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Vom Nachteil, geboren zu sein


»Man kann nicht nachdenken und bescheiden sein. Sobald der Geist sich in Bewegung setzt, nimmt er den Platz Gottes und alles sonstigen ein. Er ist Indiskretion, Übergriff, Profanierung. Er ›arbeitet‹ nicht, er zersetzt. Die Spannung, die sein Vorgehen verrät, beweist Brutalität und Unerbittlichkeit. Ohne eine kräftige Dosis Grausamkeit könnte man keinen einzigen Gedanken zu Ende führen.«

Dieses Bekenntnis Ciorans – das Bekenntnis zur Destruktivität des Geistes könnte man ohne weiteres als Motto über die hier versammelten Gedanken und Aphorismen setzen. Unter Ciorans Philosophenhammer bleibt nichts heil, In einer Manier, die manchmal an Nietzsches und Georges Batailles intellektuelle Unnachsichtigkeit gemahnt, verletzt und verstört er alles, was uns als hoch und heilig gilt. Da bleibt nichts in Ordnung, kein Stein bleibt an seinem scheinbar angestammten Platz. »Alles ist Trug, ich habe es immer gewusst...« Auch das Denken selbst noch, das den Trug entlarven sich anschickt, entpuppt sich als Trug und Selbstbetrug.

Jenseits aller intellektuellen weltanschaulichen Lager hat Cioran in seinen Aphorismen eine Position bezogen, die er selbst als die des Zweiflers, des radikalen Skeptikers bezeichnet. Skepsis, »das ist der Rausch der Ausweglosigkeit«. In solchen aradoxien treibt sich Ciorans Denken herum, und man würde es missverstehen, wollte man ihm seine Paradoxien zum Vorwurf machen. Denn Paradoxien sind ja nicht dazu da, um ausgelöscht zu werden, sondern um in ihrer Existenz etwas von der Paradoxie menschlicher Existenz fassbar zu machen.

Portrait
Cioran, E. M.
E. M. Cioran wurde 1911 in Rasinari bei Hermannstadt in Siebenbürgen als Sohn eines griechisch-orthodoxen Priesters geboren. 1928 bis 1931 Studium der Philosophie an der Universität Bukarest. Bis 1939 erschienen fünf Bücher in rumänischer Sprache. 1937 kam Cioran als Stipendiat nach Paris, wo er als freier Schriftsteller lebte. Er starb am 20.6.1995 in Paris.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 176
Erscheinungsdatum 02.09.1979
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-37049-0
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 17.6/10.7/1 cm
Gewicht 111 g
Originaltitel De l'inconvénient d'être né
Auflage 19
Übersetzer François Bondy
Verkaufsrang 15170
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
4 Bewertungen
Übersicht
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1

von einer Kundin/einem Kunden am 09.05.2018
Bewertet: anderes Format

Eine Aphorismensammlung, die man ohne schlechtes Gewissen als ein Grundwerk des Nihilismus ansehen darf. Kleine Alltagsweisheiten, die zum nachdenken einladen. Großartig!

Wem die schwarze Galle überläuft..
von einer Kundin/einem Kunden aus Wattenwil am 04.10.2016

.. dem wird dieses Buch Bibel sein. Melancholiker, Misanthrophen sowie Körperpessimisten können sich in diesem Buch suhlen, ohne auf Vulgaritäten oder Plattitüden zu stossen. Zu sagen aber bleibt, dass unter anderen eine Bekannte von mir nicht imstande war, auch nur mehrere Seiten des Buchs zu lesen, abgestossen vom unheilbaren ... .. dem wird dieses Buch Bibel sein. Melancholiker, Misanthrophen sowie Körperpessimisten können sich in diesem Buch suhlen, ohne auf Vulgaritäten oder Plattitüden zu stossen. Zu sagen aber bleibt, dass unter anderen eine Bekannte von mir nicht imstande war, auch nur mehrere Seiten des Buchs zu lesen, abgestossen vom unheilbaren Pessimismus und Zweifel der kein Ende nehmen will. Mir ist es Trost und Hilfe, auch weil einige Ansätze destruktiv konstruktiv sind, und so viel machtvoller als die kurzlebigen Illusionen eines Feelgood-liebe-dich-und-deinen-Körper-Ratgebers; ( "Eine einzige Art, Rückschlag auf Rückschlag zu ertragen: schon die Idee des Rückschlages lieben. Gelangt man dahin, gibt es keine Überraschungen mehr. Man ist allem, was eintritt, überlegen, man wird ein unbesiegbares Opfer." ) Leser, die mit sich selbst und der Welt einverstanden sind und nie unter Schlaflosigkeit gelitten haben, werden den Nachteil geboren zu sein womöglich nicht nachvollziehen können.

Tristesse ohne viel Gehalt
von einer Kundin/einem Kunden aus Bern am 18.09.2015

Bin sehr enttäuscht von dieser Aphorismen-Sammlung. Da werden noch und noch Plattitüden aufgeführt und man wünscht sich, der Autor hätte etwas mehr nachgedacht, bevor er sowas zu Papier brachte. Als das Buch 1973 erschien, war Cioran immerhin über 60 und lebte in Paris. Die Texte erinnern aber eher an einen 17-Jährigen in der Pu... Bin sehr enttäuscht von dieser Aphorismen-Sammlung. Da werden noch und noch Plattitüden aufgeführt und man wünscht sich, der Autor hätte etwas mehr nachgedacht, bevor er sowas zu Papier brachte. Als das Buch 1973 erschien, war Cioran immerhin über 60 und lebte in Paris. Die Texte erinnern aber eher an einen 17-Jährigen in der Pubertätsfalle. Was da alles behauptet wird, konnte ich schon nach einigen Seiten nicht mehr ernst nehmen und es wurde zum Ärger. Peinlich auch, dass er immer wieder "wir" schreibt, statt "ich", als wären alle Menschen auf seinem destruktiven Trip. Vieles wirkt eher wie gekünstelte Tristesse, zuweilen gar diktatorisch aufgeblasen. Kann dieses Buch wirklich nicht weiter empfehlen.