Karnak-Café

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Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

22.09.2010

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

128

Maße (L/B/H)

18.9/11.6/1.3 cm

Gewicht

136 g

Beschreibung

Rezension

»›Karnak-Café‹ ist zur Zeit mein absolutes Lieblingsbuch und wird es bestimmt noch ganz lange bleiben, weil es auf seinen ca. 120 Seiten so unglaublich stark und ergreifend ist.« ("Hugendubel Buch-Blog, hugendubel.de")
»Die feine Sprache des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser kurze Roman ein engagiertes, ja zorniges Plädoyer gegen die Resignation in der arabischen Gesellschaft ist, die letztlich nur den Nährboden für extremistisches Gedankengut bereitet.« ("Leben und Glaube / Der Sonntag")
»›Karnak-Café‹ ist ein famoses Zeitdokument – und bedauerlicherweise auch von beklemmender Aktualität, denn Machfus` Innenschau in die Seelenlage von Menschen, die Ihre Ideale verraten sehen, die sich als schwach erweisen und als Spitzel anwerben lassen, um mit heiler Haut davon zu kommen, trifft nicht nur auf die ägyptische Gesellschaft nach der Niederlage von 1967 zu.« ("Dresdner Neueste Nachrichten")
»Nagib Machfus schildert in diesem sehr gedrungenen Epos auf fast beschwörende Weise die Stimmung im Ägypten der ausklingenden Nasser-Ära. Was als schwärmerische Romanze anhebt, entpuppt sich als Politdrama von höchster Brisanz. Selten brachte der Nobelpreisträger deutlicher zum Ausdruck, welche Frustration sich bei ihm in dieser Phase der gesellschaftlichen Stagnation aufstaute.« ("Freie Presse")
»Am Ende dieses meisterhaften von der 2008 gestorbenen Machfus-Übersetzerin Doris Kilias vorzüglich übertragenen Romans geht es doch wieder um die Liebe. Kurunfula hat sich in Munir Achmed verliebt – einen politisch desillusionierten jungen Mann. Glück, sagt das wohl, ist bis auf weiteres nur in den Verhältnissen des Privaten zu finden.« ("Badische Zeitung")
»Allen Bibliotheken sehr zu empfehlen, Literaturkreisen ebenso wie Schulbibliotheken für einen ›angewandten‹ und der Welt zugewandten Geschichts– und Geografieunterricht.« ("bn Bibliotheksnachrichten")
»Gleich einem Erdbeben verarbeitet Machfus die Niederlage des ägyptischen Volkes. Es muss erfahren, dass gerade die eigene Hybris ihre gedachte Weltordnung aus den Fugen geraten lässt. Die Menschen im Café, die nicht begreifen wollen, was geschehen ist, sind Symbol für die Erschütterung jener scheinbaren Einheit. Es ist die zornige Abrechnung mit Revolutionsheuchelei und den frevelhafen Triumpfmärschen, die auf dem Boden des Blutes stattfinden.« ("Die Berliner Literaturkritik")
»Im Jahr des desillusionierenden Sechstagekriegs siedelt Nagib Machfus seinen Roman an. Er fängt auf knapp 120 Seiten im Spiegel eines kleinen Cafés in Kairo die niederschmetternde Stimmung ein: ein Klima der Repression, der Beklemmung, der Trauer, aber auch hitziger Debatten oder aufgezwungener Resignation.« ("Tagblatt St. Gallen")
»Machfus stellt sein hohes literarisches Können und seinen unbestechlichen Blick in eine unruhige, aufgewühlte Welt unter Beweis.« ("Ostthüringer Zeitung")

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

22.09.2010

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

128

Maße (L/B/H)

18.9/11.6/1.3 cm

Gewicht

136 g

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

al-Karnak

Übersetzt von

Doris Kilias

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-20501-7

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Ein lesenswertes Buch!

