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Das kooperative Gen

Evolution als kreativer Prozess


Wie wir wurden, was wir sind

Die Evolution ist weniger ein »Kampf ums Dasein« als vielmehr ein kreativer Prozess – das verdeutlicht Bestsellerautor Joachim Bauer auf der Grundlage aktuellster Forschungsergebnisse. Nicht zufällige Mutation bestimmt die Evolution, sondern aktive Veränderungen der Gene, die den Prinzipien Kooperation, Kommunikation und Kreativität folgen.

Portrait
Prof. Dr. med. Joachim Bauer ist Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut und lehrt an der Universität Freiburg. Für seine Forschungsarbeiten erhielt er 1996 den renommierten Organon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie. Er veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, unter anderem Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern, Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone sowie Lob der Schule. Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern. Zuletzt erschienen bei Blessing Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt (2011) und der SPIEGEL-Bestseller Arbeit. Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht (2013).
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  • Die Evolutionsbiologie erlebt eine Umbruchphase des Denkens. Ähnliches war vor hundert Jahren in der Physik zu beobachten: Angestossen durch Max Planck kam Anfang des 20. Jahrhunderts zur klassischen Mechanik das neue Gebiet der Quantenphysik hinzu. Unseren Vorstellungen über das Leben steht eine ähnliche Umbruchphase bevor. Ausgangspunkt ist die vollständige Entschlüsselung der Genome verschiedener Spezies - den Menschen eingeschlossen. Die vor wenigen Jahren gelungene Entzifferung unseres Erbgutes führt uns zu der Erkenntnis, dass Genome mehr sind als eine Ansammlung von einigen Tausend Genen. Genome sind Systeme, die nicht nur Gene, sondern auch Werkzeuge enthalten, mit denen sich die Architektur von Erbgut verändern lässt. Die Fähigkeit von Organismen, das eigene Genom umzustrukturieren und dabei vor allem Gene zu verdoppeln, ist Voraussetzung für die Entstehung neuer Arten. Diese Selbstveränderungen sind nicht dem reinen Zufall überlassen, wie die klassische Evolutionsbiologie mit Blick auf die Entstehung von Variationen glaubte, sondern folgen Regeln, die im biologischen System selbst begründet sind. Meine zentrale, durch wissenschaftliche Befunde gestützte These ist, dass schwere und anhaltende ökologische Stressoren Organismen bzw. ihre Zellen dazu veranlassen, die Architektur ihres Erbgutes zu verändern und Gene zu verdoppeln, und so die Entstehung neuer Arten begünstigen.
    Die klassische Evolutionsbiologie tut sich mit den neuen Erkenntnissen noch schwer, wie nicht zuletzt manche Reaktionen auf dieses Buch gezeigt haben. Evolutionsbiologen der alten Schule sehen ihre Hauptaufgabe vor allem darin, die von Charles Darwin erkannte Tatsache der Evolution gegen Kreationisten und Anhänger des Intelligent Design-Konzeptes zu verteidigen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch hatte diese defensive Einengung zur Folge, dass auch gut begründete Kritik an Darwin vorschnell als unwissenschaftlich bezeichnet wurde. Vor allem Erkenntnisse der modernen Genetik wurden an manchen evolutionsbiologischen Lehrstühlen noch nicht wahrgenommen. Zwar halte auch ich es für ausserordentlich wichtig, dass jedermann mit den Grundlagen der Evolution vertraut ist und die biblische Schöpfungsgeschichte nicht als naturwissenschaftlicher Bericht missverstanden wird. Was wir zum Erreichen dieses Ziels aber brauchen, sind nicht die von vielen Evolutionsbiologen geführten atheistischen Kampagnen, sondern bessere Bildungssysteme. In Ländern, in denen - wie in den USA - rund 15 Prozent der Menschen Analphabeten sind, finden irrationale Überzeugungen wie der Kreationismus einen idealen Nährboden. Das beste Rezept gegen Kreationismus und Intelligent Design ist bessere Bildung für alle Kinder.
    Der ursprüngliche Untertitel dieses Buches lautete "Abschied vom Darwinismus". Mit einem "...ismus" bezeichnet die deutsche Sprache keine wissenschaftliche Lehre, sondern eine ideologisch eingeengte Weltanschauung. Der Begriff des Darwinismus entstand in Deutschland im Zusammenhang mit Ernst Haeckel (1834-1919), der - unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Darwin - rassistische Anschauungen vertrat und die Eugenik (d. h. die Unterscheidung zwischen Menschen mit "guten" und "schlechten" Genen) unterstützte. Haeckel, der sich selbst als "Generalfeldmarschall des Darwinismus" bezeichnete, war Ehrenmitglied der 1905 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene. Haeckels Darwinismus wurde nach seinem Tod zum geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Nach dem 2. Weltkrieg bezeichnete der Begriff des Darwinismus die eingeengten Sichtweisen der sogenannten Soziobiologie. Nachdem Darwinismus neuerdings nun aber - u. a. auch bei Wikipedia - zunehmend mit der Evolutionslehre als solcher gleichgesetzt wird (was m. E. falsch ist), habe ich mich für einen neuen Untertitel entschieden, um das Missverständnis zu vermeiden, mein Buch argumentiere gegen die Evolutionslehre als solche. Tatsächlich halte ich die von Charles Darwin erkannte Tatsache der Evolution für unumstösslich.
    Freiburg, im Frühjahr 2010Joachim Bauer

