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Wider den Gehorsam

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Lange bevor wir sprechen können und sich unser Denken organisiert, müssen wir lernen, gehorsam zu sein und unsere Gefühle zu unterdrücken. In allen Lebensbereichen erzwingt unsere Zivilisation einen reflexartigen Gehorsam. Zugleich belohnt sie ein Gruppendenken, das ein selbstbestimmtes, freies Denken unmöglich macht. Scharfsinnig entlarvt der bedeutende Psychoanalytiker Arno Gruen die Pathologie der freiwilligen Knechtschaft: Wir selbst halten uns nicht für gehorsam und erkennen nicht, dass die Idealisierung des Unterdrückers ihm Macht über uns verleiht. Es ist höchste Zeit, gegen die Kultur des verschwiegenen Gehorsams zu revoltieren: Nur so können wir die Demokratie stärken und besser miteinander leben. Wer den Mut zum Ungehorsam hat, der entzieht sich nicht nur vermeintlichen Autoritäten, sondern nimmt die Menschen lebendig und mitfühlend wahr. Wie sehr die Kultur des Gehorsams entmenschlichen kann und welche Wege aus dem Kreislauf der Unterordnung führen, zeigt Arno Gruen: ein befreiendes Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit.
Lange bevor wir sprechen können und sich unser Denken organisiert, müssen wir lernen, gehorsam zu sein und unsere Gefühle zu unterdrücken. In allen Lebensbereichen erzwingt unsere Zivilisation einen reflexartigen Gehorsam. Zugleich belohnt sie ein Gruppendenken, das ein selbstbestimmtes, freies Denken unmöglich macht. Scharfsinnig entlarvt der bedeutende Psychoanalytiker Arno Gruen die Pathologie der freiwilligen Knechtschaft: Wir selbst halten uns nicht für gehorsam und erkennen nicht, dass die Idealisierung des Unterdrückers ihm Macht über uns verleiht. Es ist höchste Zeit, gegen die Kultur des verschwiegenen Gehorsams zu revoltieren: Nur so können wir die Demokratie stärken und besser miteinander leben.
Portrait
Arno Gruen, geboren 1923 in Berlin, emigrierte 1936 in die USA. Nach dem Studium der Psychologie ab 1954 Leitung der psychologischen Abteilung der ersten therapeutischen Kinderklinik in Harlem. 1961 Promotion als Psychoanalytiker bei Theodor Riek. Es folgten Professuren in Neurologie und Psychologie. Seit 1958 Führung einer psychoanalytischen Privatpraxis in Zürich, wo er seither lebt und praktiziert. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Themenschwerpunkt: plötzliche Kindstod, psychologische Ursachen für Gewalt und Fremdenhass, Voraussetzungen für Autoritätsgläubigkeit und Demokratie. Auszeichnung 2001 mit dem Geschwister-Scholl-Preis. 2010 wurde Arno Gruen mit dem Loviisa Peace Prize ausgezeichnet. Der Autor verstarb 2015.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 97
Erscheinungsdatum 13.02.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-94891-2
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 235/167/12 mm
Gewicht 112
Auflage 9. Auflage
Verkaufsrang 15.167
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Gegen das „Brav sein“
von Michael Lehmann-Pape am 01.10.2014

