schnell hab ich die traurige und auch oft sehr skurrile Geschichte durchgelesen. Und ja eine ganz wichtige Botschaft hat sie auch: Nicht immer Angst haben, sondern auch einfach mal leben(=Auch wenn die äußeren Umstände oft ganz prekär und tödlich sind). Baba Dunja war nominiert für den deutschen Buchpreis 2015 und ist mein erster Roman von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letzter.

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Baba Dunjas letzte Liebe
von Svanvithe am 05.04.2016

Tschernowo ist ein kleines Dorf in der Nähe des Kernreaktors Tschernobyl. Hier lebt niemand freiwillig, sollte man denken. Weit gefehlt. Baba Dunja, eine einfache Frau, bedeutet die Heimat so viel, dass sie dort den Rest ihres Lebens verbringen will. Die Nähe zum Kernreaktor macht ihr nichts aus. Denn sie... Tschernowo ist ein kleines Dorf in der Nähe des Kernreaktors Tschernobyl. Hier lebt niemand freiwillig, sollte man denken. Weit gefehlt. Baba Dunja, eine einfache Frau, bedeutet die Heimat so viel, dass sie dort den Rest ihres Lebens verbringen will. Die Nähe zum Kernreaktor macht ihr nichts aus. Denn sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist alt, über neunzig, und das Gute für sie am Alter ist, dass sie niemand mehr um Erlaubnis fragen muss. Zum Beispiel, ob sie in ihrem alten Haus wohnen kann und ob sie Spinnennetze hängen lassen darf. Baba Dunja hat alles gesehen und vor nichts mehr Angst. "Der Tod kann kommen, aber bitte höflich." (Seite 12) Für sie ist Tschernowo das Paradies, wenn auch ein verstrahltes. Besonders im Winter ist es stiller als still. "Wenn eine Schneedecke über allem liegt, sind sogar die Träume gedämpft, und nur die Dompfaffen springen durch das Gestrüpp und sorgen für Farbe in der weißen Landschaft." (Seite 32) Hier läuft das Leben in ruhigen Bahnen ab. Für Baba Dunjas Nachbarin Marja, deren Hahn Konstantin gleich im Kochtopf landet. Sidorow, der noch mit hundert Jahren auf der Suche nach einer Frau ist. Lenotschka, die einen endlos langen Schal strickt und lächelt, wenn man sie anspricht, jedoch nicht antwortet. Das gebildete Ehepaar Gavrilov, das nicht auf Annehmlichkeiten verzichten muss. In Tschernowo verlangt niemand etwas von den Bewohnern. Es zählt das Heute, nicht das Morgen. Die Alten leben von der Selbstversorgung, das Gemüse wächst üppig in ihren Gärten. Nur nicht bei Petrow, der als letzter ein Häuschen im Dorf bezog und der seinen Krebs, von dem sein Körper komplett durchsetzt ist, nicht füttern will. Die Öfen werden mit Holz befeuert, Wasser spenden Brunnen, und an manchen Tagen gibt es auch Strom. Baba Dunjas Kontakte zur Außenwelt bestehen aus gelegentlichen Busfahrten nach Malyschi. Dann erzählt ihr Boris, der Busfahrer, was er im Fernsehen gesehen hat. Viel über Politik. Die ist natürlich wichtig, doch Baba Dunja ist da pragmatisch, denn "es bleibt trotzdem immer an einem selbst hängen, die Kartoffeln zu düngen, wenn man irgendwann Püree essen will." (Seite 46) Ab und an bekommt Baba Dunja Pakete von ihrer Tochter Irina. Diese ist Ärztin und lebt mit Enkelin Laura in Deutschland. Wenn Baba Dunja daran denkt, dass sie Laura (außer auf Fotos) noch nie gesehen hat, kommt Wehmut auf. Gut, dass gelegentlich Ehemann Jegor vorbeischaut, der aber nicht wirklich stört. Baba Dunja plaudert gern mit ihm. Seit er nämlich tot ist, ist er sehr höflich. Als er noch lebte, war das leider nicht so. In die Idylle kommt Unruhe, als eines Tages ein Mann seine Tochter mitbringt. Recht schnell wird klar, dass das Kind als Spielball zwischen den getrennten Eltern steht. Das ist für Baba Dunja unhaltbar. Ein Kind hat in Tschernowo nichts zu suchen. Zwar ist Tschernowo ein schöner und guter Ort für seine Bewohner. Niemand wird fortgejagt. Nur wenn jemand noch jung und gesund ist, sollte er sich ein anderes Heim wählen. Schon gar nicht sollte ein kleines Kind aus Rache dem Tode geweiht werden. Und daher dauert es nicht lange, das liegt der Mann tot auf der Erde, und Baba Dunja nimmt alle Schuld auf sich... Mit viel Verständnis und Geradlinigkeit lässt Alina Bronsky Baba Dunja erzählen. Die im Grunde kleine Geschichte entfaltet eine große Wirkung. Sie ist poetisch, lebendig, weise und ehrlich, manchmal verschmitzt, dann wieder traurig und anrührend. Baba Dunja "strahlt" - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Lebensfreude aus, die zu Herzen gehend ist. Mit Klugheit und Nachsicht schaut sie auf ihre Mitmenschen und ist der Mittelpunkt der eigenwilligen, schrulligen, sturen und manchmal auch exzentrischen Dorfbewohner, die trotzdem allesamt liebenswert in ihrer Gelassenheit, mit der sie ihr Dasein verbringen, erscheinen. Man möchte sie in den Arm nehmen und fest drücken. Und auf jeden Fall ein langes Leben wünschen.

