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Fünf Freunde und der rätselhafte Friedhof

Neue Abenteuer

Fünf Freunde Band 42

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gebundene Ausgabe
Anne ist überhaupt nicht begeistert von der Idee, bei dem verfallenen Friedhof im Wald zu zelten. Schliesslich sollen die Toten hier des Nachts aus ihren Särgen steigen! Doch Georg, Richard und Julius lachen über die Gespenstergeschichten. Erst als gruselige Gestalten herumstreichen und Anne entführt wird, wissen die Freunde: Das ist kein Scherz, sondern bitterer Ernst und ein knallharter Fall!

Ausstattung: Mit Illustrationen

Portrait
Enid Blyton, 1897 in London geboren, begann im Alter von 14 Jahren, Gedichte zu schreiben. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1968 verfasste sie über 700 Bücher und mehr als 3.000 Kurzgeschichten, die in über 40 Sprachen übersetzt wurden. Bis heute gehört Enid Blyton zu den meistgelesenen Kinderbuchautoren der Welt und mit den »Fünf Freunden« hat sie die bekanntesten Helden aller Zeiten geschaffen.
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  • illkommen in der Jagdhütte!

    »Juhu! Juhu!«, rief Anne und tanzte durch das Zimmer des Internats. In der Hand schwenkte sie einen Brief, den sie soeben von ihren Eltern erhalten hatte. Sofort fing Tim an zu bellen und um sie herumzuhüpfen. Georg hatte alle Mühe, den Hund zu beruhigen. Er wurde zwar hier im Internat geduldet, aber Bedingung war, dass er sich möglichst ruhig verhielt, vor allem in den Stunden, in denen die Kinder Unterricht hatten oder Hausaufgaben machen mussten. Das klappte auch meistens, Tim wusste, was Georg von ihm erwartete. Doch in Situationen wie dieser gab es kein Halten für ihn.
    »Mensch, Anne!«, schimpfte Georg. »Wenn du weiter rumhopst wie Rumpelstilzchen, fliegt Tim noch raus, und du weisst, was das bedeutet.«
    Natürlich wusste Anne, was ihre Kusine meinte. Nur wenn Tim bei ihr bleiben durfte, blieb auch sie. Müsste der Hund gehen, würde sie mit ihm das Internat verlassen!
    »Schon gut, schon gut«, antwortete Anne und setzte sich prustend auf die Bettkante. »Ich freu mich halt so. Stell dir vor, Georg, wir vier allein in einer Jagdhütte. Eine ganze Woche. Ist das nicht super?«
    »Vier?« Georg zog die Augenbrauen hoch. »Du hast wohl unseren lieben Tim vergessen.«
    Anne hielt sich die Hand vor den Mund. »Huch! Armer Tim, das tut mir Leid. Wie konnte ich es wagen, dich nicht mitzuzählen!«
