Albanische Schwestern

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Roman

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Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

12.04.2023

Verlag

Weidle Verlag

Seitenzahl

240

Maße (L/B/H)

20.3/12.8/1.5 cm

Gewicht

304 g

Beschreibung

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

12.04.2023

Verlag

Weidle Verlag

Seitenzahl

240

Maße (L/B/H)

20.3/12.8/1.5 cm

Gewicht

304 g

Auflage

1

Originaltitel

Të Murosurat

Übersetzt von

Florian Kienzle

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-949441-07-3

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Eine schonungsloser Roman über die Unterdrückung der Frauen in Albanien

MarcoL aus Füssen am 22.10.2023

Bewertungsnummer: 2049299

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

S.26: „In einem gottverlassenen Nest, wo zu dieser Zeit der einzige Wandel das Knospen und Welken der Blätter war, je nach Jahreszeit. Wo es sich für junge Frauen nicht gehörte, laut zu lachen, wo die Geburt eines Mädchens dessen Schicksal als minderwertiges Wesen besiegelte, ein Bewusstsein, das mit der Muttermilch eingesogen wurde und fortbestand als Existenz unter der Allmacht der Angst.“ Dies ist eines jener versteckten Schätze in Buchform, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen müssten. Lindita Arapi, eine der bekanntesten Albanischen Autorinnen, erzählt über das Leben von Alba, einer jungen Frau aus einer Provinzstadt in Albanien. Sie geht schonungslos mit den bestehenden Strukturen von blinder Parteitreue zum Kommunismus und dem mehr als vorherrschenden Patriarchat ins Gericht. Ungeschönt, erbarmungslos wirft sie uns in den albanischen Alltag, beherrscht von großer Armut und dem unsäglichen System. Selbst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bleibt ein Teil der Bevölkerung in der Indoktrination hängen. Alba und ihre Schwester, welche vor dem „Mauerfall“ aufwuchsen, erfahren am eigenen Leib, wie es ist, sich auch nur im Ansatz gewissen Regeln zu widersetzen. Die Liebe der Eltern gilt dem Staat, aber nicht dem Nachwuchs, vor allem, wenn es nur Töchter sind. Für Pranvera, Albas ältere Schwester, war es noch ein wenig leichter. Aber Alba bekam immer zu spüren, wie unerwünscht sie war, weil sie nicht als der erhoffte Sohn das Licht der Welt erblickt hatte. Unschöne Szenen (Triggerwarnung: Darstellung von körperlicher und seelischer Gewalt) aus ihrer Kindheit und Jugend hatten Alba traumatisiert. S.103: „Prügel waren eine Erziehungsmethode. Wer dich liebt, schlägt dich, war die Rechtfertigung. Damit du als Mädchen noch braver wirst.“ Aus diesen inneren Kämpfen kam sie auch später nicht heraus. Sie verließ zwar ihre Heimat, ging nach Wien und heiratete. Aber die Schatten der Vergangenheit krochen immer wieder hervor, dimmten ihr eigenes Licht derart, dass sie sich immer mehr und mehr zurückzog und von ihrem Ehemann entfernte. Ihr einziger Halt war die starke Verbindung zu ihrer Schwester. Das war in Albanien so, und auch, als Alba im Westen war. Dennoch drifteten irgendwann die Ansichten der beiden auseinander. Als Albas Vater starb, ging sie zurück nach Albanien. Sie fand nur mehr alte Menschen und Verwahrlosung wieder, vom Leben zerstört. Der Roman ist eine knallharte Abrechnung mit dem Regime, dem kommunistischen Fanatismus und vor allem dem vorherrschenden Patriarchat. Die Sprache ist geradlinig, die Szenen kommen in Rückblenden daher, und machen es einfacher, in Albas Welt einzutauchen. Die geballte Ladung an den frauenfeindlichen Strukturen kommen so Schritt für Schritt daher. Nichts wird beschönigt, ganz im Gegenteil. Für mich war die Lektüre ein ergreifendes Erlebnis. Bisher wusste ich nicht viel von dem Land, und so nimmt Alba die Leser:Innen an die Hand und führt sie durch die unbarmherzige Geschichte einer der letzten Bastionen des europäischen Kommunismus. Absolute Leseempfehlung für diesen tief schürfenden Roman – traut euch, kauft das Buch und lest es. Es lohnt sich allemal. Was ich noch anmerken möchte: das Werk wurde durch Traduki gefördert. Ohne dieses Netzwerk wäre die literarische Vielfalt aus dem südosteuropäischen Raum wohl ziemlich eingeschränkt. Besonders Indie-Verlage schaffen es so, diese schriftstellerischen Kostbarkeiten uns näher zu bringen, und leisten aus meiner Sicht einen wertvollen kulturellen Beitrag.

