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Verzeihung des Unverzeihlichen?

Ausflüge in Landschaften der Schuld und der Vergebung

Die Moderne hat vielfache Entschuldungen im Blick auf Unfreiheiten der Täter entwickelt: Soziale, psychologische, pathologische, gesellschaftspolitische Schranken engen den Entscheidungsraum und damit die Schuld des Handelnden ein oder verstellen sie sogar gänzlich. Gerade die Ideologien des 20. Jahrhunderts – ob rot, ob braun – haben den einzelnen auf die „grosse Idee“ verpflichtet, sei es die Klasse oder die Rasse oder ein anderes nebelhaftes Element. In seinem Namen war zwanghaft geboten, was sonst verboten blieb.
Unter ganz anderen, nämlich naturwissenschaftlichen Vorzeichen wird heute erneut eine Schuldfähigkeit des Menschen bestritten: Handeln, Fühlen, Denken seien neurobiologisch festgelegt ... Dieser Umwertung stehen jedoch Argumente einer grundsätzlichen Schuldmöglichkeit des Menschen gegenüber – sogar bei verminderter Freiheit. Ist Verminderung von Freiheit vielleicht selbst schon ein Anzeichen von (eigener oder fremder) Schuld? Auch wo Entschuldungen denkbar sind wegen Abhängigkeiten aller Art, bedarf es einer Betrachtung möglicher Schuld, die sich nicht mehr selbst oder mit Hilfe anderer entschuldet.
Daher wird ein Wortspiel ausgeleuchtet: Im Absoluten gibt es Absolution. Vergebung als „reine Gabe“ wurde zu Beginn des neuen Millenniums eingefordert. Was kann das heissen, und wer spricht die Gabe zu? Von welchem „Raum“ des Denkbaren her kann Vergebung thematisiert werden? „Gibt es“ die Verzeihung des Unverzeihlichen nicht nur als Spiegelung des (vergeblich) Erhofften? Was ändert Vergebung am Geschehen und für die Opfer, wirklich und wirksam – oder geht es nur um die Psyche des Täters? Und ist Reue eine „Bedingung“ – aber würde sie die „reine Vergebung“ dann nicht wieder aufheben? Ein Sturzbach an Fragen also, die so weit wie möglich in eine nachdenkliche Tiefe verfolgt werden.
Portrait
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, bis Frühjahr 2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und verglei­chende Religionswissenschaft an der TU Dresden, ist nach ihrer Emeritierung in Dresden Professorin an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. im Stift Heiligenkreuz/Wienerwald; sie gründete und leitet dort das „Europäische Institut für Philosophie und Religion“ (EUPHRat).
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 230
Erscheinungsdatum März 2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-943897-01-2
Verlag Text & Dialog GbR
Maße (L/B/H) 211/154/25 mm
Gewicht 401
Auflage 2. erweiterte Ausgabe
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