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Schloß Gripsholm -

Eine Sommergeschichte

Kurt Tucholsky

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Beschreibung

Wie weit ist es von einem Mann zu einer Frau? Die Antwort geben «Daddy» und «Prinzessin» auf einer launigen Ferienreise nach Schweden. Mit unbeschwerter Heiterkeit, sprühendem Witz und Charme bezaubert Kurt Tucholskys frische Sommerromanze nicht nur Verliebte.

Lydia und Peter sind ein modernes Paar, unverheiratet, unkompliziert, unsentimental. «Komische Oper», flötet der Schriftsteller seiner Angebeteten ins Ohr. «Olln Döskopp», kontert Lydia zärtlich und rattert mit ihrem Peter von Berlin nach Kopenhagen – Seekrankheit und schöne Ausblicke inklusive. Die Fahrt endet am Mälarsee, wo die Verliebten auf Schloss Gripsholm ihr ideales Ferienidyll finden, Platz und Zeit für fabelhafte Wortraufereien, für Ausflüge, Kreuzworträtsel, einen Kuss. Peters Busenfreund Karlchen kommt zu Besuch und legt sich mit den beiden in eine «tiefe Badewanne von Freundschaft». Auf Karlchen folgt Billie, Lydias beste Freundin, und animiert zur zart-frivolen Dreiecksbeziehung auf Zeit. Kein einziges Wölkchen trübte den blauen Sommerhimmel über Schloss Gripsholm, wäre da nicht das benachbarte Kinderheim samt seiner sadistischen Leiterin ...

Mit leichter Hand entwarf Kurt Tucholsky (1890–1935) diese launige Romanze zwischen zwei sachlichen Menschen. Dank der unnachahmlichen Mischung aus schnoddriger Zärtlichkeit, leiser Melancholie und fröhlich-ausgelassener Sprachakrobatik wurde der Roman des unter dem Nationalsozialismus verbotenen Gesellschaftskritikers zu einem der grössten Erfolge in der deutschen Nachkriegsliteratur.

Kurt Tucholsky (1890–1935), als Kind jüdischer Eltern in Berlin geboren, war einer der scharfsichtigsten Gesellschaftskritiker seiner Zeit. In der «Weltbühne» und der «Vossischen Zeitung», mit Liedern und Kabarettstücken trat er unermüdlich für einen pazifistischen Humanismus ein. Als Korrespondent der linksliberalen «Weltbühne» lebte er 1924-1926 in Paris. 1929 emigrierte er nach Schweden. Nach Hitlers Machtübernahme wurde er ausgebürgert, seine Bücher in Deutschland verbrannt. 1935 nahm sich Tucholsky aus Verzweiflung über die Erfolge der Nationalsozialisten das Leben.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 250
Erscheinungsdatum 07.03.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7175-2094-8
Reihe Manesse Bibliothek der Weltliteratur
Verlag Manesse
Maße (L/B/H) 15.5/9.7/2 cm
Gewicht 168 g

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Eine Sommergeschichte
von Wortschätzchen aus Kreis HD am 23.09.2016
Bewertet: Medium: Hörbuch (CD)

Tucholsky, im Buch von seiner Freundin Lydia, die er meist nur „die Prinzessin“ nennt, Peter oder Fritz genannt, da sie „Kuard“ so doof findet, geht mit ebendieser für ein paar Wochen in Urlaub. Was er dabei erlebt, packt er in die Erzählung, die er dann anschließend seinem Verleger Rowohlt verkaufen wird. Die Erlebnisse dieser ... Tucholsky, im Buch von seiner Freundin Lydia, die er meist nur „die Prinzessin“ nennt, Peter oder Fritz genannt, da sie „Kuard“ so doof findet, geht mit ebendieser für ein paar Wochen in Urlaub. Was er dabei erlebt, packt er in die Erzählung, die er dann anschließend seinem Verleger Rowohlt verkaufen wird. Die Erlebnisse dieser Reise sind kunterbunt. Von der Reise selbst bis hin zu den Besuchen von Freunden an ihrem Urlaubsort und der Rettung eines kleinen Mädchens aus den Fängen einer sadistischen Erzieherin, all das darf der Leser miterleben. Schon allein der fiktive Briefwechsel zwischen Tucholsky und Rowohlt ist wunderbar komisch – und doch so aktuell, nach all den Jahren! Die Gespräche zwischen den Protagonisten sind berührend, komisch, tiefgründig, erstaunlich – Tucholsky hat ein ganzes Kaleidoskop an Gefühlen und Reaktionen in diese Erzählung gepackt. Wunderbar auch die wohldosiert eingestreuten Plattdeutschen Sätze. Sie geben der Geschichte, aber auch den Aussagen Lydias, erstaunlich viel Tiefe und Gefühl. Umwerfend komisch, aber auch irgendwie treffend, sind Wortschöpfungen wie: „Wasser in Halbtrauer“ oder „katholische Flora“ – ich liebe es! Die Idee, dass ein Freund von „Peter“ und eine Freundin Lydias nacheinander zu Besuch nach Schweden zu den beiden Urlaubern kommen, ist herrlich anders. Karlchen und Billie sind Originale, wie so ziemlich jede Figur dieser Erzählung. In aller Komik ruht aber so viel Melancholie und Wahrheit – es ist erstaunlich. Wenn man dann noch bedenkt, wann die Geschichte entstanden ist, wieviel sich seither verändert hat und wieviel doch noch immer so ist, wie es damals war, kann man nur staunen. Uwe Friedrichsen verstand es wahrlich meisterlich, die Erzählung perfekt einzulesen. Ohne lächerliche Piepsstimme für Lydia gab er ihr eine ganz eigene Art zu sprechen, die ihre Parts sofort erkennen ließ. Sei Platt ist so klar, dass sogar ich alles verstanden habe und keine Übersetzungen benötigte. Einfach großartig, wie er mit den Worten und seiner Stimme gearbeitet hat – als wäre er eine Reinkarnation von Tucholsky. Wunderbar! Ein wenig Liebesgeschichte, ein wenig Roadtrip, ein wenig Krimi, ein wenig Reisebericht, ein wenig Schwedenflair – „Schloss Gripsholm“ ist ein bunter Strauß Worte, die verzaubern. Klassiker sind nicht jedermanns Sache. Doch diese 288 Minuten (ungekürzte Lesung!) klingen gar nicht angestaubt und machen wirklich Freude. Tucholsky war seiner Zeit einfach weit voraus – und heute wäre eine Beziehung, wie sie „Peter“ zu Lydia hatte, auch kein Skandal mehr. Tucholsky ist ein sehr wichtiger Autor, der ohne Geschwurbel dem Leser/Hörer den Irrsinn der Welt zeigt und sie damit zu verbessern versteht. Ein wunderbares Hörbuch, das man einfach nur mit den vollen fünf Sternen bewerten kann! Unbedingt hören!

