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Die geprügelte Generation

Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen

Ingrid Müller-Münch

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Beschreibung

»Dieses Buch war längst überfällig.« Günter Wallraff

Ein Grossteil der deutschen Nachkriegskinder ist ins Leben hineingeprügelt worden. Doch wie konnte es sein, dass Schläge mit Teppichklopfer, Kochlöffel und Rohrstock in der Schule und zu Hause völlig üblich waren? Und was wurde aus diesen Kindern, die in der Gewissheit aufwuchsen: Ich bin ein Nichts, ich gehöre bestraft? Ingrid Müller-Münch spürt diesen Fragen nach und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur gegenwärtigen Erziehungsdebatte.

»Ein aufklärendes, ja aufklärerisches Generationsporträt. Empfehlenswert.« Deutschlandradio Kultur

Ingrid Müller-Münch, Journalistin und Autorin. Sie war Korrespondentin der Nachrichtenagentur »Reuters« und der »Frankfurter Rundschau«, Redakteurin beim »Stern« und arbeitet heute hauptsächlich für den »Westdeutschen Rundfunk«. Sie lebt in Köln.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 288
Erscheinungsdatum 17.09.2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-30283-8
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 18.8/12/2.7 cm
Gewicht 269 g
Auflage 6. Auflage

Kundenbewertungen

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Übersicht
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Ein bemerkenswertes Buch, das ich absolut weiterempfehlen kann!
von warmerSommerregen aus Essen am 08.08.2015
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Die Verwendung von Kochlöffel und Rohrstock zum Zweck der Züchtigung war in den 1950ern und 1960ern weit verbreitet. Beinahe jedes Kind der Nachkriegsgeneration wusste entweder aufgrund eigener Erfahrungen, oder weil es davon in seinem Umfeld etwas mitbekommen hatte, um diese furchtbaren Praktiken. Diese Art der Erziehung zog si... Die Verwendung von Kochlöffel und Rohrstock zum Zweck der Züchtigung war in den 1950ern und 1960ern weit verbreitet. Beinahe jedes Kind der Nachkriegsgeneration wusste entweder aufgrund eigener Erfahrungen, oder weil es davon in seinem Umfeld etwas mitbekommen hatte, um diese furchtbaren Praktiken. Diese Art der Erziehung zog sich durch alle Schichten und auch wenn viele Kinder dieses Schicksal teilten, wurde es gemeinhin totgeschwiegen. Erst mit der Publikmachung der Misshandlungen durch Geistliche oder an Privatschulen und in Heimen ist dieses Thema ins Auge der Öffentlichkeit gerückt. Doch noch immer ist es kaum begreifbar, weswegen Eltern ihren Kindern mit Teppichklopfer und Kochlöffel begegneten. Liegt der Grund in den im Krieg erlittenen Traumata der Eltern oder an einfacher Überforderung, fragt man sich. Auch weswegen niemand eingriff, wenn die Kinder wieder “gezähmt werden mussten” und ihre Schreie in der Nachbarschaft nicht zu überhören gewesen sein mussten, lässt sich nicht einfach beantworten. Was wurde aus den geprügelten Kindern und wie denken sie über ihre Eltern und die von diesen praktizierte Schwarze Pädagogik? Und welchen geschichtlichen Verlauf nimmt die Erziehung; in wie weit prägten zum Beispiel Erziehungsratgeber oder die hochangesehenen Eigenschaften wie Ordnung und Fleiß aus NS-Zeiten? Aber auch die Frage, wie es heute mit der Misshandlung der Kinder aussieht, stellt sich, denn dieses Kapitel ist leider noch nicht gänzlich abgeschlossen.. Auf diese und viele weitere Fragen geht die Autorin Ingrid Müller-Münch in ihrem Buch “Die geprügelte Generation- Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen” ein. Zusammen mit anderen, die diese Erziehung erlitten haben, Traumatherapeuten, Psychologen, Bindungsforschern, Psychotherapeuten und Erziehungwissenschaftlern zeigt sie Antworten auf und zeichnet auf 284 Seiten ein unglaublich dichtes und berührendes Bild einer ganzen geprügelten Generation. Jedes mal, wenn Interviewte über die erlittenen Strafen berichten und beschreiben, was sie dabei fühlten und versuchen eine Erklärung für das Verhalten ihrer Eltern zu finden, war das für mich schockierend. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese doch eigentlich Liebe und Vertrauen schenken sollenden Menschen zur Züchtigung körperliche oder auch seelische Gewalt anwanden, ist haarsträubend. Ich finde es bewundernswert, wie sachlich und fair die Autorin bei einer so aufwühlenden Thematik bleibt und wie es ihr gelingt, so viel Inhalt auf so wenig Seiten zu bringen, ohne dass das Buch erdrückend wirken würde. Auch sehr beeindruckend ist, dass das vermittelte Wissen durch so viele Statistiken, Gespräche mit Fachleuten, Bücher, Studien und so weiter untermauert wird. Die Autorin malt nicht nur schwarz, sondern gibt beiden Seiten eine Stimme, auch wenn sie selbstverständlich stets gegen die Misshandlung von Kindern ist. Es werden die verschiedensten Seiten beleuchtet und sehr verständlich und nachvollziehbar ausgeführt. Ob die Spuren der Nazis und des Krieges oder der den Eltern zuspieldenen Justiz- ein facettenreiches und kompaktes Bild wird gezeichnet. Ich konnte dieses Buch beim Lesen kaum aus der Hand legen, da es so spannend war- und wenn ich es doch tat, dann nur um Zeit zu haben, über das Gelesene nachzudenken und es zu verarbeiten. Aber auch nach dem Lesen beschäftigte mich das Buch noch lange- und das tut es noch immer- denn ich habe durch das Lesen dieses Buches sehr viel dazulernen und aufgezeigte Zusammenhänge verstehen können. Ich kann wirklich jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, da es sehr verständlich ausgesprochen viel Wissen vermittelt. Außerdem denke ich, dass sich mit der im Buch behandelten Thematik wirklich jeder auseinandersetzen sollte! Nicht nur selber Betroffene, sondern auch junge Menschen, um zu verstehen, was die älteren Generationen -Eltern und Großeltern- prägte und um zu verinnerlichen wie wichtig eine gewaltfreie und liebevolle Erziehung ist. Ein sehr ergreifendes, schockierendes aber auch aufklärendes Buch, dessen Thematik mehr in der Öffentlichkeit behandelt werden sollte!

