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Technik und Wissenschaft als Ideologie

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"»Neue Potentiale einer erweiterten technischen Verfügungsgewalt machen das Missverhältnis zwischen Ergebnissen angespanntester Rationalität und unreflektierten Zielen, erstarrten Wertsystemen, hinfälligen Ideologien offenbar.« Die Ursachen und Folgen dieses Missverhältnisses (und die Möglichkeiten seiner Aufhebung durch Reflexion) sind das Thema der vorliegenden Aufsätze von Jürgen Habermas; er untersucht, auf welche Weise die Gewalt technischer Verfügung in den »Konsensus handelnder und verhandelnder Bürger zurückgeholt werden kann«, wie Technik, Wissenschaft und Demokratie unter den Bedingungen der fortgeschrittenen Industriegesellschaft zu vermitteln seien."

Portrait

Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Jürgen Habermas erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2001) und den Kyoto-Preis (2004).

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 167
Erscheinungsdatum 11.11.1968
Serie edition suhrkamp 287
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-10287-9
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 199/120/10 mm
Gewicht 112
Auflage 20
Buch (Taschenbuch)
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Wissenschaft und Technik- Ideale oder Ideologie?
von Zitronenblau am 20.06.2011

Habermas versammelt fünf Aufsätze in diesem Buch, die zwar Bezüge untereinander aufweisen, aber dennoch für sich allein stehen könnten. Der erste Aufsatz "Arbeit und Interaktion" beschäftigt sich insbes. mit Hegels Jenenser Philosophie des Geistes, deren Kern die Erfassung des Geistes als etwas Absolutes und zugleich Konkret-Individuelles ausmacht: "Geist... Habermas versammelt fünf Aufsätze in diesem Buch, die zwar Bezüge untereinander aufweisen, aber dennoch für sich allein stehen könnten. Der erste Aufsatz "Arbeit und Interaktion" beschäftigt sich insbes. mit Hegels Jenenser Philosophie des Geistes, deren Kern die Erfassung des Geistes als etwas Absolutes und zugleich Konkret-Individuelles ausmacht: "Geist ist dann nicht das Fundamentum, das der Subjektivität des Selbst im Selbstbewusstsein zugrunde liegt, sondern das Medium, in dem ein Ich mit einem anderen Ich kommuniziert und aus dem, als einer absoluten Vermittlung, beide zu Subjekten wechselseitig sich erst bilden. Bewusstsein existiert als die Mitte, in der die Subjekte sich treffen, so dass sie, ohne sich zu treffen, als Subjekte nicht sein könnten." Es wieder deutlich, dass die Interaktion des subjektiven Geistes wesentlich zu seiner Genese beiträgt. Hegels Brillanz erschließt sich nicht aus der bloßen Reflexion, sondern aus der Interaktion als eine Kategorie! Habermas isoliert daneben die Begriffe Arbeit und Sprache (Verwendung darstellender Symbole): "Der Name [also der Begriff im Denken, in der Sprache] ist das Bleibende gegenüber dem verschwindenden Moment der Wahrnehmung; ebenso ist das Werkzeug das Allgemeine gegenüber dem verschwindenden Momenten der Begierde." Im zweiten Aufsatz "Technik und Wissenschaft als 'Ideologie'" - vor allem Weber- und Marcuse-Deutung - wird kritisiert: "Die wissenschaftliche Methode, die zur stets wirksamer werdenden Naturbeherrschung führte, lieferte dann auch die reinen Begriffe wie die Instrumente zur stets wirksamer werdenden Herrschaft des Menschen über den Menschen vermittels der Naturbeherrschung." Der neue Primat ist nicht Herrschaft durch sondern als Technologie. Habermas spricht die "Verwissenschaftlichung der Technik" an: "Mit der Industrieforschung großen Stils wurden Wissenschaft, Technik und Verwertung [d.h. kapitalistische Produktionsweise] zu einem System zusammengeschlossen." Daraus folgt der technokratische Ansatz, dass die Entwicklung des gesellschaftlichen Systems durch die Logik des wissenschaftlich-technischen Fortschritts bestimmt zu sein scheint. Das geht dann soweit, dass an der "Schwelle zur Moderne" ein Rationalisierungsprozess einsetzt, der den institutionellen Rahmen durch die Sub-Systeme zweckrationalen Handelns angreift, wenn Zweck-Mittel-Beziehungen vor dem Hintergrund des technokratischen Bewusstseins die bürgerlichen Ideologien substituieren und sich als neue Ideologie - die somit gleichursprünglich Ideologiekritik ist - manifestiert. Der Aufsatz "Technischer Fortschritt und soziale Lebenswelt" behandelt in nuce die Frage der Übersetzung des technisch verwertbaren Wissens in das praktische Bewusstsein einer sozialen Lebenswelt. Habermas kritisiert ein Übersetzungsproblem, dem Abhilfe geschaffen werden soll, "... wenn wir diese Dialektik [von Können und Wollen] mit politischem Bewusstsein auszutragen vermöchten..." Im Folgeaufsatz "Verwissenschaftlichte Politik und öffentliche Meinung" bewertet Habermas drei Rationalisierungsmodelle der Herrschaft (dezisionistisch, technokratisch, pragmatisch). Diese nun unbeachtet lassend rekurriert er auf den Übersetzungsprozess zwischen Wissenschaft und Politik, der in letzter Instanz auf öffentliche Meinung bezogen sei. Die "zwingende Hoffnung": "Die Aufklärung eines wissenschaftlich instrumentierten politischen Willens kann nach Maßstäben rational verbindlicher Diskussion nur aus dem Horizont der miteinander sprechenden Bürger selbst hervorgehen und muss in ihn zurückführen." Kurz: trotz aller Kritik - die sich nicht in der Reflexion sondern als aufklärerische Vernunft in der öffentlichen Meinung nach Maßstäben entsprechenden Bewusstseins zu erkennen gibt - wird die Möglichkeit genau dieses absoluten Geistes als Medium der Interaktion, Arbeit und Sprache für die Gattungsgeschichte erhofft.

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