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Der Große Krieg

Die Welt 1914 bis 1918

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Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

06.12.2013

Verlag

Rowohlt Berlin

Seitenzahl

928

Maße (L/B/H)

22/15.4/5.5 cm

Beschreibung

Rezension

Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 13.01.14
Herfried Münkler schlüsselt ein extrem komplexes Szenario in einem flüssig geschrieben Buch auf. "Der Große Krieg: Die Welt 1914 - 1918" hat zwar über 900 Seiten, aber Münkler schafft es fast durchgehend nicht weit auszuholen, sondern schlüssig und prägnant zu erklären und zu erläutern. Anders als bei dem Bestseller "Die Schlafwandler", der den Weg in den 1. Weltkrieg zeigt, erfährt man in diesem Buch die Widerungen der ganzen Kriegszeit aus deutscher Sicht. Münkler zeigt auch, wie schon kleine Fehlentscheidungen eine geschichtlich epochale Wirkung haben können. Wenn man das Buch aufmerksam gelesen hat, kann man diesen Satz nur bestätigen: "Wenn wir den 1. Weltkrieg nicht verstehen, wird uns das ganze 20. Jahrhundert ein Rätsel bleiben."

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

06.12.2013

Verlag

Rowohlt Berlin

Seitenzahl

928

Maße (L/B/H)

22/15.4/5.5 cm

Gewicht

1060 g

Auflage

8. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-87134-720-7

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Großartig! Lesenswert! Erschütternd!