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Eine Heimat für die Seele
von einer Kundin/einem Kunden aus Oberschöna am 02.03.2016

Baba Dunja ist längst keine 82 mehr, dafür aber eine der wenigen alten Dorfbewohner, die wieder in ihren Heimatort Tschechow zurückgekehrt sind. Dort will nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl niemand mehr leben, weil alles verstrahlt ist und so reiht sich eine Ruine an die nächste und die Natur erkämpft... Baba Dunja ist längst keine 82 mehr, dafür aber eine der wenigen alten Dorfbewohner, die wieder in ihren Heimatort Tschechow zurückgekehrt sind. Dort will nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl niemand mehr leben, weil alles verstrahlt ist und so reiht sich eine Ruine an die nächste und die Natur erkämpft sich ihren Platz wie eh und je. Die verbleibenden Menschen lassen sich durch nichts mehr abschrecken, weder durch die einfachen, primitiven Lebensbedingungen, noch durch ein einsames Dasein – abgeschottet von der Zivilisation. In ihrem selbst gewählten Exil lebt jeder wie er gern möchte, ganz im Einklang mit den Gegebenheiten doch füreinander sind die Menschen des Dorfes da, ersetzen fast eine fehlende Familie. Als eines Tages ein junger Mann mit seiner kleinen Tochter nach Tschechow kommt, um sich in einem leerstehenden Haus einzuquartieren, fährt Baba Dunja schwere Geschütze auf, denn sie wird es nicht dulden, dass ein bis dato gesundes Mädchen der tödlichen Strahlung ausgesetzt sein soll. Als der Vater nicht kooperiert geschieht ein Unglück, doch diesmal umgibt eine Mauer des Schweigens den Ort … Die junge Autorin Alina Bronsky entwirft in ihrem kurzen Roman eine besondere Studie über eine alte Frau, über ein selbstbestimmtes Leben weitab von Fortschritt und Entwicklungspotential, dafür aber ganz nah an den eigenen Bedürfnissen und das wirkt sehr autark. Baba Dunja wird zum Sinnbild einer Generation, die durchaus eigenwillig aber aus voller Überzeugung handelt, die ein weltlich abgekehrtes, von politischen Entscheidungen unabhängiges Dasein führt und der selbst großes Unglück nur einen kleinen Dämpfer versetzen kann. Dennoch handelt es sich bei dieser Denkweise keineswegs um Desinteresse sondern eher um ein tief verwurzeltes Heimatgefühl, dem äußere Einflüsse nur bedingt etwas anhaben können. Baba Dunjas letzte Liebe ist nicht die zu ihrem Mann, auch nicht die zu ihren Kindern und Enkeln sondern die zu ihrem Heim, in dem ihre Seele innere Zufriedenheit gefunden hat. Fazit: Ich vergebe 5 Sterne für einen tollen Roman, der gerade durch seine sachliche, präzise Erzählweise überzeugt und den Leser in eine ihm fremde Welt entführt. Ganz gewiss möchte man nicht tauschen mit der Hauptprotagonistin des Buches aber man möchte sie gerne kennenlernen – die Baba Dunjas dieser Welt, weil sie rechtschaffene Charaktermenschen sind. Kurze, zeitgenössische Prosa in Bestform – absolut empfehlenswert.

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Eine Heimat für die Seele
von Jenny Vogler am 01.03.2016

Baba Dunja ist längst keine 82 mehr, dafür aber eine der wenigen alten Dorfbewohner, die wieder in ihren Heimatort Tschechow zurückgekehrt sind. Dort will nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl niemand mehr leben, weil alles verstrahlt ist und so reiht sich eine Ruine an die nächste und die Natur erkämpft... Baba Dunja ist längst keine 82 mehr, dafür aber eine der wenigen alten Dorfbewohner, die wieder in ihren Heimatort Tschechow zurückgekehrt sind. Dort will nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl niemand mehr leben, weil alles verstrahlt ist und so reiht sich eine Ruine an die nächste und die Natur erkämpft sich ihren Platz wie eh und je. Die verbleibenden Menschen lassen sich durch nichts mehr abschrecken, weder durch die einfachen, primitiven Lebensbedingungen, noch durch ein einsames Dasein – abgeschottet von der Zivilisation. In ihrem selbst gewählten Exil lebt jeder wie er gern möchte, ganz im Einklang mit den Gegebenheiten doch füreinander sind die Menschen des Dorfes da, ersetzen fast eine fehlende Familie. Als eines Tages ein junger Mann mit seiner kleinen Tochter nach Tschechow kommt, um sich in einem leerstehenden Haus einzuquartieren, fährt Baba Dunja schwere Geschütze auf, denn sie wird es nicht dulden, dass ein bis dato gesundes Mädchen der tödlichen Strahlung ausgesetzt sein soll. Als der Vater nicht kooperiert geschieht ein Unglück, doch diesmal umgibt eine Mauer des Schweigens den Ort … Die junge Autorin Alina Bronsky entwirft in ihrem kurzen Roman eine besondere Studie über eine alte Frau, über ein selbstbestimmtes Leben weitab von Fortschritt und Entwicklungspotential, dafür aber ganz nah an den eigenen Bedürfnissen und das wirkt sehr autark. Baba Dunja wird zum Sinnbild einer Generation, die durchaus eigenwillig aber aus voller Überzeugung handelt, die ein weltlich abgekehrtes, von politischen Entscheidungen unabhängiges Dasein führt und der selbst großes Unglück nur einen kleinen Dämpfer versetzen kann. Dennoch handelt es sich bei dieser Denkweise keineswegs um Desinteresse sondern eher um ein tief verwurzeltes Heimatgefühl, dem äußere Einflüsse nur bedingt etwas anhaben können. Baba Dunjas letzte Liebe ist nicht die zu ihrem Mann, auch nicht die zu ihren Kindern und Enkeln sondern die zu ihrem Heim, in dem ihre Seele innere Zufriedenheit gefunden hat. Fazit: Ich vergebe 5 Sterne für einen tollen Roman, der gerade durch seine sachliche, präzise Erzählweise überzeugt und den Leser in eine ihm fremde Welt entführt. Ganz gewiss möchte man nicht tauschen mit der Hauptprotagonistin des Buches aber man möchte sie gerne kennenlernen – die Baba Dunjas dieser Welt, weil sie rechtschaffene Charaktermenschen sind. Kurze, zeitgenössische Prosa in Bestform – absolut empfehlenswert.

