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Der wilde Kontinent

Europa in den Jahren der Anarchie 1943 - 1950

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Zusammenbruch, Rechtlosigkeit, Anarchie: Mit der deutschen Kapitulation war das Töten noch nicht beendet. Zum ersten Mal macht Keith Lowe das ganz Europa umfassende Ausmass der materiellen und moralischen Verwüstungen deutlich: die ergreifende Darstellung einer Welt, die aus den Fugen geraten war. Eindrucksvoll beschreibt Keith Lowe in seinem international viel beachteten Buch den Abstieg eines ganzen Kontinents in die Anarchie. Dabei zeigt er die Gewalteruption des Zweiten Weltkrieges als ein komplexes Geschehen über die sogenannte Stunde Null hinaus. Im Zentrum seiner ausgewogenen Neudarstellung der Nachkriegszeit stehen die vielen auf dem Kontinent aufflammenden regionalen Konflikte, die auch noch nach den klassischen Kriegshandlungen stattfanden: Bürgerkriege wüteten, ethnische Spannungen und Säuberungen dauerten an, Juden und Minderheiten wurden weiterhin verfolgt. Der Krieg hatte – trotz Hitlers Niederlage – eine Gewaltdynamik entfacht, die sich nicht mit der Kapitulation stoppen liess. Zugleich lässt der Autor die Menschen und die einzelnen Schicksale in den betroffenen Ländern sichtbar werden. Eine unerlässliche Lektüre für ein tieferes Verständnis der Schreckensgeschichte Europas.
Rezension
»Ein lesenswertes, zum Teil anrührendes Buch.« Jost Düffler, Sehepunkte.de, September 2015 »Das Verdienst von Keith Lowe besteht darin, dass er das Prozesshafte dieser Zeit und ihrer Greuel deutlich macht und dabei die verschiedenen Faktoren, die in privaten Erzählungen unverbunden nebeneinander stehen, in Zusammenhang setzt und manche politische Entscheidung zu Beginn des Kalten Krieges verständlich macht. Ein durch und durch empfehlenswertes Buch.« Heike Baller, Kölner Leselust, 25.8.2015 »Ein historisches Buch, das die Anarchie der letzten Kriegsjahre und der ersten Nachkriegsjahre 1944-1948 festhält und zeigt, dass der Kontinent damals so aussah wie der Nahe Osten oder die Donezk-Ukraine heute.« Hellmuth Karasek, WDR 5, 25.4.2015 »Lowes Buch zeigt, aus welchen Tiefen sich der Kontinent herausgearbeitet hat.« Jörn Funke, Westfälischer Anzeiger, 10.3.2015 »Keith Lowe räumt mit der Vorstellung auf, dass mit dem Sieg über Hitler-Deutschland der Kontinent sein neues, ziviles Leben begann. ... Lowes Darstellung drängt neue Ansichten auf: Die unmittelbare Nachkriegszeit war politisch komplexer, als unsere immer noch vom Kalten Krieg geprägte Sicht auf Europa suggeriert.« Tobias Rapp & Elke Schmitter, Spiegel, Dezember 2014 »Lowe beschreibt eindrucksvoll, wie brutal der Krieg nach dem Kriegsende noch weiterging.« Moritz Schuller, Der Tagesspiegel, 6.12.2014 »Man kann aus seinem aufwühlenden Buch lernen, was uns für Verhalten wie Urteil zur Gegenwart vorsichtiger machen sollte: Opfer können zu Tätern werden. Und jene, die keine Täter waren, werden zu Opfern von zu Tätern gewordenen Opfern.« Erhard Schütz, Der Freitag, 16.12.2014 »Sein Buch ist eine Wiederaneignung einer noch immer verdrängten Geschichte der Abwesenheit von Recht und Zivilisation. ... Keith Lowe gelingt in seiner grossen Studie das Kunststück, die Zeit der europäischen Anarchie ohne Ressentiments als Panorama des Schreckens abzubilden und zu einem Lehrstück über die Entstehung von Gewalt und den Mechanismen, die sie am Leben halten, zu machen.« Harry Nutt, Berliner Zeitung, 17.12.2014 »Der Autor macht deutlich, dass nationalistischer Hass und rassistische Gewalt durch einseitige Schuldzuweisungen und durch ein Herausreissen von historischen Fakten und Prozessen aus ihrem Gesamtkontext entstehen und verstärkt werden. Lowes Buch macht uns bewusst, dass es wenig produktiv ist, "Vergangenes vergangen sein zu lassen". Denn es sind unsere Erinnerungen an die Vergangenheit, die uns zu dem machen, was wir sind und was wir werden können.« Helmut Kramer, Die Presse, 7.2.2015 »... ein beeindruckend informatives Buch, das vor Augen führt, wie dünn die Decke der Zivilisation auch in Europa sein kann.« Martin Hubert, Deutschlandradio "Andruck", 8.12.2014 »Keith Lowe entwirft das Drama einer europäischen Gewaltgeschichte der Jahre 1943 bis 1950, in denen ethnische Konflikte, ideologische Neupositionierungen, regionale Partisanenkämpfe, lokale Racheakte und Bürgerkriege einander bedingten oder auch nur zufällig nebeneinander existierten. ... die Wiedervereinigung einer noch immer verdrängten Geschichte der Abwesenheit von Recht und Zivilisation und nicht selten auch Empathie. Lowe fragt nach, was geschah, aber er interessiert sich auch dafür, wie es so weit kommen konnte.« Harry Nutt, Frankfurter Rundschau, 8.12.2014 »Mit einer ebenso beeindruckenden wie ausgewogenen Studie räumt der junge britische Historiker Keith Lowe mit der Mär von der Stunde Null nach dem Zweiten Weltkrieg auf.« Frank Saigge. Goslarsche Zeitung, 17.12.2014 »Keith Lowes Buch schliesst die Lücke hinsichtlich eines historisch grausamen Zeitabschnitts, den man bislang gern ausgeblendet hat.« Börsenblatt Spezial, 13.11.2014
Portrait
Keith Lowe, geboren 1970, ist einer der herausragenden britischen Historiker der jüngeren Generation. Für »Der wilde Kontinent« erhielt er 2013 den angesehenen Sachbuchpreis des englischen PEN: den »Hessell-Tiltman Prize for History«. Das Buch war einer der Sunday Times Top Ten Bestseller. Zahlreiche Fernseh- und Radiobeiträge in England und den USA.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz kopiergeschützt i
Seitenzahl 488, (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 22.11.2014
Sprache Deutsch
EAN 9783608107586
Verlag Klett Cotta
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Eine aus den Fugen geratene Welt
von einer Kundin/einem Kunden am 03.01.2015

