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Die Schwere der Schuld

Ein Gefängnisdirektor erzählt

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Ein Mann verbüsst für seine brutalen Verbrechen eine lebenslange Haftstrafe. Während der Haft lässt er sich nichts zuschulden kommen, ist absolut unauffällig, bis er eine Therapie verweigert. Ein junger Russlanddeutscher gerät im Gefängnis in die Fänge der russischen Mafia. Ein anderer verweigert die vorzeitige Entlassung, weil er sich einem Leben ausserhalb der Gefängnismauern nicht gewachsen fühlt. JVA-Leiter und Rechtswissenschaftler Thomas Galli wirft anhand authentischer Fälle einen kritischen Blick auf Grenzen und Möglichkeiten des Strafvollzugsystems und zeigt die ungerechte gesellschaftliche Verteilung moralischer und rechtlicher Schuld. Sind Gefängnisstrafen überhaupt sinnvoll. Mindern sie nicht vielmehr die soziale Anschlussfähigkeit und Integrationschancen?
Portrait
Thomas Galli, geboren 1973, studierte Rechtswissenschaften, Kriminologie und Psychologie und arbeitet seit über fünfzehn Jahren im Strafvollzug. Seit 2013 ist er Leiter der JVA Zeithain. Daneben beschäftigt sich Galli auch wissenschaftlich mit kriminologischen Fragestellungen, ist Lehrbeauftragter u. a. für Strafrecht und Psychologie und Autor zahlreicher Artikel zum Strafvollzug. Galli ist Mitglied des Kriminalpräventiven Rats der Stadt Dresden und Vertreter Sachsens bei der Bundesvereinigung der Anstaltsleiter.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 192
Erscheinungsdatum 14.03.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-360-01307-1
Verlag Das Neue Berlin
Maße (L/B/H) 211/123/20 mm
Gewicht 239
Auflage 1. Auflage
Buch (Taschenbuch)
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DIE SCHWERE DER SCHULD - Fälle aus dem Alltag eines Gefängnisdirektors und Überlegungen zur Effektivität der Bestrafung
von j.h. aus Berlin am 28.04.2016

Ist die Bestrafung von Delikten durch langjährige Gefängnisaufenthalte für die Gesellschaft sinnvoll - oder nur eine Art von Rache? Wie effektiv ist die Durchführung von Resozialisierungsmaßnahmen, wenn der Betreffende auch in 10 Jahren noch in Haft sein wird? Der Gefängnisdirektor Thomas Galli (*1973) hat sich zu diesen und anderen... Ist die Bestrafung von Delikten durch langjährige Gefängnisaufenthalte für die Gesellschaft sinnvoll - oder nur eine Art von Rache? Wie effektiv ist die Durchführung von Resozialisierungsmaßnahmen, wenn der Betreffende auch in 10 Jahren noch in Haft sein wird? Der Gefängnisdirektor Thomas Galli (*1973) hat sich zu diesen und anderen Fragen Gedanken gemacht, die dem gegenwärtigen Strafvollzug in Deutschland kein gutes Zeugnis ausstellen. Galli war 13 Jahre in der Verwaltung der bayerischen Strafvollzugsanstalten Amberg und Straubing tätig und wurde dann Leiter der sächsischen JVA Zeithain. "In diesen fünfzehn Jahren bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass das Gefängnis eine überholte gesellschaftliche Institution ist. In ihr manifestiert sich eine ungerechte, unvernünftige und oft unmenschliche Verteilung der Schuld." (S. 8) Nachfolgend stellt Thomas Galli neun den Erfordernissen des Datenschutzes gemäß anonymisierte Fälle aus seinem Alltag vor, die wenig spektakulär sind und die vorangestellte These des Autors teils zu stützen scheinen. Er berichtet über einen nach über 20 Jahren wohl mittlerweile geläuterten Schwerverbrecher, Machtstrukturen der Russenmafia im Gefängnis, die von einem Häftling schwangere Sozialarbeiterin oder versuchten Drogenschmuggel durch Besucher. Galli schildert den tristen Alltag lakonisch und desillusioniert. Da wäre noch der des deutschen Rechtssystems etwas kundige Soziopath, der mit immer neuen Beschwerden die Bürokratie bis ins Justizministerium dauerhaft beschäftigt. An der Effektivität von Gesetzen, die solches möglich machen, ist wohl mit Recht zu zweifeln. Im Nachwort liefert Galli unter anderem diese These: "Die Straftaten, die manche begangen haben, sind furchtbar, und das Leid der Betroffenen oft unermesslich und nicht heilbar. Der Impuls, den Verursacher möglichst hart zu bestrafen, ist menschlich und nachvollziehbar. Es hilft aber in aller Regel den Opfern nichts, verhindert keine künftigen Straftaten und fügt in vielen Fällen den Tätern sinnlosen Schaden zu. Letztlich haben wir alle darunter zu leiden. Denn die Haft drängt die Gefangenen häufig noch weiter an den Rand der Gesellschaft, von dem die meisten von ihnen kommen, macht sie somit noch gefährlicher." (S. 177) Das im Verlag DAS NEUE BERLIN erschienene Buch gibt interessante Einblicke in den Alltag des bundesdeutschen Strafvollzugs, der in der Relation selbst zu anderen EU-Ländern schon ein sehr humaner ist und die "Bestrafung" gerade für Randgruppen-Täter mitunter sogar attraktiv erscheinen lässt. Der Psychologe Thomas Galli geht (auch in einem interessanten SPIEGEL-Gespräch (12/2016) nachzulesen) in seinem Verständnis für die Täter schon sehr weit - viele werden sicher sagen zu weit. Seine Thesen sind, auch wenn man sie sich nicht zu eigen macht, ein interessanter Beitrag zu einer wichtigen Diskussion.