monerl aus Langen am 08.10.2018

Bewertungsnummer: 1138509

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Meine Meinung Der Einstieg ist mir sehr leicht gefallen. Der Autor schafft Atmosphäre und verbreitet ein gutes Gefühl in Bezug auf das Karnak-Café und seine (Stamm)Gäste. Wenn man Ägypten bereits bereist hat, kann man sich diese Art von Café sehr gut vorstellen. Man hat die Gäste vor Augen, wie sie ihre Zeit dort genießen, über Politik, die Liebe und Gott und die Welt palavern. Das machen Ägypter in solchen Cafés tatsächlich mit riesengroßer Freude. Eher unüblich ist dabei die Anwesenheit von Frauen, sowohl als Inhaberin als auch als Gast. Dies muss jedoch an der Zeit liegen, in der das Buch verortet ist. In den 50er sowie 60er Jahren stellten Frauen in Cafés in Kairo durchaus ein normales Straßenbild dar. Der Erzähler stolpert ganz zufälltig über das Café und erkennt in der Inhaberin die in den 40er Jahren berühmte Bauchtänzerin Kurunfula. Ihr Name ist auf die Nelke zurückzuführen, die im Ägyptisch Arabisch “karanful” (قرنفل) heißt. Sie strahlt und er erinnert sich an die damalige Zeit, in der er Kurunfula bewunderte und freute sich nun umsomehr dieses Café gefunden zu haben, in dem er sich schnell sehr wohl und als einer von -ihnen- fühlte. “Was aber diesen Ort zu etws ganz Besonderem machte, war die innige Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart, von wehmütiger Erinnerung an schöne Zeiten und dem Stolz auf die rühmliche Jetztzeit. Über allem schwebte der Zauber des unerwarteten Zufalls. Da war einfach nur meine Uhr stehen geblieben, und schon erlebte ich einen so manigfaltigen Reiz. Oh ja, sagte ich mir, wann immer die Zeit es erlaubt, soll das Karnak-Café der Ort sein, an dem ich mich ausruhe und erhole.“ (S. 7f.) Doch dieser wundervolle Café-Alltag hällt nicht für immer. Drei junge Stammgäste, einer davon ist Hilmi Hamada, in den Kurunfula sehr verliebt ist, sind plötzlich für eine längere Zeit verschwunden. Irgendwann erscheinen sie wieder und es ist klar, dass sie Schreckliches erlebt haben, und dass das mit dem Geheimdienst zu tun hat. Die drei verschwinden noch zweimal und jedes Mal kommen sie älter und verstörter zurück. Und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, widerfährt dem ägyptischen Volk in dieser harten, politischen Zeit eine schmerzhafte Niederlagen, bei der über 10.000 Soldaten den Tod fanden. Es ist die Niederlage im Kampf gegen Israel, der Ägypten durch den Sechstagekrieg/Junikrieg (05.-10. Juni 1967) den Stolz und die Söhne nahm. Nagib Machfus hat seine Novelle einige Wochen nach dem Sechstagekrieg geschrieben und man erkennt dabei, dass er diesen als auch die gesamte ägyptische Politik darin verarbeitet und kritisiert. Diese Novelle ist nicht sehr umfangreich. In den ca. 120 Seiten reduziert Machfus somit alles auf das Wichtigste. Als Leser kann man der Entwicklung folgen, wobei es ohne Kenntnisse zur ägyptischen Politik, der Revolution von 1952, dem Sechstagekrieg und den Gesellschaftsstrukturen nicht leicht fällt, das Gesagte zu verstehen. Das Buch muss in der zeitlichen Verortung gesehen und gelesen werden, damit Machfus’ Worte verstanden werden können. Meine Interpretation des Endes ist, dass sich das Volk verraten und vergewaltigt fühlte; von der Revolution, von den Versprechungen, von der Führungspolitik. Am Ende blieb ihnen nicht einmal mehr der Stolz – und der ist sehr wichtig für viele Ägypter. Wenn man schon in Ägypten war und die Gelegenheit hatte sich mich Einheimischen zu unterhalten, konnte man ganz bald erkennen, dass die meisten Ägypter stolz darauf sind, Ägypter zu sein. Was auch immer das im Grunde bedeuten soll. Der Autor hat noch etwas Hoffnung für sein Land. Dass er die aber durch den Mund des Folterers kundtut, der in den Kreis des Karnak-Cafés aufgenommen wird, spricht meiner Ansicht nach Bände. “Lasst mich in aller Kürze sagen, was für mich die Quintessenz dessen ist, was ich in der letzten Zeit gelernt habe. Mit der Niederlage war mein früheres Leben beendet, aber ich bin aus dieser Krise mit neuen Erkenntnisssen hiervorgegangen, die mir für mein zukünftiges Leben als Richtschnur dienen werden. Was für Prinzipien das sind? Erstens: Begib dich niemals wieder auf den Irrweg von Willkür und Diktatur. […]“ (S.116) Ich hätte mir insgesamt aber ein paar Seiten mehr gewünscht, auf denen die Charaktere ein bisschen näher beschrieben worden wären. Dies ist kein Entwicklungsroman. Das Buch beschreibt eigentlich den damaligen Ist-Zustand, wie der Autor ihn empfand. Sehr gut gefallen haben mir zum Schluss die Worterklärungen, die Infos zur Übersetzerin und eine Art Nachwort zum Buch von Roger Allen. Das alles gibt einem ein größeres Gefühl für das “Karnak-Café”. Fazit Ein sehr interessantes Buch über die ägyptische Gesellschaft bis Ende der 60er Jahre. Ein wahrlich historisches Buch, das die damalige politische Landschaft und Struktur beschreibt, in der es zum damaligen Zeitpunkt geschrieben wurde. Dies ist kein Buch, das man einfach so zwischendurch liest, um sich zu unterhalten. Ohne Vorwissen oder nachträgliche Recherche als auch Interesse an Ägypten und seiner Gesellschaft, wird sich dem Leser der Inhalt des Buches nicht richtig eröffnen. Es wird lediglich ein geschriebener Text bleiben, der nicht berührt. Dies finde ich sehr schade und wird dem Buch und dem Autor nicht gerecht. Deshalb sollte jeder die Finger davon lassen, der sich nicht für Klasser, nicht für Politik und nicht für Ägypten und seine Konflikte interessiert.