Für die Tasche
von Wiebke Hartung aus Bremen am 24.06.2011
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Die perfekte Sommerlektüre im Handtaschenformat: wer sich mal wieder einen Klassiker gönnen und auf schöne Sprache und gute Unterhaltung nicht verzichten will, sollte sich Schloss Gripsholm in die Tasche stecken und direkt an den Strand fahren!


  • Artikelbild-0
  • Ernst Rowohlt Verlag Berlin W 50 Passauer Strasse 8/9

    8. Juni

    Lieber Herr Tucholsky,
    schönen Dank für Ihren Brief vom 2. Juni. Wir haben Ihren Wunsch notiert. Für heute etwas andres.
    Wie Sie wissen, habe ich in der letzten Zeit allerhand politische Bücher verlegt, mit denen Sie sich ja hinlänglich beschäftigt haben. Nun möchte ich doch aber wieder einmal die "schöne Literatur" pflegen. Haben Sie gar nichts? Wie wäre es denn mit einer kleinen Liebesgeschichte? Überlegen Sie sich das mal! Das Buch soll nicht teuer werden, und ich drucke Ihnen für den Anfang zehntausend Stück. Die befreundeten Sortimenter sagen mir jedesmal auf meinen Reisen, wie gern die Leute so etwas lesen. Wie ist es damit?
    Sie haben bei uns noch 46 RM gut - wohin sollen wir Ihnen die überweisen?
    Mit den besten Grüssen
    Ihr
    (Riesenschnörkel) Ernst Rowohlt

    10. Juni

    Lieber Herr Rowohlt, Dank für Ihren Brief vom 8. 6.
    Ja, eine Liebesgeschichte ... lieber Meister, wie denken Sie sich das? In der heutigen Zeit Liebe? Lieben Sie? Wer liebt denn heute noch?
    Dann schon lieber eine kleine Sommergeschichte.
    Die Sache ist nicht leicht. Sie wissen, wie sehr es mir widerstrebt, die Öffentlichkeit mit meinem persönlichen Kram zu behelligen - das fällt also fort. Ausserdem betrüge ich jede Frau mit meiner Schreibmaschine und erlebe daher nichts Romantisches. Und soll ich mir die Geschichte vielleicht ausdenken? Phantasie haben doch nur die Geschäftsleute, wenn sie nicht zahlen können. Dann fällt ihnen viel ein. Unsereinem .
    Schreibe ich den Leuten nicht ihren Wunschtraum ("Die Gräfin raffte ihre Silber-Robe, würdigte den Grafen keines Blickes und fiel die Schlosstreppe hinunter"), dann bleibt nur noch das Propplem über die Ehe als Zimmer-Gymnastik, die "menschliche Einstellung" und all das Zeug, das wir nicht mögen. Woher nehmen und nicht bei Villon stehlen?
    Da wir grade von Lyrik sprechen:
    Wie kommt es, dass Sie in
    9 unsres Verlagsvertrages 15 Prozent honorarfreie Exemplare berechnen? So viel Rezensionsexemplare schicken Sie doch niemals in die Welt hinaus! So jagen Sie den sauern Schweiss Ihrer Autoren durch die Gurgel - kein Wunder, dass Sie auf Samt saufen, während unsereiner auf harten Bänken dünnes Bier schluckt. Aber so ist alles.
    Dass Sie mir gut sind, wusste ich. Dass Sie mir für 46 RM gut sind, erfreut mein Herz. Bitte wie gewöhnlich an die alte Adresse. Übrigens fahre ich nächste Woche in Urlaub.
    Mit vielen schönen Grüssen
    Ihr
    Tucholsky
    Ernst Rowohlt Verlag Berlin W 50 Passauer Strasse 8/9

