Windstill

Roman

Ilia Vasella

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Beschreibung

Ein heisser drückender Sommermorgen in Südfrankreich. In einem leicht verfallenen Schloss verlebt eine zusammengewürfelte Schar von Gästen entspannte Ferientage. Sie kochen gemeinsam, trinken auf der Terrasse Wein und geniessen den Blick auf die blaue Bergkette in der Ferne.
Dann passiert das Unfassbare: Marie stolpert und stürzt. Sie ist auf der Stelle tot. Die Anwesenden bahnen sich einen Weg durch die ersten Stunden nach ihrem Tod – Dorothea faltet Maries Wäsche, Odile setzt sich ans Klavier, Stephan flüchtet mit den Kindern in den Garten. Bei jedem hinterlässt Maries Tod andere Spuren, bleiben andere Erinnerungen zurück.

ILIA VASELLA, geboren 1961, studierte Grafik, Design und später Gender Studies an der heutigen Zürcher Hochschule der Künste. Nach langjähriger Tätigkeit als freischaffende visuelle Gestalterin leitet sie seit 2007 den Studiengang Visuelle Gestaltung an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich und unterrichtet. Sie lebt in Zürich und Frankreich.
Für die Arbeit am vorliegenden Text erhielt Ilia Vasella 2017 einen Werkbeitrag des Kantons Zürich. Windstill ist ihre erste Veröffentlichung.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum 31.03.2021
Verlag Dörlemann
Seitenzahl 160
Maße (L/B/H) 19.2/12.1/1.8 cm
Gewicht 230 g
Auflage 1
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-03820-087-1

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Was bleibt, ist die Lücke
von BjoernAndBooks aus Hildesheim am 11.07.2021

Der Morgen in Südfrankreich erwacht. Ein neuer Ferientag wartet auf die Gäste im kleinen Schloss. Doch von einem Moment auf den anderen ist das Idyll passé, die Ruhe und Unbeschwertheit vergessen: Mit einem Wäschekorb in der Hand stolpert Marie, die mit ihrem Partner Franz ihren Urlaub auf dem Anwesen von Pierre verbringt, auf ... Der Morgen in Südfrankreich erwacht. Ein neuer Ferientag wartet auf die Gäste im kleinen Schloss. Doch von einem Moment auf den anderen ist das Idyll passé, die Ruhe und Unbeschwertheit vergessen: Mit einem Wäschekorb in der Hand stolpert Marie, die mit ihrem Partner Franz ihren Urlaub auf dem Anwesen von Pierre verbringt, auf der Terrasse, fällt hin, landet mit ihrem Kopf unglücklich auf einem Metallrohr. Tot. Von jetzt auf gleich, ohne Vorwarnung, ohne Chance. Zunächst senkt sich die Ungläubigkeit über die Versammelten, dann der Schock und die Trauer. Jede*r hängt ihren*seinen Gedanken nach, lässt Vergangenes Revue passieren, hinterfragt Kommendes. Da ist Dorothea, deren Beziehung zu ihrem Mann Mauro bereits gehörig kriselt und die voller Angst und Unsicherheit ob ihrer eigenen Individualität in die Zukunft blickt. Oder Odile und Nick, die fast wie zwei Faktoten aus unterschiedlichen Gründen ihre Zeit auf Pierres Schloss verbringen. Was bleibt, ist die Lücke, die Marie hinterlässt. „Wir schoben die Kinder vor, befürchteten Schäden, Unverdaubares. Wir waren es. Die nicht wussten, welche Worte, welche Nähe. Wie viel Distanz“. (S. 87) Mit einem präzisen Gespür für das Moment der Ruhe kreiert Ilia Vasella eine Situation, die ihre Figuren aus deren Ferienalltag reißt. So unglaublich wie dieser Unfall zu sein scheint, so menschlich und nachvollziehbar sind die Reaktionen der Figuren. Da wird sich verkrochen, da ist Redebedarf, man erinnert sich an gemeinsame Erlebnisse – meistens an die unwichtigsten – und ist voller Übersprungshandlungen. Vasella porträtiert die Menschen in den Situationen, die sich sonst hinter verschlossenen Türen abspielen, und lässt uns an deren Umgang mit dem Tod teilhaben. „Windstill“ ist ein Roman, der nicht durch eine wendungsreiche Handlung gekennzeichnet ist. Auf der Handlungsebene ist auf den ersten zwei bis fünf Seiten alles erzählt: Marie ist tot – und nun? Hier geht es um das Aushalten. Vasella thematisiert das Erdulden der Machtlosigkeit ihrer Figuren und zwingt ihre Leser*innen in die Betrachtung von Situativem. Das gelingt ihr wirklich ganz vorzüglich, lernt man doch auf nur 160 Seiten so viel über das Leben dieser Individuen, über ihr Innenleben, ihre Sorgen, Ängste, Nöte, Wünsche. Ihre Sprache ist knapp und elliptisch, Sätze brechen ab, werden wieder aufgenommen und verbildlichen die Gedankensprünge der Figuren. Schlaglichtartige Perspektivwechsel vom allwissenden Erzähler hin zur Ich-Erzählerin Dorothea, die als personifiziertes „Und nun?“ auftritt, lassen uns durch verschiedene Augen auf das Geschehen blicken. Besonders intensiv wird die Thematisierung des Todes durch die Äußerungen der Kinder, die voller Wahrheit unverblümt aussprechen, was die Erwachsenen nicht einmal zu denken wagen. Vasella hat mit ihrem Roman, der eigentlich eher als Novelle betrachtet werden muss, eine ganz andere Art von Ferienlektüre geschaffen, die zum Nachdenken anregt: über das Ich und das Wir und den Tod. Ein kluger Text!

