Mensch, Papa!

Vater werden - Das letzte Abenteuer. Ein Mann erzählt

Kester Schlenz

(9)
ein Sohn Henri war blau! Das erste, was ich von ihm sah, war ein blauer, kleiner Ring in einem winzigen Reagenzglas. Henri war zwar erst ein winziger Zellhaufen in Gesas Gebärmutter, aber hier, durch eine Verfärbung im Röhrchen des Schwangerschaftstestes, tat mein Sohn eindeutig und unmissverständlich kund: „I'm on my way!“

Eigentlich war ja noch gar kein Kind geplant. Oder besser gesagt: Wir waren uns sicher, dass wir eines wollten, wussten aber nicht, wann wir es wollten. „Der Zeitpunkt muss richtig sein“, sagte ich immer in schlichter Weisheit und klang dabei so altklug wie Witta Pohl in den „Drombuschs“.

Ich kannte das Problem aus meinem Freundeskreis. Die einen waren zu früh dran, wie mein Freund „Dedel“. Er hatte seine Freundin nach einem Schulfest im Volvo seines Vaters geschwängert. Dedel dachte wohl, der Wagen sei so sicher, dass nichts passieren könne. Sie bekamen das Kind und trennten sich ein Jahr später. Und dann kannte ich auch ein paar Absichtserklärungs-Experten, die so lange ankündigten, „ganz sicher Kinder zu wollen“, bis es eines Tages zu spät war. „Wir wollten ja. Aber mit 40? Du weisst ja, die biologische Uhr tickt gnadenlos“.

Nein, so sollte es bei uns nicht enden. Aber musste es jetzt schon sein? Dabei wusste ich, dass ich nur Angst vor meiner eigenen Courage hatte. Der Zeitpunkt war nämlich goldrichtig. Ich war 33, hatte einen festen Job und fühlte mich, bis auf die typischen Zipperlein eines Hypochonders („Meinst du nicht auch, dass dieser Leberfleck grösser geworden ist, Schatz?“), recht wohl. Gesa war 27, studierte Kostümdesign und war sich sicher, dass sie (irgendwann) Kinder wollte.

Um unsere Beziehung stand es ebenfalls sehr gut. Wir hatten uns gerade, nach neun gemeinsamen Jahren, entschlossen, im Frühsommer zu heiraten. Ausserdem bekamen viele unserer Freunde Kinder am laufenden Band, was wir jedesmal klasse fanden. „Wir wollen ja auch bald“, sagten wir immer entrückt grinsend, wenn wir einen der kleinen Würmer auf dem Arm hielten. In diesen Momenten merkte ich deutlich, dass ich für eine Vaterschaft im wahrsten Sinne des Wortes „reif“ war. Das Gefühl, ein Baby im Arm zu halten, zu spüren, wie seine kleine Hand sich um meinen Zeigefinger schloss, das war einfach wunderbar. Babys, die ich früher als süsse, aber letztlich uninteressante kleine Schreihälse empfand, hatten plötzlich eine geradezu magische Ausstrahlung auf mich. Dauernd liess ich mir Kinder reichen und genoss es, wenn jemand sagte „Du kannst aber gut mit den Zwergen.“ Wie toll muss es erst sein, sein eigenes Kind so im Arm zu halten? fragte ich mich, und begann immer öfter darüber nachzudenken, wie ich mich als Vater wohl fände. Gut fand ich mich. Richtig gut. „Aber vielleicht noch nicht sofort,“ flüsterte dann meist eine warnende, leise Stimme in meinem Hinterköpf. Die wurde jedoch jedesmal leiser. Auf der Strasse guckte ich in jeden Kinderwagen und begann Gespräche mit den Müttern. Mein Freund Meck riet mir dringend zur Vaterschaft. Er könne mein süssliches Gesülze auf offener Strasse bald nicht mehr ertragen. Nach und nach entwickelte ich den Ehrgeiz, das richtige Alter der Kleinen zu erraten. Nach anfänglichen schweren Reinfallen („Der ist doch sicher schon ein Jahr, nicht wahr?“ - „Also bitte, sie ist vier Monate!“) war ich darin bald sehr gut und riet meist plus/minus einen Monat richtig. Einmal fragte mich eine Mutter „Wie alt ist Ihres denn?“ War ein dolles Gefühl, für einen Vater gehalten zu werden. Meiner Frau erging es ähnlich. Wenn sie mit ihren beiden Neffen spazierenging, wurden die blonden Knaben immer für ihre Söhne gehalten, was sie ebenfalls äusserst angenehm fand. Kurzum: Eigentlich waren wir kinderreif! Überreif!