Endlich!
von einer Kundin/einem Kunden aus Nidau am 12.09.2012
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

endlich hat jemand das Thema aufgegriffen. Die geprügelte Generation kommt nun ins Rentenalter und es ist an der Zeit, dass diese Misshandlungen auch als das wahr genommen werden. Diese Art der Kindererziehung war Misshandlung und körperliche und seelische Folter die ein Leben lang Spuren hinterlassen hat.

  • Artikelbild-0
  • Inhalt
    Was war der Anlass für dieses Buch und wovon handelt es?
    1. Kapitel
    KOMM DU MIR BLOSS NACH HAUSE
    Bauklötze aus Brikett
    Das Trotzköpfchen soll sich beruhigen
    Glück gehabt
    Hänschen klein und die weite Welt
    Entweder sie oder ich
    Detlevs Vater - überwiegend abwesend
    Detlevs Mutter - erst die Arbeit und danach kein Vergnügen
    Die Einsamkeit nach der Tracht Prügel
    Detlev schlägt zurück
    Es geht auch anders
    2. Kapitel
    SELBSTHERRLICHE ELTERN, VERSCHRECKTE KINDER
    Ordnung, Fleiss und keine Widerworte
    Haben sie es wirklich nicht besser gewusst?
    Gewaltlose Erziehung war die Ausnahme
    Monika hat zwei Mütter - eine gute und eine böse
    Du wirst doch sowieso heiraten
    Alle hielten Monika für bekloppt
    Kaltes Wasser auf toupierte Haare
    Ein stillschweigendes Übereinkommen
    Nirgendwo richtig sein, immer nicht passen
    Monikas Mutter wird zur witzigen, liebevollen Oma
    3. Kapitel
    MIT ZUCKERBROT UND PEITSCHE
    Einblick in die Schwarze Pädagogik
    Der Liebling aller Regisseure
    Ein Reformator mit gnadenlosen Parolen
    Hört ihr die Kinder weinen?
    Emile verkündete keine Wattepädagogik
    Der Tod eines Kindes und ein aufsehenerregender Prozess
    Warum tat er das vor dem Chef?
    Eine gewalttätige herrische Jugend muss her
    Johanna Haarers Kampfansage an das Neugeborene
    Erziehung nach Auschwitz
    4. Kapitel
    AUS DER NOT GEBOREN
    Die Spuren der Nazis und des Krieges
    Das Wunder von Bern
    Die Altvorderen mit dem braunen Schandfleck
    Die Kinder der Täter
    Der Kinderschutzbund - eine erste öffentliche Reaktion
    5. Kapitel
    FLASHBACKS UND IHRE VORGESCHICHTE
    Das Geräusch eines schnalzenden Ledergürtels
    Die fürsorgliche Mutter schmiert Schulbrote
    Es gab weder Frischluft noch Freiheit
    6. Kapitel
    LITERATUR ALS VENTIL
    Aufschreiben, Rausschreien, Kundtun
    Das verborgene Wort
    Thom, die Fantasiegestalt -
    Tilman, der aus dem wirklichen Leben
    Stippvisite in einer Idylle
    Die Mutter geht - und lässt fünf Kinder zurück
    Vorsorglich verabreichte Schläge
    Die böse Stiefmutter entsprach ganz dem Klischee
    Fluchgebete auf den despotischen Vater
    Ein Kirchenaustritt als gezielte Provokation
    Ausgerechnet der »missratene« Sohn ist erfolgreich
    An einer Aufarbeitung war Tilman Röhrig nie interessiert
    Thoms Bericht und die Folgen
    7. Kapitel
    WAR UM, WIESO, WESHALB?
    Schläge aus Liebe und Fürsorglichkeit
    Stubenarrest und Sprachlosigkeit
    Der eiserne Vorhang lüftet sich
    Beschämen und Verhöhnen
    Theresia fühlt sich immer an allem schuld
