Von Frauen und Rabbinern

Zwei Erzählungen

Die Andere Bibliothek Band 431

Chaim Grade

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Beschreibung

Er ist einer der grossen Dichter des jüdischen Wilna, und seine Erzählungen bergen Romane: Mit Chaim Grade (1910–1982) erscheint in der Anderen Bibliothek erstmals einer der bedeutendsten jiddischen Dichter und Erzähler des 20. Jahrhunderts.

In Wilna, heute Vilnius, im leuchtenden »Jerusalem des Nordens«, wurde Chaim Grade geboren, und von dort und der Enge der jüdischen Dörfer, den Schtetlech zwischen den Weltkriegen, erzählt er – ohne alle sentimentale Verklärung. Seine sinnlich-atmosphärischen
Darstellungen der untergegangenen jüdischen Welt entfalten grosse persönliche und politische Dramen.
Die kultivierte Perele, Tochter des gelehrten Rabbis von Staripol, ist eine der eindrucksvollsten der vielen Frauengestalten in Grades Erzählungen: eine raffinierte Xanthippe. Als Erbin rabbinischen Adels will sie ihren gutmütigen Mann, Uri-Zwi Königsberg, vom schlichten Prediger zum angesehenen Rabbi befördern – mit Intrige, mit kaltem Kalkül und stummer Unerbittlichkeit. Hinter ihrem Ehrgeiz verbirgt sich ein peinigendes Lebensgeheimnis.
Ob hier, in der Erzählung Die Rebbezin, oder in Lejbe-Lejsers Hof: Der in Synagogen, Wohnungen oder Geschäften erbittert ausgetragene Streit um die religiösen Gebote, der »Religionskrieg« zwischen Traditionalisten und Erneuerern, orthodoxen Eiferern und zionistischen Freidenkern bestimmt die Existenz aller und ist das grosse Thema von Chaim Grades Erzählkunst. Sein poetisches Gespür für die Träume und Sehnsüchte von Frauen in einer Welt voller Gebote und Verbote lassen ein lebendiges Bild des jüdischen Alltags entstehen.
Auf Lejbe-Lejsers Hof in Wilna sind sie alle vereint: Arbeiter und Handwerker, Fuhrleute, Metzger und Markthändler, Rabbiner und Asketen. Zu den Feiertagen wogt eine Menschenmenge in Festtagskleidung durch den Hof und im Bethaus treffen sich die ganz und
die weniger Frommen. Gefangen in ihrer Welt der Vorschriften und Gesetze, an denen mitunter auch die eigenen Frauen irre werden, leben in Lejbe-Lejsers Hof der fanatisch gläubige Schlosser Hiskia mit seinen drei Töchtern, der Gärtner Schklar oder der Polsterer Moischele,
dessen Frau Nechama den Scheidebrief nicht annehmen will. Familiendramen, Skandale, Schmerz und Scham – es braucht die Auslegung der Religionsgesetze. Es braucht den imposanten Rabbi Joel Weintraub und seine Frau, die Rebbezin Hindele. Sie werden
gerufen, sich wieder einzumischen in die verworrene jüdische Welt.
Chaim Grade weiss viel: Zwischen »es ist verboten« und »es ist erlaubt« gibt es noch etwas anderes – schlichte Menschlichkeit. Von ihr erzählt er mit grosser Einfühlung in seine Figuren.

Chaim Grade wurde am 4. April 1910 in Wilna geboren und gehört als einer der wichtigsten Autoren der jiddischen Literatur zu jener Generation, die im Bewusstsein aufwuchs, dass es grosse Lyrik und europäische Romane in jiddischer Sprache geben könne. In grosser Armutaufgewachsen, kam er mit dreizehn Jahren in litauische Lehrhäuser, erhielt eine orthodoxe jüdische Erziehung, las gleichwohl intensiv säkulare jiddische Literatur und veröffentlichte Lyrik und erzählende Epik. Im Juni 1941, mit der deutschen Besetzung von Wilna, floh er indie Sowjetunion, Grades junge Frau und seine Mutter wurden umgebracht. 1946 kam er nach Paris und veröffentlichte mehrere Gedichtbände in jiddischer Sprache. 1948 ging er in die USA und begann in New York Romane, Novellen und Erzählungen zu verfassen, die vielfachmit literarischen Auszeichnungen bedacht wurden und in denen er die traditionelle jüdische Welt Litauens verdichtet. Er starb 1982.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 360
Erscheinungsdatum 21.12.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8477-0431-7
Verlag AB - Die Andere Bibliothek
Maße (L/B/H) 21.8/12.3/3.2 cm
Gewicht 664 g
Auflage 1. Auflage, Nummerierte Ausgab
Übersetzer Susanne Klingenstein

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