    Wir dürfen beginnen, über die Evolution im Sinne der Entwicklung von Systemen zu denken, anstatt sie als eine Wanderung mit verbundenen Augen durch das Dickicht der reinigenden Selektion anzusehen.
    James A. Shapiro

    Einführung
    Denkverbote, Dogmatismus und Mangel an Vorstellungskraft sind das Ende jeder Wissenschaft. Barbara McClintock gelangen vor über fünf Jahrzehnten einige Entdeckungen, deren Tragweite wir erst heute begreifen. Die amerikanische Genetikerin blieb über dreissig Jahre hinweg eine in der "Scientific Community" isolierte Kollegin. Sie konnte ihre Forschungsergebnisse lange in keinem der angesehenen internationalen Journale publizieren, auch in Lehrbüchern wurde sie zunächst totgeschwiegen. Nur Joshua Lederberg, einer der Pioniere der modernen Genforschung, war sich nicht ganz sicher: "By god, that woman is either crazy or a genius." Erst als viele Jahre später zahlreiche weitere Forscher wiederholt die gleichen Beobachtungen wie McClintock machten, wurde die Genialität ihrer Entdeckungen erkannt, und schliesslich kam man nicht umhin, ihr sogar den Nobelpreis zu verleihen. Dies ist lange her - sie erhielt ihn 1983. Aber die Fragen, um die es damals ging, sind heute aktueller denn je. Die innerhalb der letzten Jahre durchgeführte vollständige Aufklärung zahlreicher Genome - nicht nur des Menschen, sondern auch vieler weiterer, vor allem sogenannter niederer Spezies - versetzt uns seit kurzem in die Lage zu erkennen, nach welchen Regeln sich Gene entlang der Evolution entwickelt haben. Und erst vor diesem Hintergrund zeigt sich nun, welch immense Tragweite die Beobachtungen McClintocks tatsächlich hatten.
    Ihre Entdeckung eines dynamischen, unter dem Einfluss äusserer Stressoren sich gelegentlich fast schlagartig selbst verändernden Genoms wurde durch die Genforschung der vergangenen zehn Jahre - und deren Ergebnisse werden den Kern dieses Buches bilden - eindrucksvoll bestätigt. Was diese aussergewöhnliche Frau mit einem bahnbrechenden Experiment bereits 1944 in den legendären Labors von Cold Spring Harbor in der Nähe von New York entdeckte, widerspricht aber der vorherrschenden darwinistischen Denkschule, deren moderne Variante innerhalb der heutigen Biologie als "New Synthesis<<-Theorie bezeichnet wird. Dass McClintocks Arbeiten und das, was nach ihr folgte, bis heute nicht zu einer längst fälligen Neukonzeption unserer Vorstellungen über die Evolution geführt haben, hat damit zu tun, dass das Denken darüber, was Biologie ist, in erheblichem Masse auf Vorstellungen basiert, die zum Teil aus der mechanischen Physik und zum Teil aus der Ökonomie stammen. Das Statement des renommierten und einflussreichen Evolutionsbiologen Ernst Mayr - "Die Biologie ist keine zweite Physik" - vermochte nicht zu verhindern, dass tonangebende Theoretiker unserer Zeit Lebewesen immer noch als "Maschinen" betrachten. Doch würden Genome wie eine Maschine arbeiten, das heisst, ohne die Fähigkeit lebender Systeme, die eigene Konstruktion nach inneren Regeln immer wieder neu zu modifizieren und auf äussere Stressoren kreativ zu reagieren, wäre das "Projekt Leben" wohl schon vor langem gescheitert.

    Wir spüren heute, mit welch weitreichenden Bedrohungen durch globale Veränderungen unserer Umwelt wir bald konfrontiert sein könnten.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 223
Erscheinungsdatum 01.02.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-60133-8
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 18.5/11.7/1.8 cm
Gewicht 186 g
Auflage 2. Auflage
Buch (Taschenbuch)
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Neue Erkenntnisse zur Evolution
von einer Kundin/einem Kunden am 15.09.2010

Ein sehr verständliches Buch, das den interessierten Laien auf den neuesten Stand der Forschung bringt. Neue Erkenntnisse eröffnen ein vertieftes Verständnis der Evolution. Die Molekularbiologie hat herausgefunden, dass viele Abschnitte der DNS keine Gene enthalten, sondern regulatorische Aufgaben erfüllen. Sogenannte "Transposi... Ein sehr verständliches Buch, das den interessierten Laien auf den neuesten Stand der Forschung bringt. Neue Erkenntnisse eröffnen ein vertieftes Verständnis der Evolution. Die Molekularbiologie hat herausgefunden, dass viele Abschnitte der DNS keine Gene enthalten, sondern regulatorische Aufgaben erfüllen. Sogenannte "Transpositionselemente" lassen die Entstehung neuer Arten in einem neuen Licht erscheinen. Ein populärwissenschaftliches Buch, das neue Erkenntnisse aus Genetik und Evolutionsforschung gut verständlich darstellt.