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Der Zustand meiner Welt

Aus den Tagebüchern 1974-1994

(1)
"Denn was zählt, ist unsichtbar und führt zu einem Ziel, was keiner von uns kennt." 31. 3. 1975 Nirgendwo in seinem Werk äusserte sich Erwin Strittmatter so offen und so intim wie in diesen späten Tagebüchern. Mit Anfang fünfzig, in der "besten Zeit seines Lebens", liegen die Zumutungen des Alterns noch vor ihm. Krisen, emotionales Chaos und Zerwürfnisse ziehen sich ebenso durch die Jahre wie bohrende Selbstbefragung und Zensurkonflikte. Nüchtern verfolgt der kritische Beobachter die Auflösung der DDR. Er ist ein Dichter, der das Ideal der Gelassenheit anstrebt, ein Meister der poetischen Reflexion, der Tage vor seinem Tod notiert: "Wer kommt hinter die Schliche des Lebens?"
An keiner anderen Stelle seines Werkes äussert sich Erwin Strittmatter so offen und so intim wie in diesen späten Tagebüchern. Er spricht von kräftezehrenden Ehekrisen, dem emotionalen Chaos, in das ihn die Entfremdung zu seiner Frau Eva stürzt, seiner Eifersucht auf die Beziehung der Söhne zu ihrer Mutter, von Schwierigkeiten des Alterns und seinem Bemühen, im Taoismus geistigen Halt zu finden. Trotz seines Rückzugs aus dem öffentlichen Leben bleibt er der kritische Beobachter und Zeitgenosse. Eine zentrale Frage, die ihn nicht loslässt, gilt seiner früheren Parteigläubigkeit. Schon längst glaubt er nicht mehr an Utopien, und das Fazit seines DDR-Lebens ist nüchtern: "Ich ernte, was ich anbaute." Emotionslos und gelassen registriert er die Auflösung der sozialistischen Welt. Die Umbruchprozesse von 1989/90 wertet er unsentimental als Konsequenz der verfehlten DDR-Politik. Seine Notizen dokumentieren eindrucksvoll die Hektik und die sich überstürzenden Ereignisse jener Jahre. Und wie ein bewusstes Innehalten stehen in diesem Kontext Strittmatters Naturbeobachtungen. Hier gelingen ihm die erstrebte Gelassenheit und die Hingabe an den Augenblick, verbunden mit jener poetischen Leichtigkeit, die sein Spätwerk auszeichnet.
"Das Selbstporträt eines einzigartigen Künstlers, gleichsam ein Entwicklungsroman." Neues Deutschland
Portrait
Erwin StrittmatterErwin Strittmatter wurde 1912 als Sohn eines Bäckers und Kleinbauern in Spremberg geboren. Er beendete das Realgymnasium mit 17 Jahren, arbeitete als Bäckergeselle, Kellner, Chauffeur, Tierwärter und Hilfsarbeiter. 1941 wurde er zum Polizei-Reserve-Bataillon 325 einberufen, das später zum Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 umgebildet und 1943 in SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 umbenannt wurde, ohne Teil der SS zu sein. Bis Sommer 1944 war er Bataillons-Schreiber, danach wurde er zur Film- und Bildstelle der Ordnungspolizei nach Berlin-Spandau versetzt. Bei Verlegung der Dienststelle setzte er sich mit gefälschten Papieren nach Böhmen ab. Ab 1945 arbeitete er erneute als Bäcker, war daneben Volkskorrespondent einer Zeitung und seit 1947 Amtsvorsteher in sieben Gemeinden, später Zeitungsredakteur in Senftenberg. Seit 1954 lebte er als freier Schriftsteller in Schulzenhof bei Gransee. Er starb am 31. Januar 1994.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Herausgeber Almut Giesecke
Kopierschutz kein Kopierschutz (enthält ein Wasserzeichen) i
Seitenzahl 623, (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 13.08.2014
Sprache Deutsch
EAN 9783841208460
Verlag Aufbau digital
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Der Zustand meiner Welt
von Dr. Lindeman Rolf aus Berlin am 23.09.2014

Die Zeit in der das Tagebuch handelt ist meine Lebenszeit. Mache politischen Probleme Habich anderes erlebt. Ich amüsiere mich köstlich über seine Schriftstellereitelkeiten.Er ist gegen Orden,läßt sie sich aber gerne anstecken. Die Gelder und Privilegien nutzt und genießt er in vollen Zügen. Der Alte Mann mit seinen Problemen... Die Zeit in der das Tagebuch handelt ist meine Lebenszeit. Mache politischen Probleme Habich anderes erlebt. Ich amüsiere mich köstlich über seine Schriftstellereitelkeiten.Er ist gegen Orden,läßt sie sich aber gerne anstecken. Die Gelder und Privilegien nutzt und genießt er in vollen Zügen. Der Alte Mann mit seinen Problemen wird herrlich angesprochen. Natur, Mystik und Esoterik scheinen auf. Die Rolle der Kirche bei der Zerstörung der DDR wird angesprochen. Das Verhältnis Mann zu Frau wird Kritisch hinterfragt. Insgesamt lesenswert.

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