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Lieder und Gedichte

Die Lieder und Gedichte Walthers von der Vogelweide (um 1200) sind eins der berauschendsten Zeugnisse mittelhochdeutscher Dichtung - und zugleich eine Ausnahmeerscheinung. Denn wie kein mittelalterlicher Dichter vor oder nach ihm spielt Walther kunstvoll mit den Sujets: Er wechselt virtuos zwischen Lied- und Spruchdichtung, zwischen hohem Minnesang und bissig-politischen Versen und hob damit die Standesgrenzen seiner Zunft weitgehend auf. Diese Ausgabe präsentiert Walthers Werke in der Übertragung von Richard Zoozmann, die dem Ton und der Rhythmik des Originals auf einzigartige Weise nachspürt.
Portrait
Walther von der Vogelweide, um 1170 - um 1230. Nach eigener Angabe lernte W. in Österreich singen unde sagen. Über Geburtsort und Stand gibt es keine sicheren Angaben; ungeklärt ist, ob sein Beiname Herkunfts- oder Künstlername ist. Bis 1198 war er dem Hof des Babenberger Herzogs Friedrich I. in Wien verbunden; nach dem Tod seines Gönners verliess er Wien und hielt sich - wie sich aus seiner Sangspruchdichtung schliessen lässt - an den Höfen des Stauferkönigs Philipp (1198- 1201) und des Welfen Otto IV. (1212/13) sowie im Umkreis Kaiser Friedrichs II. (ab etwa 1213), dem er in einem Spruch um 1220 für ein Lehen dankte, und verschiedener Fürsten- und Adelshöfe (z. B. bei Hermann v. Thüringen) auf. Der einzige sichere ausserliterarische Beleg zeigt ihn in der Umgebung des Bischofs von Passau, Wolfger v. Erla, der Walthero cantori de Vogelweide am 12. 11. 1203 bei Zeiselmauer (in der Nähe Wiens) fünf grosse Schillinge für einen Pelzrock auszahlte. Nach einer Notiz in einer Handschrift des 14. Jh.s soll W. im Kreuzgang des Würzburger Stifts Neumünster begraben sein. W. war bereits im Mittelalter als grösster dt. Minnesänger und Sangspruchdichter anerkannt. Er führte die Spruchdichtung an das formale Niveau des Minnesangs heran, erweiterte das traditionelle moralisch-didaktische Themenspektrum und machte dabei die Spruchdichtung zu einem Medium der Diskussion aktueller politischer Fragen und der grundsätzlichen politischen Orientierung (z. B. in den 'Reichstonsprüchen ') sowie z. T. ätzender politischer (z. B. antipäpstlicher) wie persönlicher Polemik und Satire. Als Minnesänger begann er - etwa um 1190 - im Stil Reinmars und der Hohen Minne; er löste sich jedoch bald von dieser Konzeption - sichtbar etwa in der so genannten 'Walther-Reinmar-Fehde' - und erprobte Auswege aus den stereotyp gewordenen Situationen der klagenden Minne. Er setzte dem Konzept der einseitigen Liebe (und dem ästhetisierenden Leiden Reinmars) die Forderung nach (möglicher) Gegenseitigkeit der Liebe entgegen, wobei die Skala von Liedern mit Anklängen an die Pastourelle und ihrer Darstellung der Liebe zu einer sozial nicht ausgezeichneten Frau in einer idyllischen Natur bis zu Liedern der eine 'Herrin' verehrenden 'Hohen Minne' reicht. Darüber hinaus gibt es differenzierende Lieder, die in der höfischen Sphäre bleiben, doch den Begriff Frau (wîp) über den Standesbegriff Herrin (frouwe) stellen und ein liebendes Entgegenkommen möglich erscheinen lassen. Eine 'Entwicklung' wird man trotz der verschiedenen Akzentuierung des Liebesthemas kaum annehmen können. Neben den Liebesliedern stehen Klagen über den Verfall rechter höfischer Kunst und Lieder mit religiöser Thematik, die v. a. dem Spätwerk angehören, darunter ein streng sakraler Marienleich, Lieder mit Kreuzzugsmotiven, Lieder des Rückblicks, Gedichte der Weltabsage.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 208
Erscheinungsdatum 28.02.2011
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-86647-607-3
Verlag Anaconda
Maße (L/B/H) 193/131/25 mm
Gewicht 282
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