Idylle und Schmerz…so nah beieinander…
von Rezensent aus BW am 08.07.2021

Wow! Was für ein erschütternder Beginn. Ein Paukenschlag, der einen schaudern lässt! Ein Drama, das eine sommerliche Ferienidylle zerschneidet! Marie rutscht auf der Treppe aus, fällt nach hinten und knallt mit dem Kopf auf das Metallrohr eines Sonnenschirmständers. Marie ist auf der Stelle tot. Die Geschichte spielt in S... Wow! Was für ein erschütternder Beginn. Ein Paukenschlag, der einen schaudern lässt! Ein Drama, das eine sommerliche Ferienidylle zerschneidet! Marie rutscht auf der Treppe aus, fällt nach hinten und knallt mit dem Kopf auf das Metallrohr eines Sonnenschirmständers. Marie ist auf der Stelle tot. Die Geschichte spielt in Südfrankreich am Rand der Pyrenäen. Es ist August. Wir begleiten die Gäste und Bewohner eines idyllisch gelegenen Ferienhauses aus Sandstein, besser gesagt, „eines leicht vergammelten Landschlosses“ (S. 12) auf einer Hügelkuppe in den ersten Stunden nach dem fatalen Ereignis. Der Hausherr Pierre und sein kleiner Sohn Gian, die französische Mieterin Odile und eine vom Zufall bunt zusammengewürfelte Feriengemeinschaft bewohnen derzeit das Landschloss. Gesellige Abende mit Rotwein und gemeinsame Mahlzeiten auf der Terrasse bringen die Gäste ganz zwanglos einander näher. Neben Pierre, seinem Sohn Gian, Odile und dem soeben zum Witwer gewordenen Franz, lernen wir Dorothea und Mauro mit ihren Zwillingen Rosa und Emil, Stephan und seine kleine Tochter Lara sowie den Jugendlichen Nick, der von seiner Mutter hergeschickt wurde, um Französisch zu lernen, kennen. Abwechselnd begleiten wir den ein oder anderen Bewohner, haben Teil an seinen Gedanken und lernen so auch Marie aus den verschiedenen Sichtweisen heraus kennen. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen an die gerade Verunglückte. Jeder hat ein eigenes und interessantes Leben. Jeder geht anders mit dem gerade erlebten Schock um. Jeder hängt anderen Gedanken nach. Dem zu folgen ist unterhaltsam und abwechslungsreich. Ilia Vasella überzeugt mit wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und mit präzisen und eindrücklichen Schilderungen der Geschehnisse. Mit ihrer anschaulichen und zuweilen poetischen Sprache und mit knappen, präzisen und ausdrucksstarken Bildern vermittelt sie wunderbar die spannungsgeladene Atmosphäre zwischen Glück und Idylle auf der einen sowie Tragödie und Schmerz auf der anderen Seite. Ich wurde in diesem schmalen Bändchen mit einer außergewöhnlichen, kreativen, eindringlichen und manchmal abgehackten und bruchstückhaften Erzählweise überrascht, die zwar unaufgeregt und ruhig, aber gleichzeitig eindringlich ist, nachhallt und Denkanstöße gibt. Wer viel Handlung, Action oder spritzige Dialoge erwartet, wird enttäuscht sein, denn hier stehen die Einblicke in die Innenwelten der Schlossbewohner sowie wunderbare Landschaftsbeschreibungen im Vordergrund. „Windstille“ erinnert ein bisschen an ein Musaik, das sich aus mehreren Einzelstücken zusammensetzt. Ein Mosaik, das entsteht, weil abwechselnd unterschiedliche Menschen und ähnliche Situationen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Mal schwingt die Kamera ein bisschen vorwärts, mal ein bisschen rückwärts. Ab und zu gibt es auch Ausblicke in die Zukunft und gegen Ende macht die Autorin noch einen Zeitsprung nach vorne mit Blick zurück. Immer wieder stieß ich auf wunderschöne Formulierungen, die ich mehrmals lesen „musste“, wie zum Beispiel „Und als würde ihn diese Überlegung bereits alle Kräfte kosten, fällt er zurück in das Minenfeld seine Gedanken.“ (S. 76) Ich empfehle den Roman von Ilia Vasella gerne weiter. Ein besonderes und unbedingt lesenswerter Debut!