Trotzdem mochte keiner von uns sagen: „Lassen wir die Verhütung: Jetzt beginnt die Produktion.“ Aber wir wurden nachlässiger. Wenn wir glaubten, Gesa sei nicht fruchtbar, liessen wir schon mal länger als der Storch erlaubt die Präservative weg. Ja, und dann ist es eben passiert. Nicht direkt geplant, aber auch nicht konsequent verhindert. Wahrscheinlich ist das die beste Methode, um das ewige Zaudern in den Griff zu kriegen. Gesas Periode war plötzlich ausgeblieben, und sie sagte in der für sie typischen Weise: „Ich glaube es zwar nicht, aber es könnte womöglich sein, dass ich schwanger bin, aber nein, eigentlich denke ich, dass ich es nicht bin, andererseits ...“ Ich rannte sofort los, um in einer Apotheke einen Schwangerschaftstest zu kaufen. Das Wunderbare an diesen Dingern ist, dass man mit ihnen in einer Atmosphäre entspannter Zweisamkeit erfährt, ob oder ob nicht. Es dauert ein paar Minuten, bis das Ergebnis sichtbar wird. Ein paar Minuten, und dann weisst du, ob du Vater bzw. Mutter wirst. Sehr praktisch und fast ein wenig verschwörerisch. Früher mussten Frauen ja umständlich zu Ärzten gehen, die dann nach der Untersuchung Sätze wie „Gratuliere, Sie haben empfangen“ hervorbrachten, als ob die Frauen Radios wären. Es war doch ziemlich blöd, dass früher der erste Mensch, der wusste, ob ein Kind unterwegs ist, ein Fremder in einem weissen Kittel war. So ein Schwangerschaftstest sorgt endlich für elterliche Intimität.

Wir hatten das kleine Röhrchen in Gesas Zimmer aufgestellt, sassen aufgeregt auf meinem Sofa - und warteten. Nach drei Minuten ging ich rüber und sah Henris Zeichen. Für einen kurzen Augenblick blieb ich ganz allein dort stehen. „So, mein Alter“, dachte ich. „Jetzt ist es also soweit. Du wirst Vater. Hi, Papa, Vati, Vadder, Daddy. Mit 33 Jahren. Gute Sache, das.“ Aber gleich darauf kam die Frage: „Bist Du dafür nicht eigentlich noch ein viel zu grosser Kindskopf?“ Die Beantwortung wurde vertagt. Ich lief zu Gesa und sagte: „Hallo, Mutti“. Eigentlich ziemlich blöd. Aber man fängt als werdender Vater ziemlich schnell an, Sachen zu sagen und Dinge zu tun, die man vorher weit von sich gewiesen hat. Gesa blieb ganz still auf dem Sofa sitzen und lächelte ein wenig erschrocken. Ihre Hand ruckte unwillkürlich auf ihren Bauch. Ein Bild, dass ich gern festgehalten hätte, denn in diesem Moment sah ich Gesa mit ganz anderen Augen als bisher. Dort sass jetzt nicht nur meine Lebensgefährtin, sondern auch die werdende Mutter meines, unseres Kindes. Jetzt hatte ich keinen Zweifel mehr, dass der Zeitpunkt genau richtig war. Ob nun Kindskopf oder nicht. Ich wollte dieses Kind, mit dieser Frau, wie noch nichts anderes auf der Welt. Ich plumpste aufs Sofa, umarmte Gesa und fing an, wie Eddie Murphy zu lachen und grunzen, wie ich es manchmal mache, wenn ich mich sehr freue. Gesa sagte: „Vielleicht hätten wir doch warten sollen, bis du gross bist.“

