Das Wochenende
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Nach 20-jähriger Haft hat ihn der Bundespräsident begnadigt. Zum ersten Wochenende in Freiheit lädt seine Schwester die alten Freunde ein. Für sie ist das Leben weitergegangen. Und für ihn? Was bleibt von der Zeit der Gewalt? Legenden? Bewältigung? Sprachlosigkeit?

Details

Verkaufsrang

40061

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

26.03.2013

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Verkaufsrang

40061

Erscheinungsdatum

26.03.2013

Verlag

Diogenes

Seitenzahl

240 (Printausgabe)

Dateigröße

2247 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783257603316

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Hart, derb, menschlich!

Bewertung aus Willich am 02.08.2021

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Titel: Das Wochenende Verlag: Diogenes Seiten: 240 Erscheinungsjahr: 2010 (2008) ISBN: 978-3-257-23965-2 Genre: Klassiker, Krit. Unterhaltung, Zeitgeschehen Art: flexibler Einband "Sie fand auch Jörg krank. Muss nicht krank sein, wer Leute umbringt, nicht aus Leidenschaft und Verzweiflung, sondern klaren Kopfs und kalten Bluts? (. . .) Nein, Margarete konnte nur das Mitgefühl haben, das man mit Kranken hat. War das zu wenig?" "Christiane hatte eine Tischordnung gemacht, und vor jedem Teller stand ein Kärtchen mit Namen und Bild - einem Bild von damals. " Jörg wird zwanzig Jahre nach seinen terroristischen Vergehen im Rahmen der RAF aus der Haft entlassen, kurz vor der erwarteten Begnadigung durch den Bundespräsidenten. Seine Schwester Christiane holt ihn ab und bringt ihn zu dem alten Landsitz, wo sie ein gemeinsames Wochenende mit den Freunden von damals verbringen werden, die sie zu diesem Anlass eingeladen hat und die Jörg bereits erwarten. Dazu gehört der Journalist Henner, der früher Christiane den Hof gemacht hat, aber angesichts ihrem engen Verhältnis zu ihrem Bruder aufgegeben hat. Jörg ist über dessen Anwesenheit nicht erfreut, weil er davon ausgeht, dass Henner ihn damals verraten hat. Auch der Laborkettenbetreiber Ulrich, die Bischöfin Karin und die schriftstellerische Lehrerin Ilse, Anwalt Andreas und Christianes Mitbewohnerin Margarethe sind mit von der Patie. Sie alle haben während der zwanzig Jahre ihren Weg ins bürgerliche Leben gefunden und zucken nicht vor einer großen Menge an Vorwürfen gegen Jörg zurück. Einzig der deutlich jüngere Marko möchte ein neues revolutionäres Feuer in Jörg entfachen und ihn zu weiteren Kämpfen antreiben. Und dann taucht auch noch Jörgs Sohn Ferdinand auf, der seiner Enttäuschung Luft lässt. Schaffen sie es, der aufgewühlten Vergangenheit standzuhalten und neu zueinander zu finden? "Die Terroristen unsere verirrten Brüder und Schwestern?‘ Ulrich schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht zu einem Ausdruck nicht nur der Ablehnung, sondern der Abscheu. ‚Glaubt ihr das auch?‘ Er sah in die Runde." Ich gehöre wohl zu den wenigen Leser*innen, die an diesem Buch mindestens genau so viel Gefallen finden wie an Schlinks bekanntestem Werk "der Vorleser". In meinem Fall sogar noch ein Ticken mehr. Dagegen hat "Das Wochenende" von vielen Literaturkritikern eine eher dürftige Bewertung erhalten. Ich habe das Buch zweimal hintereinander als Hörbuch gehört, weil ich an einigen Stellen unaufmerksam war und es so kompensieren wollte. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, es direkt mit der gedruckten Version zu versuchen. Nicht, weil die Vertonung zu wünschen übrig ließe, sondern weil ich mir vieles markieren wollte und es nicht konnte. Eine Eigenheit des Romans sind die verschlüsselten Elemente bezüglich der Figurenkonstellation. Wer ist jetzt nochmal wer und auf welcher Erzählebene befinden wir uns? Ich mag sowas ja, allerdings hat das Audioformat die Orientierung nochmal erschwert. Wer sich intensiv mit der RAF-Thematik beschäftigen will, der ist hier vielleicht nicht richtig. Das Thema wird oberflächlich bzw. aus philosophischer, ethischer Perspektive aufgegriffen (Kann Schuld verjähren? Welche Strafe ist angemessen? Bis zu welchem Punkt sind Revolutionen gerechtfertigt? Inwiefern sind die Taten der RAF besser als die eines jeden anderen Terrorismus oder sogar des Nationalsozialismus?), was einer der Hauptpunkte der Kritik ist. Ich kann diesen Punkt nicht nachvollziehen, da nie der Anspruch erhoben wurde, es handle sich um eine aufklärende Schrift. Ich fand es spannend zu sehen, wie die Vergangenheit Keile zwischen die Freunde treibt und Risse in der neu gebildeten bürgerlichen Fassade hinterlassen. Müsste ich zusammenfassen, worum es geht (Grins), so würde ich die Rolle des Terrorismus gar nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern das Spannungsverhältnis von Vergangenheit und Gegenwart: Können wir unsere Werte und uns selbst im Laufe unseres Lebens verändern? Hier gibt es genug Zündstoff für solche und noch mehr Gedanken. Ich fand es in diesem Sinne auch gut, dass durch das Zusammentreffen auch andere, belanglosere Themen aufkamen. Ce la vie! Wiedermal typisch für Schlink, ein geschichtspolitisches Thema aus Sicht der Gegenwart aufzuarbeiten und dabei auch sexuelle Themen mit ins Spiel zu bringen. Die Sprache ist reich an wörtlicher Rede, hier und da auch ein wenig derb.

