Die Brüder Fournier

Kriminalroman

Matthias Wittekindt

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Beschreibung

Wie wird ein Jugendlicher zum »Problemfall«? Wie ertragen wir, was uns angetan wird?

Envie, ein Vorort von Brüssel, in den 1970er Jahren. In einer Zeit, die im Rückblick vielleicht als schöne Jugend voller Freiheit und Spass in der Natur verklärt wird, wachsen die Brüder Iason und Vincent Fournier als Söhne vielbeschäftigter Unternehmer-Eltern eher vernachlässigt auf. Ihre jugendliche Energie ist nicht immer kanalisiert, ihre Wahrnehmung nicht immer konform mit den Interessen der Erwachsenen. Besonders Iason erregt Anstoss und wird, den modernen Therapien der Zeit entsprechend, medikamentös behandelt – mit wenig Erfolg. Freundinnen und Freunde haben sie trotzdem viele, in den fast dörflichen Strukturen sind sie eine fast schon verschworene Gemeinschaft, von den Älteren misstrauisch beäugt.
Doch als innerhalb eines Jahres zwei Jugendliche betrunken erfrieren, gerät Iason in einen Verdacht, dem er sich nicht entziehen kann. Und niemand, wirklich niemand, bringt ihn mit der mondänen und schönen Vierzigjährigen aus Brüssel in Verbindung, die in ihrem modernen Bungalow Partys für Kunstfreunde und Intellektuelle schmeisst …
Matthias Wittekindt zeigt, was passiert, wenn Zuschreibungen von aussen aus einem ganz normalen Jugendlichen einen »Problemfall« machen – und wie das Harmlose zum Unheimlichen wird.

Matthias Wittekindt wurde 1958 in Bonn geboren. Nach dem Studium der Architektur und Religionsphilosophie arbeitete er in Berlin und London als Architekt. Es folgten einige Jahre als Theaterregisseur. Seit 2000 ist er als freier Autor tätig. Für seine Hörspiele, Fernsehdokumentationen und Theaterstücke wurde er vielfach ausgezeichnet. Bisher erschienen die Kriminalromane »Schneeschwestern« (2011), »Marmormänner« (2013, Deutscher Krimipreis 3. Platz), »Ein Licht im Zimmer« (2014), »Der Unfall in der Rue Bisson« (2016) und »Die Tankstelle von Courcelles« (2018, Deutscher Krimipreis 2. Platz).

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 272
Erscheinungsdatum 09.03.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-96054-226-1
Verlag Edition Nautilus GmbH
Maße (L/B/H) 21/12.6/2.7 cm
Gewicht 347 g
Auflage 1. Originalveröffentlichung

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Mehr Drama als Krimi, die packende Geschichte weiß aber dennoch zu überzeugen
von ech am 15.07.2020

In diesem Roman erzählt der Autor Matthias Wittekindt die bewegende Geschichte der Brüder Iason und Vincent Fournier. Obwohl das Buch als Kriminalroman beworben wird, handelt es sich eigentlich eher um ein Drama mit Krimielementen, an der Klasse des Buches ändert dies aber nichts. Iason und Jason Fournier wachsen in den 70er ... In diesem Roman erzählt der Autor Matthias Wittekindt die bewegende Geschichte der Brüder Iason und Vincent Fournier. Obwohl das Buch als Kriminalroman beworben wird, handelt es sich eigentlich eher um ein Drama mit Krimielementen, an der Klasse des Buches ändert dies aber nichts. Iason und Jason Fournier wachsen in den 70er Jahren im Brüsseler Vorort Envie auf. Als Söhne vielbeschäftigter Unternehmer verfügen die ungleichen Brüder schon früh über reichlich Freiräume, die besonders dem unruhigen Iason nicht immer gut bekommen und ihn in zahlreiche Konflikte mit diversen Ordnungsbehördern treiben. Doch auch moderne Therapien und medikamentöse Behandlungen zeigen bei ihm wenig Wirkung, ganz im Gegenteil. Als innerhalb eines Jahres zwei Jugendliche betrunken erfrieren, fällt schnell der Verdacht, das Iason etwas damit zu tun haben könnte. Doch auch sein deutlich ruhigerer Bruder wird immer tiefer in die geheimnisvollen Todesfälle hereingezogen. Mit einem packendem Schreibstil entwirft der Autor den fiktiven Vorort Envie und bestückt ihn mit einer ganzen Riege gut gezeichneter und vielschichtig angelegter Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. So entsteht ein überzeugendes Sittengemälde, das auch den Zeitgeist der damaligen Zeit hervorragend transportiert und so spannende Unterhaltung mit sehr viel Tiefgang bietet. Das das Ende vielleicht ein wenig zu märchenhaft ausfällt, konnte den überzeugenden Gesamteindruck bei mir nur unwesentlich trüben. Wer hier einen klassischen Kriminalroman erwartet, dürfte eher weniger Gefallen an dem Buch finden. Doch wenn man sich voll auf die gut aufgebaute Geschichte einlässt, bekommt man eine rundherum überzeugendes Drama geboten, das noch länger nachhallt und zum Nachdenken anregt.