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Baba Dunjas letzte Liebe
von einer Kundin/einem Kunden am 29.02.2016

Tschernowo liegt nach dem Reaktorunglück in der Todeszone. Das Dorf ist verstrahlt und eigentlich sollte hier niemand mehr leben. Doch einige alte Bewohner kehren in ihre Heimat zurück und wohnen zurückgezogen und abgetrennt vom Rest der Welt in ihrem kleinen Dorf. Es ist ihre Heimat, sie sind alt und... Tschernowo liegt nach dem Reaktorunglück in der Todeszone. Das Dorf ist verstrahlt und eigentlich sollte hier niemand mehr leben. Doch einige alte Bewohner kehren in ihre Heimat zurück und wohnen zurückgezogen und abgetrennt vom Rest der Welt in ihrem kleinen Dorf. Es ist ihre Heimat, sie sind alt und daher ist ihnen die Strahlung, die dort herrscht relativ egal. Baba Dunja war die erste, die zurückgekommen ist und wird daher auch als Sprecherin der Dorfgemeinschaft angesehen. In Tschernowo ist alles ein wenig anders: die Spinnen weben ihre Netze anders, die Klänge der Zikaden unterscheiden sich, all dies weiß Baba Dunja von den Forschern, die dem Dorf alle paar Jahre einen Besuch abstatten, um die Strahlung zu messen und Untersuchungen anzustellen. In Tschernowo gibt es keine Kinder, zu groß ist die Angst davor, dass diese krank zur Welt kommen. Baba Dunjas Tochter wohnt in Deutschland. Ihre Enkelin hat Baba Dunja noch nie gesehen. Sie kommuniziert nur durch Briefe mit ihnen. Das ist das einzige, das sie an ihrem Leben wirklich stört. Ansonsten ist sie vollkommen zufrieden mit ihrem Leben. Doch eines Tages kommen Fremde in das Dorf und es passiert sogar ein Mord. Seitdem ist für Baba Dunja nichts mehr, wie es vorher war. Mir hat das Buch sehr gefallen. Der Schreibstil war angenehm zu lesen. Man konnte Baba Dunjas Gedanken und Gründe für ihr Handeln gut nachvollziehen, auch wenn sie von der eigenen, persönlichen Meinung manchmal abweichen. Ich finde die Vorstellung von diesem Dorf faszinierend und habe daher gerne darüber gelesen. Außerdem finde ich es gut, dass dieses Buch das Reaktorunglück von Tschernobyl thematisiert. Denn auch wenn dies schon mehr als zwanzig Jahre zurückliegt, sind die Auswirkungen bis heute spürbar. Das Buch greift einige dieser Aspekte auf und verarbeitet sie auf interessante Weise.

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Baba Dunja
von buecherfreund am 29.02.2016

Tschernowo liegt nach dem Reaktorunglück in der Todeszone. Das Dorf ist verstrahlt und eigentlich sollte hier niemand mehr leben. Doch einige alte Bewohner kehren in ihre Heimat zurück und wohnen zurückgezogen und abgetrennt vom Rest der Welt in ihrem kleinen Dorf. Es ist ihre Heimat, sie sind alt und... Tschernowo liegt nach dem Reaktorunglück in der Todeszone. Das Dorf ist verstrahlt und eigentlich sollte hier niemand mehr leben. Doch einige alte Bewohner kehren in ihre Heimat zurück und wohnen zurückgezogen und abgetrennt vom Rest der Welt in ihrem kleinen Dorf. Es ist ihre Heimat, sie sind alt und daher ist ihnen die Strahlung, die dort herrscht relativ egal. Baba Dunja war die erste, die zurückgekommen ist und wird daher auch als Sprecherin der Dorfgemeinschaft angesehen. In Tschernowo ist alles ein wenig anders: die Spinnen weben ihre Netze anders, die Klänge der Zikaden unterscheiden sich, all dies weiß Baba Dunja von den Forschern, die dem Dorf alle paar Jahre einen Besuch abstatten, um die Strahlung zu messen und Untersuchungen anzustellen. In Tschernowo gibt es keine Kinder, zu groß ist die Angst davor, dass diese krank zur Welt kommen. Baba Dunjas Tochter wohnt in Deutschland. Ihre Enkelin hat Baba Dunja noch nie gesehen. Sie kommuniziert nur durch Briefe mit ihnen. Das ist das einzige, das sie an ihrem Leben wirklich stört. Ansonsten ist sie vollkommen zufrieden mit ihrem Leben. Doch eines Tages kommen Fremde in das Dorf und es passiert sogar ein Mord. Seitdem ist für Baba Dunja nichts mehr, wie es vorher war. Mir hat das Buch sehr gefallen. Der Schreibstil war angenehm zu lesen. Man konnte Baba Dunjas Gedanken und Gründe für ihr Handeln gut nachvollziehen, auch wenn sie von der eigenen, persönlichen Meinung manchmal abweichen. Ich finde die Vorstellung von diesem Dorf faszinierend und habe daher gerne darüber gelesen. Außerdem finde ich es gut, dass dieses Buch das Reaktorunglück von Tschernobyl thematisiert. Denn auch wenn dies schon mehr als zwanzig Jahre zurückliegt, sind die Auswirkungen bis heute spürbar. Das Buch greift einige dieser Aspekte auf und verarbeitet sie auf interessante Weise.

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eine strahlende Persönlichkeit
von einer Kundin/einem Kunden aus Soltau am 02.02.2016