Ilia Vasella – Windstill
von Miss.mesmerized am 02.04.2021

Das heruntergekommene Schloss in Südfrankreich beherbergt auch in diesem heißen Sommer wieder eine bunte Schar von Gästen. Franz und Marie kommen schon seit Jahren in die Herberge des Künstlers Pierre, dessen Malerei sie schätzen. Dorothea und Mauro sind mit ihren Kindern Rosa und Emil zum ersten Mal Gast. Auch Stephan und seine... Das heruntergekommene Schloss in Südfrankreich beherbergt auch in diesem heißen Sommer wieder eine bunte Schar von Gästen. Franz und Marie kommen schon seit Jahren in die Herberge des Künstlers Pierre, dessen Malerei sie schätzen. Dorothea und Mauro sind mit ihren Kindern Rosa und Emil zum ersten Mal Gast. Auch Stephan und seine Tochter Lara bewohnen eines der Zimmer, ebenso wie Nick, der schon fast zu den Erwachsenen zählt, aber seiner schlechten Französischkenntnisse dort den Sommer verbringen soll. Odile geht im Winter mit ihrer Band auf Tour, den Rest des Jahres bewohnt sie hintere Zimmer des Anwesens. An einem Morgen wie jedem anderen auch ist ein Teil der Urlauber schon wach und auf der Terrasse beim Frühstück als das völlig Unerwartete geschieht: Marie will nur die getrocknete Wäsche holen, rutsch aus, schlägt mit Kopf auf und ist sofort tot. Alles gerät aus dem Ruder, nichts geht mehr seinen normalen Gang. Ilia Vasella ist visuelle Gestalterin und lehrt an der Kunsthochschule Zürich, „Windstill“ ist ihr erster Roman, der wie ein Gemälde auch, einen Moment im Leben festhält und mit allen Details ausgestaltet. Der Blick der Künstlerin zeigt sich auch in der Geschichte, jede Ecke wird ausgelotet, kein noch so kleiner Fleck ist unbedeutend. Sie beschreibt nur einen einzigen Tag, an dem scheinbar die Zeit für die Figuren stehenbleibt. Im Allgemeinen messe ich Buchcovern keine große Bedeutung bei, in diesem Fall jedoch ist auffällig, wie stimmig es zum Text passt, dass es genau jene unheilvolle Ausgangsszene malerisch darstellt: die Terrasse, der Wäschekorb, die intensiven Farben Südfrankreichs. Was macht so ein Ereignis mit den Menschen? Wie reagieren sie? In Zeitlupe hält die Autorin dies fest. Die Schreckstarre, in die Franz verfällt, der es nicht fassen kann, immer wieder eingeholt wird von Erinnerungen an all jene Momente mit seiner Frau und der froh ist, dass andere das Handeln für ihn übernehmen. Odile gehört zu diesen pragmatischen Menschen, sie scheint zu wissen, was zu tun ist, wie man mit dem Tod umgeht, wie man den Leichnam immer noch menschlich behandelt. Die Kinder sollen von der Tragik des Lebens ferngehalten werden, merken jedoch, dass etwas geschieht, sind neugierig, haben noch nie einen toten Menschen gesehen. Und die Erwachsenen werden mit dem konfrontiert, was sie verdrängen wollen, der Endlichkeit des eigenen Seins, dem Wissen, dass von einer auf die nächste Sekunde alles vorbei sein kann. Ein intensives Leseereignis, das unheimlich dicht ist und förmlich in einen hineinkriecht. Eine oberflächliche Lektüre ist gar nicht möglich, man verlangsamt automatisch und erfasst so jede Sekunde des folgenschweren Tages und fragt sich auch selbst, wie man wohl agiert hätte, ob man vorbereitet ist, auf das Undenkbare.

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