    Tim legte den Kopf schief und setzte seinen traurigsten Blick auf.
    Georg lachte. »Nun ist es aber gut, Tim. Du kommst selbstverständlich mit. Wie könnte ich ohne dich irgendwohin fahren.«
    Dann nahm sie Anne den Brief aus der Hand. »Nun zeig schon her. Wo ist diese Hütte?«
    »Sie steht direkt am Waldrand. Man fährt mit dem Auto von uns zu Hause aus etwa eine Stunde«, erklärte Anne. »Aber wir brauchen gar nicht erst heimzufahren. Hier, meine Mutter hat uns alles genau aufgeschrieben. Wir können mit dem Zug direkt hinfahren. Einmal müssen wir umsteigen. Dort treffen wir dann Richard und Julius und fahren mit ihnen zusammen weiter.«
    »Und wieso dürfen wir dort alle Ferien machen?«, fragte Georg.
    »Die Hütte gehört einem Freund von meinem Vater, Professor Hard«, erklärte Anne. »Eigentlich fährt er selbst fast jedes Wochenende hin, es ist seine Jagdhütte. Aber zurzeit hat er so viel zu tun, dass er schon wochenlang nicht dort war.«
    »Nun sollen wir also nach dem Rechten sehen, durchlüften und ein bisschen putzen«, riet Georg. »Hab ich Recht?«
    Anne nickte. »Genau. Und ausserdem sollen wir dort eine schöne Zeit verbringen. Das jedenfalls wünscht uns der Professor.«
    »Und was ist das?« Georg zog einen weiteren Zettel aus dem Umschlag.
    »Das muss die Skizze sein, von der meine Mutter geschrieben hat«, vermutete Anne. »Sie hat uns aufgezeichnet, wie wir vom Bahnhof zu der Hütte kommen und wo wir den nächsten Bauernhof finden, wo wir frische Lebensmittel kaufen können.«
    Und richtig. Auf dem Zettel waren ein genauer Lageplan der Hütte und mehrerer Bauernhöfe zu sehen.
    Georg tippte mit dem Finger darauf. »Hier ist der Hof von Herrn und Frau Williams. Gar nicht weit. Sicher leicht zu Fuss zu erreichen.«
    Anne schaute wieder in den Brief ihrer Mutter und las vor: »Der Professor hat den Kaufmann im nächsten Ort beauftragt, euch eine Kiste mit Lebensmitteln zur Hütte zu liefern. Für die ersten Tage seid ihr also versorgt.«
    Georg griff noch einmal in den Umschlag. »Schwupp – und hier sind die Fahrkarten!«
    Anne sprang auf. »Ach Georg, ich freu mich so! Das wird toll. Und in drei Tagen geht es los! Ich weiss gar nicht, wie ich die lange Zeit bis dahin aushalten soll.«
    Schon war Tim wieder auf den Beinen und fing an zu bellen.
    Georg drückte ihm sanft das Hinterteil auf den Boden und lachte. »Platz, Tim. Wenn Anne so weitermacht, braucht sie gar nicht mehr drei Tage zu warten. Dann fliegen wir nämlich heute schon raus.«

