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Eisenblut

Kriminalroman

Gabriel Landow Band 1

Axel Simon

(10)
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Beschreibung

Berlin 1888: Kleine Seitensprung-Schnüffeleien sind der Alltag seiner schlecht laufenden Detektei im miesen Berlin-Kreuzberg: Gabriel Landow, schwarzes Schaf seiner ostpreussischen Getreidejunker-Familie, fällt der Erfolg nicht gerade in den Schoss. Aber dann fällt ihm ein Observierter direkt vor die Füsse: Aus nachtschwarzem Himmel mitten aufs Sperrgebiet am Tempelhofer Feld. Wahrscheinlich wurde der aus dem Korb eines Militärballons gestossen. Nur ein kleiner Ministerialbeamter, der allerdings mit einem geheimen Marineprojekt zu tun hatte. Und immerhin der dritte Tote dieser Art in letzter Zeit mit einem Buch der Gebrüder Grimm in der Hand. Aber weshalb die Regierung ausgerechnet Landow mit der Aufklärung betraut, ist auch ihm ein Rätsel. Genauso wie der Brandanschlag auf ihn kurz darauf. Wer sollte am Tod eines kleinen Ermittlers interessiert sein? Wo doch ganz Berlin, ach was, ganz Europa, nur gebannt auf das Sterben des todkranken Kaisers wartet, das einige aus ganz eigenen Motiven herbeisehnen.

Zweite Seite Interview mit Autor:

"Eisenblut" verbindet einen ausgefeilten, spannenden Plot mit atmosphärischem Zeitkolorit und deutscher Geschichte im ausgehenden 19. Jahrhundert, wie man es bisher noch nie gelesen hat.

1. Was faszinierte Sie am Deutschen Kaiserreich als Setting für Ihren Kriminalfall, das wir allzu oft lediglich mit Bismarck und verstaubten Pickelhauben verbinden und das in der Spannungsliteratur nur selten Beachtung findet?

Das ist eine mörderisch interessante Zeit. Man hört förmlich das Knirschen der tektonischen Platten, die hier aufeinanderstossen. Der Motor der Veränderung in dieser Zeit ist der sprunghafte Anstieg von technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Vieles, was unser Leben heute noch prägt, war damals in den Kinderschuhen: Kommunikation (Telefon), Energie (Strom), Mobilität (Automobil), Massenproduktion. Das ist der Unterschied zu der „guten alten“ Zeit davor. Und das ist der Humus für Ängste und Hoffnungen, verbrecherische Habgier, für Meinungsmache und falsche Propheten. Verglichen mit heute kann einem das irgendwie bekannt vorkommen.

2. "Eisenblut" und sein Ermittler Landow ist neben dem historischen Kontext ohne die Stadt nicht denkbar. Der Roman scheint auf besondere Art und Weise für das Berlin des ausgehenden Jahrhunderts das zu leisten, was "Babylon Berlin" für die Weimarer Republik leistet. Was war Ihnen besonders wichtig?

Davon, ein Babylon zu sein, ist das Berlin dieser Tage noch ein gutes Stück entfernt. Aber die Vertreibung aus dem Paradies hat längst stattgefunden. Die Pläne für Massenvernichtungswaffen liegen bereits in den Schubladen. Die Saat, die Jahrzehnte später im Ersten Weltkrieg aufgeht, wurde bereits in den Boden gesetzt. Aber vor allem und aus Landows Sicht: Das ist die modernste Zeit, die er kennt. Und deren Tempo überfordert ihn genauso oft wie alle anderen.

3. Landow ist ein klassischer Anti-Held, der plötzlich die Aufmerksamkeit höchster Regierungskreise auf sich zieht. Was ist Gabriel Landow für ein Mensch? Und wie geht es mit ihm weiter in seinem nächsten Fall.