Eine schonungsloser Roman über die Unterdrückung der Frauen in Albanien

MarcoL aus Füssen am 22.10.2023
Bewertungsnummer: 2049299
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

S.26: „In einem gottverlassenen Nest, wo zu dieser Zeit der einzige Wandel das Knospen und Welken der Blätter war, je nach Jahreszeit. Wo es sich für junge Frauen nicht gehörte, laut zu lachen, wo die Geburt eines Mädchens dessen Schicksal als minderwertiges Wesen besiegelte, ein Bewusstsein, das mit der Muttermilch eingesogen wurde und fortbestand als Existenz unter der Allmacht der Angst.“ Dies ist eines jener versteckten Schätze in Buchform, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen müssten. Lindita Arapi, eine der bekanntesten Albanischen Autorinnen, erzählt über das Leben von Alba, einer jungen Frau aus einer Provinzstadt in Albanien. Sie geht schonungslos mit den bestehenden Strukturen von blinder Parteitreue zum Kommunismus und dem mehr als vorherrschenden Patriarchat ins Gericht. Ungeschönt, erbarmungslos wirft sie uns in den albanischen Alltag, beherrscht von großer Armut und dem unsäglichen System. Selbst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bleibt ein Teil der Bevölkerung in der Indoktrination hängen. Alba und ihre Schwester, welche vor dem „Mauerfall“ aufwuchsen, erfahren am eigenen Leib, wie es ist, sich auch nur im Ansatz gewissen Regeln zu widersetzen. Die Liebe der Eltern gilt dem Staat, aber nicht dem Nachwuchs, vor allem, wenn es nur Töchter sind. Für Pranvera, Albas ältere Schwester, war es noch ein wenig leichter. Aber Alba bekam immer zu spüren, wie unerwünscht sie war, weil sie nicht als der erhoffte Sohn das Licht der Welt erblickt hatte. Unschöne Szenen (Triggerwarnung: Darstellung von körperlicher und seelischer Gewalt) aus ihrer Kindheit und Jugend hatten Alba traumatisiert. S.103: „Prügel waren eine Erziehungsmethode. Wer dich liebt, schlägt dich, war die Rechtfertigung. Damit du als Mädchen noch braver wirst.“ Aus diesen inneren Kämpfen kam sie auch später nicht heraus. Sie verließ zwar ihre Heimat, ging nach Wien und heiratete. Aber die Schatten der Vergangenheit krochen immer wieder hervor, dimmten ihr eigenes Licht derart, dass sie sich immer mehr und mehr zurückzog und von ihrem Ehemann entfernte. Ihr einziger Halt war die starke Verbindung zu ihrer Schwester. Das war in Albanien so, und auch, als Alba im Westen war. Dennoch drifteten irgendwann die Ansichten der beiden auseinander. Als Albas Vater starb, ging sie zurück nach Albanien. Sie fand nur mehr alte Menschen und Verwahrlosung wieder, vom Leben zerstört. Der Roman ist eine knallharte Abrechnung mit dem Regime, dem kommunistischen Fanatismus und vor allem dem vorherrschenden Patriarchat. Die Sprache ist geradlinig, die Szenen kommen in Rückblenden daher, und machen es einfacher, in Albas Welt einzutauchen. Die geballte Ladung an den frauenfeindlichen Strukturen kommen so Schritt für Schritt daher. Nichts wird beschönigt, ganz im Gegenteil. Für mich war die Lektüre ein ergreifendes Erlebnis. Bisher wusste ich nicht viel von dem Land, und so nimmt Alba die Leser:Innen an die Hand und führt sie durch die unbarmherzige Geschichte einer der letzten Bastionen des europäischen Kommunismus. Absolute Leseempfehlung für diesen tief schürfenden Roman – traut euch, kauft das Buch und lest es. Es lohnt sich allemal. Was ich noch anmerken möchte: das Werk wurde durch Traduki gefördert. Ohne dieses Netzwerk wäre die literarische Vielfalt aus dem südosteuropäischen Raum wohl ziemlich eingeschränkt. Besonders Indie-Verlage schaffen es so, diese schriftstellerischen Kostbarkeiten uns näher zu bringen, und leisten aus meiner Sicht einen wertvollen kulturellen Beitrag.

