Ausgerechnet ich. Gespräche mit Martin Meyer

Ausgerechnet ich. Gespräche mit Martin Meyer

Buch (Gebundene Ausgabe)

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Beschreibung

Alfred Brendel erzählt: von seinem Leben und seiner musikalischen und literarischen Arbeit, von den Anfängen in Zagreb und Graz, den frühen Jahren in Wien und den prägenden Begegnungen mit Philosophen und Schriftstellern in London. In den mit viel Witz und herrlichen Anekdoten gewürzten Gesprächen mit Martin Meyer, Feuilletonchef der Neuen Zürcher Zeitung, steht natürlich die Musik selbst im Mittelpunkt. Man hört besser, wenn man dieses Buch gelesen hat.

"Der gelassene, von makelloser Kompetenz getragene Ernst dieser Konversation ist in einer Zeit der Talkshows eine Wohltat. (...) Hier kommt es zum Gespräch zweier vernünftiger und ebenbürtiger Partner, wie man es selbst in der Fachliteratur für nahezuausgestorben hielt." (Urs Frauchiger, Neue Züricher Zeitung)

Alfred Brendel, 1931 in Wiesenberg/Nordmähren geboren, weltweit geschätzter Pianist, gilt als einer der bedeutendsten Interpreten klassisch-romantischer Musik des 20. Jahrhunderts. Als Schriftsteller ist er mit Essays und Gedichten hervorgetreten. Er ist u.a. Ehrendoktor der Universitäten von London, Oxford und Yale und lebt in London.

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.09.2012

Verlag

Carl Hanser Verlag

Seitenzahl

360

Maße (L/B/H)

21.1/13/2.9 cm

Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.09.2012

Verlag

Carl Hanser Verlag

Seitenzahl

360

Maße (L/B/H)

21.1/13/2.9 cm

Gewicht

512 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-20001-2

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Sie wurden, wenn man überspitzt formulieren darf, vom frühen, eigenbrötlerisch versunkenen Musiker in Graz und Wien nun plötzlich zum Familienvater in London. Was bewog Sie dazu, von Wien nach England zu übersiedeln?
Ich habe da eine ganz kurze Antwort. Wenn man niest, sagt man in Wien: "Hatschi!" In England sagt man gedämpft: "Häbdschu". Das ist menschenfreundlicher. Im Ernst: es gab verschiedene Gründe. Erst einmal wollte ich immer schon in einer möglichst kosmopolitischen Stadt leben. Ich bin ein Städter. Ich hatte seit meinem fünften Jahr im Sommer unter Heuschnupfen zu leiden, was mich davon abgehalten hat, ins Grüne zu gehen. Das ist in den letzten Jahren besser geworden, auch weil es bessere Medikamente gibt, die einen nicht mehr müde machen. Ich bin von Graz nach Wien gegangen. Wien war in den ersten zehn Jahren nach dem Krieg sehr aufregend, weil man so vieles neu anfangen musste. Die Leute hatten wenig und waren dafür um so angeregter in dem, was sie künstlerisch machen wollten. Das "Grossdeutsche Reich" hatte so viel Wesentliches in der Musik und in der bildenden Kunst abgesperrt, weggedrängt. Das kam nun wieder zum Vorschein.
Dann begann Wien für meinen Geschmack etwas zu stagnieren und provinziell zu sein. Das hat sich in letzter Zeit wie-der geändert durch die Öffnung nach dem Osten und aus vielen anderen Gründen. Aber Wien schien mir damals eine Provinzstadt selbstzufriedener Art, die in der Vergangenheit lebte. Ich war schon öfter in London gewesen, konnte ganz gut Englisch, hatte dort Freunde und lernte dort auch meine jetzige Frau kennen, die bereits in London lebte. London war auch einen Schritt näher nach Amerika, obwohl ich schon früher jedes Jahr mindestens einmal dorthin gereist war. Ausserdem redet man in England, wenn man spricht oder schreibt, möglichst ohne Komplikationen. Ich liebe einen Satz von Einstein: Alles soll so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher. Das versteht man hier, so glaube ich, besser als auf dem Kontinent, selbst in Universitätskreisen. Dazu kommen die demokratische Tradition, also die Jahrhunderte parlamentarischer Erfahrung, und die empirische Philosophie, die mich nun wieder als in Österreich ansässig Gewesenen heimatlicher berührte als der deutsche Idealismus.
War Wien für Sie in den fünfziger und frühen sechziger Jahren ein intellektuelles und vielleicht auch psychisches Zentrum?
Als ich aus Graz kam, war der Schritt nach Wien zunächst der Schritt in eine grössere Stadt, eine Stadt mit einer grossen Vergangenheit, aber auch eine Stadt in einem neuen Aufbruch unmittelbar nach dem Krieg. Wir hatten wenig Geld, wir hatten wenig zu heizen, aber es war sehr viel Elektrizität in der Luft. Ich fand bald heraus, dass Wien eine gute Stadt war, um darin im Protest zu leben. Ich sage damit nichts besonders Neues, weil auch die intelligenten Wiener das eigentlich immer getan haben. Es gibt genügend Aussprüche, die das bestätigen. Man muss nicht gleich in endlose Tiraden verfallen wie Thomas Bernhard; man kann das auch aphoristisch sagen. Ich denke an Albert Ehrenstein, den Dichter, der noch vor dem Ersten Weltkrieg in einem Gedicht eine Zeile schrieb: "Wien, Du mürbes Goderl der Welt." Hübsch, nicht wahr? Nach dem Krieg kam Polgar und redete vom "fidelen Grab an der Donau". Oder nehmen Sie Karl Kraus' Wort von der Versuchsstation des Weltuntergangs, und Musil, der ungefähr sagte, in Wien sei der Menschenhass zum Gemeinschaftsgefühl gesteigert. Nach dem Krieg replizierte Jandl mit der Schlusszeile eines Gedichts: "Wien, Du mein Aus und Schluss." Peter Handke schliesslich nannte &Ou
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