Landow ist in jeder Hinsicht ein Non-Perfektionist. Er ist kein Beau und keine Blitzbirne, er ist latent überfordert (mit dem Leben an sich und mit diesem obskuren Fall). Und er ist gern betrunken. In der Summe ist er also ziemlich in Ordnung und ziemlich heutig, denke ich. Und sein nächster Fall lässt ihn reifer werden. Etwas zumindest.

Man kann schon beim ersten Fall feststellen: Der Typ hat Format. Axel Simon hat etwas zu erzählen über dieses kaiserliche Berlin, über die kleinen Leute, mit denen Landow zu tun hat und über politische Verstrickungenin der Zeit des deutschen Imperialismus.(...) Spannend zu lesen, wie der Schnüffler Landow zum Polit-
Ermittler wird.

Axel Simon wuchs im Ruhrgebiet auf. Er hat an verschiedenen Theatern zeitgenössische Opern inszeniert und arbeitete danach lange als Creative Director in grossen Werbeagenturen. Simon lebt heute in Hamburg.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 416
Erscheinungsdatum 24.03.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-463-00012-1
Verlag Rowohlt Kindler
Maße (L/B/H) 21.1/13.4/3.8 cm
Gewicht 521 g
Auflage 1. Auflage

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Kundenbewertungen

Durchschnitt
10 Bewertungen
Übersicht
4
3
2
1
0

von einer Kundin/einem Kunden am 22.01.2021
Bewertet: anderes Format

Versoffen, verlottert und völlig überfordert, Gabriel Landow ist wahrlich kein Held aber unerklärlicherweise ungemein sympathisch. Ließt sich als hätte Fontane statt Unterm Birnbaum einen Hardboild Krimi geschrieben.

Babylon Berlin - etwas verfahren!?
von Michael Sterzik aus Wallenhorst am 23.07.2020

