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Der Sandmann

Erzählungen. Mit Ausschnitten aus »Das Unheimliche« von Sigmund Freud

BACKUP / Die neue Klassiker-Reihe Band 2

E.T.A. Hoffmann

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Beschreibung

Fatale Familien- und Liebesgeschichte, gruselige und zugleich witzige Parabel über technische Apparate und künstliche Menschen als Verlängerung und Objekt menschlicher Sehnsüchte, Gesellschaftssatire, das Ringen zwischen Wahnsinn und Vernunft – erzählt mit feurigem Tempo und in verschiedenen Perspektiven, die eine Klärung der Geschichte nicht zur Ruhe kommen lassen und zum »Unheimlichen« dieses »Nachtstücks« beitragen – Hoffmanns »Sandmann« aus dem Jahr 1816 kann zu Recht als Konzentrat der »Schwarzen Romantik« gelten.

Ergänzt wird »Der Sandmann« in diesem Band von der atemberaubenden Erzählung »Das Fräulein von ­Scuderi«, der ersten Detektivgeschichte überhaupt, um zwanghafte Verbrechen, Schönheit und Künstlertum. Dazu mit »Nussknacker und Mausekönig«, dem unsterblichen Märchen für Kinder und Erwachsene, und der Erzählung »Des Vetters Eckfenster«, in der Hoffmann zuletzt, originell wie immer, einen Schritt in Richtung realistisches Erzählen machte. – Mit 8 Abbildungen von Hugo Steiner-Prag, Johann Heinrich Ramberg u.a.
Sigmund Freuds Abhandlung »Das Unheimliche« offenbart im Anhang den verblüffenden psychologischen Gehalt der Hoffmannschen Erzählungen.

Dieser Band eröffnet zusammen mit den »Geschichten, die keine sind« von Robert Musil die neue BACKUP-Reihe, die Klassiker in moderner Gestaltung präsentiert. Mit sandfarbenem Leinen, Hardcover, farbigem Vorsatzpapier und Lesebändchen. Mit Anmerkungen, kurzem Nachwort und einem Hintergrundtext, der Zusammenhänge und Besonderheiten des Textes verdeutlicht.

E.T.A. Hoffmann (1776 geboren in Königsberg/Pr., gestorben 1822 in Berlin) war Schriftsteller, Jurist, Kapellmeister und Komponist. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Erzählungen der »Fantasiestücke« (1814 u. 1815), »Nachtstücke« (1816/1817) und »Serapionsbrüder« (1819–1821) sowie die Romane »Die Elixiere des Teufels« (1815 u. 1816), »Lebensansichten des Katers Murr« (1819 u. 1821) und »Meister Floh« (1822).

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Herausgeber Rainer Höltschl
Seitenzahl 288
Erscheinungsdatum 19.10.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-944122-38-0
Verlag Open House
Maße (L/B) 21/12.5 cm
Abbildungen mit Abbildung
Auflage 1

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Kundenbewertungen

Durchschnitt
19 Bewertungen
Übersicht
12
2
3
1
1

Ein Meisterwerk des subtilen Grusel
von einer Kundin/einem Kunden am 11.07.2020
Bewertet: gebundene Ausgabe

Manchmal muss es einfach auch ein Klassiker sein und jedem, der auf der Suche nach einem großartigen Klassiker der deutschsprachigen Literatur ist, kann ich nur wärmsten "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann empfehlen. In diesem Meisterwerk beweist E.T.A. Hoffmann einmal mehr, dass er ein Meister des unheimlichen Erzählens ist, das... Manchmal muss es einfach auch ein Klassiker sein und jedem, der auf der Suche nach einem großartigen Klassiker der deutschsprachigen Literatur ist, kann ich nur wärmsten "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann empfehlen. In diesem Meisterwerk beweist E.T.A. Hoffmann einmal mehr, dass er ein Meister des unheimlichen Erzählens ist, das jedoch auf eine faszinierend subtile Weise. Er entführt seine Leserinnen und Leser in eine Handlung, bei der man schon bald nicht mehr weiß, ob die Wirklichkeit oder bloß eine Wahnvorstellung des Protagonisten präsentiert wird. Gänsehaut pur! Zudem kann dieses Werk als ein Vorreiter der späteren Grusel- und Horrorliteratur gesehen werden.

von einer Kundin/einem Kunden am 25.02.2020
Bewertet: anderes Format

Die Vergangenheit bleibt immer bei einem, egal wie schrecklich man gehandelt hat oder behandelt wurde. Ein Geheimnis führt zu einer speziellen Beziehung und Vergangenes vermischt sich zur realen Gegenwart. Irgendwie befremdlich zu lesen aber einen Blick wert.