Die Geschichte um die eigensinnige, sympathische Baba Dunja, die im Dorf Tschernowo die "Bürgermeisterin" und gute Seele ist (jedenfalls nach Meinung der anderen Bewohner), nimmt einen mit auf eine Reise in ein strahlenverseuchtes Gebiet. Wir erfahren etwas aus dem Alltag der Personen, die nach dem Reaktorvorfall von Tschernobyl in... Die Geschichte um die eigensinnige, sympathische Baba Dunja, die im Dorf Tschernowo die "Bürgermeisterin" und gute Seele ist (jedenfalls nach Meinung der anderen Bewohner), nimmt einen mit auf eine Reise in ein strahlenverseuchtes Gebiet. Wir erfahren etwas aus dem Alltag der Personen, die nach dem Reaktorvorfall von Tschernobyl in ihr altes Dorf zurückgekehrt sind. Es handelt sich ausschließlich um ein paar alte Menschen die einfach so weiterleben wie vorher. Gemüse wird im Garten angebaut, Tiere werden geschlachtet, jeder macht sein Ding und trotzdem sind sie alle eine Gemeinschaft. Baba Dunja sieht ihren toten Mann, unterhält sich mit ihm, das ist halt einfach so das er da ist (und andere Tote auch). Sie ist zufrieden mit ihrem Leben. In Deutschland wohnt ihre Tochter mit Enkeltochter, sie stehen im Briefkontakt. Alle paar Jahre kommt die Tochter mal vorbei und besucht ihre Mutter, sie ist eine Ärztin, die Kinder aus Tschernobyl für kurze Zeit nach Deutschland holt, damit sie sich erholen können. Ihre Enkelin hat Baba Dunja noch nie gesehen, sie bekommt nur regelmäßig Fotos von ihr geschickt. Ihre Tochter hat ein schönes Leben mit ihrer Familie. Später im Buch stellt sich jedoch heraus, dass nicht alles so rosig ist wie es scheint. Bis dahin ist das Leben im Dorf nicht sehr aufregend. Doch dann tauchen zwei Fremde auf und bringen Unruhe in das beschauliche Dorfleben. Danach ist erstmal nichts mehr so wie es vorher war. Der Schreibstil von Alina Bronsky gefällt mir ausgesprochen gut, sie hat eine sehr bildliche Art zu schreiben und einen Humor der mir sehr gut gefällt. Hier mal ein Beispiel: In der Nacht weckt mich wieder Marjas Hahn Konstantin. Für Marja ist er eine Art Ersatzmann. Sie hat ihn großgezogen und schon als Küken gehätschelt und verwöhnt; jetzt ist er ausgewachsen und zu nichts zu gebrauchen. Stolziert herrisch über ihren Hof und schielt zu mir rüber. Seine innere Uhr ist durcheinander, schon immer gewesen, aber ich glaube nicht, dass es mit der Strahlung zu tun hat. Man kann sie nicht für alles, was blöd zur Welt kommt, verantwortlich machen. Von mir gibt es eine deutliche Empfehlung für dieses Buch und ich vergebe gerne 5 Sterne . Das einzig negative war das es zu kurz war.

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großes Lesevergnügen
von einer Kundin/einem Kunden am 31.10.2015

Die Katastrophe von Tschernobyl liegt lange zurück. Die Umgebung ist immer noch verstrahlt und dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Heimkehrern. Baba Dunja gehört dazu. Wie ihre Nachbarn, ignoriert sie die Gefahr vollkommen.In aller Ruhe baut sie ihr Gemüse an und lebt gemütlich vor sich hin. Weder die... Die Katastrophe von Tschernobyl liegt lange zurück. Die Umgebung ist immer noch verstrahlt und dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Heimkehrern. Baba Dunja gehört dazu. Wie ihre Nachbarn, ignoriert sie die Gefahr vollkommen.In aller Ruhe baut sie ihr Gemüse an und lebt gemütlich vor sich hin. Weder die Sorge ihrer Tochter Irina, noch die Gedanken an ihre Enkelin können Baba Dunja bewegen, dieses Niemandsland wieder zu verlassen. Allerdings hat sie ihrer Familie strikt untersagt, sie zu besuchen. Baba Dunja ist alt, dickköpfig und eine Autorität. Für die Dorfbewohner ist sie die erste Ansprechperson, beinahe so etwas wie eine Bürgermeisterin. "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky ist großes Lesevergnügen

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Großartig erzählt!
von einer Kundin/einem Kunden am 14.10.2015

Über die eigenwillige alte, kleine Dunja Baba, die zurück in das verstrahlte Dorf Tschernowa zieht, um mit ein paar anderen Alten dort ihre letzten Jahre zu verbringen. Eigentlich fast paradiesisch.......

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Wunderschöne Geschichte
von Mercado am 17.09.2015

Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet. Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest... Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet. Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Baba Dunja ist einfach eine tolle Frau. Sie ist die erste, die ins Dorf zurückkehrt. Ihr folgen einige andere ältere Menschen, die zurück in ihre Häuser wollen. Ihre Freiheit wiederhaben wollen. Sie pflanzen Gemüse in ihren Gärten, essen ihre Tomaten und Gurken und wollen gar nicht darüber nachdenken, dass alles verstrahlt sein könnte. Baba Dunja ist über 80 Jahre alt und wird als die Bürgermeisterin im Dorf angesehen. Sie sieht ihre erwachsene Tochter Irina alle 2-3 Jahre, ihre Enkelin Laura, die 18 Jahre alt ist, hat sie noch nie gesehen. Eines Tages kommt ein Brief von Laura, auf English, den Baba Dunja nicht lesen kann, diesen Brief aber wie einen Schatz behütet. Sie fängt sogar an, Englisch zu lernen, um endlich den Brief von Laura lesen zu können. Da sich keine fremden Menschen ins Dorf trauen, aus Angst verstrahlt zu werden, lebt die kleine Gemeinschaft sehr abgeschieden. Aber alle scheinen sich wohl zu fühlen. Die Idylle des Dorfes wird eines Tages gestört, als ein Fremder mit seiner kleinen Tochter auftaucht. Baba Dunja ist einfach wunderbar, sie sieht in Jedem nur das positive, macht niemandem Vorwürfe, und stellt sich selbst und ihre Bedürfnisse in den Hintergrund. In dem Buch finden sich viele schöne Zitate, die mich berührt haben, z.B.: "Das ist es, was diesem Mädchen immer gefehlt hat. Sie hatte nie ein Zuhause, weil ich ihrer Mutter nicht beigebracht habe, sich im Leben wohlzufühlen. Ich habe es selbst zu spät gelernt". Alina Bronsky schreibt poetisch, mit schönen Zitaten und mit unterschwelligem Humor diese wunderbare Geschichte um eine tolle, starke Frau. Der fließende Schreibstil ermöglicht einem das schnelle Eintauchen in diesen tollen Roman. Für mich ein wunderschönes Buch, welches man gelesen haben sollte.