Ein lesenswertes Buch!

monerl aus Langen am 08.10.2018
Bewertungsnummer: 1138509
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Meine Meinung Der Einstieg ist mir sehr leicht gefallen. Der Autor schafft Atmosphäre und verbreitet ein gutes Gefühl in Bezug auf das Karnak-Café und seine (Stamm)Gäste. Wenn man Ägypten bereits bereist hat, kann man sich diese Art von Café sehr gut vorstellen. Man hat die Gäste vor Augen, wie sie ihre Zeit dort genießen, über Politik, die Liebe und Gott und die Welt palavern. Das machen Ägypter in solchen Cafés tatsächlich mit riesengroßer Freude. Eher unüblich ist dabei die Anwesenheit von Frauen, sowohl als Inhaberin als auch als Gast. Dies muss jedoch an der Zeit liegen, in der das Buch verortet ist. In den 50er sowie 60er Jahren stellten Frauen in Cafés in Kairo durchaus ein normales Straßenbild dar. Der Erzähler stolpert ganz zufälltig über das Café und erkennt in der Inhaberin die in den 40er Jahren berühmte Bauchtänzerin Kurunfula. Ihr Name ist auf die Nelke zurückzuführen, die im Ägyptisch Arabisch “karanful” (قرنفل) heißt. Sie strahlt und er erinnert sich an die damalige Zeit, in der er Kurunfula bewunderte und freute sich nun umsomehr dieses Café gefunden zu haben, in dem er sich schnell sehr wohl und als einer von -ihnen- fühlte. “Was aber diesen Ort zu etws ganz Besonderem machte, war die innige Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart, von wehmütiger Erinnerung an schöne Zeiten und dem Stolz auf die rühmliche Jetztzeit. Über allem schwebte der Zauber des unerwarteten Zufalls. Da war einfach nur meine Uhr stehen geblieben, und schon erlebte ich einen so manigfaltigen Reiz. Oh ja, sagte ich mir, wann immer die Zeit es erlaubt, soll das Karnak-Café der Ort sein, an dem ich mich ausruhe und erhole.“ (S. 7f.) Doch dieser wundervolle Café-Alltag hällt nicht für immer. Drei junge Stammgäste, einer davon ist Hilmi Hamada, in den Kurunfula sehr verliebt ist, sind plötzlich für eine längere Zeit verschwunden. Irgendwann erscheinen sie wieder und es ist klar, dass sie Schreckliches erlebt haben, und dass das mit dem Geheimdienst zu tun hat. Die drei verschwinden noch zweimal und jedes Mal kommen sie älter und verstörter zurück. Und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, widerfährt dem ägyptischen Volk in dieser harten, politischen Zeit eine schmerzhafte Niederlagen, bei der über 10.000 Soldaten den Tod fanden. Es ist die Niederlage im Kampf gegen Israel, der Ägypten durch den Sechstagekrieg/Junikrieg (05.