Es gibt zurzeit viele Krimis auf dem Buchmarkt, die sich in der heutigen Gegenwart abspielen. Im Genre „Historischer Roman“ gibt es noch eine Unterkategorie „Historischer Krimi“ – diese spielen allerdings zumeist im Mittelalter und nicht wie der vorliegende Krimi von Axel Simon – „Eisenblut“ zur Zeit des Kaisers in der Hauptsta... Es gibt zurzeit viele Krimis auf dem Buchmarkt, die sich in der heutigen Gegenwart abspielen. Im Genre „Historischer Roman“ gibt es noch eine Unterkategorie „Historischer Krimi“ – diese spielen allerdings zumeist im Mittelalter und nicht wie der vorliegende Krimi von Axel Simon – „Eisenblut“ zur Zeit des Kaisers in der Hauptstadt Berlin im Jahr 1988. Ungewöhnlicher Zeitraum – aber auch nicht weniger spannender als die bekannten Krimis. Der Autor Axel Simon gibt dem Berlin vergangener Tage ein komplexes und authentisches Bild. Es ist eine interessante Zeit – eine die Veränderungen mitbringt. Die technischen Entwicklungen verändern das Leben der Menschen und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse werden zunehmend alles in Frage stellten, was noch vor kurzen als Status Q galt. Die Atmosphäre hat der Autor wirklich gut eingefangen. „Eisenblut“ von Axel Simon ist der erste Band einer Reihe um den Privatermittler Gabriel Landow. Dieser ist der jüngere Sohn einer alten ostpreußischen Adelsfamilie – der wegen einem Diebstahl aus der kaiserlichen Armee unehrenhaft entlassen wurde. So mit fristet der Grafensohn ein eher ärmliches, runtergekommenes Leben – zu stolz um wieder zu versuchen Anschluss an seine Familie zu finden – zu exzessiver Lebenswandel und immer wieder nur Gelegenheitsaufträge in seiner eher mies laufenden Detektei. So interessant dieser Charakter auch dargestellt ist – bedient sich der Autor doch einer zweifelsfrei bekannten Charakterkonzeption. Der verlorene Sohn, der talentiert ist, intelligent – aber zu eigensinnig um sich selbst zu reflektieren und Änderungen zu verfolgen. Also ein sympathischer Looser auf der typischen Verliererstraße – immer auf der Suche nach einem Ausweg. Auch wenn „Gabriel Landow“ seinen ersten Auftritt in „Eisenblut“ hat – so erkennt man das o.g. Muster schon nach wenigen Seiten. Schade – aber warten wir mal ab, welche Richtung er seinen Leben ggf. in einem zweiten Teil einschlägt. Mit den übrigen Charakteren verhält es sich ähnlich. Also nichts neues – nicht originelles was dem Leser hier inhaltlich präsentiert wird. Die Handlung splittet sich in mehreren Storys auf und auch die dramatische Vergangenheit von Landow, bzw. seiner Familie wird thematisiert. Kleine Seitensprung-Schnüffeleien sind der Alltag seiner schlecht laufenden Detektei im miesen Berlin-Kreuzberg im Jahr 1888: Gabriel Landow, schwarzes Schaf seiner ostpreußischen Getreidejunker-Familie, fällt der Erfolg nicht gerade in den Schoß. Aber dann fällt ihm ein Observierter direkt vor die Füße: Aus nachtschwarzem Himmel mitten aufs Sperrgebiet am Tempelhofer Feld. Wahrscheinlich wurde der aus dem Korb eines Militärballons gestoßen. Nur ein kleiner Ministerialbeamter, der allerdings mit einem geheimen Marineprojekt zu tun hatte. Und immerhin der dritte Tote dieser Art in letzter Zeit mit einem Buch der Gebrüder Grimm in der Hand. Aber weshalb die Regierung ausgerechnet Landow mit der Aufklärung betraut, ist auch ihm ein Rätsel. Genauso wie der Brandanschlag auf ihn kurz darauf. Wer sollte am Tod eines kleinen Ermittlers interessiert sein? Wo doch ganz Berlin, ach was, ganz Europa, nur gebannt auf das Sterben des todkranken Kaisers wartet, das einige aus ganz eigenen Motiven herbeisehnen. (Verlagsinfo) „Eisenblut“ verfügt über eine solide Spannung – aber wirkt auch inhaltlich manchmal völlig verloren. Überfrachtet – zu langsamer Aufbau – keine wirklich zielführender Aufbau. Es entsteht der Eindruck als hätte der Autor Axel Simon sein Romanskript unzählige Male immer wieder überarbeitet. Sprachlich hat der Autor seinen Roman gut gestaltet – toller subtiler Humor, ironisch und manchmal düster. Spannung – damit meine ich das Lesevergnügen ist eher durchschnittlich. Auch wenn der charakterliche Aufbau der Personen einer Schablone entspricht – so retten diese den Roman und animieren dazu bestimmt auf zu einem zweiten Band zu greifen. Dieser sollte aber inhaltlich mehr überzeugen. Überzeugen konnte Axel Simon absolut in der authentischen Darstellung von Berlin, was den wenigsten von uns auch aus anderen Romanen bekannt sein dürfte. Interessante Darstellung eines Milieus und seiner Gesellschaft. Großartig beschrieben. Fazit „Eisenblut“ von Axel Simon ist etwas verfahren im Aufbau und insgesamt in seiner gesamten Struktur. Mehr Konzentration auf den Grundplot – und bitte Charaktere deren Substanz überzeugen und die man nicht wahrnimmt, als würde man diese schon seit Jahren kennen. Michael Sterzik

von einer Kundin/einem Kunden am 11.07.2020
Bewertet: anderes Format

Großartig komponierter historischer Berlin-Krimi im Dreikaiserjahr 1888: Axel Simon lässt seinen kauzigen Privatermittler Landow, der überraschend damit beauftragt wird mysteriöse Morde an Regierungsbeamten aufzuklären, auf einen ganzen Blumenstrauß skurriler Gestalten treffen.

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