    Tim entdeckte Annes Brüder Richard und Julius am Bahnhof als Erster und bellte freudig.
    »Sieh nur, da drüben sind sie!«, rief Georg, als sie ihre beiden Vettern auf dem Bahnsteig stehen sah.
    Richard kam seiner kleinen Schwester zur Hilfe und nahm ihr die Reisetasche ab. »Hallo, ihr drei! Alles okay? Hattet ihr eine gute Reise?«
    »Na klar!«, rief Anne, während Tim Richard ansprang und versuchte, ihm zur Begrüssung übers Gesicht zu schlecken. »Wir haben fast die ganze Fahrt über ›Ich sehe was, was du nicht siehst‹ gespielt.«
    »Unser Zug ist schon vor einer Viertelstunde hier angekommen«, erklärte Richard. »Aber nun ist es ja nicht mehr weit. Julius will uns zur Hütte führen. Er hat den Plan, den Mutter uns geschickt hat, unterwegs auswendig gelernt. Er meint, er kennt sich in der Gegend schon genauso gut aus wie zu Hause, obwohl er noch nie dort gewesen ist.«
    »Hallo, Julius!«, rief Georg und stellte ihre Tasche neben ihrem Vetter ab. »Ist das nicht Klasse? Eine Jagdhütte ganz für uns allein.«
    »Und ob!«, antwortete Julius. »Ich hoffe nur, dass es in der Hütte noch nicht allzu muffig riecht. Der Professor ist ja seit Wochen nicht dort gewesen.«
    Anne verzog das Gesicht. »Das hoffe ich auch. Ich hasse nämlich Mief.«
    Georg seufzte. »Was soll Tim mit seiner empfindlichen Nase erst sagen!«
    »Was er sagen soll?«, fragte Richard lachend. »Wuff natürlich!«
    In dem Moment hörten sie aus der Ferne eine lautes »Tüüüt!«.
    »Unser Zug!«, rief Anne und hüpfte ungeduldig von einem Bein aufs andere. »Auf geht’s!«
    Der Rest der Fahrt verging wie im Flug. Die Kinder redeten und lachten und erzählten sich gegenseitig, was sie in den letzten Wochen im Internat erlebt hatten. Dabei vergassen sie beinahe, dass auch noch andere Leute in ihrem Abteil sassen, bis der Schaffner kam, um die Karten zu kontrollieren.
    »Ich möchte euch bitten, etwas leiser zu sein«, sagte er freundlich, als er ihnen die Fahrkarten zurückgab. Mit einer Kopfbewegung gab er den Freunden zu verstehen, dass sich eine ältere Dame, die schräg hinter ihnen sass, über sie beschwert hatte.
    »Wird gemacht«, versicherte Julius im Flüsterton. Und weil sie sich bemühten, darüber nicht zu lachen, mussten sie erst recht loskichern. Auch Tim stimmte mit ein und begann zu jaulen.
    Julius holte tief Luft, dann stand er auf und sagte zu der alten Dame: »Entschuldigen Sie bitte vielmals, aber wir haben nun mal heute so gute Laune.«
    Aber die Dame schien kein Verständnis dafür zu haben. Sie hob das Romanheft, in dem sie gerade las, dicht vor ihr Gesicht und antwortete nicht. Erst als Julius sich wieder gesetzt hatte, sagte sie laut zu ihrem Nachbarn: »Unverschämtheit, wie sich die jungen Leute heute benehmen. Keinen Respekt haben die.«
    Worauf der Nachbar erwiderte, er verstehe ohnehin nicht, dass man die Kinder allein reisen lasse.
    Das brachte die Freunde erst recht zum Lachen, und sie waren froh, als der Zug endlich in ihren Zielbahnhof einfuhr.
    Auf dem Bahnsteig empfing sie der Bahnhofsvorsteher. Er war ein älterer Mann mit schwarzer Uniform und einem dicken Seehundsbart. »Ihr seid sicher Julius, Richard, Anne und Georg«, sagte er.
    Georg stellte zufrieden fest, dass er sie nicht Georgina nannte. Die Tatsache, dass sie lieber ein Junge sein wollte, hatte sich also schon rumgesprochen. »Und das hier ist Tim«, stellte sie ihren Hund vor.
    Der Bahnhofsvorsteher streichelte Tim über den Kopf. »Herzlich willkommen! Professor Hard hat mir mitgeteilt, wann ihr eintrefft. Ich soll euch genau erklären, wie ihr zur Jagdhütte kommt.«
    »Das ist nett von Ihnen, aber es ist nicht nötig«, erklärte Julius und hielt die Zeichnung hoch. »Wir haben eine genaue Skizze. Ich bin sicher, damit finden wir den Weg allein.«