-10. Juni 1967) den Stolz und die Söhne nahm. Nagib Machfus hat seine Novelle einige Wochen nach dem Sechstagekrieg geschrieben und man erkennt dabei, dass er diesen als auch die gesamte ägyptische Politik darin verarbeitet und kritisiert. Diese Novelle ist nicht sehr umfangreich. In den ca. 120 Seiten reduziert Machfus somit alles auf das Wichtigste. Als Leser kann man der Entwicklung folgen, wobei es ohne Kenntnisse zur ägyptischen Politik, der Revolution von 1952, dem Sechstagekrieg und den Gesellschaftsstrukturen nicht leicht fällt, das Gesagte zu verstehen. Das Buch muss in der zeitlichen Verortung gesehen und gelesen werden, damit Machfus’ Worte verstanden werden können. Meine Interpretation des Endes ist, dass sich das Volk verraten und vergewaltigt fühlte; von der Revolution, von den Versprechungen, von der Führungspolitik. Am Ende blieb ihnen nicht einmal mehr der Stolz – und der ist sehr wichtig für viele Ägypter. Wenn man schon in Ägypten war und die Gelegenheit hatte sich mich Einheimischen zu unterhalten, konnte man ganz bald erkennen, dass die meisten Ägypter stolz darauf sind, Ägypter zu sein. Was auch immer das im Grunde bedeuten soll. Der Autor hat noch etwas Hoffnung für sein Land. Dass er die aber durch den Mund des Folterers kundtut, der in den Kreis des Karnak-Cafés aufgenommen wird, spricht meiner Ansicht nach Bände. “Lasst mich in aller Kürze sagen, was für mich die Quintessenz dessen ist, was ich in der letzten Zeit gelernt habe. Mit der Niederlage war mein früheres Leben beendet, aber ich bin aus dieser Krise mit neuen Erkenntnisssen hiervorgegangen, die mir für mein zukünftiges Leben als Richtschnur dienen werden. Was für Prinzipien das sind? Erstens: Begib dich niemals wieder auf den Irrweg von Willkür und Diktatur. […]“ (S.116) Ich hätte mir insgesamt aber ein paar Seiten mehr gewünscht, auf denen die Charaktere ein bisschen näher beschrieben worden wären. Dies ist kein Entwicklungsroman. Das Buch beschreibt eigentlich den damaligen Ist-Zustand, wie der Autor ihn empfand. Sehr gut gefallen haben mir zum Schluss die Worterklärungen, die Infos zur Übersetzerin und eine Art Nachwort zum Buch von Roger Allen. Das alles gibt einem ein größeres Gefühl für das “Karnak-Café”. Fazit Ein sehr interessantes Buch über die ägyptische Gesellschaft bis Ende der 60er Jahre. Ein wahrlich historisches Buch, das die damalige politische Landschaft und Struktur beschreibt, in der es zum damaligen Zeitpunkt geschrieben wurde. Dies ist kein Buch, das man einfach so zwischendurch liest, um sich zu unterhalten. Ohne Vorwissen oder nachträgliche Recherche als auch Interesse an Ägypten und seiner Gesellschaft, wird sich dem Leser der Inhalt des Buches nicht richtig eröffnen. Es wird lediglich ein geschriebener Text bleiben, der nicht berührt. Dies finde ich sehr schade und wird dem Buch und dem Autor nicht gerecht. Deshalb sollte jeder die Finger davon lassen, der sich nicht für Klasser, nicht für Politik und nicht für Ägypten und seine Konflikte interessiert.

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