Der gespaltene Westen

Kleine Politische Schriften X

edition suhrkamp Band 2383

Jürgen Habermas

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Beschreibung

Der einig geglaubte Westen ist gespalten. Jedoch nicht die Gefahr des internationalen Terrorismus hat diese Entwicklung verursacht, sondern eine Politik der US-Regierung, die das Völkerrecht ignoriert, die Vereinten Nationen an den Rand drängt und den Bruch mit Europa in Kauf nimmt. Die Spaltung zieht sich auch durch Europa und Amerika selbst hindurch. In Deutschland wirkt die Abkehr der amerikanischen Administration und der Eliten von ihren eigenen Traditionen wie ein Lackmustest. Heute zerfällt die chemische Verbindung, aus der die Westorientierung der Bundesrepublik seit Adenauer bestanden hat, in ihre beiden Elemente: opportunistische Anpassung an die hegemoniale Macht trennt sich von intellektueller und moralischer Bindung an die Prinzipien einer westlichen Kultur.

Auch im Jahr seines 75. Geburtstages erweist sich der politische Denker Habermas wieder als brillanter Analytiker und Stichwortgeber der Republik und des europäischen Geistes. Der gespaltene Westen versammelt Beiträge, die infolge der Ereignisse vom 11. September 2001 entstanden, darunter der neue, weitausgreifende Essay über die Zukunft des Kantischen Projekts einer weltbürgerlichen Ordnung.

Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Jürgen Habermas erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2001) und den Kyoto-Preis (2004).

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 192
Erscheinungsdatum 23.05.2004
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-12383-6
Verlag Suhrkamp
Maße (L/B/H) 17.6/10.9/1.5 cm
Gewicht 128 g
Auflage 3

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Die Theorie kommunikativen Handelns auf Pfaden pragmatischer Politik
von Buechermaxe aus München am 27.11.2006

Nach dem Fall der Mauer in Mitteleuropa und den Terroranschlägen vom 11. September wurde der Menschheit vor Augen geführt, dass wir an der Scheidegrenze der Geschichte stehen, dass eine neue Weltordnung von Nöten ist. Habermas, der nach der Auflösung einer bipolaren Welt auf den hegemonialen Alleinvertretungsanspruch der allein ... Nach dem Fall der Mauer in Mitteleuropa und den Terroranschlägen vom 11. September wurde der Menschheit vor Augen geführt, dass wir an der Scheidegrenze der Geschichte stehen, dass eine neue Weltordnung von Nöten ist. Habermas, der nach der Auflösung einer bipolaren Welt auf den hegemonialen Alleinvertretungsanspruch der allein verbliebenen Weltmacht USA verweist und auf diesen setzen muss, fragt – ganz aus dem Habermas’schen Verdikt eines Idealtypus seiner Theorie kommunikativen Handelns heraus denkend – nach den Aussichten für die globale Realisierung der Idee des Weltbürgertums, so wie Immanuel Kant es vordachte. Aber ein Postulat, dass nun gut 200 Jahre auf seine Realisierung wartet, wie sollte es gerade jetzt, wo Terrorismus und Islamismus (nicht Islam!) als neue Bedrohung auf dem Hintergrund von Hunger und sich verschärfender Globalisierung entsteht, wo sich die Welt immer noch stärker in Reiche und Zukurzgekommene scheidet, in Politik übersetzbar sein? Denn schon stehen neue heraufkommende Weltmächte am Start, die die Situation noch weiter verschärfen: Wirtschaftsmächte wie China und Indien, auch die Ressourcenmacht Russland. Und die kleinen, sich entrechtet fühlenden Großen, die genug Verunsicherungspotential in die Welt tragen: wie z.B. Nordkorea und andere. Und, für Habermas besonders beklagenswert, ein geeintes ungeeintes Europa, dass sich den Herausforderungen aufgrund eigenstaatlichen Denkens seiner Mitglieder nicht stellen mag. Insofern ist Habermas’ Buch aus meiner Sicht ein Leuchtfeuer der philosophischen reinen Lehre, von der man weiß, dass sie unter Verzicht auf Realität und Realitätsbewusstsein eine schöne Kür ist. So ist Habermas’ Buch als eine Analyse des Zustands der Welt und Europas, d.h. Europas in der Welt, sehr gut. Für die Analyse dessen, was Politik in der Welt vermag, aber zu kurz greifend – oder Wunschdenken nur? Daher halte ich das Buch zwar für überaus lesenswert und sprachlich für herausragend, aber als Richtlinie für machbare Politik leider zu idealistisch.


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