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Levins Mühle

34 Sätze über meinen Großvater. Roman. Nachwort: Wagenbach, Klaus

(1)

Bobrowski hat seinen Roman im Westpreussen von 1874, im Kaiserreich, nicht weit von Thorn, angesiedelt. Er erzählt uns von der sehr besonderen Landschaft, von den Wiesen, den Wäldern und den Flüssen; er erzählt von den Tieren dort, den Pferden, den Schweinen und den Vögeln, die allein in unzähligen Arten vorkommen, seien es zarte Schwalben oder fette Gänse. Und er erzählt von den Menschen. Da sind die katholischen Polen, Juden, Zigeuner mit Geige, Vaganten, Kossäten, und natürlich die Deutschen, Baptisten, Adventisten, Methodisten. Ein lebhaftes Durcheinander.
Die Geschichte, um die es geht, ist einfach: Der Grossvater des Erzählers, Mühlenbesitzer und Deutscher, von dem es heisst, er leide an der Galle, hat das Wasser gestaut und dann die Mühle seines Konkurrenten, des Juden Levin, der wiederum am Herzen leidet, weggespült. Und weil sich der Levin das nicht gefallen lassen will, klagt er vor Gericht in der Stadt.
In gemütlichem Tonfall erfahren wir diese spannungsgeladene Geschichte. Schnell sind wir mittendrin, hören den Leuten zu, so wie sie eben reden, maulfaul und redselig zugleich, hören ihren Dialekt und unbekannte, klingende Worte. Vor uns tut sich ein Reichtum an Sprache und Geschichten auf, wie er uns selten begegnet.

Portrait
Johannes Bobrowski, 1917 geboren, studierte Kunstgeschichte in Berlin, wurde jedoch 1939 einberufen. Im Russlandfeldzug entstanden seine ersten Gedichte. Erst 1949 kehrte er aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft nach Ostberlin zurück, wo er als Lektor arbeitete. 1961 folgte der Lyrikband Sarmatische Zeit. 1962 wurde ihm der Preis der Gruppe 47 verliehen. Seit den sechziger Jahren veröffentlichte er auch Prosa, darunter den Roman Levins Mühle, für den er den Heinrich-Mann-Preis erhielt. Bobrowski starb 1965 in Berlin. Bei Wagenbach ausserdem lieferbar: Nachbarschaft, Gedichte.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 228
Erscheinungsdatum 18.08.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8031-3274-1
Reihe Quartbuch
Verlag Wagenbach
Maße (L/B/H) 22,3/12,4/2 cm
Gewicht 250 g
Auflage 1
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Wunderbares Hörbuch
von einer Kundin/einem Kunden aus Halle (Saale) am 25.04.2015
Bewertet: Hörbuch (MP3-CD)

Der Roman ?Levins Mühle - 34 Sätze über meinen Großvater? von Johannes Bobrowski erschien 1964 zeitgleich in der DDR und der BRD. Die handfeste Geschichte spielt im Jahre 1874 in Westpreußen und entwickelt sich aus einem Kriminalfall. Im Mittelpunkt des Werkes steht ein reicher deutscher Wassermühlenbesitzer und Baptist, den... Der Roman ?Levins Mühle - 34 Sätze über meinen Großvater? von Johannes Bobrowski erschien 1964 zeitgleich in der DDR und der BRD. Die handfeste Geschichte spielt im Jahre 1874 in Westpreußen und entwickelt sich aus einem Kriminalfall. Im Mittelpunkt des Werkes steht ein reicher deutscher Wassermühlenbesitzer und Baptist, den der Erzähler als ?mein Großvater? bezeichnet. In dem kleinen Dorf Neumühl leben Deutsche, Polen, Juden und Zigeuner nebeneinander. Als jedoch der Großvater, der kein gemütlicher alter Mann ist, eines Nachts sein Stauwehr öffnet und die Bootsmühle seines jüdischen Konkurrenten Levin wegschwemmt, ist die Dorfgemeinschaft gespalten. Levin versucht beim Kreisgericht Recht zu bekommen, aber die deutsche Justiz glaubt dem dahergelaufenen Juden und seiner jungen Zigeunerin Marie nicht. Obwohl es Zeugen gibt, wird der Prozess, durch die Machenschaften des ?Großvaters? und seiner deutschen Landsleute, vom evangelischen Pfarrer Glinski über den Landrat bis zum Kreisrichter, verschleppt. Schließlich bekommt der Großvater sogar Recht und der arme Levin resigniert. Doch er hat im Dorf Freunde, die nicht aufgeben wollen und ihm zur Seite stehen - der Zigeuner Habedank, Levins Braut, der Bänkelsänger Weiszmantel, der Abdecker Froese, der ehemalige Lehrer Willuhn und viele andere. Mit einer Spottballade prangern sie den Großvater und seine Untat öffentlich an. Als der Großvater auch noch Levins Wohnhütte anzündet, haben selbst die deutschen Dorfbewohner Zweifel an der Rechtschaffenheit des Mühlenbesitzers. Schließlich muss der kriminelle Großvater aufgeben und das Feld räumen. Es kehrt wieder Ruhe im Dorf ein, aber auch Levin kann nicht bleiben, mit seiner Geliebten zieht er in die Welt hinaus. ?Levins Mühle? ist ein Dokument der Menschlichkeit, in dem Bobrowski zahlreiche stilistische Mittel einsetzt. Sein ?Enkel-Erzähler? berichtet über die Vorkommnisse in dem deutsch-polnischen Grenzgebiet aus der historischen Distanz und mit dem Wissen um die Katastrophe der ?Endlösung? im 20. Jahrhundert. Er kommentiert immer wieder das Geschehen und wendet sich dabei direkt an den Leser. Im Audio-Verlag ist eine ungekürzte Lesung des Romans erschienen - eine Produktion des MDR aus dem Jahr 2005. Dem inzwischen bereits verstorbenen Schauspieler und Sprecher Traugott Buhre gelingt es bemerkenswert, dieses atmosphärisch dichte Werk und die spezifische Sprache von Bobrowski hörbar zu machen. Die mp3-CD (Spieldauer ca. 400 min) ist in 127 Tracks unterteilt, sodass ein Wiedereinstieg jederzeit möglich ist. Wer auf der Suche nach noch mehr hörbarer deutscher und internationaler Literatur ist, sollte sich einmal die DAV-Edition ?Große Werke. Große Stimmen? ansehen. Hier findet man immerhin 29 Titel - von Kafka bis Mark Twain, von Kleist bis Tucholsky - alles auf mp3.