    »Na, schön«, sagte er. »Ich habe dort drüben eine Karre für euch bereitgestellt. Damit könnt ihr euer Gepäck transportieren. Der Professor meinte, ihr habt nichts gegen eine kleine Wanderung. Bis zur Hütte braucht man zu Fuss etwa eine Dreiviertelstunde.«
    Die Kinder hatten keine Ahnung, woher der Professor das wusste. Er kannte sie ja kaum. Vermutlich hatten die Eltern von Anne, Julius und Richard ihm erzählt, dass sie sich gern die Wanderschuhe anzogen, um die Gegend zu erkunden.
    Der Bahnhofsvorsteher nahm den Mädchen die Rei­setaschen ab und trug sie zu der Gepäckkarre. Julius wunderte sich, dass Georg ihm bereitwillig die Tasche gab. Sonst bestand sie darauf, alles selbst zu tragen, weil sie um keinen Preis wie ein schwaches Mädchen dastehen wollte.
    Nachdem ihnen der Bahnhofsvorsteher den Schlüs­sel für die Jagdhütte gegeben hatte, machten sie sich auf den Weg. Julius und Richard zogen den Wagen, Georg lief mit der Skizze in der Hand nebenher. Anne und Tim waren die letzten und passten auf, dass nichts aus der voll bepackten Karre fiel.
    Es zeigte sich, dass Julius sich den Weg tatsächlich genau eingeprägt hatte. Georg musste nicht einmal die Karte zur Hilfe nehmen.
    »Uff, bin ich froh, wenn ich Turnschuhe und Hosen anziehen kann«, stöhnte Anne. »Die Schuhe und der Rock sind nicht gerade ideal für eine Wanderung. Ich hoffe, ich laufe mir keine Blasen.«
    »Keine Sorge, wir sind gleich da«, tröstete Julius. Er hatte Recht. Als sie um die nächste Kurve bogen, konnten sie die Hütte sehen. Das Holzhaus stand direkt am Waldrand in einem kleinen Garten, der von einer niedrigen Steinmauer umgeben war. Die Fensterläden waren grün gestrichen. Zur Haustür führten drei Treppenstufen. Links und rechts davon wuchsen knallrote und sonnengelbe Tulpen.
    »Oh wie schön!«, rief Anne und rannte los. Sie konnte es kaum erwarten, die Tür aufzuschliessen und hineinzugehen, um alles genau zu erforschen.
    »Nun komm schon, Julius«, trieb sie ihren grossen Bruder an. »Schliess endlich auf.«
    Richard und Julius stellten die Karre vor dem Eingang ab.
    »Immer mit der Ruhe.« Julius zog den Schlüssel aus der Hosentasche und steckte ihn ins Schloss.
    Sobald er die Tür geöffnet hatte, hob Anne die Nase schnüffelnd in die Luft. »Es riecht nur ein ganz kleines bisschen muffig«, stellte sie fest. »Das verschwindet, wenn wir ordentlich durchlüften.«
    Sofort machte sie sich daran, sämtliche Fenster zu öffnen, während Richard um das Haus ging und die Fensterläden aufklappte und an den Wandhaken befestigte.
    Strahlender Sonnenschein durchflutete die Räume.
    »Willkommen in der Jagdhütte!«, rief Anne mit ausgebreiteten Armen. »Darauf müssen wir eigentlich anstossen!«
    Wie aufs Stichwort kam Richard mit einer grossen Kiste im Arm herein. »Die Lebensmittel vom Kaufmann«, sagte er. »Die Kiste stand hinter dem Haus.«
    »Da bin ich aber gespannt, was wir in der Schatzkiste alles finden!«, rief Georg und begann mit Richards Hilfe, die Lebensmittel auszupacken.
    Anne übernahm natürlich die Aufgabe, die Sachen in den Schränken zu verstauen, denn die Haushaltsführung war ihre grosse Leidenschaft.
    Dosen mit Cornedbeef und Leberpastete, Eier, frische Milch, Brot, Tomaten und viele andere Leckereien kamen ans Tageslicht.
    »Hier – eine Dose Schokoladenkekse!«, rief Georg triumphierend. »Die werden wir gleich zum Tee verspeisen.«
    »Ich bringe mit Richard unsere Sachen ins Haus«, sagte Julius. Als er Georgs Tasche aus dem Karren hob, war ihm klar, warum sie das Gepäckstück bereitwillig dem Bahnhofsvorsteher überlassen hatte. Die Tasche war nämlich so schwer, dass man sie kaum tragen konnte.
    »Was hast du denn da drin?«, rief er Georg zu. »Ziegelsteine?«