Wir lachten, aber auf einmal wurde Gesa doch etwas nachdenklich. Ihr wurde plötzlich die Endgültigkeit der Situation klar. Der Countdown lief. In neun Monaten würden wir ein Baby haben. Für eine Abtreibung gab es keine überzeugenden Gründe. Es geschah jetzt also etwas mit ihrem Körper, auf das sie keinen Einfluss mehr hatte. Und das machte ihr jetzt doch etwas Angst. „Ich werde gebären“, sagte sie. „Klingt das nicht furchtbar?“ Aber im Laufe des Abends verflog dieses Gefühl. Wir blieben noch lange auf dem Sofa sitzen. Einfach so und genossen die Situation totaler Zweisamkeit.

Erst einmal wollten wir niemandem etwas erzählen. Die Schwangerschaft sollte für eine kurze Zeit unser ganz persönliches Geheimnis sein. Aber schon nach einem Tag siegte der Mitteilungsdrang. Ich musste einfach meine Eltern anrufen. Sie wünschten sich schon lange einen Enkel, hatten sich aber noch auf einige Wartezeit eingerichtet. Ich hatte die grandiose und irre ausgefallene Idee, mich bei meiner Mutter am Telefon mit „Hallo Omi!“ zu melden. Sie hat natürliche sofort geschaltet, sich wahnsinnig gefreut und meinem Vater zugerufen „Hallo Opa“. Scheint in der Familie zu liegen, diese Art der Formulierung.

Gesa rief ebenfalls ihre Eltern an. Ihre Mutter freute sich sehr über ihr nun drittes Enkelkind, und auch ihr Vater, der mich bei Amtsantritt als Freund seiner jüngsten Tochter noch für einen Totalflop hielt, war hocherfreut. Mittlerweile mochten wir uns gegenseitig recht gerne. Dann rief ich Ducken an. Das ist mein Bruder. Eigentlich heisst er ja Gerald, aber alle nennen ihn nur Ducken, weil er früher massenweise Donald-Duck-Hefte gelesen hat. Raten Sie, was ich am Telefon sagte? Richtig! „Hallo, Onkel.“

Ducken brauchte etwas länger, denn wir reden uns am Telefon häufig mit unsinnigen Namen an. Als ich ihm dann unmissverständlich klarmachte, dass er tatsächlich Onkel wird, war er umgehend begeistert, versprach, diesen Job gewissenhaft zu erledigen und wollte seinem Neffen oder seiner Nichte sofort eine grössere Sammlung Donald-Duck-Hefte übereignen.

Danach rief ich meine Schwester an, erntete ebenfalls Begeisterung und war unheimlich stolz. Worauf eigentlich? So gross war meine bisherige Leistung ja nun wirklich noch nicht. Aber ich merkte, dass von diesem Tag aq. etwas entscheidend anders war. Der endgültige Abschied von der Kindheit stand bevor. Mama, Papa, Tante und Onkel, das waren Begriffe, die meine Geschwister und ich als Kinder und sogar als Erwachsene noch gebrauchten - für sehr viel ältere Leute. Jetzt bezeichneten sie uns selber. Generationswechsel. Ich sah uns schon auf Familientreffen, die eigenen Kinder auf dem Arm, mit gütigem Blick auf Nichten und Neffen hinabschauen und Sätze wie „Bist du aber gross geworden“ oder „Nein, wie der Peter wächst“ sagen. Genau die Sprüche also, die wir selber damals immer so doof fanden. Noch war an diesem Tag die familiäre Benachrichtigungsorgie nicht zu Ende. Gesa rief nun ihre Geschwister an. Britta, ihre älteste Schwester, fand es „süss“, dass wir ein Kind bekommen, was Gesa ein wenig ärgerte, weil sie trotz aller Freude und allen Wohlwollens eine kleine Portion Herablassung herauszuhören meinte. Britta ist Mutter zweier knackiger Knaben und einer niedlichen Tochter und hat natürlich jede Menge Erfahrung. Wir sollten schnell lernen, dass man von „erfahrenen Eltern“ sofort jede Menge Ratschläge erhält, die immer so wirken, als ob weise, milde lächelnde Druiden die doofen Novizen in die Geheimnisse des Seins einführen. Wir benahmen uns später genauso.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir noch nicht recht vorstellen, wie es wohl als Vater sein würde. Wenn ich abends nach der Arbeit nach Hause kam, dachte ich immer: Wo wird später die Wiege stehen? Wird unser Kind dann wohl gerade schlafen oder wach sein? Wie wird es aussehen, wenn Gesa auf dem Sofa sitzt und ihm die Brust gibt? Nicht gerade weltbewegende Fragen, aber genau die gingen mir ständig im Kopf rum. Dann kam der nächste Hammer.