    Ihr stand niemand zur Seite
    Noch heute dominiert die Mutter
    8. Kapitel
    PERSIANER, NIERENTISCH UND KALTE ENTE
    Ein Tischgespräch über Petticoat und Rock'n Roll
    Trümmerkinder und Wohnungsnot
    Halbstarke
    Der Fernseher als Nachbarschaftstreff
    Russische Eier und Toast Hawai
    Schundhefte und Teppichfransen
    Ein »Kaninchenstall« als Statussymbol
    Separate Klos für Flüchtlingskinder
    Krokodillederne Handtaschen und Persianermäntel
    Wenn Väterchen vom Krieg erzählt
    Das tut man nicht! Das gehört sich nicht!
    Backpfeifen versus Stubenarrest
    Es gibt auch eine andere Betrachtungsweise
    Kinder hatten sich nicht zu mucksen
    9. Kapitel
    GEPULLERT WIRD IM KOLLEKTIV
    Wenig Revolutionäres aus dem sozialistischen Nachbarland
    Erziehung auf revolutionärem Einheitskurs
    Nur ja nicht aus dem Rahmen fallen!
    Andersartigkeit wurde abgelehnt
    10. Kapitel
    VOM LEHRER GIBT ES TATZEN
    Lineale, langgezogene Ohren und ausgestreckte Kinderhände
    Der Lehrer droht mit dem Stock in der Hand
    Eltern kümmerte es nicht, wenn Lehrer Tatzen verteilten
    Prügelnde Lehrer gibt es auf der ganzen Welt
    11. Kapitel
    HEIMKINDER WAREN »EIN NICHTS UND EIN NIEMAND«
    Eine überraschende Entschuldigung
    260 Euro monatlich für ein zerstörtes Leben
    Die Mauer des Schweigens hält dicht
    Rau und demütigend ging es zu
    Die Diagnose der Nazi-Ärzte blieb an ihm hängen
    12. Kapitel
    ILKA BLEIBT DIE LUFT WEG
    Hier ist Krach
    Ilkas Traum von Armut und Harmonie
    Das ständige Gefühl, überflüssig zu sein
    Sie weigerte sich, die gleiche Luft wie ihr Vater zu atmen
    Ilkas ausgetüfteltes Überlebenstraining
    Kein Mensch nahm sie ernst, niemand reagierte aufihre Klagen
    Sie fühlte sich geliebt - trotz alledem
    So einfach geht das nicht mit dem Verabschieden
    Noch immer triezt ihr Vater sie
    13. Kapitel
    TISCHRUNDE IM BREGENZER WALD/ENDRUNDE NACH MITTERNACHT
    14. Kapitel
    EINE GENERATION BEGEHRT AUF GEGEN MUFF UND MIEF
    Nun reicht es
    Die glorifi zierte Freiheit von Summerhill
    Der unbeholfene Umgang mit der neuen Freiheit
    War das Disziplinierung zur Disziplinlosigkeit?
    Alter Wein in neuen Schläuchen?
    15. Kapitel
    WO BLEIBT DAS GESCHLAGENE KIND MIT SEINER WUT?
    Hätte ich den Klumpen doch nie geboren
    Hinter manchem Terroristen steckt ein um Aufmerksamkeit flehendes Kind
    Nicht jeder der geprügelt wurde, schlägt zurück Doch wer zurückschlägt, wurde meist als Kind geprügelt
    Schläge machen dumm
    Die Wut frisst an einem selbst
    Die dunklen Seiten des Lebens
    16. Kapitel
    WIRD HEUTE NOCH GESCHLAGEN?
    Eine Schmerz verursachende Güte
    Super-Nanny und Eltern-Magazine
    Der Vater eines Spitzenkochs teilte satt aus
    Der Trend geht weg vom Knüppel hin zum Gespräch
    Du musst ein Mann sein - Relikte aus alter Zeit
    Noch ist es nicht vorbei
    17. Kapitel
    DIE JUSTIZ SCHLUG KRÄFTIG MIT
    Nachtrag: Simon spricht mit mir
    Ich danke
    Anmerkungen
    Literatur zum Thema