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Und du bist nicht zurückgekommen

(21)
Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater ins Lager kommt. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird.
Einen Brief, in dem sie das Unaussprechliche zu sagen versucht: Nur drei Kilometer sind sie voneinander entfernt, zwischen ihnen die Gaskammern, der Geruch von brennendem Fleisch, der Hass, die Unausweichlichkeit der eigenen Verrohung, die ständige Ungewissheit, was geschieht mit dem anderen? Einmal gelingt es dem Vater, ihr eine kleine Botschaft auf einem Zettel zu übermitteln. Aber sie vergisst die Worte sofort – und wird ein Leben lang versuchen, die zerbrochene Erinnerung wieder zusammenzufügen.
Marceline Loridan-Ivens schreibt über diese Ereignisse und über ihre unmögliche Heimkehr, sie schreibt über ihr Leben nach dem Tod, das gebrochene Weiterleben in einer Welt, die nichts von dem hören will, was sie erfahren und erlitten hat. Und über das allmähliche Gewahrwerden, dass die Familie ihren Vater dringender gebraucht hätte als sie: »Mein Leben gegen deines.«
Und du bist nicht zurückgekommen ist eine herzzerreissende Liebeserklärung, ein erzählerisches Meisterwerk, ein einzigartiges Zeugnis von eindringlicher moralischer Klarheit – das wohl letzte Zeugnis seiner Art.
Rezension
"Man liest es benommen, bewegt, erschüttert."
Le Nouvel Observateur 28.05.2015
Portrait
Judith Perrignon ist Mitte 40 und lebt in Paris. Sie war lange Journalistin bei der Libération, Essayistin und Autorin.
Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt/Main geboren, ist seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzte u.a. Claude Simon, Jorge Semprun, Agota Kristof, Jean Paul Sartre und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. 1982 mit dem "Helmut-M.-Braem-Preis" und 1991 mit dem "Celan-Preis". 2005 wurde sie für ihre Neu-Übersetzung von Claude Simons "Das Gras" für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert. 2012 wurde Eva Moldenhauer mit dem "Prix de l'Académie de Berlin".ausgezeichnet.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 111
Erscheinungsdatum 06.09.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-458-17660-2
Verlag Insel Verlag
Maße (L/B/H) 209/128/15 mm
Gewicht 206
Originaltitel Et tu n'es pas revenu
Auflage 1
Buch (gebundene Ausgabe)
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
21 Bewertungen
Übersicht
16
4
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1

Berührend...
von einer Kundin/einem Kunden am 21.04.2017

Einfach beeindruckend was Marceline in ihrem Brief an ihren Vater schreibt... Die Sehnsucht nach ihm und der Schrecken des Lagers Auschwitz-Birkenau, der Schrecken der Nazis sind allgegenwärtig!!! Lässt niemanden ungerührt zurück und mahnt gleichzeitig davor so was nie wieder geschehen zu lassen....!

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Berührendes Zeitzeugnis
von einer Kundin/einem Kunden aus Bielefeld am 20.01.2017

Marceline wird als junges Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt den Holocaust, doch ihr Vater stirbt und kehrt nie wieder nach Hause zurück. 70 Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, der ihn nie erreichen wird… . Marceline Loridan-Ivens hat hier einen bewegenden und sehr persönlichen... Marceline wird als junges Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt den Holocaust, doch ihr Vater stirbt und kehrt nie wieder nach Hause zurück. 70 Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, der ihn nie erreichen wird… . Marceline Loridan-Ivens hat hier einen bewegenden und sehr persönlichen Brief verfasst, der Zeugnis von den Schrecken der Lager, aber auch von dem Leben danach gibt. Besonders eindringlich beschreibt sie das einzige Zusammentreffen mit ihrem Vater in Auschwitz. Dieses Erlebnis und die verschwommene Erinnerung an eine Nachricht, die er ihr heimlich zukommen ließ, haben sie ihr ganzes Leben lang nicht losgelassen. Sie gibt auch einen tiefen Einblick in die Zeit nach Auschwitz, in der niemand ihre Geschichte hören wollte und sie zum Vergessen gedrängt wurde. Es ist tieftraurig zu lesen, wie sie von der mutigen jungen Frau, die im Holocaust jeden Tag um ihr Überleben gekämpft hat, innerlich daran zu zweifeln beginnt, ob sie überhaupt hätte zurückkehren sollen und ob sich ein Leben danach überhaupt noch lohnt. Mich persönlich hat Marcelines Brief sehr berührt. Sie beschreibt eindrücklich das Leiden der KZ-Insassen und schafft es, dass erlebte Grauen mit all seinen Ausmaßen in Worte zu fassen und hat so auf ihre ganz eigene Weise ihre Vergangenheit literarisch verarbeitet. Obwohl das Buch vom Umfang nicht sehr lang ist, kann man es nur Stück für Stück lesen, da es doch sehr bewegt und nachdenklich macht. Insgesamt hat mich dieser eindrücklich geschriebene Zeitzeugnis von Marceline sehr berührt. Ich kann es daher an jeden empfehlen, der sich mit dem Holocaust auseinandersetzen möchte und starke Nerven mitbringt.

