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Fremde Federn

(2)
Bis Ende der 80er Jahre, also wÃEURhrend der ersten vier Jahre und ersten vier Langspielplatten von Element of Crime, war âEURžTake Me To The RiverâEURœ, der Al-Green-Klassiker auf der LP âEURžBasically SadâEURœ von 1986, das einzige nicht selbstgeschriebene Lied, das wir veröffentlichten. Das lag wohl daran, dass wir damals eine junge und zerstrittene Band waren und schwer damit beschÃEURftigt, unter Hauen und Stechen und stÃEURndigem Veröffentlichungsdruck zu einem eigenen Stil zu finden. Das war schwer genug, da hatte keiner Lust, sich auch noch wegen der Songs von anderen Leuten zu streiten, zumal die GeschmÃEURcker innerhalb der Band sehr verschieden waren. Und dann immer die Angst, als Epigone dazustehen und wegen einer Coverversion in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man nicht hineinwollte. Das Image einer neuen Band ist zerbrechlich, und nichts hasst man als junger KÃŒnstler so sehr, wie Vergleiche mit ÃEURlteren, bekannteren Leuten. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Publikum auf die gecoverten Songs mehr abfÃEURhrt als auf die eigenen, und dann ist die narzisstische KrÃEURnkung perfekt. Also dauerte es bis 1989 und bis Lothar GÃEURrtner kam, der legendÃEURre und leider schon verstorbene GrÃŒnder des Strangeways Labels, damit sich das ÃEURnderte. Zusammen mit Tom Redecker aka The Perc plante er eine Compilation namens âEURžThe Perc Presents The Furious SwampridersâEURœ und bat alle möglichen Leute um BeitrÃEURge dafÃŒr, so auch uns. Da wir gerade keine neuen eigenen Songs zu verschenken hatten, einigten wir uns auf ein Lied aus einer Ecke, in der uns damals keiner vermutete, am wenigsten wir selbst: Auf den Motorcycle Song von Arlo Guthrie. Meistens wurden wir damals ja mit Velvet Underground und/oder John Cale verglichen, was schon deshalb naheliegend (und etwas stumpf) war, weil John Cale unsere zweite Platte produziert hatte. Da schien Arlo Guthrie ein gutes Gegengift zu sein. Und es war eine gute Wahl. Nie hatten wir eine so entspannte Aufnahmesession erlebt, wie mit dem Motorcycle Song in dem kleinen Studio von Rolf Kirschbaum in Bremen-Walle, direkt unter dem Wohnzimmer von Lothar GÃEURrtner, in dem damals noch das Strangeways Label residierte. Aufnahmesessions von Element of Crime fanden vorher immer nur statt, wenn es darum ging, ein ganzes Album aufzunehmen, und entsprechend aufgeladen war immer die AtmosphÃEURre gewesen, es ging jedesmal um alles oder nichts, um die Zukunft der Band, unser Schicksal als Musiker, Songschreiber und was auch immer. Bei der Aufnahme des Motorcycle Songs war alles anders: Da war einfach nur ein Lied, das uns gefiel und das wir aufnehmen wollten. Das war alles. Und plötzlich geschahen die Dinge wie von alleine: Der Gesang wurde gedoppelt, Richard Pappik rief im Intro hinten was rein, die Yamaha-Heimorgel von Oma wurde an den Start gebracht, Percussion, gestopfte Trompeten, KlaviergehÃEURmmere, Slide-Gitarren, das alles wurde husch-husch-die Waldfee ohne groß zu ÃŒberlegen eingespielt, es wurde nicht gestritten, nicht mal diskutiert, nicht abgewogen, geplant, behutsam eingesetzt, sondern wir spielten mit den musikalischen Mitteln der Band wie kleine Kinder mit Bauklötzen, wild und frei, manchmal klappte es, manchmal kippte es um, und wie es dann war, so war es gut. Das war alles sehr befreiend. Und wir wollten mehr. Im gleichen Jahr wurden wir eingeladen, auf dem Festival de la Batie in Genf zu spielen, das unter dem Motto âEURžHommage à Kurt WeillâEURœ stand. Ein Ergebnis davon waren die Aufnahmen von Surabaya Johnny (auf âEURžCrime PaysâEURœ) und die Maxi-Single-B-Seiten Ruf aus der Gruft (instr.) und Das Lied von der UnzulÃEURnglichkeit menschlichen Strebens. Das waren dann auch die Cover-Arbeiten, die tatsÃEURchlich zu dem oben beschriebenen, stets befÃŒrchteten Schubladen-Effekt fÃŒhrten. Erst Kurt Weill covern, dann 1991 das erste deutschsprachige Album veröffentlichen, sowas ist natÃŒrlich fÃŒr den Schubladenfreund eine gemÃEURhte Wiese, und man klebte uns noch jahrelang das Kurt-Weill-Etikett ÃŒberall hin, wo gerade Platz war. Mit den Coverversionen machten wir ansonsten weiter, wann immer es sich ergab, jetzt war ja alles egal, und die KÃŒnstler, deren Songs wir seither coverten, bilden eine recht gemischte Gesellschaft: Franz Josef Degenhard, Alexandra, Serge Gainsbourg, Bee Gees, Udo Lindenberg, Noir Désier, Pet Shop Boys, Beatles, Bob Dylan, der Weihnachtsmann, Can, Lydia Lunch, Andreas Dorau, Wham, Gottfried & Lonzo, Beatles, Freddie Quinn... âEUR" meistens weiß ich nicht mehr, warum wir gerade diesen oder jenen Song und/oder KÃŒnstler ausgewÃEURhlt haben, aber ich vermute, dass wir unbewusst oft solche wÃEURhlten, die auf den ersten Blick stilistisch weit weg von uns unterwegs waren. Das ist die größere Herausforderung und im Erfolgsfall auch befriedigender. Die Aufnahmen entstanden zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten: bei Radiosessions (Auf der Espressomaschine), als Auftragsarbeiten fÃŒr Filme (Heimweh, My Bonnie Is Over The Ocean, ItâEUR(TM)s All Over Now, Baby Blue), fÃŒr Tribute Sampler (I Started A Joke fÃŒr die BeeGees, Vakuum fÃŒr Udo Lindenberg), fÃŒr Compilations (Motorcycle Song, She Brings The Rain), als Single-B-Seiten (You Only Tell Me You Love Me When YouâEUR(TM)re Drunk, Hamburg 75, Across The Universe), als Bonus-Tracks (Kind of Spooky, Le Vent Nous Portera), weil Weihnachten vor der TÃŒr stand (Leise rieselt der Schnee, Last Christmas) und was man sonst noch an GrÃŒnden finden kann, damit einem einer solche Sessions bezahlt. FÃŒr die Entwicklung unseres Stils haben diese Aufnahmen eine große Rolle gespielt, und wir möchten vielen Leuten danken, weil sie uns Ideen und Gelegenheiten dazu verschafften: Lothar GÃEURrtner, mit dem alles anfing, Charlotte Goltermann, die BeeGees, Alexandra und Pet Shop Boys mit Nachdruck ins Spiel brachte, Andreas Dorau, der bei Hamburg 75 zu einem legendÃEURren Duett bereit war, Leander Haußmann, der immer irgendwas von Bob Dylan wollte, Götz Kiso, der nicht lockerließ, bis wir bei dem 25-Jahre-Udo-Lindenberg-Sampler mitmachten. Und natÃŒrlich und vor allem den Autoren der Songs, denn die größte Verlockung fÃŒr diese Arbeiten lag in den Liedern selbst, und der einzig wahre Grund, warum wir uns fÃŒr die Veröffentlichung dieser Compilation entschlossen haben, ist, dass wir die Lieder toll und die Aufnahmen gelungen finden, denn nur darauf kommt es am Ende an. Wir haben auf diesen Sampler nur solche Coverversionen getan, die nicht im Rahmen eines Albums veröffentlicht wurden. Deshalb sind Take Me To The River (Basically Sad, 1986), Surabaya Johnny (Crime Pays, 1990), Tumbling Tumbleweed (Die schönen Rosen, 1996) und Storms Are On The Ocean (Immer da wo du bist bin ich nie, 2009) nicht dabei. Diese Alben sind alle noch zu haben, und in ihnen haben diese Aufnahmen ihren festen Platz und ihre besondere Bedeutung.
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Beschreibung

