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Arved Jürgensohn

Arved Jürgensohn (1862-1927), Historiker, als Baltendeutscher im damals noch russisch besetzten Lettland geboren, lebte in Berlin und in Kloster auf Hiddensee.

Hiddensee, das Capri von Pommern von Arved Jürgensohn

Neuerscheinung

Hiddensee, das Capri von Pommern
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Reiseführer und Erinnerungsbuch für Besucher und Freunde der Insel Hiddensee. Neuausgabe der zweiten, überarbeiteten und erweiterten Auflage von 1924. Eine der bisher umfangreichsten und detailliertesten Exkursionen in die Kulturgeschichte der Ostseeinsel.

Nachwort des Herausgebers

Über die Biografie von Arved Jürgensohn ist wenig bekannt. Geboren wurde er als Baltendeutscher am 17. März 1862 auf Gut Nötkenshof (Taurene) in Livland (Lettland), das damals zum zaristischen Russland gehörte. Jürgensohn studierte – der Erik-Amburger-Datenbank des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung an der Universität Regensburg zufolge – an der Kaiserlichen Universität zu Dorpat (heute Universität Tartu), damals der einzigen deutschsprachigen Universität im russischen
Reich. Ob er promovierte, ist nicht eindeutig festzustellen. Der junge Historiker war zunächst als Erzieher und Privatlehrer bei russischen Adelsfamilien tätig. In Berlin lebte er wohl schon vor 1906.

Im Adress-Verzeichnis seines Hiddensee-Reiseführers nennt er ein 1904 errichtetes Sommerhäuschen auf der Strandhöhe in Kloster auf Hiddensee, das er mit 5 Zimmern und 6 Betten zur Vermietung anbot, Selbstkochen war den Feriengästen erlaubt. Als Berliner Adresse führt er den in der wilhelminischen Zeit am Reissbrett entstandenen Berliner Villenort Friedenau, der heute zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg gehört. Die Sponholzstrasse 38, unweit des S-Bahnhofes Berlin-Friedenau, liegt aber genaugenommen in Berlin-Schöneberg. Von dem einstigen Gründerzeit-Mietshaus ist noch der plastische Schmuck des Portals erhalten.

Arved Jürgensohn publizierte 1896 die verschollen geglaubten und von ihm in Dresden im Nachlass des letzten männlichen Nachfahren, Graf Ernst von Münnich, wiederentdeckten Memoiren des deutschstämmigen Generalfeldmarschalls in russischen Diensten, Burchard Christoph von Münnich (1683–1767). Er schrieb aber auch Abhandlungen über Fragen der nationalen und internationalen Briefportogestaltung sowie des Patentrechts.

1917 verfasste er im Auftrag der Badeverwaltung Kloster auf Hiddensee den „Kleinen Führer durch die Ostseebäder Kloster und Grieben“. Am 15. März 1927, zwei Tage vor seinem 65. Geburtstag, starb Arved Jürgensohn in Berlin.

Sein Reiseführer und Erinnerungsbuch „Hiddensee, das Capri von Pommern“ gilt bis heute als eines der gründlichsten und ausführlichsten Bücher über die Ostseeinsel. Die erste Auflage erschien 1913, also genau zu der Zeit, als Hiddensee von Künstlern, Lebensreformern, Schwärmern aller Art und von Geschäftsleuten als Bade- und Erholungsort oder als Zweitwohnsitz entdeckt wurde. Das Büchlein war bald vergriffen, der Erste Weltkrieg und seine Folgen verhinderten eine Neuauflage. Erst 1924 konnte sie erscheinen, aber nun überarbeitet und stark erweitert.

Aus diesem Buch, das hiermit in einer zeitgemässen Neuausgabe vorliegt, spricht sowohl die besonnene, distanzierte Gründlichkeit des Historikers und Universalgelehrten, als auch die heftige Leidenschaft des Inselliebhabers. Arved Jürgensohn kannte die Schriftstücke und Zeitzeugen der
Geschichte seiner geliebten Insel aus eigener Anschauung, und er war auch mit den Menschen dort und auf dem Festland im Gespräch, die darüber Auskunft geben konnten. Er hatte Hiddensee im Herzen und die Geschichte des Ostseeraumes im Blick, beherrschte Russisch und offenbar skandinavische Sprachen.

Der kühl rezensierende Kunstverstand des Intellektuellen sieht in den Versen des pommerschen Dichters Karl Lappe (1773–1843) zwar „formvollendete Goldkörner bilderreicher, echter Poesie bisweilen mit starken Schlacken nüchtern gereimter Prosa wechseln“, aber die Leidenschaft des Herzens gebietet ihm dann doch, eben jenen Lappe mehrfach lyrisch zu Wort kommen zu lassen, mit Gedichten, die sonst wohl längst vergessen wären. Jürgensohns ungeteilte Verehrung gehört aber offensichtlich dem Pastor aus Altenkirchen auf Rügen, Ludwig Kosegarten (1758–1818), sowie dem Begründer der Rügenforschung und Reiseschriftsteller Johann Jacob Grümbke (1771–1849). An der unverstellten Neugierde ebenso wie am sprachlichen und wissenschaftlichen Format dieser beiden Klassiker der Rügenliteratur orientierte sich Jürgensohn mit seinem Reisebuch. Er ist „enthusiastischer Bewunderer“ und „kaltblütiger Beobachter“, wie schon Grümbke über sich selbst schrieb, und er hat einen Reisebegleiter von zeitloser Aktualität verfasst, ein Sehnsuchtsbuch für alle Freunde der schmalen Insel.

Diese Neuausgabe folgt dem Wortlaut des Originaltextes. Lediglich offensichtliche Satzfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Interpunktion wurde vereinheitlicht und dabei den heutigen Regeln angepasst. Freilich bei allen Korrekturen ohne Rücksicht auf die sogenannte Rechtschreibreform, die Jürgensohns Kommentar zur Neuschreibung des Namens der Insel ja auch ganz gut trifft: „Jetzt aber ist allgemein eine furchtbare Verwirrung eingerissen, und alle möglichen Schreibweisen werden durcheinander gemischt.“ Nicht übernommen wurde das typografische Konzept der Originalausgabe, das betrifft vor allem den Wechsel der Schriftgrössen, die Sperrungen von Wörtern und ähnliches. Verzichtet wurde zudem auf die Wiedergabe der Karten (in der Originalausgabe 10 farbige Karten und Ortspläne; veröffentlicht in: Ute Fritsch [Hg.]: Künstlerkarte Hiddensee. Faltkarte, ISBN 978-3-931911-25-6, Berlin 2008) und Abbildungen sowie auf den Anzeigenteil. Auslassungen sowie Bemerkungen durch den Herausgeber werden durch eckige Klammern gekennzeichnet, die Auslassungen betreffen ausnahmslos Hinweise auf die Karten. Des weiteren wurden, soweit für sinnvoll erachtet und möglich, abgekürzte Wörter und Namen ausgeschrieben.
Dresden und Kloster auf Hiddensee,
Frühjahr 2013 / 2019
Detlef Krell

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