Das System von Lohn und Strafe ist eines der Grundsysteme menschlichen Seins, erlernt von Kindesbeinen an, auch wenn die konkreten Inhalte (das, was belohnt oder bestraft wird) kulturell verschieden sein mögen und sich durch die Zeiten hindurch ebenfalls kulturell wandeln. So trifft es, wenn Gruner kühl diagnostiziert, dass eine der,... Das System von Lohn und Strafe ist eines der Grundsysteme menschlichen Seins, erlernt von Kindesbeinen an, auch wenn die konkreten Inhalte (das, was belohnt oder bestraft wird) kulturell verschieden sein mögen und sich durch die Zeiten hindurch ebenfalls kulturell wandeln. So trifft es, wenn Gruner kühl diagnostiziert, dass eine der, wenn nicht die, wesentliche Antriebskraft des Menschen eben „die Angst ist, ungehorsam zu sein“. „Das Bedürfnis nach Gehorsam ist ein grundlegender Aspekt unserer Kultur“. Aber mit Folgen, die Gruner in absoluter Klarheit negativ beschreibt, ein Grundaspekt, den er als eine Pathologie kennzeichnet, die von der Kultur selbst hervorgebracht wird. Diese „Unterwerfung unter den Willen eines anderen“, teils ganz ominösen und kaum fassbaren anderen, verstärkt durch das „Gefühl“ völliger Freiheit ist für Gruner zudem eine der größten Bedrängungen des demokratischen Prinzips, dass von der Freiheit des einzelnen lebt und doch von kulturellen Konventionen weiterhin bestimmt wird. Da der Gehorsam schon in frühkindlichen Phasen, mit der Geburt bereits, beginnt, ist er weitgehend unbewusst, wird die Unterwerfung verankert und erduldet, ohne sie als solche wirklich wahrzunehmen. Mit Folgen für die eigene Identität, die Gruner in Teilen als „fehlende Identität“ kennzeichnet. „Wir verfügen über dich, weil es zu deinem Besten ist“, das ist die perfide Logik der „anderen“, der „herrschenden“ Seite, die Gruner ebenso klar und prägnant im Buch herausarbeitet. Wie er „Wege aus dem Gehorsam“ aufzeichnet. Weniger als „To-Do Listen“, deutlich aber als eine psychologische Arbeitsaufgabe, die sich auf den gesamten Organismus bezieht und die dann greifen kann, wenn der einzelne seine tiefe Angst vor dem Ungehorsam entdeckt und bereit ist, gegen diese anzugehen. Mit Kopf Herz, mit Verstand und Gefühl. Weil: „Gehorsam ist destruktiv. Gehorsam grenzt das Denken ein und verneint die Realität“. Ein ruhiges Buch mit klarer Stringenz, das dem Leser die Breite des Gehorsams und der eigenen Prägung durch die Angst vor dem Ungehorsam sachlich, nüchtern und zugleich überzeugend und einsichtig vor Augen führt. Worte, mit denen Gruner ebenso überzeugend den „Weg zu sich selbst“ als einen „Weg aus dem Gehorsam“ kennzeichnet. Nicht, um in ständigen Trotz überzugehen, sondern um sich seiner selbst umfassend zuwenden zu können. Spannende Gedanken, überzeugend dargelegt und trotz der Kürze des Textes hochgradig zur Reflexion anhaltend.