Auf einer Geburtstagsfeier überraschte unser Freund Heiko uns mit der Mitteilung, er habe in unserem Traumdorf am Rande Hamburgs ein Haus zum Verkauf entdeckt, das genau richtig für uns sei. Wir fuhren sofort los, und als wir vor dem kleinen Backsteinhaus mit dem verwilderten, grossen Grundstück inmitten von Wiesen standen, wussten wir sofort: das oder keines. Wir hatten beide nicht die geringste Ahnung von Hypotheken, Zinsniveaus, Finanzierungsmodellen usw. Eigentlich wussten wir noch nicht mal, wie man das überhaupt anstellt, ein Haus zu kaufen. Ich hatte wirklich Angst vor diesem Schritt, vor den Schulden, vor den nötigen Umbauten und all den Terminen mit Maklern, sogenannten „Veräusserern“ und Anwälten. Ausserdem versuchte ich mich ja gerade an den Gedanken zu gewöhnen, Vater zu werden. Wenn Gesa nicht so hartnäckig gewesen wäre, ich hätte wohl gekniffen. Also lernten wir in null Zeit, was nötig ist, um Land und Haus zu erwerben und wälzten allabendlich Unterlagen. Jetzt begann es, in meinem Leben langsam kritisch zu werden: Vater in der Warteschleife und dann noch ein Hauskauf. Gesa hatte einige Mühe, mich wieder aufzurichten. „Das Haus“, sagte sie, „können wir ja immer wieder verkaufen, wenn wir's nicht packen. Unser Kind können wir auch woanders grossziehen. Das machen andere auch.“ Stimmt, dachte ich, aber andere haben auch bessere Nerven als ich.

„Muss ich jetzt seriös werden?“

Die ersten Monate

Gesa verbat sich jeden Fürsorgeterror. Sie fand es schrecklich, dass ihr Leute schon im ersten Monat Kissen in den Rücken zu schieben versuchten oder ihr mit den Worten „Herrje, Kind, das ist doch viel zu schwer für dich“ ein Cola-Glas aus der Hand rissen. Alles sollte so lange so normal sein wie irgend möglich. Und so habe ich die ersten Monate von Gesas Schwangerschaft als relativ unaufgeregt empfunden. Weder musste meine Frau fortwährend brechen, noch hatte sie - von wenigen Ausnahmen abgesehen - irgendwelche vorgeburtlichen Depressionen. Ihr ging's grundsätzlich prima. Die Depressionen hatte ich! Denn mit der Erkenntnis, dass ich nun also Vater werden sollte, kam auch die Grübelei über das, was man so sachlich „Lebensentwurf“ nennt. Wenn ich in meinem Zimmer sass und über die Zukunft nachdachte, sah ich plötzlich ein Schild vor mir. Darauf stand ziemlich gross: VERPFLICHTUNGEN, JUNGE, DU HAST JETZT VERPFLICHTUNGEN. Und wenn ich abends im Badezimmer darüber nachdachte, dass ich beruflich ja noch einiges ausprobieren, immer mal wieder den Job wechseln wollte, dann schwebte hinter der Badewanne ein zweites Schild hervor: ALTER, KANNST DU NOCH RISIKEN EINGEHEN?

