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Eine neue Erde

Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung. Ausgezeichnet mit dem Oprah Book Club Award

Nach seinen Bestsellern „Jetzt!“ und „Leben im Jetzt“ geht Eckhart Tolle mit seinem lange erwarteten neuen Buch einen Schritt weiter. „Eine neue Erde“ beschäftigt sich mit dem geistig-seelischen Zustand der Menschheit. Tolle geht davon aus, dass der krankhafte Zustand des menschlichen Geistes zu einer kollektiven Fehlentwicklung geführt hat und wir vor einer gefährlichen Weggabelung stehen. Unsere bisherige Sicht der Welt funktioniert nicht mehr. Wenn wir sie nicht ändern, bewegen wir uns auf zunehmend gefährlichem Terrain mit dem Potenzial zur Selbstzerstörung. Für Tolle existiert jedoch eine Alternative zu diesem düsteren Zukunftsszenario: ein innerer Quantensprung, verbunden mit einem fundamentalen Wandel von unserem alten zu einem gänzlich neuen Bewusstsein. Eckhart Tolle ist davon überzeugt, dass wir am Anfang dieser Bewusstseins-Transformation stehen.

Portrait
Eckhart Tolle wurde in Deutschland geboren und verbrachte hier die ersten 13 Jahre seines Lebens. Nach dem Studienabschluss an der University of London war er in Forschung und Supervision an der Cambridge University tätig. Im Alter von 29 Jahren veränderte eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung sein Leben von Grund auf. Die Jahre danach verbrachte er damit, diese Erfahrung zu vertiefen und zu integrieren. Seit mehr als 20 Jahren unterrichtet Tolle weltweit als Weisheitslehrer. Er gilt als einer der bekanntesten und einflussreichsten spirituellen Lehrer der Gegenwart.
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  • 1. DAS AUFBLÜHEN DES MENSCHLICHEN BEWUSSTSEINS

    Evokation

    Ein Morgen auf der Erde vor 114 Millionen Jahren kurz nach Sonnenaufgang: Die erste Blütenpflanze, die auf dem Planeten erscheint, öffnet ihren Kelch den Strahlen der Sonne. Vor diesem bedeutsamen Augenblick, der eine evolutionäre Verwandlung im Leben der Pflanzen einleitet, war die Erde schon viele Millionen Jahre von Grünpflanzen bedeckt. Die erste Blütenpflanze hat wahrscheinlich nicht lange überlebt, und Blumen müssen über einen langen Zeitraum eine grosse Seltenheit geblieben sein, da die Umwelt ihre Ausbreitung höchstwahrscheinlich noch nicht begünstigte. Aber eines Tages muss der kritische Punkt überschritten worden sein, und dann gab es plötzlich ein Feuerwerk von Farben und Düften überall auf dem Erdball – nur dass kein wahrnehmendes Bewusstsein da war, um Zeuge dieser Entwicklung zu werden.
    Erst viel später sollten die zarten, vergänglichen Gebilde, die wir Blumen nennen, eine wesentliche Rolle für die Evolution des Bewusstseins einer anderen Art spielen. Irgendwann waren Menschen von ihnen fasziniert und fühlten sich immer stärker zu ihnen hingezogen. Sowie sich deren Bewusstsein weiterentwickelte, waren Blumen vermutlich das erste physische Objekt, das sie wertschätzten, obwohl es keinen Gebrauchswert für sie hatte, also nicht mit dem Überleben in Zusammenhang stand. Unzählige Künstler, Dichter und Mystiker haben sich von Blumen inspirieren lassen. Jesus hat uns die Lilien auf dem Felde zur Betrachtung und als Vorbild für unser Leben empfohlen. Buddha soll einmal eine „stille Predigt“ gehalten haben, indem er eine Blume hoch hielt und sie ansah. Nach einiger Zeit begann ein Mönch mit Namen Mahakasyapa zu lächeln. Es heisst, er sei der Einzige gewesen, der die Predigt verstanden hat. Der Legende zufolge wurde sein Lächeln (die „Erkenntnis“) von seinen 28 Nachfolgern weitergegeben und begründete schliesslich den Zen-Buddhismus.
    Einem Menschen, der die Schönheit einer Blume sieht, werden dadurch vielleicht – sei es auch nur flüchtig – die Augen geöffnet für die Schönheit seines eigenen tiefsten Wesens, seiner eigenen wahren Natur. Zum ersten Mal Schönheit zu erkennen war eines der bedeutendsten Ereignisse in der Evolution des menschlichen Bewusstseins. Die Gefühle der Freude und Liebe sind im Innersten mit dieser Erkenntnis verbunden. Ohne dass es uns richtig bewusst war, wurden Blumen für uns zum Form gewordenen Ausdruck des Höchsten, Heiligsten und letztlich Formlosen in uns selbst. Blumen, die flüchtiger, ätherischer und zarter waren als die Grünpflanzen, aus denen sie hervorgingen, wirkten auf uns wie Boten aus einer anderen Welt, wie eine Brücke zwischen der Dimension der physischen Formen und dem Formlosen. Sie verströmten nicht nur einen zarten, dem Menschen angenehmen Geruch, sondern auch Duft aus dem Reich des Geistes. Wenn wir das Wort „Erleuchtung“ in einem umfassenderen Sinn begreifen als dem herkömmlichen, können wir Blumen als die Erleuchtung der Pflanzenwelt betrachten.
    Von jeder Lebensform auf jeder Stufe – ob Stein, Pflanze, Tier oder Mensch – lässt sich sagen, dass sie eine „Erleuchtung“ durchläuft. Allerdings ist diese Erscheinung höchst selten, denn es handelt sich nicht bloss um einen evolutionären Fortschritt, sondern es impliziert darüber hinaus einen Bruch in der Entwicklung, einen Sprung zu einer völlig anderen Seinsebene, vor allem jedoch ein Schwinden der Stofflichkeit.
    Was könnte schwerer und undurchdringlicher sein als Felsgestein, die dichteste aller Formen? Und doch vollzieht sich bei manchen Gesteinen eine Veränderung in der Molekularstruktur, sodass sie sich in Kristalle verwandeln und lichtdurchlässig werden. Aus Kohlenstoff werden durch unvorstellbare Hitze und Druck Diamanten, aus einigen schweren Mineralien andere Edelsteine.
    Die meisten kriechenden Reptilien, die erdgebundensten aller Tiere, sind über Jahrmillionen unverändert gleich geblieben. Einige hingegen haben Federn und Flügel entwickelt und sich in Vögel verwandelt, sodass sie sich über die Schwerkraft erheben konnten, an die sie so lange gefesselt waren. Sie verbesserten sich nicht etwa im Kriechen oder Laufen, sondern gingen weit über das Kriechen und Laufen hinaus.