    12. Juni

    Lieber Herr Tucholsky,
    vielen Dank für Ihren Brief vom 10. d. M.
    Die 15 % honorarfreie Exemplare sind - also das können Sie mir wirklich glauben - meine einzige Verdienstmöglichkeit. Lieber Herr Tucholsky, wenn Sie unsre Bilanz sähen, dann wüssten Sie, dass es ein armer Verleger gar nicht leicht hat. Ohne die 15 °% könnte ich überhaupt nicht existieren und würde glatt verhungern. Das werden Sie doch nicht wollen.
    Die Sommergeschichte sollten Sie sich durch den Kopf gehn lassen.
    Die Leute wollen neben der Politik und dem Aktuellen etwas haben, was sie ihrer Freundin schenken können. Sie glauben gar nicht, wie das fehlt. Ich denke an eine kleine Geschichte, nicht zu umfangreich, etwa 15-16 Bogen, zart im Gefühl, kartoniert, leicht ironisch und mit einem bunten Umschlag. Der Inhalt kann so frei sein, wie Sie wollen. Ich würde Ihnen vielleicht insoweit entgegenkommen, dass ich die honorarfreien Exemplare auf 14 % heruntersetze.
    Wie gefällt Ihnen unser neuer Verlagskatalog?
    Ich wünsche Ihnen einen vergnügten Urlaub und bin mit vielen Grüssen
    Ihr
    (Riesenschnörkel) Ernst Rowohlt

    15. Juni
    Lieber Meister Rowohlt, auf dem neuen Verlagskatalog hat Sie Gulbransson ganz richtig gezeichnet: still sinnend an des Baches Rand sitzen Sie da und angeln die fetten Fische. Der Köder mit 14 °% honorarfreier Exemplare ist nicht fett genug - 12 sind auch ganz schön. Denken Sie mal ein bisschen darüber nach und geben Sie Ihrem harten Verlegerherzen einen Stoss. Bei 14 °% fällt mir bestimmt nichts ein - ich dichte erst ab 12 °%.
    Ich schreibe diesen Brief schon mit einem Fuss in der Bahn. In einer Stunde fahre ich ab - nach Schweden. Ich will in diesem Urlaub überhaupt nicht arbeiten, sondern ich möchte in die Bäume gucken und mich mal richtig ausruhn.
    Wenn ich zurückkomme, wollen wir den Fall noch einmal bebrüten. Nun aber schwenke ich meinen Hut, grüsse Sie recht herzlich und wünsche Ihnen einen guten Sommer! Und vergessen Sie nicht: 12 %!
    Mit vielen schönen Grüssen
    Ihr getreuer Tucholsky

    Unterschrieben - zugeklebt - frankiert - es war genau acht Uhr zehn Minuten. Um neun Uhr zwanzig ging der Zug von Berlin nach Kopenhagen. Und nun wollten wir ja wohl die Prinzessin abholen.

    Sie hatte eine Altstimme und hiess Lydia.
    Karlchen und Jakopp aber nannten jede Frau, mit der einer von uns dreien zu tun hatte, "die Prinzessin", um den betreffenden Prinzgemahl zu ehren - und dies war nun also die Prinzessin; aber keine andre durfte je mehr so genannt werden.
    Sie war etwas, was alle Schattierungen umfasst, die nur möglich sind: sie war Sekretärin. Sie war Sekretärin bei einem unförmig dicken
    Patron; ich hatte ihn einmal gesehn und fand ihn scheusslich, und zwischen ihm und Lydia ... nein! Das kommt beinah nur in Romanen vor. Zwischen ihm und Lydia bestand jenes merkwürdige Verhältnis von Zuneigung, nervöser Duldung und Vertrauen auf der einen Seite und Zuneigung, Abneigung und duldender Nervosität auf der andern: sie war seine Sekretärin. Der Mann führte den Titel eines Generalkonsuls und handelte ansonsten mit Seifen. Immer lagen da Pakete im Büro herum, und so hatte der Dicke wenigstens eine Ausrede, wenn seine Hände fettig waren.
    Der Generalkonsul hatte ihr in einer Anwandlung fürstlicher Freigebigkeit fünf Wochen Urlaub gewährt; er fuhr nach Abbazia. Gestern abend war er abgefahren - werde ihm der Schlafwagen leicht! Im Büro sassen sein Schwager und für Lydia eine Stellvertreterin. Was gingen mich denn seine Seifen an - Lydia ging mich an.
    Da stand sie schon mit den Koffern vor ihrem Haus - "Hallo!"