Der Zweite Weltkrieg endete nicht mit der Kapitulation Deutschlands, sondern fand seine Fortsetzung in gewaltsamen Regimewechseln, Vertreibungen und Racheakten, nicht nur politischer Art. Es begann der Kampf um die Herrschaft in den befreiten Ländern, dabei kam es zu Bürgerkriegen und wieder gingen Partisanen in die Wälder - diesmal gegen ein... Der Zweite Weltkrieg endete nicht mit der Kapitulation Deutschlands, sondern fand seine Fortsetzung in gewaltsamen Regimewechseln, Vertreibungen und Racheakten, nicht nur politischer Art. Es begann der Kampf um die Herrschaft in den befreiten Ländern, dabei kam es zu Bürgerkriegen und wieder gingen Partisanen in die Wälder - diesmal gegen ein anderes Regime. Manche dieser Auseinandersetzungen dauerten bis in die 50er-Jahre an, sogar noch später wurden noch Widerstandskämpfer gefasst oder getötet. Keith Lowe beschreibt in seinem Buch einen Kontinent ohne politische Ordnung, ohne funktionierende Polizei oder Justiz, es fanden ethnische Säuberungen statt, alte Rechnungen wurden beglichen - es war eine Zeit der Gewalt und der Gesetzlosigkeit. In dieser Zeit wurde das politische Erscheinungsbild Europas für die nächsten Jahrzehnte geprägt.

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Erschreckend und faszinierend
von einer Kundin/einem Kunden am 13.02.2015
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Die Jahre nach Kriegsende bis etwa 1950 werden gemeinhin als „Stunde Null“ bezeichnet. In seinem Buch „Der wilde Kontinent“ widerlegt Keith Lowe eindrucksvoll diese Aussage. Es war keinesfalls so, dass mit der Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg einfach vorbei war. Vielmehr provozierte der Krieg zahlreiche weitere regionale Konflikte... Die Jahre nach Kriegsende bis etwa 1950 werden gemeinhin als „Stunde Null“ bezeichnet. In seinem Buch „Der wilde Kontinent“ widerlegt Keith Lowe eindrucksvoll diese Aussage. Es war keinesfalls so, dass mit der Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg einfach vorbei war. Vielmehr provozierte der Krieg zahlreiche weitere regionale Konflikte und Kriege, sodass das Morden, Vertreiben und Rächen noch über Jahre hinweg weiterging. Eine derartige Gewalt wurde durch den Zweiten Weltkrieg entfesselt, der mangels politischer, polizeilicher und gesellschaftlicher Ordnungen kein Einhalt mehr geboten werden konnte. Erschreckend ob der Grausamkeiten, entsetzend ob der noch immer bestehenden Progrome, berichtet der Autor über alle europäischen Brennpunkte dieser heute weitgehend verdrängten Zeit.

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