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Kilimandscharo - Aufs weiße Dach Afrikas

Gespensterbäume, Zuckerbüsche in Tansania, ein Halt auf Sansibar

Reisetops Band 13

Nils Wiesner

Hochkommen
Am Äquator geht die Sonne immer um 6 Uhr auf. Ich hatte wunderbar geschlafen, Augen zu, Licht aus, Licht an, Augen auf, und schon war die Nacht vorbei gewesen. Ich war viel zu unternehmungshungrig, um irgendeine helle Stunde des Tages zu verpassen! Konstantin und ich hatten in einem Nebengebäude im Hotelgarten genächtigt. Nun wurden wir von bunten, lauten und vor allem zahlreichen Vögeln geweckt, weit bevor wir eigentlich das letzte weiche Nest vor dem Aufstieg verlassen wollten. Zeit für eine Gang durch den Hotelgarten. Auch dort gab es diese kleinen, schwarzen Moshi-Termiten, und ich sah eine so grosse Schnecke wie niemals zuvor. Sie hatte die Form eine Weinbergschnecke, aber das Haus hatte die Grösse einer Pampelmuse!
Pünktlich um sieben Uhr sassen wir alle am Frühstückstisch. Bis auf Martin. Und keiner von uns konnte ihn wecken, denn keiner kannte sein Zimmer! Da wir den ganzen gestrigen Nachmittag und Abend und in unterbewussten Gedanken sicherlich auch die gesamte Nacht lang nur damit beschäftigt gewesen waren, unseren Packsack zu packen, hatte sich keiner ernsthaft darum gekümmert, wo die anderen wohnten. Besorgnis kam auf! Hauser anrufen, dass die Martin anriefen, weil sie vielleicht die Handynummer von ihm hatten? Es war Montag früh um Fünf in Deutschland! Niemand würde uns weiterhelfen.
Die Bedienung kam und nahm die Bestellung auf. Erst mussten wir darum bitten, dass man uns den Toast auch toastete. Das schien dort nicht üblich zu sein, aber Brotscheiben, die wie frischgestorben aussahen, wollten wir alle nicht freiwillig herunterwürgen. Man konnte auch gebratene Eier bestellen. Und auch Würste, diese ebenfalls gebraten. Aber irgendwie mussten wir sehr tief schürfen, um an diese Erkenntnisse zu gelangen, und bei jeder Bestellung, Unterbestellung, Sub-Unterbestellung, Anfrage, nachdrücklichen Anfrage, nahm die Kellnerin dann den selben Weg: weg von unserem Tisch, hinüber ins Restaurant, von dort quer durch den Innenhof am Swimmingpool vorbei bis auf eine Anhöhe, die wir fast nur noch mit dem Fernglas ausmachen konnten, zu einem strohdachgeschützten Grill.
„Pole-Pole!“ Das ist Swahili und bedeutet „Langsam, langsam!“ Das ist in den Tropen sicherlich eine Überlebensstrategie, aber als das Rührei, und später auch noch die Bratwüste am Tisch eintrafen, waren sie längst wieder lau. Kalt geht dort nicht, nicht mal morgens um Sieben!
Irgendwann zwischen scrambled eggs und fried sausages kam dann auch Martin vollkommen pole-pole an unseren Tisch. Freute sich, schaufelte ohne jegliche Verzögerung Eier und Würste auf seinen Frühstücksteller und war mit dem Essen zu genau der selben Zeit fertig wie der Rest der Mannschaft.
Die Fahrer waren dieses Mal pünktlich. Wir verstauten unsere Packsäcke, von denen keiner mehr als 10 kg wog, unsere Tagesrucksäcke, von denen jeder gefühlte 20 kg wog, und unsere immer noch ansehnlich gefüllten Reisetaschen, die in irgendeinem finsteren Raum auf unsere Rückkehr warten würden. Wir verteilten uns auf die beiden Autos, sagten dem Hotel Lebewohl und schaukelten über die krokodilartige Zebrastreifenbuckelpiste von Moshi über Marangu bis ans Nationalparktor. ...
Buch (Taschenbuch)
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Beschreibung