    Sie lachte. »Quatsch. Nur jede Menge Bücher und Spiele, falls es die ganze Woche regnet.«
    »Ich setze schon mal Teewasser auf«, sagte Anne. »Aber bevor wir uns gemütlich an den Tisch setzen, möchte ich das Haus erkunden.«
    Das wollten die anderen natürlich auch.
    Neben der geräumigen Küche mit dem grossen Esstisch aus Eichenholz und der Abstellkammer gab es im Erdgeschoss noch ein Wohnzimmer mit einem Kamin und einer Tür zur Terrasse sowie ein kleines Badezimmer.
    »Wie gut, dass es ein Bad im Haus gibt«, sagte Anne erleichtert. »Bei solchen Häusern ist das Örtchen manchmal draussen, und wenn es dunkel ist, kann das gruselig sein.«
    In den ersten Stock führte eine sehr schmale Holztreppe, die in einem winzigen Flur endete, auf dem gerade Platz für eine kleine Kommode war. Links und rechts gingen unter dem Spitzdach zwei Schlafräume ab. In einem gab es ein Doppelbett, in dem anderen ein Etagenbett mit zwei Schlafkojen.
    »Richard und ich nehmen die Kojen«, entschied Julius. »Kommt, schleppen wir die Taschen rauf.«
    »Wenn ihr meine mitnehmt, dann suche ich in der Zwischenzeit nach Bettwäsche, denn die Betten müssen noch bezogen werden«, sagte Anne.
    Endlich war alles erledigt. Die Kinder sassen auf der Terrasse, tranken Tee und futterten die knusprigen Kekse. Richard hatte unter einem Vordach Tisch und Stühle entdeckt. Obwohl es jetzt um Ostern nachts noch empfindlich kalt war, prallte nun am Nachmittag die Sonne auf die Terrasse.
    Anne streckte die Arme und lehnte sich wohlig seufzend zurück. »Kinder, ich sag euch, das werden tolle Ferien!«
    Georg nickte. »Manchmal haben die Erwachsenen wirklich gute Ideen.«
    »Hier in der Gegend können wir mit Sicherheit viel unternehmen«, sagte Richard. »Unter dem Vordach habe ich auch Fahrräder entdeckt. Aber leider sind es nur zwei.«
    »Na klar«, meinte Anne. »Eins für den Professor, eins für seine Frau. Vielleicht können wir uns bei dem Bauern noch zwei Fahrräder leihen. Wie heisst er noch mal?«
    »Williams«, sagte Richard. »Wir müssen nachher unbedingt rübergehen.«
    »Aber wir haben doch genug Lebensmittel für die nächsten Tage«, wunderte sich Georg.
    »Beim Bauern Williams gibt es ein Telefon«, erklärte Richard. »Wir sollen unbedingt unsere Eltern anrufen und Bescheid geben, dass wir heil angekommen sind. Sie sagen dann deinen Eltern Bescheid.«
    »Ach so.« Auf den Gedanken, ihre Eltern könnten sich Sorgen machen, war sie gar nicht gekommen. Sie war schon immer ein sehr selbstständiges Kind gewesen.
    »Geht ihr nur«, schlug Anne vor. »Ich räume inzwischen unsere Sachen in die Schränke und überlege, was es zum Abendessen gibt.«
    »Ich bleibe auch hier«, entschied Richard. »Anne und ich gehen dann das nächste Mal zum Hof, wenn wir frische Lebensmittel brauchen.«
    »In Ordnung.« Georg war froh über ein bisschen Bewegung, denn sie hielt es nie lange im Haus aus. Sie machte sich mit Julius auf den Weg.
    Frau Williams war eine ältere, rundliche Frau. Sie hatte die Kinder schon erwartet, denn der Professor hatte sie informiert. Für Tim hielt sie sogar einen Knochen bereit.
    »Und der hier ist auch für euch«, sagte sie und drückte Georg einen Kuchen in die Hand, der in ein kariertes Geschirrtuch gewickelt war. »Als Willkommensgruss. Ich hoffe, ihr werdet euch hier wohl fühlen. Wenn ihr irgendetwas braucht, dann kommt zu uns.«
    »Herzlichen Dank«, sagte Julius, der eben zu Hause angerufen hatte. »Was sind wir Ihnen für das Telefonieren schuldig?«
    Frau Williams winkte ab. »Das wäre ja noch schöner, wenn ich euch für das kurze Gespräch Geld abknöpfen würde!«
    Georg und Julius bedankten sich noch einmal und machten sich auf den Rückweg.
    Georg strahlte über das ganze Gesicht. »Ach, Julius, wir fünf allein in einer Hütte, das wird toll!«