Bewertung aus Naumburg am 22.10.2017

Bewertungsnummer: 1056596

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Herfried Münkler hat mit „Der Große Krieg“ ein ganz großartiges, absolut lesenswertes und zugleich erschütterndes Werk vorgelegt – auch wenn es keineswegs, wie der Einband verspricht, „die Welt 1914-1918“ erklärt, sondern sich weitgehend auf die deutsche und österreichische Geschichte konzentriert. Zu den Stärken des Buches gehört zweifellos, dass es eine politikwissenschaftliche und keine historiografische Schrift ist. Im Gegensatz zu herkömmlichen historisch-deskriptiven ‚Erzählungen‘, in denen Ereignisse meist als unausweichliche Folge vorhergegangener Entscheidungen dargestellt werden, und alles geradezu zwangsläufig auf die vom Autor vertretene These hinausläuft, arbeitet Münkler immer wieder heraus, dass die Handelnden in verschiedenen Situationen auch anders hätten agieren können: „Es gehört zu den […] Paradoxien jener geschichtlichen Augenblicke, […] dass der moralische Mut für Initiativen, die sich gegen den Strom der Ereignisse stemmen und ihn aufzuhalten versuchen, überaus gering ist oder gänzlich fehlt. Und es hätte sicherlich Mut dazu gehört, in dieser Situation [des „Steckenbleibens“ des deutschen Angriffs auf Frankreich im November 1914] offen einzugestehen, dass alle Leiden vergeblich gewesen waren. Unter den führenden Akteuren […] hat sich keiner gefunden, der dazu bereit gewesen wäre. Der Krieg wurde somit auch darum weitergeführt, weil sich die Politiker vor Auseinandersetzungen im Innern fürchteten.“ (S. 295) --x-- Münkler folgt dem im angelsächsischen Raum verbreiteten Erklärungsmuster, man sei in den 1. Weltkrieg „hineingeschlittert“ (statt der gerade hierzulande verbreiteten Kriegsschuldthese Deutschlands) und die deutsche Regierung habe – wie die Regierungen der übrigen europäischen Mächte – nur nicht den Mut und die Kraft gehabt, unkonventionelle, d. h. gegen die militärischen Eliten gerichtete Entscheidungen zu treffen. Sätze wie: „Hätte man dort [in der russischen Hauptstadt St. Petersburg] auf Mobilmachung und Kriegserklärung verzichtet, so wäre es nur zu einem Dritten Balkankrieg gekommen“, hätten in den 1980er Jahren noch einen weiteren Historikerstreit provoziert und Münkler wahrscheinlich den Titel eines Revisionisten eingebracht. Dadurch wird aber nur umso deutlicher, wie durch Voreingenommenheit, Engstirnigkeit, Entscheidungsangst und Konfliktscheu aus einem regionalen Konflikt der „Große Krieg wurde und warum er vier Jahre dauerte, statt vier Monate. Glaubt man Münkler, hatte in Deutschland keiner den Mumm, eine innenpolitisch unpopuläre Entscheidung zu treffen und sich gegen die Militärs zu stellen. Dafür starben Millionen, dafür gingen Reiche zugrunde. Das ist die bittere Erkenntnis nach der Lektüre dieses großen Werkes. --x-- Doch das Buch hat auch Schwächen: So ist das Einführungskapitel ziemlich verkorkst. Statt eine Art Standbildaufnahme zu zeigen, also eine Beschreibung der ‚Szene‘ (Europa) und der ‚Akteure‘ (Nationen, Regierungen), sowie ihrer ökonomischen und politischen Lage zu Beginn des 1. Weltkrieges zu geben, lässt Münkler seine Untersuchung recht fix mit dem Attentat auf den österreichischen Kronprinzen beginnen, um sich – den Eindruck hat man – schnellstmöglich den Kampfhandlungen widmen zu können. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, sollte nochmal alte Schulbücher wälzen (oder Christopher Clarks glänzenden Schmöker „The Sleepwalkers“). Münklers Konvolut hätte auch ein Kapitel über den ‚Krieg als Schöpfer aller Dinge‘ gutgetan: Stahlhelme, Maschinengewehre, Schrappnelle, Gasangriffe, Flammenwerfer, Zeppelin-Luftaufklärung, Kriegsflugzeuge, Panzer, aber auch Kriegspropaganda, Sabotage, politische Infiltration – alle diese Neuerungen fließen bei Münkler nebenbei in den Haupttext ein. Wie revolutionär diese Umwälzungen des ‚Kriegshandwerks‘ auf die Menschen jedoch wirken mussten, wäre deutlicher geworden, hätte Münkler ihnen ein eigenes Kapitel gewidmet. Münkler setzt auch voraus, dass wichtige Personen und Orte bekannt sind. Hier hätte ein Glossar oder zumindest ausführlicheres Kartenmaterial gute Dienste erwiesen. So muss der interessierte Laie in einem Konversationslexikon oder im DTV-Atlas zur Weltgeschichte Hilfe suchen. Dazu kommen stilistische Schwächen: Das Präteritum ist als Erzähltempus nicht immer durchgehalten, Münkler verwendet häufig das sperrige Perfekt. Teilweise lassen sich Vor- und Nachzeitigkeit nur aus dem Kontext erschließen. Und die Syntax ist mitunter komplex. Dazu kommen hin und wieder typische Historikerphrasen à la: „Die Menschen machten sich Mut für das, was der Tag noch bringen würde. Sie wollten dabei sein, wenn sich das gewohnte Leben grundlegend verändern sollte.“ (S. 109). Da fragt man sich, wie viele der Demonstranten, die im August 1914 vorm Berliner Schloss standen, Professor Münkler denn interviewt hat? Dennoch: Die Schwächen wiegen nicht schwer im Vergleich zur überragenden Qualität dieses Werks. --x-- Münklers Schrift umfasst knapp 800 Seiten Textteil, rund 70 Seiten Anmerkungen, 40 Seiten Literaturverzeichnis, 10 Seiten Namenregister, enthält zahlreiche kommentierte Bilder und einige Übersichtskarten. Herfried Münkler ist Professor für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit der Jahrtausendwende erregen seine Schriften erhöhte Aufmerksamkeit, sodass Münkler inzwischen gern von den Medien als Experte für internationale Konflikte zu Rate gezogen wird.

Großartig! Lesenswert! Erschütternd!

