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Christiane Uhlig

Christiane Uhlig, Dr. phil., arbeitet als freischaffende Historikerin in Zürich, Forschungsschwerpunkte sind osteuropäische, jüdische und schweizerische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie ist Autorin mehrerer Frauenbiographien, zurzeit Mitarbeiterin am Aufbau einer Bilddatenbank Jüdisches Leben in der Schweiz am Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich.

'Jetzt kommen andere Zeiten' von Christiane Uhlig

Neuerscheinung

'Jetzt kommen andere Zeiten'
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Das Leben von Lotte Schwarz, geb. Benett, und ihre Texte stehen für vieles mehr als ihre drei geographischen Koordinaten – Hamburg, Zürich, Brüttisellen – es vermuten lassen. Geboren 1910, spiegelt sich in ihrer Biographie dieses 'kurze Jahrhundert' der Extreme, das für sie die Erfahrung zweier Weltkriege, nationalsozialistische Diktatur, Verfolgung und Exil in der Schweiz bedeutete, gefolgt vom Neubeginn im Zeichen des Wirtschaftsaufschwungs, vom Kalten Krieg und von einschneidenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Lotte Schwarz mischte sich ein und meldete sich auf vielfältige Weise zu Wort.
Lotte Schwarz lebte, bis sie vierundzwanzig war, in Hamburg. Ihr beruflicher Weg führte sie von der Austrägerin von Verhütungsmitteln über das Dienstmädchen zur Bibliothekarin, ihr politischer Weg von den Guttemplern über die Frauenrechtlerinnen der Weimarer Republik zur Kommunistischen Jugend und zu den antistalinistischen Roten Kämpfern. Nach Hitlers Machtergreifung folgte die Flucht in die Schweiz.
Dort fand sie 1938 ihr wichtigstes Wirkungsfeld: das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich, wo sie während zehn Jahren als Bibliothekarin tätig war. Mit ihrem Wissen und ihrer grossen Hilfsbereitschaft war sie die ideale Anlaufstelle für viele Emigranten und Flüchtlinge. Zwar trat Lotte Schwarz in der Schweiz der Sozialdemokratischen Partei bei, ihre sozialistischen Ideale verlangten aber zeitlebens mehr, als die Reformpolitik ihrer Partei vorsah. Dies kommt in den zahlreichen Artikeln, Essays und Romanen zum Ausdruck, die sie verfasst hat. In ihnen thematisiert sie gesellschaftliche Entwicklungen und Probleme, die sie aus eigener Anschauung kannte. Sie reichen von der Arbeitssituation der Dienstmädchen, den Schwierigkeiten berufstätiger Frauen, über das fehlende Frauenstimmrecht, die Mühsal der Emigration bis hin zu Architekturthemen, die sie in der Folge ihrer Heirat mit dem Architekten Felix Schwarz beschäftigt haben. Im 1956 erschienenen 'Tagebuch mit einem Haus' schildert sie zwar vordergründig den Bau des eigenen Hauses in Brüttisellen, tatsächlich aber präsentiert sie mit dem Buch eine eigentliche Studie einer Schweizer Familie der fünfziger Jahre.
Gescheit, kreativ, grosszügig, humorvoll, menschlich – so wurde sie von ihren Freunden und Freundinnen erlebt. Zu diesen gehörten Schriftsteller wie François Bondy, Adrien Turel und Ignazio Silone, Künstler wie Hans Aeschbacher, Richard Paul Lohse und Ernst Scheidegger, politische Mitstreiter wie Robert Jungk, Anna Siemsen, Fritz und Paulette Brupbacher und viele mehr, von denen im Buch ebenfalls die Rede ist.

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