Fesselnder Entwicklungsroman
von einer Kundin/einem Kunden aus Freiburg am 09.05.2020

"Die Brüder Fournier", Matthias Wittekindts neuer Roman, erzählt die Geschichte von Iason und Vincent Fournier. Die beiden Brüder wachsen während der 70er Jahre in in einem fiktiven Brüsseler Vorort namens Envie auf. Ihre Kindheit ist geprägt von der Abwesenheit der Eltern, die sich schon früh mehr um andere Dinge als ihre Kinde... "Die Brüder Fournier", Matthias Wittekindts neuer Roman, erzählt die Geschichte von Iason und Vincent Fournier. Die beiden Brüder wachsen während der 70er Jahre in in einem fiktiven Brüsseler Vorort namens Envie auf. Ihre Kindheit ist geprägt von der Abwesenheit der Eltern, die sich schon früh mehr um andere Dinge als ihre Kinder kümmern und so ist es die Aufgabe des ein Jahr älteren Iason, sich um seinen Bruder zu kümmern. Überfordert mit der Situation entwickelt sich Iason zu einem impulsiven Teenager, der überall aneckt und sowohl von Gleichaltrigen, besonders aber auch den Erwachsenen meist missverstanden wird. Schritt für Schritt gerät er immer mehr auf die schiefe Bahn und als sich in kurzer Zeit mehrere Todesfälle ereignen ist klar, auf wen der Verdacht zuerst fällt. Wo in einem anderen Kriminalroman nun wahrscheinlich die Tat und die Ermittlungen im Mittelpunkt stehen würden, geht der Autor hier einen anderen Weg: Wir begleiten die Brüder, insbesondere Iason, durch ihre Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter hinein und erfahren so vieles über die familiären Hintergründe und die sozialen Strukturen in der dörflichen Gemeinschaft, allerdings immer gefiltert durch die Wahrnehmung der Protagonisten und so kann man sich vor allen Dingen bei Iason, der schon früh unter einer gestörten Wahrnehmung leidet, nie sicher sein, ob die Realität nicht doch ein klein wenig anders aussieht. Und genau das macht für mich die Stärke dieses Romans aus - nie wusste ich mit Gewissheit, was tatsächlich vorgefallen ist. Doch bis zu einem gewissen Grad sind Wahrnehmung und Realität ja immer auch relativ und ich liebe es, wenn man bei Geschichten mit solch "unzuverlässigen Erzählern" auch selbst gefordert ist und alles immer wieder hinterfragen kann und muss. Diese sich durch die ganze Erzählung ziehende Unsicherheit macht das ganze auch zu einer Art Kriminalroman, wobei ich eine Zuordnung ins genre des Coming-of-Age-Romans hier deutlich passender gefunden hätte. Dies aber nur als kleiner Kritikpunkt, da der Klappentext bei dem ein oder anderen Leser eventuell falsche Erwartungen auslösen könnte. Besonders gefallen hat mir der sachliche, fast beiläufige Schreibstil Wittekindts, der in kurzen Sätzen die Szenen beschreibt und somit ersteinmal sehr glaubwürdig klingt, wären da nicht immer wieder einzelne Details, die einen an dieser Glaubwürdigkeit zweifeln lassen. Der Kontrast von Erzählung und Realität wird somit zwischen den Zeilen gekonnt unterstrichen. Auch die Andeutungen von Ereignissen in der Zukunft, welche der Autor immer wieder einfließen lässt, schaffen oft eine leicht bedrohliche Atmosphäre. Insgesamt bietet der Roman ein faszinierendes und packendes Leseerlebnis, welches die Genregrenzen gekonnt überschreitet und Dank eines tollen Schreibstils und einer außergewöhnlichen Hauptfigur absolut zu fesseln weiß.

