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Nachtschrei

Thriller. Deutsche Erstveröffentlichung


Zwei Frauen gejagt von einem eiskalten Mörderduo

In einer Polizeistation in Wisconsin geht ein unverständlicher Notruf aus einem einsam gelegenen Ferienhaus ein. Obwohl Brynn McKenzie dienstfrei hat, geht sie der Angelegenheit nach und gelangt als Erste an den Schauplatz eines grausamen Doppelmordes. Beinahe zu spät bemerkt die Polizistin, dass sich ausser einer verängstigten Zeugin auch die Täter noch auf dem Grundstück befinden. Und damit beginnt für die beiden ungleichen Frauen eine atemlose Hetzjagd durch die Nacht – ein Albtraum, den sie nur gemeinsam überleben können …

Portrait
Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermassen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten grossen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans "Die Assistentin" unter dem Titel "Der Knochenjäger" (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.
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  • APRIL

    Stille.
    Im Wald rund um den Lake Mondac war es vollkommen ruhig. Das Ehepaar, das werktags in der brodelnden, chaotischen Stadt lebte, kam sich wie in einer anderen Welt vor.
    Stille, nur unterbrochen durch den gelegentlichen Ruf eines fernen Vogels oder das dumpfe Quaken eines Frosches.
    Nun aber: ein anderes Geräusch.
    Das Rascheln von Blättern, zweimal das scharfe Knacken eines Zweiges. Schritte?
    Nein, das konnte nicht sein. Die anderen Ferienhäuser am See waren an diesem kühlen Freitagnachmittag im April menschenleer.
    Emma Feldman, Anfang dreissig, stellte ihren Martini auf den Küchentisch, an dem sie ihrem Mann gegenübersass. Sie schob sich eine lockige schwarze Haarsträhne hinter das Ohr und ging zu einem der schmutzigen Küchenfenster, sah von dort aus aber nichts als ein Dickicht aus Zedern, Wacholder und Schwarzfichten, das den Hang eines steilen Hügels bedeckte, dessen Felsen geborstenen gelben Knochen ähnelten.
    Emmas Mann zog eine Augenbraue hoch. »Was war das?«
    Sie zuckte die Achseln und kehrte zu ihrem Stuhl zurück. »Keine Ahnung. Ich kann nichts entdecken.«
    Draussen herrschte wieder Stille.
    Emma, so schlank wie eine der kahlen weissen Birken, die vor den vielen Fenstern des Ferienhauses wuchsen, streifte ihre blaue Jacke ab. Sie trug einen passenden Rock und eine weisse Bluse. Anwaltskleidung. Das Haar hochgesteckt. Anwaltsfrisur. Strümpfe, aber keine Schuhe.
    Steven, dessen Aufmerksamkeit sich auf die Bar richtete, hatte ebenfalls sein Jackett ausgezogen und die zerknitterte gestreifte Krawatte abgelegt. Der Sechsunddreissigjährige mit dem dichten widerspenstigen Haar trug ein blaues Hemd, und sein Bauch ragte unerbittlich über den Gürtel der marineblauen Hose. Emma störte sich nicht daran; sie fand ihn süss, und das würde auch immer so bleiben.
    »Sieh mal, was ich hier habe«, sagte er, nickte in Richtung des Gästezimmers im Obergeschoss und packte eine grosse Flasche dickflüssigen Bio-Gemüsesaft aus. Ihre gemeinsame Freundin, die dieses Wochenende aus Chicago zu Besuch gekommen war, hatte in letzter Zeit Gefallen an Flüssignahrung gefunden und trank die abscheulichsten Sachen.
    Emma las das Etikett und rümpfte die Nase. »Das kann sie gern alles behalten. Ich bleibe bei Wodka.«
    »Darum liebe ich dich.«
    Das Haus knarrte, wie so oft. Es war sechsundsiebzig Jahre alt und bestand weitgehend aus Holz, mit nur wenig Stahl und Stein. Die Küche, in der sie sich aufhielten, war winklig geschnitten und mit heller Kiefer vertäfelt. Der Boden war uneben. Das im Stil der Kolonialzeit errichtete Haus war eines von insgesamt drei Gebäuden an dieser Privatstrasse, zu denen jeweils eine vier Hektar grosse Parzelle gehörte. Man konnte von einem Seegrundstück reden, aber nur, weil das Wasser knapp zweihundert Meter von der Vordertür entfernt gegen das felsige Ufer plätscherte.
    Das Haus stand auf einer kleinen Lichtung an der Ostflanke einer beachtlichen Bodenerhebung. Die mittelwestliche Bescheidenheit der Leute hier in Wisconsin hielt sie davon ab, diese Hügel als »Berge« zu bezeichnen, obwohl die Kammlinien auf bis zu zweihundertfünfzig Metern Höhe lagen. Im Augenblick wurde das grosse Haus in den blauen Schimmer des späten Nachmittags getaucht.