Produktdetails


Medium CD
Anzahl 1
Erscheinungsdatum 19.11.2010
Sprache Deutsch, Englisch
EAN 0602527527369
Genre Deutschrock/Progressiv
Hersteller Universal Music Vertrieb - A Division of Universal Music GmbH
Musik (CD)
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Kundenbewertungen


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Von Last Christman bis My Bonnie is over the ocean.
von einer Kundin/einem Kunden am 13.06.2011

Lange haben sie sich geweigert ein ganzes Coveralbum auf dem Markt zu bringen, nun ist es aber soweit. Und ich muss sagen es ist einfach fantastisch all den alten und manchmal auch eher ungeliebten Songs zu lauschen. Denn in EOC-Manier wird jeder Song zu einem Ohrenschmaus. Dieses Album ist allen... Lange haben sie sich geweigert ein ganzes Coveralbum auf dem Markt zu bringen, nun ist es aber soweit. Und ich muss sagen es ist einfach fantastisch all den alten und manchmal auch eher ungeliebten Songs zu lauschen. Denn in EOC-Manier wird jeder Song zu einem Ohrenschmaus. Dieses Album ist allen EOC-Fans unbedingt zu empfehlen.

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Auch Fremde Federn lassen sich schmücken!
von einer Kundin/einem Kunden am 26.11.2010

20 Coversongs von verschiedensten Künstlern, Bob Dylan, Freddy Quinn, Bee Gees, Brecht,.. entstanden zu verschiedensten Anlässen, gespielt aber alle unverkennbar im charmanten Chansonrock von Element of Crime, mit gestopfter Trompete, Bongos und Spaß dran haben. Also nichts da, von wegen mit „Fremden Federn“ schmücken - das wäre nicht diese... 20 Coversongs von verschiedensten Künstlern, Bob Dylan, Freddy Quinn, Bee Gees, Brecht,.. entstanden zu verschiedensten Anlässen, gespielt aber alle unverkennbar im charmanten Chansonrock von Element of Crime, mit gestopfter Trompete, Bongos und Spaß dran haben. Also nichts da, von wegen mit „Fremden Federn“ schmücken - das wäre nicht diese Band, wenn da nur nachgespielt würde! Es macht Freude zuzuhören, mitzusingen und altbekanntes auf diese Art zu hören! Eine erfreuende Kuriositätensammlung für EoC-Fans und vielleicht auch der Einstieg für die, die es noch nicht sind.

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