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Die Schwere der Schuld
von einer Kundin/einem Kunden aus Bornheim am 07.04.2016

Rezension: Thomas Galli - Die Schwere der Schuld Auf fünfzehn Jahre Berufspraxis als Leiter einer Justizvollzugsanstalt kann der 42-jährige Jurist, Kriminologe und Psychologe Thomas Galli zurückblicken. Aktuell ist er Anstaltsleiter der sächsischen Justizvollzugsanstalt Zeithain. Im Verlag ?Das Neue Berlin? ist nunmehr das Buch von Thomas Galli mit dem Titel ?Die... Rezension: Thomas Galli - Die Schwere der Schuld Auf fünfzehn Jahre Berufspraxis als Leiter einer Justizvollzugsanstalt kann der 42-jährige Jurist, Kriminologe und Psychologe Thomas Galli zurückblicken. Aktuell ist er Anstaltsleiter der sächsischen Justizvollzugsanstalt Zeithain. Im Verlag ?Das Neue Berlin? ist nunmehr das Buch von Thomas Galli mit dem Titel ?Die Schwere der Schuld? erschienen. Der Untertitel ?ein Gefängnisdirektor erzählt? suggeriert auf den ersten Blick, dass hier ein erneutes Werk über den Alltag im Justizvollzug daher-kommt. Aber weit gefehlt! Thomas Galli geht mit der vollzuglichen Wirklichkeit und den etablierten Institutionen der Strafen hart ins Gericht. Nicht aus übertriebener Menschlichkeit, sondern hauptsächlich aus reinem Kosten-Nutzen-Aspekt vertritt er eine radikale Position, indem er postuliert: Der Strafvollzug in der gegenwärtigen Ausprägung gehöre abgeschafft. Begründung: Zu teuer, zu ineffizient, und die Insassen werden in der Institution Strafvollzug weder angemessen resozialisiert und schon gar nicht zu besseren Menschen (Einfluss von Subkultur etc.). In seinem Buch schildert Thomas Galli sehr ausführlich Biografien von Insassen, die ihm während seiner Tätigkeit als Leiter einer JVA begegnet sind. Dabei wird deutlich, dass er - anders als der herkömmliche Jurist im Strafvollzug, der wohl eher Gerichtsurteil, Strafregisterauszug usw. als Maßstab von Beurteilungen seiner Insassen ansetzt - eine andere Kommunikationskultur pflegt, intensiv zuhört und daher zu sehr detaillierten Einschätzungsmöglichkeiten seiner Klientel gelangt. Dies ist mit Sicher-heit auch dem positiven Umstand geschuldet, dass er als ausgebildeter Psychologe offensichtlich ein höheres Maß an Empathie bei seiner Arbeit einzubringen vermag. Zweifel an der Wirksamkeit von Therapie und Behandlungsmaßnahmen im Straf-vollzug meldet der Autor an, da deren Einfluss auf eine positive Legal-Bewährung empirisch nicht belegt sei. Sein Fazit ist daher ernüchternd und radikal: Freiheits-strafen und Freiheitsentzug sollte es nur noch für gefährliche Verurteilte (Hang- und Überzeugungstäter sowie Menschen mit ausgeprägter und nachgewiesener dissozialer Einstellung) geben, die eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Alternative Sanktionsangebote, die ökonomisch sinnvoller für die Gesell-schaft sind, weil der so Sanktionierte weiter arbeiten, Steuern zahlen und für den angerichteten Schaden aufkommen kann, bietet der Autor als Lösung genügend an. Die von Thomas Galli vorgetragenen Positionen reihen sich in einen Kanon kritischer Schriften zum tradierten Zustand des derzeitigen Sanktions- und Strafvollzugs-wesens (erinnert sei an die wichtige Publikation von Bernd Maelicke, "Das Knast-Dilemma" von 2015) ein. Es ist wichtig, dass Fachleute aus der Praxis wie Thomas Galli einen kritischen Blick auf ihre Arbeit werfen und dabei - bei aller Kritik - einen praktischen Optimismus ausstrahlen. Allen Praktikern im Strafvollzug kann ich diesen gelungenen Band sehr empfehlen.

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