Es gab keinen Zweifel: Ich musste solide werden. Vor ein paar Jahren war ich noch Schlagzeuger der legendären „Sadoboys“ gewesen, und nun dachte ich über einen Bausparvertrag und Wickelkommoden nach. Ich begann mir darüber klar zu werden, dass ich jetzt auf meine innere Visitenkarten neben „Journalist“, „bekennender Quatschkopf“ und „verkrachter Musiker“ auch noch die knarzend spiessigen Titel „Ernährer“ und „Familienvater“ würde setzen müssen. Und das, dachte ich immer wieder, DAS VERPFLICHTET DOCH SO. Da kann ich ja nicht mehr sagen: Jetzt schmeiss ich alles hin und mach' mal was ganz anders. Mein Freund Michael fand mein Problem amüsant: „Mal ehrlich“, sagte er. „Wie oft im Leben schmeisst man alles hin und macht was ganz anders? Praktisch nie. Vor allem du nicht“, fugte er gemeinerweise noch hinzu und spielte auf meine gegen Null tendierende Risikobereitschaft an. Ich liess jedoch nicht locker. „Aber dass man als allein für sich Verantwortlicher alles hinschmeissen KÖNNTE, wenn man wollte, das ist doch Klasse, und das werde ich als Vater vermissen.“

„Wirst du nicht“, sagte Michael. „Dazu hast du dann als Vater gar keine Zeit mehr.“ Er wusste, wovon er redete. Er hatte zwei (jetzt drei) Kinder und - wie immer - recht.

Seit unser Sohn da ist, habe ich über diese Frage eigentlich kaum noch nachgedacht. Eher über etwas ganz anderes, das vor Henris Geburt gar nicht zur Disposition stand, über die Frage nämlich, ob ich nicht Teilzeit-Hausmann sein könnte. Will ich wirklich, so fragte ich mich immer wieder, weiter ganztags arbeiten und mein Kind nur an kurzen Abenden und am Wochenende sehen? Einerseits, andererseits ist die eindeutige Antwort. Mit anderen Worten: der Entscheidungsprozess dauert an.

Als Gesas Schwangerschaft feststand, mussten wir die künftige Rollenverteilung klären. Für uns war klar, dass einer auf jeden Fall ständig zu Hause bleiben muss, zumindest bis Henri in den Kindergarten konnte. Gesa ist gelernte Schneiderin und Direktrice. Berufe, die gewöhnlich nicht gerade umwerfend gut bezahlt werden. Ausserdem studierte sie damals Kostümdesign und hatte gegen eine Studienpause nichts einzuwenden. Ich war Redakteur bei der BRIGITTE. Keine Frage, ich konnte die meiste Kohle ranschaffen und sollte fortan der Geldverdiener in unserer Familie sein. Diese Entscheidung, das muss ich zugeben, war mir damals verdammt recht. Ich war ziemlich froh, dass die sogenannten Sachzwänge uns die Entscheidung abnahmen. Denn ein Leben als Hausmann konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen, und wenn ich ehrlich bin, habe ich damit auch heute noch meine Schwierigkeiten (wenn auch nicht mehr ganz so grosse). Sicher, ich wollte ein Spitzen-Papa werden und mich um alles „ganz doll kümmern“. Aber meinen Job aufzugeben, das hätte mir ziemliche Probleme bereitet. Heute sieht die Sache schon etwas anders aus. Meinen Job will ich zwar immer noch nicht aufgeben, aber irgendwann mal halbtags zu arbeiten, um Gesa dann zu Hause abzulösen - das könnte ein Zukunftsmodell sein. So mancher Vater in meinem Freundeskreis hat seine Meinung über die traditionelle Rollenverteilung nach und nach ebenfalls verändert. Zumindest die, die an der Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder teilhaben wollen. Was man als berufstätiger Vater alles versäumt, ist manchmal zum Heulen. Aber es gibt ein paar gute Tips, um das zumindest etwas auszugleichen, (siehe das Kapitel „Du denkst nur noch an das Kind“).