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"Was interessiert mich die Welt?"
von Goldtime aus München am 14.09.2015

Baba Dunja kehrt nach Tschernowo zurück, weil sie ihre Rentenzeit nicht im Großstadtsmog verbringen will. Im Dorf sind von 30 Häusern nur 9 bewohnt, es gibt keinen Funkmast, das Telefon funktioniert, wann es will, ab und zu schauen ein paar Reporter vorbei. Baba Dunja ist die Seele ihres kleinen Dörfchens... Baba Dunja kehrt nach Tschernowo zurück, weil sie ihre Rentenzeit nicht im Großstadtsmog verbringen will. Im Dorf sind von 30 Häusern nur 9 bewohnt, es gibt keinen Funkmast, das Telefon funktioniert, wann es will, ab und zu schauen ein paar Reporter vorbei. Baba Dunja ist die Seele ihres kleinen Dörfchens Tschernowo, in dem sie Blumen und Gemüse züchtet, mit ihrer Nachbarin plaudert, Bienen beobachtet und auf Post ihrer Tochter in Deutschland antwortet. Alles könnte so idyllisch sein – doch Tschernowo liegt in der Todesmeile rund um den Reaktor von Tschernobyl, in dem es 1986 zum Super-GAU kam. Seitdem sind die Böden und alles, was noch lebt, radioaktiv verstrahlt. Nur wenige Einwohner sind dorthin zurückgekehrt; geduldet bzw. gemieden von den Behörden leben sie in kleinen Dorfgemeinschaften. Alina Bronsky lässt ihren Roman in dieser vordergründig idyllischen, aber in Wirklichkeit todbringenden Gegend spielen. Da ich die Reaktorkatastrophe damals miterlebt habe, interessierte mich dieser Stoff natürlich ganz besonders. Schon oft hatte ich mich gefragt, was aus der Bevölkerung geworden ist, die damals evakuiert wurde, und ob heute wieder Menschen dort leben... und wenn ja, warum und wie! Baba Dunja findet in Tschernowo einige weitere „Aussteiger“: die gefühlvolle Marja, die ihren gewalttägigen Mann verlassen hat und sich nur hier in Sicherheit fühlt. Das gebildete Ehepaar Gavrilow, das nur selten spricht. Die püppchenhafte Lenotschka, die Hühner züchtet und die sie wie ihre Kinder liebt. Petrow, der an Krebs leidet – und den die permanente radioaktive Bestrahlung einfach nicht umbringt. Und schließlich der alte Sidorow, der sich noch nicht zu alt für die große Liebe fühlt. Sie alle scheinen ein Geheimnis zu haben, und die der anderen zu tolerieren, ohne Fragen zu stellen. Als eines Tages ein Mann auftaucht, der seine kleine Tochter schutzlos der Strahlung aussetzt, gerät Baba Dunja in Rage – der Streit zwischen den beiden eskaliert, und auf einmal ist es mit der Ruhe vorbei. Plötzlich interessieren sich die Behörden wieder für Tschernowo, und Baba Dunjas Leben nimmt ungeahnte Wendungen… Alina Bronsky ist eine äußerst vielseitige Autorin, die vor allem durch ihre Jugendbücher (wie z.B. "Spiegelriss") bekannt wurde. Mir hat schon der Vorgängerroman „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche“ sehr gut gefallen, da sie auf unkoventionelle Weise von einer sehr tapferen, aber auch innerlich verhärteten Großmutter erzählt, die nichts von ihrer Tochter hält, dafür umso mehr von ihrer punkigen Enkelin. Auch bei Baba Dunja finden wir Großmutter, Tochter und Enkelin – doch die Großmutter muss auf den Kontakt zu ihrer Familie verzichten, um diese nicht gesundheitlich zu gefährden. Sie steckt in einem Zwiespalt zwischen dem friedlichem Leben in der Dorfgemeinschaft und dem Stadtleben in der Nähe ihrer kleinen Familie. In diesem Roman steckt sehr viel Kritik an der heutigen Industrie- und Leistungsgesellschaft, das Stadtleben wird als monoton, entfremdet und lebensfeindlich beschrieben, so dass das verstrahlte Tschernowo fast paradiesisch erscheint. In der Hauptfigur Baba Dunja steckt eine Menge Mut, Menschenliebe und Pioniergeist, so dass sie auch mit Grenzsituationen erstaunlich gut zurechtkommt. Wo andere verzweifeln, läuft sie zu Hochform auf und reisst andere aus ihrer Lethargie! Für mich ist es ein kurzer, aber sehr intensiver, abwechslungsreicher und farbenfroher Roman, der einen dazu verleitet, das ganz normale Großstadtleben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Der Widerstand gegen Verordnungen, Pessimismus und Depressionen hat mich an Baba Dunja besonders beeindruckt. Auch wenn man oft merkt, wie schwer ihr manche Entscheidungen fallen – sie bleibt sich selbst treu, will keinen belasten und hat eine Seele aus Gold. Fazit: von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine dicke Leseempfehlung für alle, die knorrige Menschen mit Charakter und außergewöhnliche Geschichten lieben!

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Die Geschichte über eine liebenswerte Großmutter
von einer Kundin/einem Kunden aus syke am 02.09.2015