Hart, derb, menschlich!

Bewertung aus Willich am 02.08.2021
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Titel: Das Wochenende Verlag: Diogenes Seiten: 240 Erscheinungsjahr: 2010 (2008) ISBN: 978-3-257-23965-2 Genre: Klassiker, Krit. Unterhaltung, Zeitgeschehen Art: flexibler Einband "Sie fand auch Jörg krank. Muss nicht krank sein, wer Leute umbringt, nicht aus Leidenschaft und Verzweiflung, sondern klaren Kopfs und kalten Bluts? (. . .) Nein, Margarete konnte nur das Mitgefühl haben, das man mit Kranken hat. War das zu wenig?" "Christiane hatte eine Tischordnung gemacht, und vor jedem Teller stand ein Kärtchen mit Namen und Bild - einem Bild von damals. " Jörg wird zwanzig Jahre nach seinen terroristischen Vergehen im Rahmen der RAF aus der Haft entlassen, kurz vor der erwarteten Begnadigung durch den Bundespräsidenten. Seine Schwester Christiane holt ihn ab und bringt ihn zu dem alten Landsitz, wo sie ein gemeinsames Wochenende mit den Freunden von damals verbringen werden, die sie zu diesem Anlass eingeladen hat und die Jörg bereits erwarten. Dazu gehört der Journalist Henner, der früher Christiane den Hof gemacht hat, aber angesichts ihrem engen Verhältnis zu ihrem Bruder aufgegeben hat. Jörg ist über dessen Anwesenheit nicht erfreut, weil er davon ausgeht, dass Henner ihn damals verraten hat. Auch der Laborkettenbetreiber Ulrich, die Bischöfin Karin und die schriftstellerische Lehrerin Ilse, Anwalt Andreas und Christianes Mitbewohnerin Margarethe sind mit von der Patie. Sie alle haben während der zwanzig Jahre ihren Weg ins bürgerliche Leben gefunden und zucken nicht vor einer großen Menge an Vorwürfen gegen Jörg zurück. Einzig der deutlich jüngere Marko möchte ein neues revolutionäres Feuer in Jörg entfachen und ihn zu weiteren Kämpfen antreiben. Und dann taucht auch noch Jörgs Sohn Ferdinand auf, der seiner Enttäuschung Luft lässt. Schaffen sie es, der aufgewühlten Vergangenheit standzuhalten und neu zueinander zu finden? "Die Terroristen unsere verirrten Brüder und Schwestern?‘ Ulrich schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht zu einem Ausdruck nicht nur der Ablehnung, sondern der Abscheu. ‚Glaubt ihr das auch?‘ Er sah in die Runde." Ich gehöre wohl zu den wenigen Leser*innen, die an diesem Buch mindestens genau so viel Gefallen finden wie an Schlinks bekanntestem Werk "der Vorleser". In meinem Fall sogar noch ein Ticken mehr. Dagegen hat "Das Wochenende" von vielen Literaturkritikern eine eher dürftige Bewertung erhalten. Ich habe das Buch zweimal hintereinander als Hörbuch gehört, weil ich an einigen Stellen unaufmerksam war und es so kompensieren wollte. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, es direkt mit der gedruckten Version zu versuchen. Nicht, weil die Vertonung zu wünschen übrig ließe, sondern weil ich mir vieles markieren wollte und es nicht konnte. Eine Eigenheit des Romans sind die verschlüsselten Elemente bezüglich der Figurenkonstellation. Wer ist jetzt nochmal wer und auf welcher Erzählebene befinden wir uns? Ich mag sowas ja, allerdings hat das Audioformat die Orientierung nochmal erschwert. Wer sich intensiv mit der RAF-Thematik beschäftigen will, der ist hier vielleicht nicht richtig. Das Thema wird oberflächlich bzw. aus philosophischer, ethischer Perspektive aufgegriffen (Kann Schuld verjähren? Welche Strafe ist angemessen? Bis zu welchem Punkt sind Revolutionen gerechtfertigt? Inwiefern sind die Taten der RAF besser als die eines jeden anderen Terrorismus oder sogar des Nationalsozialismus?), was einer der Hauptpunkte der Kritik ist. Ich kann diesen Punkt nicht nachvollziehen, da nie der Anspruch erhoben wurde, es handle sich um eine aufklärende Schrift. Ich fand es spannend zu sehen, wie die Vergangenheit Keile zwischen die Freunde treibt und Risse in der neu gebildeten bürgerlichen Fassade hinterlassen. Müsste ich zusammenfassen, worum es geht (Grins), so würde ich die Rolle des Terrorismus gar nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern das Spannungsverhältnis von Vergangenheit und Gegenwart: Können wir unsere Werte und uns selbst im Laufe unseres Lebens verändern? Hier gibt es genug Zündstoff für solche und noch mehr Gedanken. Ich fand es in diesem Sinne auch gut, dass durch das Zusammentreffen auch andere, belanglosere Themen aufkamen. Ce la vie! Wiedermal typisch für Schlink, ein geschichtspolitisches Thema aus Sicht der Gegenwart aufzuarbeiten und dabei auch sexuelle Themen mit ins Spiel zu bringen. Die Sprache ist reich an wörtlicher Rede, hier und da auch ein wenig derb.

