Die Nacht des Dr. Herzfeld & Schnee

Romane

Die Andere Bibliothek Band 442

Georg Hermann

Buch (gebundene Ausgabe)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 53.90
Fr. 53.90
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Erscheint demnächst Versandkostenfrei
Erscheint demnächst
Versandkostenfrei

Weitere Formate

Beschreibung

Er war der »jüdische Fontane«. Am 7. Oktober 1871 wurde Georg Hermann in Berlin geboren. Wir feiern mit einem vergessenen Doppelroman seinen 150. Geburtstag.
Mit seinem psychologisch-realistischen Gesellschaftsroman Jettchen Gebert und dessen Fortsetzung Henriette Jacoby (1906/08) wurde Georg Hermann zur literarischen Berühmtheit.
Sein Zeitroman Kubinke von 1910 erzählt die Lebensgeschichte eines »kleinen Mannes«. Nach der Lektüre haben wir Emil Kubinke, den schüchternen Friseurgehilfen, der im Berliner Westen Fuss zu fassen versucht und dabei untergeht, nie vergessen.
1912 erschien Die Nacht des Dr. Herzfeld und 1921 die mitten im Ersten Weltkrieg handelnde Fortsetzung Schnee, ein Doppelroman. Zwischen den Romanen liegen ein Krieg und Welten – aber es ist der Tonfall wehmütiger Heiterkeit, der sie verbindet. Georg Hermann ist der essayistisch lustvoll erzählende grosse Chronist einer jüdisch-bürgerlichen Lebenswelt und sein Dr. Herzfeld Vertreter eines grossstädtischen, gebildeten Judentums. Georg Hermanns Romane schaffen impressionistische Wahrnehmungstableaus aus dem Metropolenleben.
In seiner Dachwohnung im Gartenhaus lebt Dr. Alwin Herzfeld, seinen fünfzig Lebensjahren nah, eine Eigenbrötlerexistenz. Die Wohnung im Parterre hält Hermann Gutzeit mit seiner Familie, Gesprächspartner während langer Gänge durch die Metropole. Herzfeld ist akademisch gebildeter Schriftsteller, Kritiker, »nachdenklich wie alle, deren Wissenschaft das Leben ist« – vor allem aber skurriler Sammler von Kunst und den Erregungen des flüchtigen Augenblicks. Herzfeld ist ein Augenmensch, ein Ästhet. Immerfort räsoniert er, ein brillant eloquenter Schöngeist, der mit seinem Nachbarn, einem erfolglosen kleinen Zeitungsschreiber, durch Berlins Strassen um 1910 lustwandelt, Kurfürstendamm mit seinen »Protzenburgen«, Anhalter Bahnhof, Villenviertel, blühende Vorgärten. Sie sind ein ungleiches Paar, immer in plaudernder Konversation, aber beide vom Leben lädiert.
Am nachtschwärmenden Flaneur Herzfeld zieht die Stadt mit ihrem neuen Reichtum vorbei, der »Sudkessel « der Bohème, die er liebt, die Caféterrassen, Erinnerungen, Begegnungen – sein Leben ist wie ein fortwährender innerer Monolog, ein impressionistischer Reigen, ein nie versiegender Strom des Bewusstseins inmitten der Atmosphäre der grossen Stadt mit ihren unendlichen Reizen, in denen sich Herzfeld träumend verliert. Auf die »Nacht des Dr. Herzfeld« lässt Georg Hermann neun Jahre später den Antikriegsroman »Schnee« folgen, auf Sommernächte folgt der Novemberhimmel über Berlin.
Über die Schienen, auf die er aus seinem Fenster sieht, rollen erst die Truppentransporte, dann leuchten auf den Waggons die »roten Kreuze auf dem weissen Feld«. Dr. Herzfeld hat die jungen Freunde verloren, die älteren haben sich mit dem Krieg abgefunden, unter den Schneeschleiern über Berlin ist es einsam um den grossen Individualisten geworden, der Krieg hat ihn »aus seinem Zentrum geworfen«, die letzten Illusionen sind zerstoben.

Georg Hermann (geb. 1871 in Berlin, gest. 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau), eigentlich Georg Hermann Borchardt, Sohn einer jüdischen Berliner Händlerfamilie, wählte sich, zur „Ehrenrettung seines Vaters“, der wirtschaftlich gescheitert war, dessen Vornamen Hermann zum Autorenpseudonym. Nach ersten Veröffentlichungen zur Kunst(geschichte), Zeitungsartikeln folgen erste Romane – der Durchbruch gelang mit den millionenfach verkauften Romanen Jettchen Gerbert und Henriette Jacoby, die im jüdischen Milieu Berlins spielten und ihm den Beinamen „jüdischer Fontane“ einbrachten. Nach der Machtergreifung der Nazis floh der fleissig weiter publizierende Hermann mitsamt Familie ins holländische Exil – von wo aus ihm die weitere Flucht im Jahre 1943 misslang..
Lothar Müller (geb. 1954) ist Literaturkritiker, Literaturwissenschaftler, Journalist und Autor. Er ist Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung mit Sitz in Berlin, Preisträger des Alfred-Kerr-Preises (2000), des Johann-Heinrich-Merck-Preises (2008) und des Berliner Preises für Literaturkritik (2013) sowie Autor zahlreicher Bücher (zuletzt: Weisse Magie. Die Epoche des Papiers, 2012, Hanser). Seit 2010 ist er Honorarprofessor an der HU Berlin.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 580
Erscheinungsdatum 20.09.2021
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8477-0442-3
Verlag AB - Die Andere Bibliothek
Maße (H) 0 cm
Auflage 1. Auflage, Nummerierte Ausgab

Weitere Bände von Die Andere Bibliothek

Kundenbewertungen

Es wurden noch keine Bewertungen geschrieben.

  • Artikelbild-0