Das Spinnennetz

Reclams Universal-Bibliothek Band 18684

Joseph Roth

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Beschreibung

»Das Spinnennetz«, 1923 in der Wiener »Arbeiter-Zeitung« erschienen, ist ein unheimlicher Roman: Sein Thema ist die Formation von Rechtsextremismus und Antisemitismus, deren Verbreitung Roth in den Zeitungsbeiträgen dieser Jahre mit stetig wachsender Beunruhigung kommentierte. Während er als Journalist diese Vorgänge von aussen verfolgt, schildert er sie in seinem Roman aus der Perspektive eines ›Täters‹, der sich im Netz der Geheimbünde, Organisationen und Fememorde verstrickt. Der Text wird hier erstmals in der Fassung der Zeitung wiedergegeben. Ein genauer Kommentar beleuchtet die historischen Hintergründe und Anspielungen.

Joseph Roth (2.9.1894 Brody, Galizien – 27.5.1939 Paris) suchte in Bildern der Vergangenheit nach Gegenentwürfen zur nationalsozialistischen Zeit. Der jüdisch-stämmige Österreicher studierte Germanistik und Philosophie in Wien und war an seinen zahlreichen Lebensstationen als Journalist tätig. 1933 floh er vor dem Nationalsozialismus nach Paris, wo er bis zu seinem Tod lebte. Hatte er in »Hiob«, seinem ersten literarischen Erfolg, die Gefühlswelt eines Entwurzelten geschildert, beklagte er in »Radetzkymarsch« und »Die Kapuzinergruft« sehnsuchtsvoll den Niedergang des österreichischen Judentums und der Donaumonarchie. Mit Andreas, der Hauptfigur seines Romans »Die Legende des Heiligen Trinkers«, teilte Roth die innere Zerrissenheit und die Zufluchtnahme im Alkohol. Das Werk, das er als sein »eigenes Testament« bezeichnet, sollte tatsächlich sein letztes sein: Kurz nach Beendigung starb der körperlich geschwächte Joseph Roth an einer Lungenentzündung.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Herausgeber Konstanze Fliedl
Seitenzahl 151
Erscheinungsdatum 01.10.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018684-8
Verlag Reclam, Philipp
Maße (L/B/H) 14.7/9.5/1 cm
Gewicht 77 g

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Kundenbewertungen

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Ein Blick in die Zukunft?
von einer Kundin/einem Kunden am 02.07.2020
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Joseph Roth erzählt in seinem ersten Roman die Geschichte von Theodor Lohse, eines Mannes, der nach dem Ersten Weltkrieg ohne Orientierung, ohne Perspektive dasteht und dadurch in rechtsextreme Kreise gerät. Dieses bereits 1923, also lange vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten, erschienene Buch wirkt wie ein Blick in die Zu... Joseph Roth erzählt in seinem ersten Roman die Geschichte von Theodor Lohse, eines Mannes, der nach dem Ersten Weltkrieg ohne Orientierung, ohne Perspektive dasteht und dadurch in rechtsextreme Kreise gerät. Dieses bereits 1923, also lange vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten, erschienene Buch wirkt wie ein Blick in die Zukunft, die Roth hier in grellen Farben zeichnet. (Siehe auch: Sternburg, Joseph Roth – Eine Biographie)

Deutschland, Deutschland
von Polar aus Aachen am 08.12.2007
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, w... Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, wie es in diesem Land soweit hat kommen können, sollte Das Spinnennetz lesen. Der Riss, der nach dem ersten Weltkrieg sich durch Deutschland zog, und führte zu Kämpfen, in denen sich Gruppierungen und politische Parteien voller Haß begegneten. Die Rollen waren fest verteilt und die jeweilig andere Seite die Ausgeburt des Bösen. Wer wollte da abseits stehen? Nach der Entwurzelung des Kriegs keine neue Heimat finden? In der Person des Soldaten Lohse warnt Roth vor dem heraufziehenden Faschismus, deren Bodensatz die Enttäuschung, die Erniedrigung ihn zu einem Mitläufer vorherbestimmt. Diese Gefahr besteht zu allen Zeiten. Auch wenn die Geschichte uns eines Besseren belehren sollte. Damit wir das nicht vergessen, sollten wir immer wieder zu Büchern wie Das Spinnennetz von Joseph Roth greifen.


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