Bewertung aus Naumburg am 22.10.2017
Bewertungsnummer: 1056596
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Herfried Münkler hat mit „Der Große Krieg“ ein ganz großartiges, absolut lesenswertes und zugleich erschütterndes Werk vorgelegt – auch wenn es keineswegs, wie der Einband verspricht, „die Welt 1914-1918“ erklärt, sondern sich weitgehend auf die deutsche und österreichische Geschichte konzentriert. Zu den Stärken des Buches gehört zweifellos, dass es eine politikwissenschaftliche und keine historiografische Schrift ist. Im Gegensatz zu herkömmlichen historisch-deskriptiven ‚Erzählungen‘, in denen Ereignisse meist als unausweichliche Folge vorhergegangener Entscheidungen dargestellt werden, und alles geradezu zwangsläufig auf die vom Autor vertretene These hinausläuft, arbeitet Münkler immer wieder heraus, dass die Handelnden in verschiedenen Situationen auch anders hätten agieren können: „Es gehört zu den […] Paradoxien jener geschichtlichen Augenblicke, […] dass der moralische Mut für Initiativen, die sich gegen den Strom der Ereignisse stemmen und ihn aufzuhalten versuchen, überaus gering ist oder gänzlich fehlt. Und es hätte sicherlich Mut dazu gehört, in dieser Situation [des „Steckenbleibens“ des deutschen Angriffs auf Frankreich im November 1914] offen einzugestehen, dass alle Leiden vergeblich gewesen waren. Unter den führenden Akteuren […] hat sich keiner gefunden, der dazu bereit gewesen wäre. Der Krieg wurde somit auch darum weitergeführt, weil sich die Politiker vor Auseinandersetzungen im Innern fürchteten.“ (S. 295) --x-- Münkler folgt dem im angelsächsischen Raum verbreiteten Erklärungsmuster, man sei in den 1. Weltkrieg „hineingeschlittert“ (statt der gerade hierzulande verbreiteten Kriegsschuldthese Deutschlands) und die deutsche Regierung habe – wie die Regierungen der übrigen europäischen Mächte – nur nicht den Mut und die Kraft gehabt, unkonventionelle, d. h. gegen die militärischen Eliten gerichtete Entscheidungen zu treffen. Sätze wie: „Hätte man dort [in der russischen Hauptstadt St. Petersburg] auf Mobilmachung und Kriegserklärung verzichtet, so wäre es nur zu einem Dritten Balkankrieg gekommen“, hätten in den 1980er Jahren noch einen weiteren Historikerstreit provoziert und Münkler wahrscheinlich den Titel eines Revisionisten eingebracht. Dadurch wird aber nur umso deutlicher, wie durch Voreingenommenheit, Engstirnigkeit, Entscheidungsangst und Konfliktscheu aus einem regionalen Konflikt der „Große Krieg wurde und warum er vier Jahre dauerte, statt vier Monate. Glaubt man Münkler, hatte in Deutschland keiner den Mumm, eine innenpolitisch unpopuläre Entscheidung zu treffen und sich gegen die Militärs zu stellen. Dafür starben Millionen, dafür gingen Reiche zugrunde. Das ist die bittere Erkenntnis nach der Lektüre dieses großen Werkes. --x-- Doch das Buch hat auch Schwächen: So ist das Einführungskapitel ziemlich verkorkst. Statt eine Art Standbildaufnahme zu zeigen, also eine Beschreibung der ‚Szene‘ (Europa) und der ‚Akteure‘ (Nationen, Regierungen), sowie ihrer ökonomischen und politischen Lage zu Beginn des 1. Weltkrieges zu geben, lässt Münkler seine Untersuchung recht fix mit dem Attentat auf den österreichischen Kronprinzen beginnen, um sich – den Eindruck hat man – schnellstmöglich den Kampfhandlungen widmen zu können. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, sollte nochmal alte Schulbücher wälzen (oder Christopher Clarks glänzenden Schmöker „The Sleepwalkers“). Münklers Konvolut hätte auch ein Kapitel über den ‚Krieg als Schöpfer aller Dinge‘ gutgetan: Stahlhelme, Maschinengewehre, Schrappnelle, Gasangriffe, Flammenwerfer, Zeppelin-Luftaufklärung, Kriegsflugzeuge, Panzer, aber auch Kriegspropaganda, Sabotage, politische Infiltration – alle diese Neuerungen fließen bei Münkler nebenbei in den Haupttext ein. Wie revolutionär diese Umwälzungen des ‚Kriegshandwerks‘ auf die Menschen jedoch wirken mussten, wäre deutlicher geworden, hätte Münkler ihnen ein eigenes Kapitel gewidmet. Münkler setzt auch voraus, dass wichtige Personen und Orte bekannt sind. Hier hätte ein Glossar oder zumindest ausführlicheres Kartenmaterial gute Dienste erwiesen. So muss der interessierte Laie in einem Konversationslexikon oder im DTV-Atlas zur Weltgeschichte Hilfe suchen. Dazu kommen stilistische Schwächen: Das Präteritum ist als Erzähltempus nicht immer durchgehalten, Münkler verwendet häufig das sperrige Perfekt. Teilweise lassen sich Vor- und Nachzeitigkeit nur aus dem Kontext erschließen. Und die Syntax ist mitunter komplex. Dazu kommen hin und wieder typische Historikerphrasen à la: „Die Menschen machten sich Mut für das, was der Tag noch bringen würde. Sie wollten dabei sein, wenn sich das gewohnte Leben grundlegend verändern sollte.“ (S. 109). Da fragt man sich, wie viele der Demonstranten, die im August 1914 vorm Berliner Schloss standen, Professor Münkler denn interviewt hat? Dennoch: Die Schwächen wiegen nicht schwer im Vergleich zur überragenden Qualität dieses Werks. --x-- Münklers Schrift umfasst knapp 800 Seiten Textteil, rund 70 Seiten Anmerkungen, 40 Seiten Literaturverzeichnis, 10 Seiten Namenregister, enthält zahlreiche kommentierte Bilder und einige Übersichtskarten. Herfried Münkler ist Professor für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit der Jahrtausendwende erregen seine Schriften erhöhte Aufmerksamkeit, sodass Münkler inzwischen gern von den Medien als Experte für internationale Konflikte zu Rate gezogen wird.

