Dissidentisches Denken

Reisen zu den Zeugen eines Zeitalters

Die Andere Bibliothek Band 415

Marko Martin

Buch (gebundene Ausgabe)
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Beschreibung

Im Gedenkjahr an die Wende(n) des Jahres 1989: die geistigen Vorarbeiter, dissidentischen Denker und Wortführer der Kritik an den Regimen und Ideologien
Marko Martins essayistisch-erzählerische Spurensuche nimmt uns mit auf eine europäische (mitunter auch aussereuropäische) Reise zu Orten, zu Büchern und vor allem zu Menschen, deren Denken uns gegen die Erinnerungslosigkeit helfen kann: Die meisten sind Überlebende einer Zeit, die wir bereits hinter uns glaubten und die totalitär oder nationalistisch gerade heute wieder beunruhigende Schatten wirft.
Die Autoren, die Marko Martin trifft oder erinnert, mit denen er spricht oder die er porträtiert, mehr oder weniger berühmt oder vergessen, und deren Schicksale eigentümlich miteinander verflochten sind, haben uns allen etwas voraus: die existenzielle Erfahrung geschichtlicher Brüche, die das Individuum bedrohen. Es sind dissidentische Jahrhundertzeugen in Ost und West.
2019, im Jahr des Erinnerns an die Epochenzäsur von 1989, ist es sinnvoll, uns zu vergegenwärtigen, dass diese Umwälzungen eine Vorgeschichte haben, die die Geschichte erst zu einer ganzen Geschichte werden lässt.
Czesław Miłosz, aus Polen geflüchtet, wird zum Freund von Albert Camus, Max Brod rettet sich aus Prag nach Tel Aviv, wo er Edgar Hilsenrath erste literarische Impulse gibt, Jean Améry traf in Auschwitz auf Primo Levi. Vom Charta-77-Mitbegründer Jan Patocka führt eine Spur zu Meisterdenker André Glucksmann in Paris, vom Brecht-Schüler Horst Bienek zum Romancier und Menschenkenner Julien Green. In Prag trifft Marko Martin den 68er-Romancier Pavel Kohout, der sich wieder illusionslos gegen die autoritäre Politik engagiert.
Aus Besuchen, Reisen und Porträts entsteht ein dichtes geistiges Gewebe, in dem neben anderen Václav Havel und Milan Kundera, André Gorz oder Josef Skovrecky, Ahron Appelfeld oder Jürgen Fuchs in der DDR mitwirken.

"Die Wucht des Buches liegt in seiner Schnörkellosigkeit: Martins "Reisen zu den Zeugen eines Zeitalters" kreisen immer und immer wieder um die Frage, wie wir als Einzelne den Zumutungen und Anmassungen der Unfreiheit entfliehen, wie wir uns wehren, wie wir uns selbst behaupten können. Es ist ein ewiger Kampf gegen die Macht und gegen die Macht des Vergessens. Nur wer sich erinnert, so Martins Credo, hat eine Chance, nicht zu unterliegen.(...)
Tag für Tag lässt sich beobachten, wie erfolgreich die Geschichtsvergessenen sind.
Da hilft ein Buchdenkmal wie dieses. Die Männer und Frauen, die Dissidenten, die Abweichler verteidigten unsere Freiheit in ihrer Unfreiheit. Sie überlebten als Ausnahmen, während die meisten ihrer Mitkämpfenden nicht überlebten. Sie vor dem Vergessen zu bewahren, so wie es Marko Martin glanzvoll tut, ist ein grosser Schritt, um Freiheit zu verteidigen. Wer dieses Buch gelesen und verstanden hat, der hat kein moralisches Recht mehr, pessimistisch zu sein."

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 544
Erscheinungsdatum 29.07.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8477-0415-7
Verlag AB - Die Andere Bibliothek
Maße (L/B/H) 22.1/13.1/3.8 cm
Gewicht 808 g
Auflage 1. Auflage, Nummerierte Ausgab
Verkaufsrang 44969

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