    Seit undenklichen Zeiten haben Blumen, Kristalle, Edelsteine und Vögel eine besondere geistige Bedeutung für den Menschen. Wie alle Lebensformen sind natürlich auch sie flüchtige Manifestationen des allem zugrunde liegenden einen Lebens und Bewusstseins. Ihre besondere Bedeutung und der Grund dafür, dass sie von jeher eine solche Faszination auf den Menschen ausgeübt haben und dass er eine solche Nähe zu ihnen empfindet, muss wohl ihren ätherischen Qualitäten zugeschrieben werden.
    Sobald seine Wahrnehmung von einer gewissen Präsenz, einer stillen, wachen Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist, spürt der Mensch die göttliche Lebensessenz, das aller Kreatur und allen Formen des Lebens innewohnende eine Bewusstsein, den einen Geist, und erkennt dessen Einheit mit seinem eigenen Wesen, sodass er es lieben kann wie sich selbst. Bis das geschieht, sehen die meisten Menschen allerdings nur die äussere Form, während ihnen das tiefinnere Wesen entgeht, ebenso wie sie sich ihres eigenen wahren Wesens meist gar nicht bewusst sind, sondern sich nur mit ihrer physischen und psychischen Gestalt identifizieren.
    Was Blumen, Kristalle, Edelsteine oder Vögel betrifft, so spürt bisweilen sogar jemand, der nur wenig oder gar nicht gegenwärtig ist, dass mehr daran ist als die rein physische Erscheinungsform, und wird, ohne zu wissen, dass dies der eigentliche Grund für die von ihm gefühlte innere Verbindung ist, davon angezogen. Aufgrund ihrer ätherischen Natur kommt der ihnen innewohnende Geist ungehinderter zum Vorschein als bei anderen Lebensformen. Hierzu gehören auch alle neugeborenen Formen des Lebens wie Säuglinge, Welpen, Kätzchen, Lämmer usw. Sie sind zart und zerbrechlich und haben sich noch nicht verfestigt. Eine Unschuld, Süsse und Schönheit leuchtet durch sie hindurch, die nicht von dieser Welt ist. Sie entzücken selbst Menschen, die relativ unsensibel sind.
    …Wenn wir also eine Antenne dafür haben und eine Blume, einen Kristall oder einen Vogel zum Gegenstand unserer Kontemplation machen, ohne sie im Geiste zu benennen, werden sie für uns ein Fenster zum Formlosen. Eine innere Aufgeschlossenheit für das Reich des Geistes stellt sich ein, wenn auch vielleicht kaum wahrnehmbar. Deshalb haben die drei „er-leuchteten“ Lebensformen seit undenklichen Zeiten eine so wichtige Rolle bei der Evolution des menschlichen Bewusstseins gespielt, zum Beispiel die Lotosblume als Zentralsymbol des Buddhismus oder die weisse Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes im Christentum. Sie haben den Boden bereitet für einen tiefer greifenden Wandel im planetarischen Bewusstsein, der auf die Menschheit zukommt. Es handelt sich um ein spirituelles Erwachen, dessen Zeuge wir gerade werden.