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Ein Aufruf gegen den Gehorsam aufzubegehren - da er zu Unmündigkeit, Entmenschlichung, Gewalt und soziale Kälte führt
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Ausgehend von einer Geschichte eines Mädchens, das sich selbst tötete, nachdem ihre Eltern ihr einen ›Denkzettel‹ verpassen wollten (sie verbrachte die Nacht mit einem Mann, was ihren Eltern missfiel), indem sie ihr als Strafe anwiesen, ein Grab zu schaufeln und schlussendlich ihren Hund erschiessen sollte (sie erschoss stattdessen sich... Ausgehend von einer Geschichte eines Mädchens, das sich selbst tötete, nachdem ihre Eltern ihr einen ›Denkzettel‹ verpassen wollten (sie verbrachte die Nacht mit einem Mann, was ihren Eltern missfiel), indem sie ihr als Strafe anwiesen, ein Grab zu schaufeln und schlussendlich ihren Hund erschiessen sollte (sie erschoss stattdessen sich selbst), kommt Arno Gruen zu folgendem Schluss: »Treibstoff dieses Familiendramas ist der Gehorsam, der durch das elterliche Diktat ausgedrückt und weitergegeben wird: Ich bestrafe dich nur, weil es zu deinem Besten ist.« (S. 66) Alle Versuche, diesen Grundsatz durch liberale Erziehungsformen entgegenzuwirken, so Gruen, könnten nur misslingen - wenn sie nicht seinen tiefsten Kern erkennen würden. Dieser bestehe durch aus der inneren Entfremdung, die schon mit der Geburt beginnen könne. Der Mensch bleibe in diesen Vorgängen gefesselt und gefangen. Patienten, die zur Psychotherapie gingen, suchten verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser Situation. »Sie wurden zu Kranken gemacht, weil in ihnen ein unbewusster Kampf gegen die Entfremdung der eigenen Seele loderte. Ihre innere Rebellion verhindert, dass sie sich ganz anpassen. Das führt dazu, dass sie von anderen als Aussenseiter, als Nestbeschmutzer, sogar als Verräter an der gemeinschaftlichen Sache bezeichnet werden.« (S. 67) Sie wagten, so Gruen weiter, eine Therapie, weil sie Unterstützung suchten und brauchten, um sich nicht als ›krank‹ einstufen zu müssen. »Sie wollen sich auch so fühlen wie jene, die es ›schaffen‹, sich ›richtig‹ zu verhalten - ›erfolgreich‹, ›ohne Angst‹, ›ohne Depression‹, ›ohne Spannung‹.« (S. 67) Auch das sei ein Zeichen der allgemeinen Entfremdung. Im weiteren legt Gruen sein Augenmerk auf die Angepassten, auf die ›Gesunden‹. Auf diejenigen, die erfolgreich im Wettbewerb seien, auf die Herrschenden, die besitzen und erobern würden - »also jene, die scheinbar frei von Angst, Spannung und Leid sind.« (S. 67) Menschen könne man nicht in Kranke und Nichtkranke einteilen, ist Gruen überzeugt. Denn diese Einteilung verleugne das grundsätzliche Problem: das Opfersein. Wir würden die Geschichte solange nicht begreifen, bis wir ›den Fremden in uns‹ nicht erkennen würden. »Die klare Sicht auf diese Umstände ist verstellt, weil wir den Terror und das Leid, denen wir ausgesetzt warn, verleugnen müssen, um überleben zu können. Dieses Ausblenden führt jedoch dazu, dass wir uns selbst nicht als Opfer erkennen und der Gehorsam immer wieder inszeniert und weitergetragen wird. Dabei ist das Perfide am Gehorsam seine eingebaute Sicherung. Gegen ihn zu verstossen bedeutet, mit Schuld überladen zu sein.« (S. 68) Diese Zusammenhänge führen für Gruen zu den Hauptproblemen unserer Zeit. Ob in Gesellschaft, in der Wirtschaft, Krieg, Armut, Erniedrigung, Gewalt, Naturzerstörung, Tierquälerei, uvm., wir können diese Probleme nur lösen, wenn wir ›wider den Gehorsam‹ aufbegehrten. Ich persönlich habe den ›Gehorsam‹ und seine schädigende Wirkung vor allem in der Schule erfahren müssen. Und dies beeinflusst und behindert mich bis heute - was mir Gruen’s Thesen sehr sympathisch machen und ich darin auch einige Wahrheit erkennen kann. »Mut, Herz und offenes Denken sind die Kräfte, die den Gehorsam besiegen.« (S. 89) - und darauf legte Gruen seine Hoffnung für eine bessere Zukunft.

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Ursachenanalyse zu Macht- und Besitzgier, Rassismus, Unmündigkeit, Imperialismus
von fritzcat am 30.04.2015

Was hält dumme, inkompetente, menschenverachtende Mächtige an der Macht, bringt „vernünftige“ Menschen dazu, Gräueltaten zu vollbringen und unannehmbare Befehle auszuführen: der Gehorsam. Gehorsam wird in der Gesellschaft als notwendige Tugend mit wohlwollendem Hintergrund dargestellt, dient aber im Wesentlichen der Unterwerfung und dem Machterhalt. Letzteres wird vom Opfer nicht erkannt, da... Was hält dumme, inkompetente, menschenverachtende Mächtige an der Macht, bringt „vernünftige“ Menschen dazu, Gräueltaten zu vollbringen und unannehmbare Befehle auszuführen: der Gehorsam. Gehorsam wird in der Gesellschaft als notwendige Tugend mit wohlwollendem Hintergrund dargestellt, dient aber im Wesentlichen der Unterwerfung und dem Machterhalt. Letzteres wird vom Opfer nicht erkannt, da die Grundstrukturen bereits in frühester Kindheit durch Abhängigkeit von der Existenz erhaltenden Umgebung im gedanklichen Netzwerk installiert werden. In weiterer Folge werden Opfer zu späteren Tätern und Systemerhaltern ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Resultat ist eine sich selbst erzeugende kritiklose Herde von freiwilligen Sklaven, die glaubt, individuell und aus Überzeugung zu handeln, in Wirklichkeit aber nur nach Befehlen und Wünschen der Mächtigen sucht, um diese - möglichst in vorauseilendem Gehorsam - zu erfüllen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet werden Ursachen und Hintergründe für Macht- und Besitzgier, Diktaturen, Fremdenhass, Rassismus, Unmündigkeit, Imperialismus etc. verständlich und menschliche Verhaltensweisen, auf die man bis jetzt nur mit fassungslosem Kopfschütteln reagiert hatte, plausibel.

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