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Dreckloch

Lebensgeschichte einer administrativen Versorgten

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Erna Eugster (in Zusammenarbeit mit Daniel Lüthi)
Ihre Mutter nannte sie schon als kleines Mädchen Dreckloch. Saumensch. Oder Lumpenhure.
Schon bald wurde die 1952 geborene Erna Eugster fremdplatziert, kam in Heime, in eine psychiatrische Klinik und immer wieder ins Bezirksgefängnis. Sie machte Erfahrungen mit Alkohol und Prostitution und den Abgründen der menschlichen und insbesondere der männlichen Psyche. Erna war aber nie der Prozess gemacht worden. Sie war in keinem Heim, in keinem Gefängnis, in keiner Klinik aufgrund einer rechtskräftigen Verurteilung. Es ist also nicht so, dass sie eingesperrt wurde, weil sie etwas verbrochen hätte. Sie war eine jener zahlreichen Inhaftierten, die heute unter dem Begriff "administrativ Versorgte" zusammengefasst werden. Eine von denen, die gemäss behördlichem Befinden "nicht recht taten", "liederlich" waren. Und die allein deshalb, also ohne eine Straftat begangen zu haben, weggesperrt wurden. Und dies bis mindestens 1981. Im Rechtsstaat Schweiz.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 133 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 13.01.2015
Sprache Deutsch
EAN 9783905795370
Verlag Xanthippe Verlag
eBook
Fr. 12.90
inkl. gesetzl. MwSt.
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Ein trauriges Kapitel Schweizer Geschichte
von peedee am 02.08.2015

In diesem Buch erzählt Erna Eugster, unterstützt durch den Journalisten Daniel Lüthi, ihre Lebensgeschichte: Die Geschichte einer „administrativ Versorgten“. Erna war somit eine von denen, die gemäss behördlichem Befinden „nicht recht taten“, „liederlich“ waren. Wer also behördlich negativ auffiel, wurde ohne Gerichtsurteil in Erziehungs- oder Strafanstalten eingewiesen. Die administrative... In diesem Buch erzählt Erna Eugster, unterstützt durch den Journalisten Daniel Lüthi, ihre Lebensgeschichte: Die Geschichte einer „administrativ Versorgten“. Erna war somit eine von denen, die gemäss behördlichem Befinden „nicht recht taten“, „liederlich“ waren. Wer also behördlich negativ auffiel, wurde ohne Gerichtsurteil in Erziehungs- oder Strafanstalten eingewiesen. Die administrative Versorgung wurde erst 1981 abgeschafft – und das im Rechtsstaat Schweiz! Das Buch ist in mehrere sogenannte Schauplätze unterteilt, die Stationen ihres Lebens aufzeigen: z.B. Psychiatrie Münsingen, Frauengefängnis Hindelbank. Dazu kommt ihre persönliche Vita, eine Chronologie der Opfer fürsorgerischer Massnahmen, Abbildungen von Originaldokumenten aus ihrer Akte, Fotos. „Saumensch“, „Sauluder“, „Dreckluder“, „Dreckloch“ – so wurde Erna von ihrer Mutter genannt; noch bevor sie zur Schule ging. Gewalt (Mutter) und Alkohol (Vater) prägen schon früh ihren Alltag: „Mit Prügel stand ich auf, mit Prügel ging ich zu Bett.“ Aber: „Eine Mutter kann dich jeden Tag halb tot schlagen, aber als Kind bist du jeden Tag bereit, mit der gleichen Mutter neu zu beginnen.“ Erna hat zwei Geschwister: Eine Schwester, die bei der Grossmutter aufwuchs, und einen Bruder, der zu Hause blieb und dem es dort gut erging. Eines Tages hiess es, dass sie umplatziert werden müsse und so fing die jahrelange Odyssee durch Heime, Gefängnisse, Arbeitserziehungsanstalten, Kliniken und Psychiatrie (zum ersten Mal mit 15 Jahren) an. In diesen Institutionen hat sie jedoch fast durchwegs Schikane, Demütigung und wiederum Gewalt erlebt. Deshalb ist sie über kurz oder lang abgehauen, wurde aber stets wiedergefunden und zurückgebracht. Weitere Stichworte ihrer Geschichte sind Alkoholismus, Suizidversuch, Gewalt, Wut, Leid, Enttäuschung, schwierige Partnerschaft, Zwangsfreigabe ihres Sohnes zur Adoption, Schwangerschaftsabbruch, massive Herzprobleme. Erna hat ihren Schmerz zu Papier gebracht und steht damit stellvertretend für sehr viele andere, die Ähnliches erlitten haben. In den letzten Jahren hat die Politik begonnen, dieses Thema aufzuarbeiten und u.a. eine Gedenkstätte errichtet und finanzielle Entschädigung versprochen. „Wann endlich kommen die Entschädigungen? Wenn noch länger gewartet wird, sind wir alle tot.“ Das Buch hat mich zutiefst betroffen gemacht, v.a. die Tatsache, dass diese administrative Versorgung erst 1981 abgeschafft wurde! Vielen Dank, Frau Eugster, dass Sie den Mut hatten, Ihre Geschichte zu erzählen. Ich hoffe, dass Ihnen dies auch geholfen hat, innerlich ein bisschen mehr Ruhe zu finden.