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„Und du bist nicht zurückgekommen“ - Die Wunden einer verletzten Seele.
von Liane Marth / LimaKatze am 11.01.2016

KLAPPENTEXT: Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater deportiert wird. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird. ZUM INHALT: „Die Wörter hatten uns verlassen. Wir hatten Hunger. Das Massaker war in vollem... KLAPPENTEXT: Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater deportiert wird. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird. ZUM INHALT: „Die Wörter hatten uns verlassen. Wir hatten Hunger. Das Massaker war in vollem Gange. Ich hatte sogar Mamas Gesicht vergessen. Und da war deine Botschaft vielleicht plötzlich zu viel Wärme, zu viel Liebe, ich habe sie nach dem Lesen sofort geschluckt, wie eine Maschine, die Hunger und Durst hat. Und dann habe ich sie ausgelöscht. Zu viel daran denken hieß, den Mangel zuzulassen, es macht verwundbar, es weckt die Erinnerungen, es schwächt und es tötet. Im Leben, dem richtigen, vergisst man auch, man geht darüber hinweg, man siebt, man verlässt sich auf die Gefühle. Dort ist es das Gegenteil, zuerst verliert man die Bezugspunkte der Liebe und der Sensibilität. Man erfriert von innen her, um nicht zu sterben.“ (Zitat, Seite 18/19) Marceline war fünfzehn Jahre alt, als sie 1944 gemeinsam mit ihrem Vater in Bollène festgenommen und anschließend deportiert wurde. Sie selbst verschleppte man nach Birkenau und den geliebten Vater nach Auschwitz. Ein einziges Mal gelang es ihrem Vater damals, seiner Tochter heimlich eine Nachricht im Lager zukommen zu lassen. Marceline erinnert sich allerdings nur noch an die Anrede „Mein liebes kleines Mädchen“ und an die Unterschrift ihres Vaters. Der weitere Inhalt geriet in Vergessenheit. Eine Lücke, die Marceline ihr Leben lang nicht ruhen lassen sollte, weil diese Botschaft das letzte Lebenszeichen ihres Vater war. Sie überlebte den Holocaust, der europaweit ca. sechs Millionen Juden das Leben gekostet hat, und kehrte zu ihrer Familie zurück. Die traumatischen Erlebnisse haben für immer tiefe Spuren bei Marceline hinterlassen, doch niemand wollte ihr seinerzeit zuhören und etwas davon wissen. Doch am schlimmsten war für das junge Mädchen der spürbare Vorwurf hinter all diesem Schweigen: Warum bist du zurückgekommen und nicht er, der Vater, den die Familie viel nötiger gebraucht hätte. Und tatsächlich hatte der Verlust des Vaters letztendlich für die gesamte Familie tragische Folgen. Marceline Loridan-Ivens, geborene Rozenberg, ist eine alte Dame von sechsundachtzig Jahren, als sie einen Brief an ihren Vater schreibt, auch wenn dieser ihn nicht mehr lesen kann. Der Brief ist eine Liebeserklärung an ihren Vater und gleichzeitig ein vielleicht letzter Versuch, die furchtbaren Geschehnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Grauenvolle und unmenschliche Ereignisse, die das normale Vorstellungsvermögen übersteigen, und die Marceline für ihr ganzes Leben prägen sollten. Dieser in klaren Worten und ohne Bitterkeit formulierte Brief ist der Inhalt dieses bewegenden Buches. „Wenn sie wüssten, alle, wie sie da sind, dass das Lager ständig in uns ist. Wir alle haben es im Kopf bis in den Tod.“ (Zitat, Seite 106) MEIN FAZIT: „Und du bist nicht zurückgekommen“ ist ein erschütterndes Zeitdokument, das unter die Haut geht. Es beschreibt die entsetzlichen Erlebnisse in der Gefangenschaft und den nachfolgenden Lebensweg der Autorin. Die junge Marceline überstand zwar die Zeit im Lager, doch innerlich zerbrach sie fast daran. Die Hoffnung, den Vater wiederzusehen, gab ihr vermutlich den nötigen Überlebenswillen. In ihrem späteren Leben wurde sie zu einer engagierten Frau, die beispielsweise mit Ehemann Joris Ivens Dokumentarfilme in Kriegsgebieten drehte. Das Schicksal und die Biografie von Marceline Loridan-Ivens haben mich unglaublich berührt und beeindruckt. Der Buchinhalt erzeugt ein Gefühl von Dankbarkeit und Demut in dieser heutigen Zeit des Überflusses, in der Rechtsradikalismus und Fremdenhass leider noch immer ein großes Thema ist. Eine bemerkenswerte Lektüre mit viel Stoff zum Nachdenken, die sich tief im Herzen des Lesers verankert und noch lange darin nachklingen wird. Unzählige Male habe ich mit dieser Rezension angefangen und den Text immer wieder verworfen. Es erschien mir beinahe anmaßend, ein derart persönliches Buch auf irgendeine Art und Weise zu bewerten. Aber weil ich diese Lektüre jedem ans Herz legen möchte, spreche ich hiermit eine unbedingte Leseempfehlung aus und vergebe selbstredend fünf Sterne.

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