    Emma schaute hinaus auf den Lake Mondac. Der Abstand zum Hügel war gross genug, dass die gekräuselte Oberfläche ein paar letzte Sonnenstrahlen einfangen konnte. Zurzeit, am Anfang des Frühlings, sah die Uferregion noch ziemlich schmutzig aus und erinnerte irgendwie an das gesträubte feuchte Rückenfell eines Wachhunds. Das Haus war wesentlich hübscher, als Emma und Steven es sich eigentlich hätten leisten können - sie hatten es im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben -, und Emma hatte schon beim ersten Anblick gewusst, dass es sich hierbei um das perfekte Freizeitdomizil handeln würde. Stille...
    Das Haus besass ausserdem eine recht lebhafte Vergangenheit.
    Der Eigentümer eines der grossen Schlachtbetriebe von Chicago hatte es vor dem Zweiten Weltkrieg bauen lassen. Wie sich Jahre später herausstellte, stammte ein Grossteil seines Vermögens aus dem illegalen Handel mit Fleisch, das laut den Rationierungsvorschriften nicht für den einheimischen Verkauf freigegeben, sondern für die Verpflegung der Truppen bestimmt gewesen war. 1956 fand man die Leiche des Mannes im See treibend vor; er war vermutlich das Opfer einer Gruppe von Kriegsveteranen geworden, die von seinen Untaten erfahren und ihn getötet hatten, um das Haus zu durchwühlen und nach dem hier versteckten Schwarzgeld zu suchen.
    In keiner Version dieser Mordgeschichte war von Gespenstern die Rede, aber Emma und Steven schmückten die Erzählung für ihre Gäste gern selbst etwas aus. Dann verfolgten sie schadenfroh, wer daraufhin das Badezimmerlicht brennen liess und wer sich weiterhin mutig ins Dunkel wagte.
    Draussen knackten abermals zwei Zweige. Dann ein dritter.
    Emma runzelte die Stirn. »Hast du das gehört? Schon wieder dieses Geräusch.«
    Steven sah aus dem Fenster. Es gab vereinzelte Windböen. Er widmete sich weiter den Drinks.
    Emmas Blick wanderte zu ihrer Aktentasche.
    »Erwischt«, tadelte Steven sie.
    »Was?«
    »Denk nicht mal daran, die Tasche zu öffnen.« Sie lachte, aber es klang nicht allzu aufrichtig. »Ein arbeitsfreies Wochenende«, sagte er. »Wir waren uns beide einig.«
    »Und was ist da drin?«, fragte sie und wies auf den Rucksack, den er statt eines Aktenkoffers mit sich herumtrug. Dann schaffte sie es endlich, das Glas Oliven zu öffnen.
    »Nur zwei Dinge von Bedeutung, Euer Ehren: mein Le-Carre-Roman und die Flasche Merlot, die ich vorhin angebrochen habe. Soll ich Letztere den Beweismitteln hinzuf ....?« Er verstummte abrupt und schaute zum Fenster hinaus auf das Gewirr aus Unkraut, Bäumen, Ästen und Felsen in der Farbe von Dinosaurierknochen.
    Auch Emma sah nach draussen.
    »Das habe ich gehört«, sagte Steven. Er schenkte seiner Frau nach. Sie liess Oliven in beide Gläser fallen. »Was war das?« »Weisst du noch, der Bär?«
    »Er ist nicht bis zum Haus gekommen.« Sie stiessen an und nippten an ihren Martinis.
    »Du wirkst so nachdenklich«, sagte Steven. »Was ist los? Dieser Gewerkschaftsfall?«
    Bei den Nachforschungen im Vorfeld einer Firmenübernahme hatten sich Hinweise auf unsaubere Machenschaften in der Hafenarbeitergewerkschaft von Milwaukee ergeben. Die Behörden waren tätig geworden, und die Transaktion lag vorläufig auf Eis, worüber niemand besonders glücklich war.
    Aber Emma sagte: »Nein, es geht um etwas anderes. Einer unserer Mandanten stellt Fahrzeugteile her.«
    »Richtig. Kenosha Auto. Siehst du, ich höre dir doch zu.«
    Sie nahm es mit erstaunter Miene zur Kenntnis.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Klappenbroschur
Seitenzahl 508
Erscheinungsdatum 18.10.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-37471-7
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18.4/12.7/4.2 cm
Gewicht 441 g
Originaltitel The Bodies left behind
Abbildungen 1 schwarz-weiße Abbildungen
Übersetzer Thomas Haufschild
Verkaufsrang 67946
Buch (Klappenbroschur)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
30 Bewertungen
Übersicht
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11
2
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von einer Kundin/einem Kunden am 05.05.2018
Bewertet: anderes Format

Es ist nicht der typische Deaver, den man hier geboten bekommt. Trotzdem erwarten einen bis zum Schluss immer wieder neue und überraschende Wendungen. Ein sehr gelungener Thriller.

von einer Kundin/einem Kunden am 02.09.2017
Bewertet: anderes Format

Absolut fesselnd! Eine atemlose Jagd durch Nacht & Wildnis, ein Albtraum für zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können & ein unheimliches Lesevergnügen für uns zu Hause.

von einer Kundin/einem Kunden aus Lemgo am 16.04.2017
Bewertet: anderes Format

Dieses Buch hat es in sich! Jeffrey Deaver hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Authentisch erzählt , rasantes Tempo und packend bis zur letzten Seite!