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Und was hat das mit mir zu tun?

Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie

(2)

Sacha Batthyanys Grosstante war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt. Als er ihre Geschichte aufschreibt, stösst er auf ein altes Familiengeheimnis.
Wenige Wochen vor Kriegsende gibt Gräfin Margit Thyssen-Batthyány im österreichischen Rechnitz ein rauschendes Fest. Gegen Mitternacht verlassen die Gäste das Schloss und erschiessen 180 Juden, die am Bahnhof auf den Weitertransport warten. Was genau in dieser Nacht geschieht, ist bis heute unklar. »Und was«, fragt der Schriftsteller Maxim Biller den Autor, »hat das mit dir zu tun?«
Sacha Batthyany beginnt, nach Antworten zu suchen. Seine Reise führt ihn ins alte Ungarn, ins Österreich der Nachkriegszeit, in die Schweiz der Gegenwart, in die Lager des Gulag nach Sibirien, auf die Couch eines Pfeife rauchenden Psychoanalytikers und bis ins Wohnzimmer einer Auschwitz-Überlebenden in Buenos Aires. Dabei entdeckt er ein Geheimnis, das seinen Blick auf seine Familie und sich selbst verändert.
Prägen vorangegangene Generationen die Art, wie wir leben? Dabei dachten wir doch, wir seien so aufgeklärt und modern und selbstbestimmt? Sacha Batthyanys Buch ist eine ungewöhnliche, gegenwärtig erzählte Familiengeschichte, ein Panorama Mitteleuropas, das nur vermeintlich verschwunden ist, und zugleich Psychogramm einer Generation.

Rezension
"Ein glänzend geschriebenes Buch über Rechnitz und andere familiäre Abgründe, ein historisches Panorama, in dem sich die Geschichte seiner Familie mit der Geschichte Mitteleuropas verbindet - und nicht zuletzt ein grosser Essay über die Gegenwart der Vergangenheit." Martin Doerry Der Spiegel
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 256
Erscheinungsdatum 18.02.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-04831-5
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 210/135/25 mm
Gewicht 371
Verkaufsrang 108
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Schwierige Spurensuche
von Gertie Gold aus Wien am 19.09.2016