Empfehlenswert für jeden Fan deutscher Klassik
von Pauline Krause aus Bonn am 03.12.2018
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Der Sandmann wurde von E. T. A. Hoffman geschrieben und handelt von Nathanael und seinem Leben. Dabei wird viel auf seine traumatische Vergangenheit in Form von drei Briefen eingegangen, die er seiner Geliebten und seinem Bruder schreibt. Diese Vergangenheit ist bedeutend für die aktuellen Erlebnisse. Mehr möchte ich eigentli... Der Sandmann wurde von E. T. A. Hoffman geschrieben und handelt von Nathanael und seinem Leben. Dabei wird viel auf seine traumatische Vergangenheit in Form von drei Briefen eingegangen, die er seiner Geliebten und seinem Bruder schreibt. Diese Vergangenheit ist bedeutend für die aktuellen Erlebnisse. Mehr möchte ich eigentlich nicht verraten, denn das Buch bietet viele Überraschungen, vor allem im Bezug auf den "Sandmann", welchen wir als schöne und gute Figur kennen. Auch das Ende kommt dann unerwartet. Das Buch handelt viel von der Psyche des Protagonisten, als Leser wird man selbst verwirrt, weiß nicht was man nun glauben soll und was nicht, ist aber vor allem sehr nah an Nathanael dran. Man fühlt und sieht was er erlebt. Man rätselt, man gruselt sich ein wenig, man ist gespannt. Nur der Schreibstil, der könnte einigen schwer fallen. Es ist nun einmal ein alter Roman aus dem Jahr 1816, aber gleichzeitig ist der Schreibstil faszinierend und wenn man einmal reingefunden hat, dann bereitet er auch keine Probleme mehr. Der Roman ist auch recht kurz, er umfasste nur 46 Seiten. Trotzdem kennt man es aus der Schule, selbst 50 Seiten können mit einem alten Schreibstil die reinste Qual werden. "Der Sandmann" ist für die meisten auch eine Schullektüre. Daher sollte man ihn nur lesen, wenn einenm die Lektüren im Deutschunterricht zumindest halbwegs gefallen haben, wenn man Spaß an solchen Büchern hatte. Da dies bei mir der Fall war (bis auf eine Ausnahme) hat mir auch dieser Roman viel Spaß gemacht und ich bin ganz heiß darauf mehr deutsche Klassiker zu lesen.


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  • Als ich nun diesen Coppelius sah, ging es grausig und entsetzlich in meiner Seele auf, dass ja niemand anders, als er, der Sandmann sein könne, aber der Sandmann war mir nicht mehr jener Popanz aus dem Ammenmärchen, der dem Eulennest im Halbmonde Kinderaugen zur Atzung holt - Nein! - ein hässlicher gespenstischer Unhold, der überall, wo er einschreitet, Jammer - Not - zeitliches, ewiges Verderben bringt.
    Ich war festgezaubert. Auf die Gefahr entdeckt, und, wie ich deutlich dachte, hart gestraft zu werden, blieb ich stehen, den Kopf lauschend durch die Gardine hervorgestreckt. Mein Vater empfing den Coppelius feierlich. "Auf! - zum Werk", rief dieser mit heiserer, schnarrender Stimme und warf den Rock ab. Der Vater zog still und finster seinen Schlafrock aus und beide kleideten sich in lange schwarze Kittel. Wo sie die hernahmen, hatte ich übersehen. Der Vater öffnete die Flügeltür eines Wandschranks; aber ich sah, dass das, was ich solange dafür gehalten, kein Wandschrank, sondern vielmehr eine schwarze Höhlung war, in der ein kleiner Herd stand. Coppelius trat hinzu und eine blaue Flamme knisterte auf dem Herde empor. Allerlei seltsames Geräte stand umher. Ach Gott! - wie sich nun mein alter Vater zum Feuer herabbückte, da sah er ganz anders aus. Ein grässlicher krampfhafter Schmerz schien seine sanften ehrlichen Züge zum hässlichen widerwärtigen Teufelsbilde verzogen zu haben. Er sah dem Coppelius ähnlich. Dieser schwang die glutrote Zange und holte damit hellblinkende Massen aus dem dicken Qualm, die er dann emsig hämmerte. Mir war es als würden Menschengesichter ringsumher sichtbar, aber ohne Augen - scheussliche, tiefe schwarze Höhlen statt ihrer. "Augen her, Augen her!" rief Coppelius mit dumpfer dröhnender Stimme. Ich kreischte auf von wildem Entsetzen gewaltig erfasst und stürzte aus meinem Versteck heraus auf den Boden. Da ergriff mich Coppelius, "kleine Bestie! - kleine Bestie!" meckerte er zähnefletschend! - riss mich auf und warf mich auf den Herd, dass die Flamme mein Haar zu sengen begann: "Nun haben wir Augen - Augen - ein schön Paar Kinderaugen." So flüsterte Coppelius, und griff mit den Fäusten glutrote Körner aus der Flamme, die er mir in die Augen streuen wollte. Da hob mein Vater flehend die Hände empor und rief: "Meister! Meister! lass meinem Nathanael die Augen - lass sie ihm!" Coppelius lachte gellend auf und rief: "Mag denn der Junge die Augen behalten und sein Pensum flennen in der Welt; aber nun wollen wir doch den Mechanismus der Hände und der Füsse recht observieren." Und damit fasste er mich gewaltig, dass die Gelenke knackten, und schrob mir die Hände ab und die Füsse und setzte sie bald hier, bald dort wieder ein. "'s steht doch überall nicht recht! 's gut so wie es war! - Der Alte hat's verstanden!" So zischte und lispelte Coppelius; aber alles um mich her wurde schwarz und finster, ein jäher Krampf durchzuckte Nerv und Gebein - ich fühlte nichts mehr. Ein sanfter warmer Hauch glitt über mein Gesicht, ich erwachte wie aus dem Todesschlaf, die Mutter hatte sich über mich hingebeugt. "Ist der Sandmann noch da?" stammelte ich. "Nein, mein liebes Kind, der ist lange, lange fort, der tut dir keinen Schaden!" - So sprach die Mutter und küsste und herzte den wiedergewonnenen Liebling.