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Between Worlds

Die Mandoline ein klassisches Instrument? Steht sie nicht für Mondschein am Canal Grande und Bars in Kentucky? Avi Avital gibt uns eine neue Perspektive. In seinen Händen tanzt sein Instrument von Dvorák und Bartók zu barocken Fantasien, jiddischen Melodien und rumänischen Tänzen, als wäre dies das Normalste der Welt. Sein Zugang ist gleichermassen Forschungsreise in und Liebeserklärung an die Mandoline. »Als Bartók von Dorf zu Dorf zog, um von alten Leuten Volkstänze zu sammeln, war das eine Revolution. Heute verfügen wir über ein ganz anderes musikalisches Weltwissen. Es schien mir an der Zeit, jenes Gefühl wiederzubeleben, das klassische Komponisten Anfang des 20. Jahrhunderts hatten, als sie rausfanden, dass es ja noch so viel mehr Formen von traditioneller Musik gibt als die Klassik selbst.« Das Element, das dabei all die Stücke seines Albums verbindet, ist Avitals offenes Bekenntnis zur Romantik: »Diese Aufnahme... ist sentimentale, romantische Musik, in der die Mandoline alle Techniken und Möglichkeiten nutzt, ihre Stimme voll zum Singen zu bringen.« Avital umgibt sich auf Between Worlds nicht nur mit einem handverlesenen Kammerensemble, sondern auch mit namhaften Vertretern anderer Genres wie dem französischen Jazz-Akkordeonisten Richard Galliano und dem israelischen Klarinettisten Giora Feidman.

Rezension
Mit seinem zweiten Soloalbum für die Deutsche Grammophon erweist sich der israelische Lautenspieler Avi Avital als Grenzgänger zwischen Ost und West, der alle Möglichkeiten seines Instruments zwischen klassischen und folkloristischen Stücken auslotet. Zusammen mit Musikern wie dem israelischen Klarinettisten Giora Feidman und dem französischen Jazz-Akkordeonisten Richard Galliano erkundet er die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten der Mandoline mit ihren vier Saitenpaaren und verwendet in drei Stücken auch die tiefere Mandola. Sein Instrument werde heute fast nur noch mit Volksmusik in Verbindung gebracht, sagt Avital, und das möchte er ändern. Denn die Mandoline war vor allem in der Barockmusik ein beliebtes Instrument, für das Komponisten wie Antonio Vivaldi oder Johann Sebastian Bach Konzerte geschrieben haben. So spürte Avital mit seinem Debüt bei der Deutschen Grammophon, "Bach" (2012), noch der klaren Barocksprache des Thomaskantors nach, während er sich nun der romantischen, sentimentalen Musik sowie Folksongs und Tänzen widmet. Komponisten wie Belá Bartok und Anton Dvorak sind dabei ebenso vertreten wie Heitor Villa-Lobos, Manuel da Falla oder Astor Piazolla. Als Meister seines Fachs erweist sich Avi Avital im Stück "Csárdás" von Vittorio Monti, in dem er mit atemberaubender Geschwindigkeit die Tremolos hinschmettert und dem Gassenhauer mit seiner liebevollen Interpretationen tatsächlich noch neue Facetten abgewinnt. Einfach, wunderschön und voller Rhythmus sind die "Rumänischen Folktänze Sz. 56" von Bartok. Bulgarische, jiddische und walisische Traditionals wechseln sich ab mit "Miniaturen über georgische Folkthemen" von Sulkhan Tsintsadze, der "Aria" aus der "Bachianas Nr. 5" von Villa-Lobos, den sieben "Canciones Populares Espanõlas" von da Falla und "Nigun" aus dem "Baal Shem" von Ernest Bloch. Mit dem Finale des Streichquartetts "Das Amerikanische" No. 12 op. 96 von Anton Dvorak geht Avi Avital schliesslich noch bis zur Kammermusik zurück, die er allerdings um Akkordeon und Bass erweitert. Den Abschluss bildet das repetitive, walisische Traditional "Hen Ferchatan", das Avital im Duett mit der Harfenistin Catrin Finch spielt. Mit "Between Worlds" setzt Avi Avital zwar ein Kontrastprogramm zu seinem ersten Album, er wird aber nie beliebig, sondern zeigt vielmehr, wie ihn flokloristische und klassische Musik gleichermassen inspirieren. Birgit Schlinger (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)
Portrait
Giora Feidman, 1936 in Argentinien geboren, lernte von Kind an die Klarinette und wuchs, wie schon sein Vater, in einer spezifisch jüdischen Musiktradition auf. Die volksmusikalischen Überlieferungen und seine frühen Erfahrungen mit Publikum, wenn er auf den traditionell mehrtägigen Hochzeiten spielte, sind seine Wurzeln. Sein Vater lehrte ihn aber auch die klassische Musik. Mit 21 Jahren bereits wurde Giora Feidman in das Israel Philharmonic Orchester berufen. Er blieb jedoch der Volksmusik verbunden, sammelte traditionelle Melodien und liturgische Gesänge. Nach 18 Jahren in der Philharmonie machte er sich dann auf die Reise - als Klezmer. Er zieht nach New York und feiert Triumphe als Solist. "King of Klezmer" und: "Der israelische Wunderklarinettist" - so feiern ihn die Medien. In Deutschland ist er die Entdeckung bei der Aufführung des Theaterstücks "Ghetto" 1984/85. Immer wieder wirkt er in Theaterstücken, Musicals, Opern und Filmen mit. Zusammen mit Itzak Perlman spielt er die Musik zu Steven Spielbergs Holocaust-Film "Schindlers Liste" ein, die 1994 mit dem "Oscar" ausgezeichnet wird. Er tritt in "Comedian Harmonists" auf und in "Jenseits der Stille". 1995 macht er mit der Neuvertonung des Stummfilm-Klassikers "Golem" Furore und 2005 mit seinem Stück "Nothing But Music", einer Inszenierung in zehn poetischen Bildern. Mit all diesen Projekten ist der Musiker Giora Feidman zum Botschafter geworden, der Brücken zwischen Völkern und Kulturen baut. Bei der Feierstunde zum Gedenken an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus bringt er im Januar 2000 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zusammen mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker Ora Bat Chaims Komposition "Love" zur Uraufführung. Und im August 2005 lädt ihn Papst Benedikt XVI ein, zur Vigil auf dem Weltjugendtag in Köln aufzuspielen - vor mehr als 800.000 Zuhörern. Heute ist der Virtuose Feidman eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte. 2001 verleiht man ihm in Berlin in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden das Grosse Bundesverdienstkreuz am Bande.
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Beschreibung

Produktdetails


Medium CD
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Erscheinungsdatum 17.01.2014
EAN 0028947910695
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