Faszinierendes Leseerlebnis
von einer Kundin/einem Kunden aus Wathlingen am 08.05.2020

Die Brüder Iason und Vincent Fournier wachsen in den 60er und 70er Jahren im fiktiven Brüsseler Vorort Envie als Söhne viel beschäftigter Eltern auf. Während Vincent, der jüngere, leichtfüßig seinen Weg einschlägt, bringt sich Iason durch seine unbeherrschbare Impulsivität schon früh in Schwierigkeiten. Sein aufsässiges, unangep... Die Brüder Iason und Vincent Fournier wachsen in den 60er und 70er Jahren im fiktiven Brüsseler Vorort Envie als Söhne viel beschäftigter Eltern auf. Während Vincent, der jüngere, leichtfüßig seinen Weg einschlägt, bringt sich Iason durch seine unbeherrschbare Impulsivität schon früh in Schwierigkeiten. Sein aufsässiges, unangepasstes Wesen fordert pädagogische, psychiatrische, medizinische und gesellschaftliche Kompetenzen seiner Zeit heraus. Dass das Verfolgen seines Werdegang so überaus interessant ist, liegt vor allem an der Besonderheit des Schreibstils. Matthias Wittekindt beschreibt sachlich, detailgetreu und scheinbar unbeteiligt Szenen, als ließe er ein Spotlight darüber gleiten. Lediglich die leise Ironie vermittelt einen Hauch von Beurteilung. Zwischen kurzen, scheinbar simplen Sätzen versteckt er tiefe Bedeutungen. Immer wieder gibt es Andeutungen, die in die Zukunft weisen, eine dunkle Bedrohung beschwören und Dinge vermuten lassen, die, wenn sie dann eintreffen, doch wieder ganz anders sind als erwartet. So schafft er ein Spannungsfeld, in dem sich die Personen bewegen und in das sie die Leser mit hineinziehen. Unschön und willkürlich erscheint der Klappentext, der ungewöhnlich weit in die Geschichte vorgreift. Da geht es offenbar darum, etwas Reißerisches zu offerieren, um Käufer zu ködern. Schade, denn genau hier liegt die Stärke des Buches nicht. Leser, die sich aufgrund dieser Informationen zum Erwerb entschieden haben, werden vermutlich enttäuscht sein. Wie auch diejenigen, die der Genrezuordnung auf den Leim gegangen sind. Falls man hier wirklich über einen Kriminalroman sprechen möchte, dann zumindest über einen, der völlig anders ist. Ein traditionelles Verbrechen findet nicht statt, polizeiliche Ermittler erscheinen ganz am Rand, Schuldige, falls es denn welche gibt, werden kaum zur Rechenschaft gezogen. Alles ist verwirrend und undurchsichtig, der Fokus wird so stark auf Iason gerichtet, dass alles andere verschwimmt und sich verliert. So bleibt man am Ende mit vielen Fragen und der einzigen Gewissheit zurück, soeben ein faszinierendes, fesselndes Leseerlebnis gehabt zu haben.

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