Eine weibliche Befreiungsgeschichte

Bewertung am 20.07.2023

Bewertungsnummer: 1983617

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

»"Wie läuft's da drüben, in der großen Welt?" "Ich sehe sie vom Fenster aus", antwortete Alba mit einem bitteren Lächeln, doch ihre Schwester schien nicht verstanden zu haben, was sie meinte.« | 58 Alba und Pranvera könnten unterschiedlicher nicht sein. Alba ging in die große Welt, von Albanien nach Österreich. Sie heiratete, doch blieb Alba innerlich hängen in ihrer Vergangenheit, in begrenzenden Rollenbildern, stummen inneren Widerständen und Ängsten. Ihre Schwester Pranvera ist in Albanien geblieben, hat Kinder bekommen und Karriere gemacht. Sie hat sich arrangiert und beschwert sich nicht. Dabei war Pranvera einst die bewunderte, laute und schöne große Schwester, die sich dem Patriarchat nicht zu fügen schien. Bis etwas passierte, das Alba nachhaltiger zu prägen schien, als die pragmatische Pranvera. Doch der Titel täuscht. »Albanische Schwestern« dreht sich nur am Rande um die Beziehung ungleicher Schwestern. Vielmehr handelt es sich um einen klassisch erzählten weiblichen Entwicklungsroman, in dem sich Alba lange um sich selbst dreht und dabei den Kontakt zur Außenwelt verliert. Nach und nach zieht Alba die Lesenden in ihre Erinnerungen an das ebenso von der Außenwelt isoluerte Albanien ihrer Kindheit und Jugend und vermischt diese mit aktuellen Szenen in Wien. Die Rolle der gut integrierten Migrantin und der bescheidenen Ehefrau funktionieren nicht und sie wird neue Wege finden. Die Sprache transportiert die Beklemmung und Entfremdung der Figur Alba. Den anderen Figuren hätte mehr Komplexität und Innenschau gut gestanden. Pranvera bleibt eine Fläche für das albanische Patriarchat und die Widersprüche albanischer Frauen, ebenso wie die unsolidarische Mutter. Auch der Vater bleibt schemenhaft, wie ihr hölzerner österreichischer Ehemann, der Nähe eben so wenig kann wie Alba. »Albanische Schwestern« bot spannende Einblick in die albanische Gesellschaft der Vergangenheit, die einen recht abgeschotteten Weg genommen hatte und in die Gegenwart, in der Migration das Land verwaist. Jetzt muss ich unbedingt Frei von Lea Ypi lesen, das wollte ich schon längst tun.

Eine weibliche Befreiungsgeschichte

Bewertung am 20.07.2023
Bewertungsnummer: 1983617
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

»"Wie läuft's da drüben, in der großen Welt?" "Ich sehe sie vom Fenster aus", antwortete Alba mit einem bitteren Lächeln, doch ihre Schwester schien nicht verstanden zu haben, was sie meinte.« | 58 Alba und Pranvera könnten unterschiedlicher nicht sein. Alba ging in die große Welt, von Albanien nach Österreich. Sie heiratete, doch blieb Alba innerlich hängen in ihrer Vergangenheit, in begrenzenden Rollenbildern, stummen inneren Widerständen und Ängsten. Ihre Schwester Pranvera ist in Albanien geblieben, hat Kinder bekommen und Karriere gemacht. Sie hat sich arrangiert und beschwert sich nicht. Dabei war Pranvera einst die bewunderte, laute und schöne große Schwester, die sich dem Patriarchat nicht zu fügen schien. Bis etwas passierte, das Alba nachhaltiger zu prägen schien, als die pragmatische Pranvera. Doch der Titel täuscht. »Albanische Schwestern« dreht sich nur am Rande um die Beziehung ungleicher Schwestern. Vielmehr handelt es sich um einen klassisch erzählten weiblichen Entwicklungsroman, in dem sich Alba lange um sich selbst dreht und dabei den Kontakt zur Außenwelt verliert. Nach und nach zieht Alba die Lesenden in ihre Erinnerungen an das ebenso von der Außenwelt isoluerte Albanien ihrer Kindheit und Jugend und vermischt diese mit aktuellen Szenen in Wien. Die Rolle der gut integrierten Migrantin und der bescheidenen Ehefrau funktionieren nicht und sie wird neue Wege finden. Die Sprache transportiert die Beklemmung und Entfremdung der Figur Alba. Den anderen Figuren hätte mehr Komplexität und Innenschau gut gestanden. Pranvera bleibt eine Fläche für das albanische Patriarchat und die Widersprüche albanischer Frauen, ebenso wie die unsolidarische Mutter. Auch der Vater bleibt schemenhaft, wie ihr hölzerner österreichischer Ehemann, der Nähe eben so wenig kann wie Alba. »Albanische Schwestern« bot spannende Einblick in die albanische Gesellschaft der Vergangenheit, die einen recht abgeschotteten Weg genommen hatte und in die Gegenwart, in der Migration das Land verwaist. Jetzt muss ich unbedingt Frei von Lea Ypi lesen, das wollte ich schon längst tun.

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Albanische Schwestern

von Lindita Arapi

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