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Alexei Konstantinowitsch Tolstoi

Ulrich Klappstein, geb. 1952, studierte Sprach- und Literaturwissenschaft, Pädagogik und Politische Wissenschaften in Hannover. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften (freitext, die horen, Bargfelder Bote) und Beiträge im Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser sowie den Oppermann-Studien; Übersetzungen phantastischer Erzählungen aus dem Französischen; Mitarbeit an der Historisch-Kritischen Ausgabe der Werke Karl Mays. Lebt in Hannover.

Alexeï K. Tolstoi (1817-75) war ein russischer Schriftsteller, Dramatiker und Dichter, aber auch Diplomat und höherer Beamter der Armee. Er entstammte der bekannten Adelsfamilie der Tolstois und war ein Cousin von Leo Tolstoi. Kurz nach seiner Geburt trennten sich seine Eltern und er wurde von seiner Mutter und seinem Paten, dem Schriftsteller Perowski (Pseudonym: Antoni Pogorelski) erzogen. Seine frühe Kindheit verbrachte er auf den Landgütern seiner Mutter. 1826 wurde er in Sankt Petersburg in den Kreis um den jungen Thronfolger und späteren Zaren Alexander II. als Spielgefährte aufgenommen. Später lebte er bei Perowski, wurde von Hauslehrern ausgebildet und begleitete seinen Patenonkel auf seinen Reisen ins Ausland; dabei lernte er unter anderem Goethe kennen. Angeregt und gefördert von dieser künstlerischen Umgebung, begann Tolstoi früh mit dem Schreiben

Das Gespenst in der Ingenieurburg von Alexei Konstantinowitsch Tolstoi

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Das Gespenst in der Ingenieurburg
  • Das Gespenst in der Ingenieurburg
  • Buch (Taschenbuch)


Die in diesem Büchlein vereinten drei Erzählungen entstanden in den letzten Jahrzehnten der Zarenzeit und wurden von der bekannten Übersetzerin Aljonna Möckel aus dem Russischen ins Deutsche übertragen. Da die Sammlungen, in denen sie einst erschienen sind, nur noch in irgendwelchen Antiquariaten schlummern, feiern die Texte eine kleine Auferstehung. Sie sind spannend, spritzig-abenteuerlich, böse, voller Fantasie und Überraschungen. Sie verdienen es, wiedergelesen zu werden.

Eine der drei Geschichten, „Der Gedanke“ von Leonid Andrejew, handelt von einem Mord, dessen minutiöse Planung und mitleidlose Ausführung der Täter, ein Arzt, selbst beschreibt. Es ist das Psychogramm eines eiskalten Mörders. Die anderen sind fesselnde Gespenstergeschichten voller Grusel und unerwarteter Einfälle. Alle drei Autoren treiben auf ihre Weise mit dem Entsetzen Scherz. Bei Alexej Tolstoi ist es der berüchtigte „Graf Cagliostro“, ein italienischer Abenteurer und Hochstapler, der im 18. Jahrhundert die europäischen Königshöfe unsicher machte und hier einen russischen Gutsherrn heimsucht. Er nutzt den Liebeswahn seines Opfers aus, der sich in ein Frauenbildnis vergangener Zeit verliebt hat, und setzt dämonische, zerstörerische Kräfte frei. Nikolai Leskow schliesslich, der älteste der drei Autoren, geht im „Gespenst in der Ingenieurburg“ den Gerüchten um überirdische Vorgänge in einer zaristischen Kadettenanstalt nach. Petersburger Kadetten, noch halbe Kinder, spotten über die gespenstischen Erscheinungen in ihrer Burg und geraten selbst in den wilden Strudel des scheinbar Unerklärlichen.

Ein ungewöhnliches Buch, packend und herausfordernd, versehen mit einem Vorwort der Übersetzerin.

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