Zum Glück hatte meine Frau damals nichts dagegen, ein paar Jahre nicht in ihrem Beruf zu arbeiten, sondern Fulltime-Mutter und -Hausfrau zu sein. Bis heute leben wir mit dieser Entscheidung recht gut. Aber wir merken, dass wir uns beide viel Mühe geben müssen, den Alltag des anderen nicht zu gering zu schätzen. Zu diesem Problem später mehr (im Kapitel „Werden wir Spiesser?“).

Die Rollenverteilung war also - vorerst - geklärt. Wir konnten uns den nächsten Schritten widmen. Literatur wurde angeschafft. Wir verschlangen Werke von Frederick Leboyer, einem der Pioniere der sanften Geburt. Selbst wenn der alte Herr manchmal in seiner Wortwahl etwas blumig und leicht versponnen wirkt: sein Klassiker „Der sanfte Weg ins Leben - Geburt ohne Gewalt“ ist auch für jeden werdenden Vater Pflichtlektüre und stimmt so richtig schön auf das Kommende ein. Was hinterher wirklich umsetzbar ist, ist eine ganz andere Frage. Bei Kerzenlicht und einem selbstverständlich alkoholfreien Drink stellten wir uns - Leboyer unterm Arm - vor, wie wunderbar sanft wir unser Kind auf die Welt holen wollten. Langsam, aber sicher begann das werdende Kind in meinem Kopf Gestalt anzunehmen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es wohl aussehen würde, blätterte alte Fotoalben aus meiner Kindheit durch und schwelgte in romantischen Imaginationen unseres künftigen Lebens zu dritt.

Buch (gebundene Ausgabe)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 26.90
Fr. 26.90
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
zzgl. Versandkosten
Versandfertig innert 1 - 2 Werktagen,  Kostenlose Lieferung ab Fr.  30 i
Versandfertig innert 1 - 2 Werktagen
Kostenlose Lieferung ab Fr.  30 i

Weitere Formate

Beschreibung

Der Bestseller über das aufregende Abenteuer, Vater zu werden. Mit unwiderstehlichen Humor lässt Kester Schlenz uns teilhaben an seinen Gedanken, Gefühlen und Zweifeln beim Vaterwerden - vom blauen Ring des Schwangerschaftstests bis zum zweiten Geburtstag seines Sohnes. Sein Resümee: "Das hat mich total umgehauen."



"Warnung an alle männlichen Leser: Die Begeisterung des jungen Vaters kann ansteckend wirken!"

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 255
Erscheinungsdatum 12.11.2002
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-39048-9
Verlag Mosaik
Maße (L/B/H) 18.3/11.8/2.6 cm
Gewicht 273 g
Abbildungen mit Illustrationen 18 cm
Auflage 20. Auflage
Verkaufsrang 45069

Kundenbewertungen

Durchschnitt
9 Bewertungen
Übersicht
8
0
1
0
0

von einer Kundin/einem Kunden am 29.12.2017
Bewertet: anderes Format

Ein wunderbar herrlich witziges Buch über das Abenteuer "Vater werden, Vater sein". Mit unglaublicher Komik und Ernsthaftigkeit beschreibt Kester Schlenz dieses tolle Buch :-)

von einer Kundin/einem Kunden am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Das große Abenteuer Vater zu werden... schmunzelnd betrachtet Kester Schlenz seine eigenen Erfahrungen & zeigt auf, wie schnell das süße Chaos einen überrollt. Herrlich!

von einer Kundin/einem Kunden am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Das ideale Geschenk für werdende Väter. In diesem köstlichen humorigen Klassiker erlebt der Leser die Schwangerschaft aus Sicht des werdenden Vaters. Lustig, lustig, lustig!


  • Artikelbild-0