Nils Wiesner erfüllte sich mit fast fünfzig Jahren seinen langgehegten Wunsch, den Kilimandscharo, Afrikas höchsten Gipfel, zu besteigen. Der Kilimandscharo ist ein Berg, für den man zwar nicht zwingend Klettererfahrung benötigt, doch eine gute Kondition und ein gesunder Respekt vor dem Berg sind unverzichtbar. Nils Wiesner schildert seine Erfahrungen von Anbeginn an. Er lässt den Leser an der Planung und Vorbereitung der Reise teilhaben, und nimmt ihn schliesslich mit nach Afrika. Die Reise nach Tansania entlang des Great Rift Valley wird genauso minutiös erzählt, wie die Erlebnisse und Erfahrungen den Berg hinauf und quer durch alle Vegetationszonen der Erde. Die Reise führt entlang der Marangu-Route, die die meisten Gipfelaspiranten für den Aufstieg nutzen, eine Route, auf der man relativ bequem von Hütte zu Hütte unterwegs ist. Fauna und Flora erfahren dabei genauso sehr Beachtung wie die Befindlichkeiten, mit denen man auf so einer Wanderung zu tun hat. Die Ungewissheit, den Gipfel zu erreichen, die Zweifel in die eigene Kondition, die Wahrscheinlichkeit, auf welche Art auch immer mit der Höhenkrankheit konfrontiert zu werden, und der unerschütterliche Wunsch, den Gipfel zu erreichen. Aber auch der Rückweg ist nicht einfach nur ein entgegengesetztes Abschreiten des Weges, sondern er hält vollkommen eigene Erkenntnisse bereit.
Da sich der Autor entschlossen hatte, die Trekkingtour um einen Wellnessaufenthalt auf Sansibar zu verlängern, setzt sich auch der Reisebericht mit den Erlebnissen auf dieser Gewürzinsel im Indischen Ozean fort. Mit einem Mal tun sich vollkommen andere Welten auf: das Habitat der Sonnenanbeter und Müssiggänger, das längst untergegangene Sultanat, das immer noch an die Märchen aus Tausendundeiner Nacht erinnert, die filigrane Steinerne Stadt, die einerseits die Touristen anlockt und andererseits an der Verpflichtung zu tragen hat, UNESCO-Weltkulturerbe zu sein.
Und genauso minutiös, wie der Leser den Autor auf die Reise nach Afrika begleiten durfte, ist er Zaungast bei der Rückkehr nach Europa, nach Deutschland, nach Merseburg ins Zuhause von Nils Wiesner.

Jahrgang 1962, geboren in Ueckermünde in Vorpommern. Nach der Erweiterten Oberschule ging er 1980 nach Merseburg, um dort an den „Spezialklassen für Chemie" das Abitur unter Hochschulbedingungen abzulegen. Damit war der akademische Weg vorgezeichnet. Nach einem 18-monatigen unfreiwilligen Aufenthalt bei der Bereitschaftspolizei in Neustrelitz folgte 1982 ein Chemiestudium in Merseburg. Da sich die Interessen verschoben, brach der Autor das Studium nach sechs Semestern ab, holte die Ausbildung zum Chemiefacharbeiter nach und ist seitdem in der chemischen Industrie in Leuna tätig."
Niels Wiesner ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 159
Altersempfehlung 16 - 99 Jahr(e)
Erscheinungsdatum 01.10.2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-86040-196-5
Verlag Interconnections medien & reise e.K.
Maße (L/B/H) 20.8/14.6/1.5 cm
Gewicht 248 g
Abbildungen 30 schwarz-weiße Fotos
Auflage 1

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  • Zahlenspiele
    Hinkommen
    Vorbereitungen
    Die Reise beginnt
    Ankunft in Tansania
    Hochkommen
    Erste Etappe: Vom Marangu-Gate zur Mandara-Hütte
    Zweite Etappe: Von der Mandara- zur Horombohütte
    Akklimatisation: Zum Zebra-Rock und zurück
    Dritte Etappe: Von der Horombo- zur School-Hütte
    Vierte Etappe: Der Gipfelsturm
    Runterkommen
    Immer noch vierte Etappe: Zurück zur Horombo-Hütte
    Fünfte Etappe: Von der Horombo-Hütte zum Marangu-Gate und weiter nach Arusha
    Ab an die Zanzi-Bar
    Von Arusha nach Sansibar
    Das Karafuu Hotel Beach Resort
    Stone-Town
    Nach Hause
    Nachwort