    Ein seltsamer Besuch

    Die erste Nacht in dem fremden Haus war fast ein bisschen gruselig. Durch das geöffnete Fenster drangen die Geräusche der Nacht. Ein Waldkauz rief seine schaurigen Klagerufe und Tiere raschelten im Unterholz.
    Immer wieder schrak Anne hoch, wenn es knackte und knarzte.
    »Keine Angst«, flüsterte Georg dann. »Das ist nur das Haus. Das Holz arbeitet. Und vor Einbrechern brauchst du schon mal gar keine Angst zu haben, schliesslich ist Tim bei uns.«
    Dann und wann raschelte eine Maus unter dem Dach, und Anne hoffte, sie würde dort bleiben und nicht in ihr Zimmer kommen. Nicht dass sie Angst vor Mäusen hatte, aber der Gedanke, es könnte ihr eine nachts übers Gesicht huschen, hielt sie wach. Ihr kam es vor, als wäre sie gerade erst eingeschlafen, da wurde sie von Georg schon wieder geweckt. Würzige Waldluft und lautes Vogelgezwitscher drangen durch das offene Fenster ins Zimmer.
    Anne reckte und streckte sich und gähnte. »Ich würde am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben«, stöhnte sie.
    Aber die Rechnung hatte sie ohne Georg gemacht. Die riss ihr einfach die Decke weg. »Nichts da. Raus aus den Federn! Der Tag wartet auf uns.«
    Sofort war auch Tim zur Stelle und schleckte Anne ordentlich übers Gesicht, bis sie schliesslich aufstand.
    Der Duft von gebratenen Eiern drang aus der Küche herauf. Richard und Julius waren bereits auf den Beinen und hatten Frühstück gemacht.
    »Guten Morgen, ihr Schlafmützen!«, rief Julius.
    »Guten Morgen«, antwortete Anne und rieb sich verschlafen die Augen.
    »Geh am besten gleich ins Bad und wasch dich«, riet ihr Richard grinsend. »Das Wasser ist eiskalt, davon wirst du garantiert wach.«
    Aber Anne liess sich lieber erst am Frühstückstisch nieder und schenkte sich eine Tasse Tee ein. Die gebratenen Eier und Tomaten dufteten herrlich, und das geröstete Brot war knusprig und so warm, dass die Butter darauf zerfloss.
    »Das weckt die Lebensgeister«, stellte Anne fest und liess es sich schmecken.
    »Richard und ich wollen morgen in aller Frühe aufstehen, um Tiere zu beobachten«, teilte Julius den Mädchen mit. »Wir sind ja in einer Jagdhütte, also gibt es mit Sicherheit jede Menge Hochsitze in der Nähe.«
    »Im Wohnzimmer haben wir zwei Ferngläser gefunden«, fügte Richard hinzu. »Die nehmen wir mit und suchen uns einen Hochsitz. Ein paar Rehe kriegen wir bestimmt zu sehen.«
    »Vielleicht auch Muffelwild und Wildschweine«, meinte Julius. »Das wäre echt toll.«
    »Ich darf gar nicht dran denken, dass die armen Tiere normalerweise von den Hochsitzen aus erschossen werden.« Anne zog eine Grimasse.
    Georg streichelte Tim über den Kopf. »Oder streunende Hunde. Wie gut, dass mein Tim niemals streunt. Es wäre wirklich zu gefährlich.«
    »Aber manchmal muss es sein, dass Rehe oder Kaninchen geschossen werden«, erklärte Julius. »Wenn zu viele da sind, gibt es Probleme.«
    »Trotzdem«, erwiderte Anne. »Ich finde den Gedanken einfach grässlich.«
    »Ob es hier im Haus auch Waffen gibt?«, fragte Georg plötzlich.
    »Sicher nicht«, antwortete Julius. »Ich glaube kaum, dass der Professor seine Gewehre hier lässt, wenn er selbst nicht im Haus ist.«
    »Aber im Wohnzimmer steht in einer Ecke ein Tresorschrank«, wandte Richard ein. »Da könnten die Jagdwaffen drin sein.«
    Anne schüttelte sich. »Ich hoffe, der Schrank ist leer. Bei dem Gedanken, es könnten Waffen im Haus sein, kriege ich eine Gänsehaut.«

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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 154
Altersempfehlung 10 - 99
Erscheinungsdatum 05.10.2004
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-570-12846-6
Reihe Einzelbände 42
Verlag Cbj
Maße (L/B/H) 22/14.1/2 cm
Gewicht 279 g
Abbildungen mit Illustrationen von Silvia Christoph. 22,5 cm
Illustrator Silvia Christoph
Buch (gebundene Ausgabe)
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Fr. 12.90
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inkl. gesetzl. MwSt.
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von einer Kundin/einem Kunden am 31.07.2016
Bewertet: anderes Format

Auch wenn die neue Autorin ein paar gute Geschichten geschrieben hat, bin ich doch immer wieder begeistert, wenn ich das Gefühl habe, Enid Blyton hätte es geschrieben. Gelungen.