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Blumenberg

Roman

(1)
Gross, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle – für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht? Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt. »Blumenberg« ist nur nebenbei eine Hommage an einen grossen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreissendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet.
Rezension
»Sibylle Lewitscharoffs Roman ist eine Hommage an diesen fast verwirrend vielseitigen, genialen Denker, den sie bewundernd ent- und verrätselt. Aber die Schriftstellerin nähert sich seinem Denkgebäude ... mit einer so augenzwinkernden Heiterkeit, so einer zauberischen sprachlichen Leichtigkeit, dass man als Leser nicht weiss, was man mehr bewundern soll: ihre Bildung, ihre Intelligenz oder ihre wortschöpferische Kraft.«
Jutta Duhm-Heitzmann, WDR 5 06.09.2011
Portrait
Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Buchhalterin in einer Werbeagentur. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele und Essays. Für Pong erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es folgten die Romane Der Höfliche Harald (1999), Montgomery (2003) und Consummatus (2006). Der Roman Apostoloff wurde 2009 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.
Blumenberg (2011) stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien der Band Vom Guten, Wahren und Schönen, der die 2011 in Frankfurt und in Zürich gehaltenen Poetikvorlesungen versammelt. 2009 gestaltete Sibylle Lewitscharoff eine Ausstellung im Deutschen Literaturarchiv Marbach zum Thema »Der Dichter als Kind«; in ihren Papiertheater-Arbeiten befasst sie sich mit Clemens Brentano, Johann Wolfgang Goethe, Gottfried Keller, Karl Philipp Moritz und Friedrich Schiller.
Sibylle Lewitscharoff ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Berliner Akademie der Künste.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz kein Kopierschutz (enthält ein Wasserzeichen) i
Seitenzahl 220, (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 17.09.2011
Sprache Deutsch
EAN 9783518763100
Verlag Suhrkamp
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wunderschöne Sprache
von einer Kundin/einem Kunden am 28.08.2013

Wie jede Nacht, arbeitet der Philosoph Blumenberg in seinem Arbeitszimmer. Als er aufblickt, bemerkt er einen Löwen, der sich auf dem Teppich vor seinem Schreibtisch ausgestreckt hat und ihn gelassen anschaut...."Der Löwe ist zu mir gekommen, weil ich der letzte Philosoph bin, der ihn... Wie jede Nacht, arbeitet der Philosoph Blumenberg in seinem Arbeitszimmer. Als er aufblickt, bemerkt er einen Löwen, der sich auf dem Teppich vor seinem Schreibtisch ausgestreckt hat und ihn gelassen anschaut...."Der Löwe ist zu mir gekommen, weil ich der letzte Philosoph bin, der ihn zu würdigen versteht, dachte Blumenberg"..... Der Löwe, übrigens ein alter Löwe, uralt um genau zu sein, wird Blumenberg fortan begleiten. Auch auf Gerhard Optatus Baur, seinen Freund Richard und seine Freundin Isa Kurz,alle 3 sind Studenten und glühende Verehrer Blumenbergs, hat das Auftauchen des Löwen ungeahnte Auswirkungen....

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Löwen mag man eben
von einer Kundin/einem Kunden am 27.11.2013
Bewertetes Format: Einband: Taschenbuch

So ein Löwe im Arbeitszimmer wirkt natürlich noch viel größer als in der freien Natur. Groß und Gelb halt, gott sei Dank auch gelassen, denkt sich zumindest Blumenberg, der höchst angesehene Philosoph Blumenberg. Der Leu lässt nicht locker, bei der Vorlesung am nächsten Tag, trottet dieser doch glatt die... So ein Löwe im Arbeitszimmer wirkt natürlich noch viel größer als in der freien Natur. Groß und Gelb halt, gott sei Dank auch gelassen, denkt sich zumindest Blumenberg, der höchst angesehene Philosoph Blumenberg. Der Leu lässt nicht locker, bei der Vorlesung am nächsten Tag, trottet dieser doch glatt die Stufen des Mittelgangs herunter. Erstaunlicherweise sieht ihn niemand. Lewitscharoffs Sprache besticht, Büchner-Preisträger wird man ja nicht umsonst...

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Von Löwen und Lämmern
von einer Kundin/einem Kunden am 14.12.2011
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Plötzlich ist er da. Mitten im Arbeitszimmer des Philosophen Blumenberg: Ein Löwe – „Habhaft, fellhaft, gelb“. So beginnt der nach seinem Protagonisten betitelte Roman Sibylle Lewitscharoffs. Der Löwe wird zum ständigen Begleiter Blumenbergs, erscheint ihm bei der allabendlichen Arbeit im heimischen Arbeitszimmer ebenso wie während seiner Vorlesungen an der... Plötzlich ist er da. Mitten im Arbeitszimmer des Philosophen Blumenberg: Ein Löwe – „Habhaft, fellhaft, gelb“. So beginnt der nach seinem Protagonisten betitelte Roman Sibylle Lewitscharoffs. Der Löwe wird zum ständigen Begleiter Blumenbergs, erscheint ihm bei der allabendlichen Arbeit im heimischen Arbeitszimmer ebenso wie während seiner Vorlesungen an der Universität. Es versteht sich von selbst, dass der Löwe von den Mitmenschen Blumenbergs unbeachtet, weil ungesehen, bleibt; nur ihm steht er als Quelle der Kraft und Zuversicht zur Seite. Diese außergewöhnliche (oder absonderliche?) Beziehung kontrastiert Lewitscharoff mit den Schilderungen der Schicksale mehrerer Studenten Blumenbergs, denen – so unterschiedlich ihre Geschichten und Erlebnisse auch sind – eines gemein ist: Ihnen allen fehlt ein Blumenberg’scher Löwe, eine stützende, schützende Kraft, die es braucht, um den Problemen und Ängsten zu begegnen, die dem Leben so eigentümlich sind. So fügt sich der Text, so episodisch, ja gar fragmentarisch er zum Teil anmutet, am Ende doch zu einem großen Ganzen zusammen. „Blumenberg“ ist ein ungemein facettenreiches Buch, phantastisch wie philosophisch, metaphorisch-verwinkelt und dabei eines ganz bestimmt nicht: langweilig. Sibylle Lewitscharoff gehört zweifelsohne zu den ganz großen Erzählerinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Brilliant komponiert und ebenso virtuos wie stilsicher erzählt (man erfreue sich bitte an den unzähligen Wortneuschöpfungen Lewitscharoffs!), setzt sich „Blumenberg“ wohltuend vom faden Einerlei der jährlichen Neuerscheinungen ab. Ein mutiges, ein lesenswertes Buch. Und am Ende bleibt vor allem der Wunsch, dass einem selbst doch bitte auch einmal ein Löwe erscheine…

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