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Erzählungen

Trojanische Pferde Band 16

Jonathan Lethem

Buch (gebundene Ausgabe)
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Beschreibung

In neun fantastischen, urkomischen, manchmal rührenden Geschichten, seziert Lethem amerikanische Pop- und Strassenkultur um daraus mit schwindelerregender Stilvielfalt einzigartige fiktionale Welten zu erschaffen. Diejenigen, die Lethem seit langem schätzen, werden in den neuen Geschichten zuweilen auf Vertrautes stossen: Erzähler, die nicht aufhören können zu plappern, glücklose Möchtegern-Detektive, einfache Menschen mit übernatürlichen, oft selbstzerstörerischen Kräften, neben Charakteren, deren neunmalkluge Schlagfertigkeit nur den eigenen bohrenden Liebeskummer verdecken soll, während sie wortreich über die bittersüssen Widrigkeiten der Liebe und die Verstrickungen der Freundschaft debattieren.

Jonathan Lethem, geboren 1964 in New York, hat acht Romane veröffentlicht, darunter die New-York-Romane »Chronic City«, »Motherless Brooklyn« und »Die Festung der Einsamkeit«. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, u. a. den »National Book Critic‘s Award«, den »Gold Dagger« und das »Mac-Arthur Fellowship«. Lethem hat die Professur für Creative Writing am Pomona College als Nachfolger von David Foster Wallace übernommen.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 172
Erscheinungsdatum 01.09.2005
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-50075-2
Verlag Tropen
Maße (L/B/H) 21.8/14.9/1.9 cm
Gewicht 369 g
Originaltitel Men and Cartoons
Auflage 1. Auflage
Übersetzer Michael Zöllner

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  • Ich war zehn Jahre alt, als Superziegenmann in die Kommune in unserer Strasse zog. Obwohl ich mich für Superhelden interessierte, kannte ich Superziegenmann nicht. Seine Anwesenheit hatte keine besondere Bedeutung für mich oder die anderen Kinder aus der Nachbarschaft. Für uns war Superziegenmann nur einer von vielen Männern, die an heissen Sommertagen, während wir rennend und schreiend unsere geheimen Spiele auf dem Gehsteig spielten, in ärmellosen Unterhemden auf den Treppenaufgängen sassen und den schleichenden Fortgang des Lebens in unserem Block verfolgten. Die zwei kleinen fleischigen Hörner auf seiner Stirn fielen nicht besonders auf. Uns beeindruckte auch nicht sein Fall aus dem Olymp der Comicbuchhelden, in dem er bestenfalls ein zweitrangiger Star gewesen war, und der ihn hier nach Cobble Hill, Brooklyn, verschlagen hatte, in ein Einzelzimmer in einem Wohnheim für Studienabbrecher, einen Hippieunterschlupf; genausowenig, wie die Haarbüschel an seiner Kehle und hinter seinen Ohren. Wir hatten damals nur die Spinne oder Batman im Sinn, zweidimensionale Superhelden von den es Butterbrotdosen, Fernsehfilme und Erkennungsmelodien gab. Der Superziegenmann hatte nichts dergleichen.
    Es waren unser Väter, die ihm Beachtung schenkten. Sie fühlten sich unverkennbar angezogen von der seltsamen Person, die da in den Block gezogen war, als repräsentierte er für sie all die verpassten Chancen des eigenen Lebens. Besonders mein Vater schien vom Superziegenmann fasziniert zu sein, auch wenn er vorgab, das in meinem Interesse zu tun. Gegen Ende des Sommers gingen wir zusammen zur Montague Street, um den dortigen Comicladen aufzusuchen. Es war ein winziges Ladenlokal, das mit länglichen weissen Schachteln, Pappkisten voller sorgfältig archivierter Comics vollgestopft war. Die Kisten enthielten uralte Jahrgänge vergriffener Serien, von denen ich schon gehört hatte, sowie Tausende von anderen Heften mit Figuren, die mir noch nie über den Weg gelaufen waren. Der Laden wurde geführt von einem jungen nervösen Pedanten mit langem Haar und einem Bart, im Geiste bereits vergreist, so dass er zu seinem eigenen Schaden ungern Kinder um sich hatte. Er half meinem Vater bei der Suche in dem alphabetisch geordneten Bestand - der Suche nach nach einer fünfteiligen Serie des Unglaublichen Superziegenmann von Electric Comics. Dies waren die einzigen Hefte, in denen Superziegenmann je erschienen war. Nach fünf Titeln war die Serie für immer eingestellt worden ...