Die Urkatastrophe

Tom Kratzsch am 10.02.2014

Bewertungsnummer: 835358

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Herfried Münklers Buch ist Pflicht! Er beschreibt den "Großen Krieg" von den Anfängen bis zu seinem, längst überfälligen Ende. Aus diesem Krieg kann viel gelernt werden, auch in der Gegenwart. Für Münkler ist der Erste Weltkrieg ein "...Kompendium für das, was alles falsch gemacht werden kann."(S.776). Richtig macht es dagegen die EU: "... die Gemeinschaft bietet Aufstrebenden eine Chance, weil sie diese nicht in die Grenzen eines national oder religiös bornierten Ministaates hineinzwängt, sondern Grenzen öffnet und Migration ermöglicht..." (S.761)

Die Urkatastrophe

Tom Kratzsch am 10.02.2014
Bewertungsnummer: 835358
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Herfried Münklers Buch ist Pflicht! Er beschreibt den "Großen Krieg" von den Anfängen bis zu seinem, längst überfälligen Ende. Aus diesem Krieg kann viel gelernt werden, auch in der Gegenwart. Für Münkler ist der Erste Weltkrieg ein "...Kompendium für das, was alles falsch gemacht werden kann."(S.776). Richtig macht es dagegen die EU: "... die Gemeinschaft bietet Aufstrebenden eine Chance, weil sie diese nicht in die Grenzen eines national oder religiös bornierten Ministaates hineinzwängt, sondern Grenzen öffnet und Migration ermöglicht..." (S.761)

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