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Der arme Spielmann

Erzählung

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Die aus dem Jahre 1848 stammende Musiknovelle Der arme Spielmann führt den Leser in das Wien des 19. Jahrhunderts. Der österreichische Dichter Franz Grillparzer (1791-1872) schildert seine Begegnung mit einem alten Hagestolz, der den Besuchern eines Jahrmarktes mit der Geige aufspielt. In das innige Spiel des Musikanten ist eine bittersüße Liebesgeschichte eingeflochten, deren Verlauf wir alsbald aus dem Munde des Geigers erfahren. Die in einigen Zügen autobiographische Erzählung, die "zum festen Bestandteil klassischer Erzählkunst gehört", wurde von Adalbert Stifter und Franz Kafka als Meisterwerk gewürdigt.
Portrait
Franz Grillparzer (15. 1. 1791 Wien – 21. 1. 1872 ebd.) wirkte vor allem als Dramatiker, der grosse Erfolge am Wiener Burgtheater feierte. Seine Stücke unterschiedlichster Gattungen greifen u. a. die Tradition des Wiener Theaters und der Weimarer Klassik auf und erweitern die Ausdruckformen durch psychologische Momente und die Reflexion zeitgeschichtlicher Themen.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 75
Erscheinungsdatum 01.01.1986
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-004430-8
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 147/93/7 mm
Gewicht 46
Verkaufsrang 6.215
Buch (Taschenbuch)
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Schicksalsschläge
von Mario Pf. aus Oberösterreich am 11.09.2005

Eine Mischung aus Autobiografie und Roman verleiht diesem Werk Franz Grillparzers seinen unvergesslichen Charme. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, dem das Schicksal einfach nicht freundlich gesinnt war. Es erzählt von einem tragischen Lebenswandel eines jungen Mannes und endet tragisch-dramatisch mit einem unausweichlichen Ende. Der arme Spielmann ist eine... Eine Mischung aus Autobiografie und Roman verleiht diesem Werk Franz Grillparzers seinen unvergesslichen Charme. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, dem das Schicksal einfach nicht freundlich gesinnt war. Es erzählt von einem tragischen Lebenswandel eines jungen Mannes und endet tragisch-dramatisch mit einem unausweichlichen Ende. Der arme Spielmann ist eine Geschichte, eine die man gerne erzählt. Sie rührt und erheitert. Und genau dieses emotionale ist es was sie so besonders macht, denn sie ist mit Herz und aus Erfahrung geschrieben. Sie beginnt mit einem Wiener Volksfest und der Ich-Erzähler ist mitten unter den Feiernden als er unter den zahlreichen Straßenmusikanten einen entdeckt der seine ganze Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Er spielt nach Noten und das mit ganzer Leidenschaft. Als er ohne Lohn aufbricht und einige letzte Worte in Latein fluchend von sich gibt ist das Interesse des Erzählers endgültig geweckt. Er beschließt dem Musikanten zu folgen und herauszufinden was ein derart kultivierter Mann nur als armer Spielmann treibt. Über eine geschäftliche Vereinbarung kommen die beiden überein und so beginnt der Spielmann von sich zu erzählen. Geboren als Sohn eines Hofrats durchlebte er eine unbeschwerte Kindheit und scheiterte am Gymnasium. Bei einer Prüfung, wo auch sein Vater anwesend ist, wird dem Jungen noch eine Chance gegeben, nur scheitert er an einem ihm fehlenden Wort. Der Vater nimmt ihn aus der Schule und bringt ihn stattdessen in einer Schreibstube unter. Eine harte Zeit für ihn und als die beiden Brüder aus dem Haus ausziehen ist er so ziemlich allein. Sein von ihm enttäuschter Vater hält ihn gewissermaßen gefangen. Eines Tages jedoch hört er seine Nachbarin, Barbara, ein Lied summen und er unternimmt zunächst alles mögliche es sich zu merken. Er greift nach Jahren wieder zu seiner Geige und spielt. Doch ohne die passenden Noten fehlt ihm etwas an das er sich orientieren kann. Unter Selbstüberwindung bittet er sie um Hilfe in seinem Bestreben und sie willigt ein ihm zu helfen. Dank eines guten Kunden des Geschäftes ihres Vaters, einem Chorleiter, kommt Jakob an die Noten. Doch auch seine Beziehung zu Barbara beginnt sich zu entwickeln. Als jedoch sein Vater stirbt ist das nur der erste Schicksalsschlag. Er wird von einem scheinbar vertrauenswürdigen Bekannten um sein Geld gebracht und muss erfahren, dass seine geliebte Barbara drauf und dran ist einen anderen Mann zu heiraten. Er kann es nicht ändern und beschließt von nun an als Straßenmusikant seinen Lebensunterhalt zu bestreiten… Eine großartige Geschichte, emotional, tiefgehend, autobiografisch, glaubhaft und einfach schön zu lesen, wenn auch zunächst sprachlich etwas gewöhnungsbedürftig und insgesamt kurz.

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Grenzen und deren Überschreitung
von Herbert Huber aus Wasserburg am Inn am 16.09.2005
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In der Rahmenerzählung von Der arme Spielmann zieht der Ich-Erzähler in Wien in die Brigittenau. Dort findet das jährliche zweitägige Kirchweihfest statt, Brigittenkirchtag, ein sommerlichen Volksfest, an dem alle Schichten teilnehmen. Der Ich-Erzähler wird von mit einem alten Geigenspieler fasziniert, der ihn mit einem Spruch von Horaz überrascht: "sunt... In der Rahmenerzählung von Der arme Spielmann zieht der Ich-Erzähler in Wien in die Brigittenau. Dort findet das jährliche zweitägige Kirchweihfest statt, Brigittenkirchtag, ein sommerlichen Volksfest, an dem alle Schichten teilnehmen. Der Ich-Erzähler wird von mit einem alten Geigenspieler fasziniert, der ihn mit einem Spruch von Horaz überrascht: "sunt certi denique fines!" (Kurz, es gibt feste Grenzen). Er sucht dessen nähere Bekanntschaft, da er als Schriftsteller immer an aussergewöhnlichen Charakteren interessiert ist und erfährt, in der langen Binnenerzählung die Lebens- und Liebesgeschichte des Musikanten Jakob. Jakob stammt aus einem berühmten und reichen Elternhaus. Sein Leben nimmt einen überraschenden Verlauf. Er fällt beim Vater in Ungnade und wird er in eine Kanzlei als Abschreiber gesteckt. Der kauzigsten Abschreiber der Weltliteratur, Bartleby, the Scrivener wurde fünf Jahre nach Grillparzer von Herman Melville verewigt. Im Mittelpunkt steht Jakobs Beziehungs- und Liebesgeschichte zu Barbara, in der Grillparzer stilistisch schon nahe an Kafka kommt. Als der Erzähler später wieder auf Jakob trifft, erfährt er, dass dieser bei einer Überschwemmung über sich hinaus gewachsen ist. Neben zahlreichen Biedermeierthemen verhandelt Franz Grillparzer besonders Grenzen und deren Überschreitung. Dadurch bleibt diese Erzählung auch heute sehr aktuell. Eigentlich wären 4,5 Sterne angebracht.

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