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist mittlerweile 29 Jahre her und wird in den Medien natürlich immer noch gelegentlich thematisiert. Anders ist es mit den Bewohnern aus der verstrahlten Gegend, von deren Sorgen und Nöten doch so gut wie nichts nach außen dringt. Umso lobenswerter ist es, dass in... Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist mittlerweile 29 Jahre her und wird in den Medien natürlich immer noch gelegentlich thematisiert. Anders ist es mit den Bewohnern aus der verstrahlten Gegend, von deren Sorgen und Nöten doch so gut wie nichts nach außen dringt. Umso lobenswerter ist es, dass in diesem Buch einmal eine (fiktive) Betroffene in den Fokus gerückt wird – Evdokija Anatoljewna, genannt Baba Dunja. Ihr so mütterlich klingender Rufname passt gut zu diesem Urgestein von Bewohnern des kleinen Dorfs Tschernowo, gelegen in der sog. Todeszone. Als erste in ihr Heimatdorf zurückgekehrt, hat sie eine gewisse Berühmtheit erlangt. Fern der Zivilisation führt die mittlerweile 82jährige dort ein bescheidenes, aber zufriedenes Leben im Einklang mit der Natur, zusammen mit an den Fingern abzählbaren weiteren Dorfbewohnern. Dann jedoch deutet sich Ungemach an – ein Fremder bringt seine gesunde Tochter ins Dorf. Für Baba Dunja geht das überhaupt nicht … Das Faszinierende an diesem kleinen Büchlein ist seine Protagonistin. Angesichts ihrer Zufriedenheit in ihrem dörflichen Paradies wünscht man sich direkt, unserer schnelllebigen Gesellschaft mit ihren immer neuen technischen Errungenschaften den Rücken kehren zu können. Wenngleich Vieles idealisiert wird, bleibt der Ernst des Themas dennoch nicht außen vor. Denn so zufrieden Baba Dunja mit ihrem Leben auch ist, muss sie doch ihren Preis dafür zahlen. Kontakte zu ihren Kindern gibt es nur wenige und ihre Enkelin hat sie noch nie gesehen. Trotzdem hat sie ihren Humor nicht verloren, wie es auch sehr schön in dem humorvollen Schreibstil zum Ausdruck kommt. Ein schönes Buch, das mich jetzt noch zu weiteren Büchern der Autorin greifen lassen wird („Nenn mich einfach Superheld“, „Scherbenpark“, „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche“).

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Ein kleines Büchlein mit leisen Tönen
von einer Kundin/einem Kunden aus Stuttgart am 17.08.2015

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Rückkehrerin. Zusammen mit einer Handvoll anderen Bewohnern ist sie einige Zeit nach der Sperre um den Reaktor wieder in ihr altes Haus in ihrem Heimatdorf zurückgekehrt. Früher hat sie als Hebamme gearbeitet, heute ist sie Rentnerin und vermisst ihre Tochter und ihre Enkelin, die in... Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Rückkehrerin. Zusammen mit einer Handvoll anderen Bewohnern ist sie einige Zeit nach der Sperre um den Reaktor wieder in ihr altes Haus in ihrem Heimatdorf zurückgekehrt. Früher hat sie als Hebamme gearbeitet, heute ist sie Rentnerin und vermisst ihre Tochter und ihre Enkelin, die in Deutschland leben. Es ist ihre Heimat, und es ist eine ganz eigene Welt, mit selbst gezogenem Gemüse und Tieren als Hausgenossen, mit Toten, die zu Besuch kommen und scheinbar nicht wissen, dass ihr Körper bereits unter der Erde ist. So leben die wenigen Dorfbewohner miteinander, sie haben sich mit dem Leben arrangiert, auch wenn es manchmal mühsam ist, denn obwohl sich die Rückkehrer mit vielem selbst versorgen können, müssen sie für die Post und andere Besorgungen einen weiten und beschwerlichen Weg auf sich nehmen. Doch dann möchte ein Vater mit seinem Kind einziehen, und Baba Dunja erkennt, dass das Mädchen gesund ist. Die Dorfgemeinschaft wird erneut auf eine harte Probe gestellt… Es ist ein Dorf, das es gar nicht geben dürfte, das Alina Bronsky hier auferstehen lässt, mit einer äußerst starken Frau als Hauptperson, die von den Bewohnern unabhängig von ihrem hohen Alter als inoffizielle Bürgermeisterin anerkannt wird. Trotz ihrer Macken sind die Bewohner äußerst sympathisch gezeichnet, man wünscht ihnen weiterhin ein gutes Leben in dieser Gemeinschaft. Das kleine Büchlein ist spannend geschrieben und schnell gelesen, dabei verschafft es einen wunderschönen Einblick in eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht. Herzerwärmend und in einer leicht poetisch angehauchten Sprache, mit einem Coverbild, das vergangene Zeiten auferstehen lässt, geht der Leser mit dieser starken, verantwortungsvollen Baba Dunja in die größte Entscheidung ihres Lebens. Ein eindrückliches Büchlein, das durch seine leisen Töne zum Nachdenken anregt, äußerst lesenswert.

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Stille, die alle Welt erreicht
von Hope22 am 16.08.2015

Baba Dunja ist ein der wenigen Alten, die nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo geht. Ihren Lebensabend möchte sie selbstbestimmt und in Ruhe begehen. Während alle Angst vor der Strahlung und der Radioaktivität haben, entsteht in dem kleinen verstrahlten Dorf eine Gemeinschaft der Alten. Man respektiert... Baba Dunja ist ein der wenigen Alten, die nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo geht. Ihren Lebensabend möchte sie selbstbestimmt und in Ruhe begehen. Während alle Angst vor der Strahlung und der Radioaktivität haben, entsteht in dem kleinen verstrahlten Dorf eine Gemeinschaft der Alten. Man respektiert sich, hängt sich aber nicht auf der Pelle. Ironisch, witzig und doch mit ernstem Hintergrund beschreibt Baba Dunja ihr Leben. Es ist zum Lachen, zum Weinen, zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Baba Dunja nimmt kein Blatt vor den Mund und ist auch sich selbst gegenüber kritisch, nimmt ihre Altersgebrechen oft mit Humor und trägt ihr Herz auf dem rechten Fleck. Mit wunderschönen Worten hat Alina Bronsky hier die Geschichte von Baba Dunja erzählt. Leise und doch so eindringlich, das die Welt von Baba Dunja erfährt. Mit Ironie, Herz und berührenden Worten wird die Reise nach Tschernowko, zu Baba Dunja und ihren Nachbarn zu einem unvergesslichen Erlebnis, das noch lange im Gedächtnis bleibt. Das Buch besteht aus „nur“ 154 Seiten. Doch diese erzählen alles und noch viel mehr. Ein Buch, das eine absolute Leseempfehlung von mir erhält! Ein Juwel!!!!

