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Qian Zhongshu

Qian Zhongshu, 1910 geboren, lehrte nach dem Studium in Oxford und an der Pekinger Qinghua-Universität zeitweise als Anglistik-Professor. Der hervorragende Kenner der europäischen Literatur wurde 1946 mit dem Erzählungsband Menschen, Tiere, Gespenster schlagartig berühmt. Im selben Jahr erschien als Fortsetzungsroman sein wichtigstes Buch Die umzingelte Festung das ab 1949 nicht mehr aufgelegt werden durfte. Qian Zhongshu, der während der Kulturrevolution deportiert worden war, erhielt Berufsverbot und musste u. a. als Hausmeister arbeiten. 1976, nach dem Sturz der »Viererbande« wurde Qian, ebenso wie seine Frau, die Autorin Yang Jian, rehabilitiert. Er starb 1998.

Die umzingelte Festung von Qian Zhongshu

Neuerscheinung

Die umzingelte Festung
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Die umzingelte Festung ist die Geschichte des leichtsinnigen Taugenichts Fang Hongjian. Nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt kehrt der junge Mann 1937 aus Europa über Hongkong zurück nach China, um dort die seit Langem verabredete Ehe zu schliessen. Doch auch sein unter zweifelhaften Umständen gekaufter Doktortitel hilft nicht darüber hinweg, dass er keine praktischen Fähigkeiten vorweisen kann, und schnell wird klar, dass er die an ihn gestellten Erwartungen nicht erfüllen kann. Als seine Verlobte noch vor der Heirat stirbt, stürzt er sich in bunte erotische Abenteuer, durch die er in ein Netz von Abhängigkeiten, Intrigen und Verpflichtungen gerät. Qian Zhongsu entführt den Leser in eine meisterhaft geschilderte Kultur im Umbruch, in der Tradition und Moderne unversöhnlich aufeinanderprallen. Qians Sprachwerk, das Merkmale eines barocken Schelmenromans trägt, wird damit zu einem leichthin erzählten Schlüsselroman der chinesischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert.

Die umzingelte Festung, »realistische Gesellschaftssatire und zugleich hintergründiger ›Gelehrtenroman‹, zählt zu den Meisterleistungen der modernen chinesischen Literatur« (Kindlers Neues Literaturlexikon) und wurde mehrfach verfilmt, u. a. als Fernsehserie, in viele Sprachen übersetzt und nach 1980 auch in China ein Bestseller.

»Der Titel von Qians Roman Die umzingelte Festung wirft eine lange Luftschlange zu Montaigne. Der hat einmal die Ehe eine ›forteresse assiégée‹ genannt: die draussen wollen rein, die drinnen rausgelassen werden. Die umzingelte Festung ist ein Roman über die Kulturkrise einer Nation, in der alle Werte schon deswegen nicht umgewertet werden können, weil eine gewaltige Werte-Inflation herrscht und weil so viele Buchhalter getürmt sind, dass niemand mehr bilanzieren kann. Das trifft auch die handelnden Personen, von denen einige zunächst ein Sympathie-Kapital anhäufen können, das ihnen der Autor wenige Seiten später mit ein paar Federstrichen zu Falschgeld ummünzt.« - Tilman Spengler, Der Spiegel

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