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Der Sandmann

Hrsg. v. Rudolf Drux

Reclam Universal-Bibliothek 230

(12)
Trauma, Wahnsinn und die dämonische Faszination der Liebe: In E. T. A. Hoffmanns berühmter Erzählung wird der Student Nathanael unter dem Einfluss erschütternder Kindheitserinnerungen verrückt und verfällt einer Frau, die jedoch kein Mensch ist. Schaurig-schön poetisiert Hoffmann die innere Zerrissenheit seines Protagonisten zwischen Realität und Phantasie. Ein Meisterwerk der Schwarzen Romantik!
Portrait
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (dritter Taufname eigentl. Wilhelm), 24. 1. 1776 Königsberg - 25. 6. 1822 Berlin. H. stammte aus einer Advokatenfamilie und studierte von 1792 bis 1795 Jura in Königsberg; daneben zeichnete, malte, schrieb und komponierte er. 1796-1807 führte ihn die juristische Laufbahn von Glogau (1796-98; 1798 Referendar-Examen) über Berlin (1798-1800; 1800 Assessor-Examen), Posen (1800-02) und Plock an der Weichsel (1802-04, Strafversetzung wegen bissiger Karikaturen) nach Warschau (1804-07; Regierungsrat). Nach der Besetzung Warschaus durch napoleonische Truppen verlor H. sein Amt und ging Mitte 1807 nach Berlin, dann nach Bamberg, wo er als Musikdirektor am Theater scheiterte, aber ohne of¿zielle Anstellung in verschiedenen Funktionen (Kapellmeister, Komponist, Theaterarchitekt und -maler) weiter für das Theater arbeitete. Daneben gab er Musikunterricht, wobei die Leidenschaft für seine Schülerin Julia Mark in seine Dichtungen einging. 1813-14 war er als Kapellmeister in Dresden tätig; 1814 vollendete er seine Oper Undine (UA 1816 Berlin). Als er im Zuge des Neuaufbaus der Verwaltung durch Vermittlung seines Freundes Th. G. v. Hippel 1814 wieder in den preussischen Staatsdienst aufgenommen wurde (1816 Kammergerichtsrat), verband er p¿ichtbewusste Amtsführung mit intensiver literarischer Produktion. Von 1819 bis 1821 war er Mitglied einer Kommission, die gemäss den Karlsbader Beschlüssen hochverräterische Umtriebe untersuchen sollte. Die Kommissionsmitglieder bewiesen Rückgrat und wandten sich wiederholt gegen polizeiliche Übergriffe. 1821 wurde H. in den Oberappellationssenat des Kammergerichts, die oberste Instanz der preussischen Strafgerichtsbarkeit, versetzt, doch Anfang 1822 wegen seines satirischen Märchens Meister Floh mit einem Verfahren (Verletzung der Amtsverschwiegenheit) überzogen, vor dessen Konsequenzen ihn Krankheit und Tod bewahrten. H.s vielseitige künstlerische Begabung machte ihm selbst die Entscheidung für eine bestimmte Kunstform schwer. Zunächst stellte er sich selbst nur die Frage, ob er wohl zum Mahler oder zum Musiker gebohren sei (1803), und lange schien die Entscheidung zugunsten des Musikers gefallen zu sein, bis dann mit der 1809 entstandenen Novelle Ritter Gluck und den darauf folgenden Rezensionsaufträgen die Literatur allmählich neben bzw. - nach der Vollendung der Undine-Oper - vor die Musik trat. Als Dichter beschränkte sich H. fast ausschliesslich auf Prosagattungen, wobei er viele seiner Geschichten, Novellen, Märchen und z. T. auch kritischen Aufsätze unter bestimmten erzählerischen und/oder thematischen Gesichtspunkten zu grossen Sammlungen vereinigte. Daneben stehen die beiden grossen Romane, die die Tradition des Schauerromans aufnehmenden Elixiere des Teufels und der Doppelroman Kater Murr mit seiner Verbindung von Kater-Autobiographie als Bildungsromanparodie und romantischer Musiker-Biographie. Zu den charakteristischen Eigenschaften seines Werkes zählt ein grundsätzlicher Dualismus, der in verschiedenen Ausprägungen erscheint: als Gegensatz von Kunst und Leben bzw. Künstler- und satirisch geschilderter Spiesserwelt, von phantastisch-grotesker bzw. märchenhafter Kunst und bürgerlich-vernünftiger Normalität, von äusserer Wirklichkeit und den (von Gotthilf Heinrich Schubert beschriebenen) 'Nachtseiten' der Innenwelt, von romantischem religiösen und künstlerischen Enthusiasmus und scharfer, grotesker Satire oder bizarrem Humor. Die Aufhebung der Gegensätze, die Harmonie von Innen und Aussen ist nur in der Kunst möglich, und die Verkennung der radikalen Trennung von Kunst und Leben bzw. die Unfähigkeit, Innen und Aussen zusammenzuschauen, führt letztlich zur Zerstörung des Bewusstseins. Dabei sorgt häüg eine mehrfach perspektivisch gebrochene Erzählweise dafür, dass für den Leser die Grenzen von Schein und Wirklichkeit undeutlich werden. In späten Erzählungen wie Des Vetters Eckfenster (1822) verschiebt sich das Verhältnis von Innen- und Aussenwelt zugunsten der äusseren Wirklichkeit und macht eine Annäherung an die realistische Erzählkunst des 19. Jh.s sichtbar. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Rudolf Drux
Seitenzahl 79
Erscheinungsdatum 01.01.1986
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-000230-8
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 14,8/9,5/0,4 cm
Gewicht 46 g
Verkaufsrang 4.575
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
12 Bewertungen
Übersicht
6
2
2
1
1

Der Sandmann
von einer Kundin/einem Kunden am 22.03.2014

Schaurige Verwirrungsgeschichte von E. T. A. Hoffmann. Realität geht fliessend in Fantasie über. Man weiss bis zum Schluss nicht, was Wirklichkeit oder Wahnsinn ist. Sehr lesenswert!

gruselig
von Blacky am 26.11.2013

Inhalt: Der Student Nathanael leidet seit seiner Kindheit unter einem schrecklichen Erlebnis, das der Familie den Vater entriss. Die Märchengestalt des Sandmanns ist für ihn daher die Ausgeburt eines schrecklichen Albtraums, die ihn in immer neuen Gestalten heimzusuchen scheint und neues Unheil stiftet... Diese Erzählung entstand 1817 und man könnte sie... Inhalt: Der Student Nathanael leidet seit seiner Kindheit unter einem schrecklichen Erlebnis, das der Familie den Vater entriss. Die Märchengestalt des Sandmanns ist für ihn daher die Ausgeburt eines schrecklichen Albtraums, die ihn in immer neuen Gestalten heimzusuchen scheint und neues Unheil stiftet... Diese Erzählung entstand 1817 und man könnte sie durchaus als "Gruselroman" bezeichnen. Es ist erschreckend, welche Verwandlungen Nathanael durchlebt. Alles fängt ganz harmlos an und die Spannung steigt -ähnlich wie bei einem Krimi- immer mehr. Das Ende hat mir zwar nicht so gut gefallen, passt aber hervorragend zum Rest der Geschichte.

Schullektüre
von einer Kundin/einem Kunden aus Hannover am 24.09.2013

Dieses Buch mußte ich für meine Tochter für die Schule (Gymnasium 11. Klasse) kaufen, da das Schullektüre ist. Ich finde das Buch ganz schön heftig als Schullektüre.