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Stille, die alle Welt erreicht
von Hope am 16.08.2015

Baba Dunja ist ein der wenigen Alten, die nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo geht. Ihren Lebensabend möchte sie selbstbestimmt und in Ruhe begehen. Während alle Angst vor der Strahlung und der Radioaktivität haben, entsteht in dem kleinen verstrahlten Dorf eine Gemeinschaft der Alten. Man respektiert... Baba Dunja ist ein der wenigen Alten, die nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo geht. Ihren Lebensabend möchte sie selbstbestimmt und in Ruhe begehen. Während alle Angst vor der Strahlung und der Radioaktivität haben, entsteht in dem kleinen verstrahlten Dorf eine Gemeinschaft der Alten. Man respektiert sich, hängt sich aber nicht auf der Pelle. Ironisch, witzig und doch mit ernstem Hintergrund beschreibt Baba Dunja ihr Leben. Es ist zum Lachen, zum Weinen, zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Baba Dunja nimmt kein Blatt vor den Mund und ist auch sich selbst gegenüber kritisch, nimmt ihre Altersgebrechen oft mit Humor und trägt ihr Herz auf dem rechten Fleck. Mit wunderschönen Worten hat Alina Bronsky hier die Geschichte von Baba Dunja erzählt. Leise und doch so eindringlich, das die Welt von Baba Dunja erfährt. Mit Ironie, Herz und berührenden Worten wird die Reise nach Tschernowko, zu Baba Dunja und ihren Nachbarn zu einem unvergesslichen Erlebnis, das noch lange im Gedächtnis bleibt. Das Buch besteht aus „nur“ 154 Seiten. Doch diese erzählen alles und noch viel mehr. Ein Buch, das eine absolute Leseempfehlung von mir erhält! Ein Juwel!!!!

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Was für eine skurrile Welt
von LottiLiest aus Koblenz am 16.08.2015

Alina Bronsky lässt in ihrem Buch einen Ort entstehen, der geliebt wird von Menschen, die den Rest der Welt meiden wollen. Ein Ort, der so oder so ähnlich tatsächlich existieren könnte – nur dass darüber kein Wort verloren werden würde. Dieser Ort heißt Tschernowo und wurde von einer Nuklearkatastrophe... Alina Bronsky lässt in ihrem Buch einen Ort entstehen, der geliebt wird von Menschen, die den Rest der Welt meiden wollen. Ein Ort, der so oder so ähnlich tatsächlich existieren könnte – nur dass darüber kein Wort verloren werden würde. Dieser Ort heißt Tschernowo und wurde von einer Nuklearkatastrophe heimgesucht und deshalb für jedes Leben unbewohnbar gemacht. Angeblich – denn die Hauptfigur Baba Dunja lebt dort, zusammen mit einigen anderen Eigenbrötlern, die mit dem Rest der Welt nichts mehr zu tun haben möchten. Tschernowo ist der Heimatort von Baba Dunja und sie verließ ihn nach der Katastrophe nur unfreiwillig. Auf ihre alten Tage kehrt sie zurück dorthin – zu ihrem Haus, ihrem Garten! Zuerst ist sie dort allein, doch noch mehr folgen ihrem Beispiel und es entsteht eine Welt, in der die Uhren anders zu laufen scheinen. „Zwischendrin vergessen wir, dass es noch die andere Welt gibt, in der die Uhren schneller gehen und wo alle schrecklich Angst vor dieser Erde haben, die uns ernährt.“ Es ist eine sehr skurrile Gemeinschaft, die sich da gebildet hat. Sie versorgen sich zum größten Teil selbst, haben keine Angst vor der Verstrahlung – entweder weil sie unheilbar krank oder einfach unheilbar allein sind. Baba Dunja gilt als heimliche Bürgermeisterin, das allerdings eher unfreiwillig. Denn eigentlich hat sie alles hinter sich gelassen, ihre Vergangenheit, sogar ihre Kinder, um ihre Ruhe zu haben. Nur durch Briefe, Pakete und höchst seltene Treffen hält sie Kontakt zu ihrer Familie. Mit dieser Situation scheint sie auch sehr zufrieden. „In Tschernowo gab es nur die Stille und mich.“ Allerdings bringt ein Neuankömmling die Welt da draußen durcheinander und ein kleines Mädchen, ein Mord und eine Hochzeit wirbeln den routinierten Ablauf der Gemeinschaft durcheinander. Die Figur der Baba Dunjas ist etwas eigenartig, sowie auch die anderen Bewohner Tschernowos. Sie wollen mit der Außenwelt nichts zu tun habe, sind froh, wenn sie ihre obligatorischen Besuche in der nächstgelegenen Stadt hinter sich gebracht haben und auch untereinander scheint ein Minimum an Kontakt auszureichen. Baba Dunja erzählt viel von ihrer Vergangenheit, ihrer Liebe zum Tanz, ihrem Misstrauen in Banken und den Toten, die sie in Tschernowo umgeben. Den Schreibstil Bronskys muss man mögen. Sie beschreibt Tschernowo realistisch und von den Pflanzen über die Zäune zu den Spinnen bis in kleinste Detail. Doch ich hatte ständig das Gefühl, als würde im nächsten Augenblick etwas Überraschendes passieren. Es ist eine Art Spannung, die aufgebaut, aber nicht wirklich eingelöst wird. Das lässt das Buch etwas eigenartig erscheinen, aber macht es dennoch lesenswert. Das Thema „Reaktorunfall“ wird nur selten angesprochen und nicht groß behandelt. Es sind Zitate wie das folgende, die dem Buch dennoch einen tiefgehenden Charakter verleihen. „Wir sind den Menschen unheimlich. Sie scheinen zu glauben, dass die Todeszone sich an die Grenzen hält, die Menschen auf Landkarten einzeichnen“ Alles in Allem ist Baba Dunjas letzte Liebe einfach mal etwas Anderes, etwas Unerwartetes und auch etwas Neues.

