Das kalte Licht der fernen Sterne

Roman

Anna Galkina

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Beschreibung

Das Städtchen unweit von Moskau, in dem Nastja aufwächst, hat bessere Tage gesehen. Es sind die 1980er Jahre und die Bewohner hausen zwischen Eimern und Einweckgläsern, Plumpsklo und Gemüsegarten, trinken bitteres Bier und selbstgebrannten Schnaps, beschimpfen und vergnügen, lieben und schlagen sich. Umgeben von Geschichten voller Poesie und Gewalt, Tragik und Humor, zerschlagenen Hoffnungen und unverhofftem Glück erlebt Nastja ihre eigenen Abenteuer. Sie geht auf Streifzug mit den »drei Schlampen«, Lena mit dem Oberlippenbart, Dina mit dem Vater im Knast und Oksana, der Expertin für Schwangerschaftsabbrüche, verbringt lange Abende in Sergejs Scheune und träumt von Thomas Anders – bis sie sich in den ukrainischen Soldaten Dima verliebt und ihr Leben eine Wende zu nehmen verspricht ...

Anna Galkina, geboren und aufgewachsen in Moskau, kam nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland. Sie lebt als freie Schriftstellerin und Künstlerin in Bonn. 
2016 erschien ihr Debütroman »Das kalte Licht der fernen Sterne« in der FVA, 2017 folgte ihr zweiter Roman »Das neue Leben«.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 224
Erscheinungsdatum 15.02.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-627-00224-4
Reihe Debütromane in der FVA
Verlag Frankfurter Verlagsanstalt
Maße (L/B/H) 21.1/13.4/2.5 cm
Gewicht 360 g
Auflage 1

Kundenbewertungen

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Übersicht
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Ungeschönter Blick auf eine Kindheit und Jugend in der sowjetischen Provinz
von einer Kundin/einem Kunden am 22.04.2016

Das kalte Licht der fernen Sterne, so lautet der überaus poetische Titel des Debütromans von Anna Galkina, die geboren und aufgewachsen in Moskau, seit 1996 in Deutschland lebt. Das „kalte“ erstrahlt dabei in grellem Weiß, während das „Licht“ in wärmendem Rot gehalten ist (wie überhaupt die sehr schöne Aufmachung des Buches in ... Das kalte Licht der fernen Sterne, so lautet der überaus poetische Titel des Debütromans von Anna Galkina, die geboren und aufgewachsen in Moskau, seit 1996 in Deutschland lebt. Das „kalte“ erstrahlt dabei in grellem Weiß, während das „Licht“ in wärmendem Rot gehalten ist (wie überhaupt die sehr schöne Aufmachung des Buches in der Frankfurter Verlagsanstalt ein Lob verdient.) Dieser Wechsel aus Kalt, rau, brutal und warm, nostalgisch, kindlich-sehnsuchtsvoll kennzeichnet auch ein wenig das ganze Buch. Es erzählt in ganz kurzen Abschnitten, episodenhaft, wie auf einer Perlenschnüre aufgereiht, aus dem Leben von Nastja. Ihre Kindheit in den Achtziger Jahren in einem kleinen Kaff unweit von Moskau ist alles andere als rosig und einfach. Die alleinerziehende Mutter bringt die kleine Familie zusammen mit der Großmutter mehr schlecht als recht über die Runden. Es herrscht sowjetische Mangelwirtschaft, für die elementarsten Dinge muss man stundenlang anstehen, die Wohnsituation ist katastrophal und viele selbstverständliche Dinge, wie zum Beispiel Toilettenpapier kaum zu bekommen. Nur die politische Indoktrination läuft perfekt, gerade auch in den Institutionen, die die kleine Nastja durchlaufen muss, wie Kindergarten und Schule. Die Erziehungsmethoden sind alles andere als pädagogisch, drakonische Strafen und Erniedrigungen sind an der Tagesordnung. Darin unterscheiden sich die „Bildungsanstalten“ kaum von der im Elternhaus gehandhabten Praxis. Auch hier herrscht hilflose, oft überforderte Lieblosigkeit und Gewalt. Gewalt ist neben Mangel auch das vorherrschende Motiv in Nastjas Kindheitserinnerungen. Eins bedingt dabei vielleicht auch das andere. Alkohol fließt in wahren Strömen. Trotzdem scheinen immer wieder auch Glücksmomente und sogar Poesie auf, stehen das „kalte Licht der fernen Sterne“ und der volle Geruch nach Äpfel, Birnen und Blumen neben dem des „Scheißhaufens“ und des Plumpsklos. Neben dem ungeschönten Blick auf die Missstände des Realsozialismus stehen auch nostalgische Momente. Härte und Leichtigkeit wechseln sich ab.Wie auch immer ein wunderbarer, leiser, aber oft bissig-ironischer Witz das Lesen auch der brutalsten Gegebenheiten erträglich macht. So nimmt die Gewalttätigkeit in der Mitte des Buches beträchtlich zu. Nicht zufällig fällt das in die Zeit des Erwachsenwerdens Nastjas. Sie wird zur Frau und muss die überall herrschende, meist sexualisierte Gewalt der Männer, der Großväter, „Onkels“, Mitreisenden im Zug zur Kenntnis nehmen. Aber auch die Rolle der Frauen und Mädchen ist nicht nur auf die der Opfer reduziert. Sie fügen sich zu bereitwillig, suchen geradezu die sexuelle Erniedrigung oder schauen ihr grausam-lüstern untätig zu. Das ist schwer auszuhalten und lässt sich nur durch die Allgegenwart von Gewalt, Alkoholismus und einem negativen Frauenbild erklären. Anna Galkina verschont den Leser nicht. Viele ihrer Schilderungen sind nur mit dem erwähnten Humor und den immer wieder aufblitzenden poetischen Beschreibungen zu ertragen. Und auch durch den wunderbaren Aufbau des Buches. Zwanzig Jahre nach dem als Schlusspunkt gesetzten Wegzugs der Familie nach Riga kehrt Nastja in die alte Heimat zurück. Sie reist mit dem Zug an und nähert sich dem Ort ganz langsam, nahezu touristisch. Sie beschreibt den Bahnhof, die Straßen des Städtchens, ihr altes Haus, den Garten usw. Damit nähert sich auch der Leser ihrem alten Leben an, um dann ab der Mitte des Buches vor so viel Gewalt, Hass und Untätigkeit fassungslos zu sein. Am Ende ist zwar die zarte Liebe zum Soldaten Dima ungewiss, aber mit dem Umzug nach Riga deutet sich zumindest die Hoffnung auf einen Neuanfang an. Ein nicht immer angenehm zu lesender, aber wichtiger und eindrucksvoller Einblick in den sowjetischen Alltag.