Zum Nachdenken

J.G. aus Berlin am 30.09.2010

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Jörg, ehemaliger RAF-Terrorist, wird nach 24 Jahren Haft nach Begnadigung durch den Bundespräsidenten aus dem Gefängnis entlassen. Seine Schwester hat an dem Wochenende nach seiner Entlassung verschiedene Freunde in ihr Sommerhaus eingeladen, um Jörg zum einen auf andere Gedanken zu bringen und zum anderen um die Hilfe der anderen ggf. in Anspruch nehmen zu können. Auch ungeladene Gäste gesellen sich zu der Runde. Doch alles kommt ein bisschen anders als sie sich das gedacht hat und es kommen Dinge ans Licht wie sie sie nicht gewollt hat. Die Atmosphäre ist angespannt, aber statt feuriger Dialoge finden die wirklichen Prozesse in den Gedanken der Personen statt, Gespräche werden zu Monologen und bleiben damit vage. Ich hätte mir persönlich ein bisschen mehr tiefgreifendere Diskussionen gewünscht. Auch wenn das Buch in vielerlei Hinsicht ein bisschen oberflächlich ist, hat es mich dennoch sehr bzgl. der Thematiken RAF und globale Entwicklung des Terrorismus zum Nachdenken angeregt.

Zum Nachdenken

J.G. aus Berlin am 30.09.2010
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Jörg, ehemaliger RAF-Terrorist, wird nach 24 Jahren Haft nach Begnadigung durch den Bundespräsidenten aus dem Gefängnis entlassen. Seine Schwester hat an dem Wochenende nach seiner Entlassung verschiedene Freunde in ihr Sommerhaus eingeladen, um Jörg zum einen auf andere Gedanken zu bringen und zum anderen um die Hilfe der anderen ggf. in Anspruch nehmen zu können. Auch ungeladene Gäste gesellen sich zu der Runde. Doch alles kommt ein bisschen anders als sie sich das gedacht hat und es kommen Dinge ans Licht wie sie sie nicht gewollt hat. Die Atmosphäre ist angespannt, aber statt feuriger Dialoge finden die wirklichen Prozesse in den Gedanken der Personen statt, Gespräche werden zu Monologen und bleiben damit vage. Ich hätte mir persönlich ein bisschen mehr tiefgreifendere Diskussionen gewünscht. Auch wenn das Buch in vielerlei Hinsicht ein bisschen oberflächlich ist, hat es mich dennoch sehr bzgl. der Thematiken RAF und globale Entwicklung des Terrorismus zum Nachdenken angeregt.

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