Der Autor entstammt dem bekannten ungarischen Adelsgeschlecht der Batthyanys, das in der Donaumonarchie einige großartige Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Er selbst ist Jahrgang 1973 und lebt als Journalist in der Schweiz. Mit seinen prominenten Vorfahren hatte er bislang wenig zu tun, bis er durch eine Kollegin auf einen Artikel über... Der Autor entstammt dem bekannten ungarischen Adelsgeschlecht der Batthyanys, das in der Donaumonarchie einige großartige Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Er selbst ist Jahrgang 1973 und lebt als Journalist in der Schweiz. Mit seinen prominenten Vorfahren hatte er bislang wenig zu tun, bis er durch eine Kollegin auf einen Artikel über seine Großtante Margit Thyssen-Batthyany aufmerksam gemacht wird. Sie soll im März 1945 auf ihrem Schloss in Rechnitz (Österreich, nahe der ungarischen Grenze) ein Fest für allerlei Nazi-Bonzen gegeben haben, bei dem dann als ?Belustigung? rund 180 Juden erschossen wurden. Vorsichtig fragt er in der Familie nach. Er erhält ausweichende Antworten, einige Abfuhren, den Auftrag die Vergangenheit doch endlich ruhen zu lassen und ?die Familienehre? nicht zu beschmutzen. Doch alle diese seltsamen Verhaltensweisen stacheln seine Neugierde an. Er begibt auf Spurensuche und stößt auf die Titel gebende Frage ?Und was hat das mit mir zu tun??. Eine solche Vergangenheit hat ?alles und nichts? mit einem zutun. Persönlich kann der Autor für die Taten der Großtanten nichts, doch lastet auf ihm nicht doch die Verantwortung eines langen Adelsgeschlechts? Und genau in dem Spannungsfeld befindet sich der Autor. Batthyany fragt den eigenen Vater, der ihm eigentlich zeitlebens fremd ist, erfährt das dessen Vater Ferenc (also sein Großvater) zehn Jahre im russischen Gulag als Kriegsgefangener verbracht hat. Er stellt sich die Frage, warum nur die Nazizeit als barbarisch dargestellt wird und die Stalin-Ära nicht? Er wundert sich, dass es Denkmäler für die Opfer des Holocaust gibt, für die Opfer des Stalinismus nicht. Er erhält nach dem Tod seiner Großmutter Maritta, deren Tagebuch. Aus dem geht hervor, dass sie zeitlebens von Schuldgefühlen ?nicht wenigstens die Mandls gerettet zu haben? geplagt wird. Sacha Batthyany reist nach Südamerika und lernt Agnes, die Tochter eben jenes jüdischen Kaufmanns Mandl aus Rechnitz kennen, die nun hoch betagt im Kreise ihrer Familie in Uruguay lebt. Ihr und ihrem Bruder Sandor ist es mit Müh? und Not gelungen, Auschwitz zu überleben. Bei seinen Recherchen enthüllt sich eine Lüge, die seinen Großonkel und die Großtante schützen, aber die Familie von Agnes nun in größte Bedrängnis stürzen könnte ? den gefälschten Eintrag in Sterbebuch von Rechnitz. Agnes? Töchter und er beschließen dies vor Agnes zu verheimlichen. Doch für Mirta Kupferminc wird diese Enthüllung weit reichende Folgen haben. Ich habe eine Verwirrung beim Autor wahrgenommen. Auf der einen Seite, kennt er die Inhalte von Geschichtsbüchern und Literatur, die zwar eindringlich, aber dennoch entfernt über die Schreckensherrschaft berichten und auf der anderen Seite, die Beteiligung seiner eigenen Verwandten, die niemals auch nur entfernt zur Rechenschaft gezogen wurden. Der Befangenheit entsprechend springt der Autor durch Zeit und Raum, doch sind die einzelnen Sequenzen durch Überschriften gut gekennzeichnet. In seiner Unsicherheit begibt er sich in Psychoanalyse und versucht seine Gefühle einzuordnen. Doch auch der Analytiker hat sein Scherflein zu tragen ? sein Vater hat versucht, verfolgte Juden aus Deutschland und Österreich zu retten. Batthyany verquickt seine Familiengeschichte mit der Geschichte Europas. Die schrecklichen Ereignisse von vor siebzig Jahren, haben seine Familie geprägt. Das Schloss der Batthyanys in Rechnitz wurde von den Russen niedergebrannt. Großtante Margit und ihr Mann Ivan flüchten knapp nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 aus Rechnitz in die Schweiz. Sie werden niemals zur Rechenschaft gezogen. Die Überreste der 180 beim Bankett getöteten jüdischen Zwangsarbeiter sind nach wie vor nicht geborgen, da über den Standort des Massengrabs keine eindeutigen Angaben. Die letzten Augenzeugen, die Auskunft geben könnten, sind bald nicht mehr am Leben. Der Tatort soll in unmittelbarer Umgebung des ?Rechnitzer Kreuzstadels? liegen, dessen Ruine heute eine Gedenkstätte zur Erinnerung an diese Gräueltat ist. Für mich sind einige Fragen, offen geblieben. Wird sich der Autor weiter seiner Familiengeschichte stellen?

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Sehr persönlich und sehr fesselnd
von einer Kundin/einem Kunden aus Wien am 26.06.2016

Ich habe etwas anderes erwartet- nämlich eine präzise Auseinandersetzung mit der Mordnacht in Rechnitz. Diese ist jedoch nur der Auslöser für Den Autor, sich mit der Geschichte seiner Familie auseinanderzusetzen- dem schweigen, dem Mitläufertum. Niemals verurteilend, niemals von oben herab aus der bequemen Position des Nachgeborenen, aber immer konsequent... Ich habe etwas anderes erwartet- nämlich eine präzise Auseinandersetzung mit der Mordnacht in Rechnitz. Diese ist jedoch nur der Auslöser für Den Autor, sich mit der Geschichte seiner Familie auseinanderzusetzen- dem schweigen, dem Mitläufertum. Niemals verurteilend, niemals von oben herab aus der bequemen Position des Nachgeborenen, aber immer konsequent fragt er nach, analysiert und lässt nicht locker. Auch seinen Umgang mit dem Erfahrenen, seine Reaktion auf die Erkenntnis, dass seine Familie- Menschen, die ihm nahe stehen- Schuld auf sich geladen haben. Ein sehr fesselndes Buch, das man einfach gelesen haben muss.

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