Russlands Seiten
von einer Kundin/einem Kunden aus Hof am 15.04.2016

Der Roman von Anna Galkina fällt einem sofort ins Auge. Samowar, Lenin, Hahnlolly und Plumpsklo... in der Mitte ein roter Stern. Was zuerst wie ein amüsanter Russland-Roman anmutet, entpuppt sich schnell als nüchterne Alltagsbeschreibung aus dem Leben einer jungen Heranwachsenden und der Nebenpersonen. Wer hier über das "typisch... Der Roman von Anna Galkina fällt einem sofort ins Auge. Samowar, Lenin, Hahnlolly und Plumpsklo... in der Mitte ein roter Stern. Was zuerst wie ein amüsanter Russland-Roman anmutet, entpuppt sich schnell als nüchterne Alltagsbeschreibung aus dem Leben einer jungen Heranwachsenden und der Nebenpersonen. Wer hier über das "typisch Russische" wie zuviel Wodka und Kommunismus schmunzeln möchte, ist bei diesem Buch komplett falsch. Der Leser begleitet Nastja, ein junges Mädchen, aus dem Städtchen durch ihr Leben. Dabei stößt er neben diversen Alltagsbeschreibungen (wie des Geruches vom Plumpsklo oder onanierender Männer) auch auf Szenarien von Vergewaltigungen, Straßenstrich, roher Gewalt, viel Alkohol... und erster Liebe. Ja, auch in dieser Geschichte gibt es Hoffnung, die in Verkörperung des Soldaten Dima auftaucht. Ob diese Liebesgeschichte Bestand haben wird? Der Umfang von knapp 220 Seiten hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Geschichte steigert sich nicht nur in der Rohheit, sondern auch in der Spannung. Man ist als Leser dennoch gefesselt und möchte wissen, wie es weitergeht. Ob ich dieses Buch allerdings weiterempfehlen würde, weiß ich nicht. Es ist nie verkehrt einen unverblümten Einblick in das Leben in Russland (hier in den 80ern) zu gewinnen, jedoch dominierte hier für mich klar das Negative.

Blick zurück
von solveig am 11.04.2016

„Der Ort meiner Kindheit ist ein Städtchen unweit von Moskau. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Ich bin wieder hier.“ Mit dieser nüchternen Feststellung beginnt Anna Galkina ihren Debütman. Ihre Protagonistin Nastja tritt gleichzeitig mit dem Wiedersehen ihrer alten Heimat auch eine gedankliche Reise in die Vergangenheit... „Der Ort meiner Kindheit ist ein Städtchen unweit von Moskau. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Ich bin wieder hier.“ Mit dieser nüchternen Feststellung beginnt Anna Galkina ihren Debütman. Ihre Protagonistin Nastja tritt gleichzeitig mit dem Wiedersehen ihrer alten Heimat auch eine gedankliche Reise in die Vergangenheit an, während der sie den Leser an den Reminiszenzen an ihre Kindheit und Jugend im Russland der 80er Jahre und prägenden Abschnitten ihres Lebens teilhaben lässt. Dabei beschwören ihre Erinnerungen, die als rasche Abfolge mal kurzer, mal längerer Szenen aufblitzen, ganz intensiv Farben, Geräusche und Gerüche. Der Leser nimmt Nastjas Umgebung und ihr Leben in Armut „mit allen Sinnen“ wahr, ungeschönt, drastisch, aber auch mit leisem Humor. Deutlich spürbar ist der Reifeprozess des jungen Mädchens: Sind die Schilderungen des noch kleinen Kindes sehr knapp gehalten, so werden sie mit zunehmendem Alter der Erzählerin länger und detaillierter. Die teilweise autobiografischen, collageartigen Erzählungen decken viele Seiten des täglichen Lebens in der damaligen Sowjetunion ab, sie zeichnen ein teils tragisches und schreckliches, teils aber sehr poetisches Bild. In sachlichem, distanziertem Stil, mit einem ironischen Unterton, beschreibt Galkina sehr eindrücklich ein Soziotop diverser Charaktere, anschaulich und originell. Angenehm fällt auf, dass kein Selbstmitleid im Spiel ist; es ist eine Rückschau, in der die früheren Emotionen immer mehr verblassen. Mein Fazit: „Das kalte Licht der fernen Sterne“ ist ein Roman, der gleichzeitig gut unterhält und verstört.


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