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Humorvoll, lustig, aber auch tragisch
von Danion aus Jena am 15.08.2015

"Baba Dunjas letzte Liebe" ist ein Buch, das schon mit den ersten Worten und Sätzen an sich fesselt: humorvoll, lustig und zugleich irgendwie traurig, sogar tragisch. Die Geschichte einer Frau, die mittlerweile über 80 ist und die sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt. Eine Frau, die nach dem... "Baba Dunjas letzte Liebe" ist ein Buch, das schon mit den ersten Worten und Sätzen an sich fesselt: humorvoll, lustig und zugleich irgendwie traurig, sogar tragisch. Die Geschichte einer Frau, die mittlerweile über 80 ist und die sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt. Eine Frau, die nach dem Atomkraftwerkunfall nicht lange in der Evakuierung bleibt und als erste in ihr Haus in einem abgelegenen Dorf zurückkehrt. Die Frau, die durch ihre Erfahrungen und Autorität zur heimlichen Oberbürgermeisterin des Dorfes ausgewählt wird und auf deren Rat sich jeder verlassen kann. Es ist die Geschichte einer Frau, die in einem Geisterdorf in der „Todeszone“ Geister der Verstorbenen sieht, mit dem Geist ihres Mannes spricht und sich mit ihm berät. Ein Schmunzeln im Gesicht zaubern die sehr bildhaften Beschreibungen der restlichen Dorfbewohner, vor allem der Nachbarin Marja, die mit ihrem Hahn Konstantin lebt, in dem sie den Ersatz eines Mannes sieht, und mit einer Ziege, die gerne fernsieht und im Bett von Marja schläft. Nicht weniger lustig erscheint der Heiratsantrag eines uralten Mannes, der nicht gerne kocht und nun eine Frau sucht, die für ihn die Hausarbeiten erledigen würde. Tragisch sind dagegen die Tatsachen, die nebenbei erwähnt werden. Zum Beispiel dass die Leute aus dem Dorf nicht im Nachbarort begraben werden dürfen, weil die Bewohner dort Angst vor der Strahlung haben. Oder auch die Tragödie in der Familie der Baba Dunjas Tochter Irina, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, die nun getrennt von ihrem Mann ist und keinen Kontakt mehr zur eigenen Tochter hat. Es gibt viele Episoden, die auch bei mir viel Nostalgie hervorgerufen hatten: z.B. die Geschichte mit den Pralinen zum Neujahr, die noch ein Dreivierteljahr gegessen und die Verpackungen gesammelt wurden. So ähnlich sah es auch in meiner Familie vor 20 Jahren aus. Und allgemein erinnern mich viele Beschreibungen an die aktuellen Zustände in den meisten Dörfern der ehemaligen Sowjetunion, wo das Leben auch heute so läuft, wie es von Alina Bronsky beschrieben wird. Die einzigen 2 Momente, die mich im Buch nicht überzeugt bzw. ein wenig enttäuscht hatten, waren die Geschichte mit der Baba Dunjas Enkelin (ich hätte mir gewünscht, dass sie sich doch noch ein bisschen entwickeln würde oder zumindest aufzeigen, dass eine Entwicklung kommt – sonst klingt das Ende sehr abrupt, als hätte die Autorin am Ende keine Lust mehr zu schreiben). Die andere Sache – die Geschichte mit einem Mann und seiner Tochter, die ins Dorf kommen. Ich hätte mir gewünscht, dass auch diese Geschichte ein bisschen mehr Bezug zu den anderen Protagonisten hätte. Nicht dass sie plötzlich im Dorf erscheinen und nach dem Ermordung des Mannes zu Ende ist. Man hätte auch schreiben können, was aus diesem Mädchen geworden war oder sie sogar in die Verbindung mit der Baba Dunjas Enkelin setzen. Irgendwas, was die ganze Sache etwas runder gemacht hätte. Die Sprache ist sehr schön, wodurch das Buch sich ganz leicht und schnell liest, sehr authentisch und lebhaft. In einem Satz: ein wunderschönes und lesenswertes Buch!

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Baba Dunjas Heimkehr
von einer Kundin/einem Kunden aus Frankfurt am Main am 11.08.2015

Das Cover könnte zum Buch passen, wäre die Frau darauf nicht so jung. Baba Dunja ist inzwischen 85 Jahre alt. Dem hätte man Rechnung tragen sollen. Am Buch selbst ist nichts auszusetzen. Ich bin total begeistert und habe es in einem Zug zu Ende gelesen. Baba Dunja lebte mit... Das Cover könnte zum Buch passen, wäre die Frau darauf nicht so jung. Baba Dunja ist inzwischen 85 Jahre alt. Dem hätte man Rechnung tragen sollen. Am Buch selbst ist nichts auszusetzen. Ich bin total begeistert und habe es in einem Zug zu Ende gelesen. Baba Dunja lebte mit ihrer Familie in der Nähe von Tschernobyl in dem kleinen Dorf Tschernowo, das sie nach dem Reaktorunglück verlassen mußte. Jetzt ist sie alt und sehnt sich zurück nach ihrem Dorf und ihrem Haus. Zum Entsetzen ihrer Tochter Irina, die ihr dieses Vorhaben ausreden möchte, geht sie in ihr Dorf zurück. Sie ist die Erste von den alten Bewohnern, die noch am Leben sind. Aber nach und nach kommen noch einige mehr und richten sich dort wieder ein. Baba Dunja ist glücklich dort, es ist ihre Heimat. Fremde kommen nicht nach Tschernowo und wenn irgendetwas gebraucht wird, muß Baba Dunja den weiten Weg nach Malyschi zurücklegen. Dorthin schickt ihr ihre Tochter auch ihre Briefe und Pakete. Ganz selten nur kommt Irina allein nach Malyschi, und zu ihrem ganz großen Bedauern kennt Baba Dunja ihre Enkelin Laura nicht. Baba Dunja ist der gute Geist in der kleinen Dorfgemeinschaft, bis eines Tages ein schreckliches Ereignis den Frieden stört. Alina Bronski läßt in einer wunderbaren und bildhaften Sprache ihre Baba Dunja in der Ich-Form von ihrem Leben erzählen. Trotz ihres hohen Alters meistert sie ihr Leben und ist den anderen Dorfbewohnern eine Stütze. Immer schwerer fällt ihr der lange Weg nach Malyschi. Beim Lesen glaubt man fast selbst, den Schmerz in den Beinen zu spüren. Alina Bronski hat eine ganz großartige Figur erschaffen. Wenn ich nur wüßte, was in dem Brief ihrer Enkelin steht. Ich würde ihn gerne übersetzen.

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