    Der Zweck dieses Buches

    Ist die Menschheit reif für eine Transformation des Bewusstseins, für ein inneres Erblühen von solcher Radikalität und Tiefe, dass das Aufblühen einer Blume, mag sie auch noch so schön sein, nur ein schwacher Abglanz davon ist? Können die konditionierten geistigen Strukturen von Menschen ihre Undurchdringlichkeit verlieren und wie Kristalle oder Edelsteine durchlässig werden für das Licht des Bewusstseins? Kann der Mensch sich der niederziehenden Schwere von Materialismus und Stofflichkeit entziehen und sich über die Identifikation mit der Form erheben, die das Ego an seinem Platz hält und ihn zur Gefangenschaft in seiner eigenen Persönlichkeit verdammt?
    Die Möglichkeit einer solchen Transformation war und ist das zentrale Thema aller grossen Weisheitslehren der Menschheit. Deren Botschafter – Buddha, Jesus und andere, die nicht alle bekannt sind – waren die ersten Blumen der Menschheit. Sie waren Vorboten, seltene und kostbare Wesen. Für ein Blütenmeer war es zu jener Zeit noch zu früh, und so wurde ihre Botschaft oft missverstanden und stark verfälscht. Sie hat offenkundig wenig Einfluss auf das menschliche Verhalten gehabt, ausser bei einer kleinen Minderheit.
    Ist die Menschheit jetzt eher reif dafür als zur Zeit der alten Lehrer? Und wenn ja, warum? Was können wir, wenn überhaupt, tun, um diesen inneren Wandel einzuleiten oder zu beschleunigen? Was ist bezeichnend für den alten Egozustand* des Bewusstseins, und woran ist das neu erwachende Bewusstsein zu erkennen?

    * Ein Hinweis zur Übersetzung des Wortes egoic
    Im englischen Originaltext heisst es an dieser Stelle egoic state (of consciousness). Dazu folgende Erklärung des Autors:
    „Im vorliegenden Buch verwende ich das Wort ‚egoic’, obwohl es in der englischen Sprache (noch) nicht existiert. Vielleicht können die Übersetzer ein ähnliches Wort erfinden, da alle bereits existierenden Worte (z. B. egoistisch, egotistisch, egozentrisch usw.) ein zu enges Bedeutungsspektrum haben. Fast immer ist damit ‚selbstsüchtig’ gemeint, aber Selbstsucht ist nur ein kleiner Aspekt egomotivierter Verhaltensweisen.“
    Der Intention des Autors folgend wurde das englische egoic gelegentlich durch das neu gebildete Adjektiv „egohaft“ übersetzt, meist aber – je nach Kontext – durch zusammengesetzte Begriffe wie „egobehaftet“, „egobegründet“, „vom Ego bestimmt“ oder durch einfache Komposita wie „Egogeist“ für egoic mind, „Egomuster“ für egoic patterns usw.

    Um diese und andere wichtige Fragen geht es in diesem Buch. Vor allem jedoch ist festzuhalten, dass dieses Buch selbst aus dem erwachenden neuen Bewusstsein entstanden und infolgedessen selber ein Werkzeug zur Verwandlung ist. Die darin enthaltenen Ideen und Konzepte mögen wichtig sein, aber sie kommen erst an zweiter Stelle. Sie sind lediglich Wegweiser, die auf das Erwachen hinzeigen. Während du das Buch liest, vollzieht sich in dir eine Veränderung.
    Das Buch will dich nicht mit neuen Informationen oder Anschauungen befrachten oder von irgendetwas überzeugen, sondern dich aufwecken und einen Bewusstseinswandel bei dir hervorrufen. So gesehen ist das Buch nicht „interessant“. Etwas interessant finden bedeutet, dass man Abstand hält, im Geiste mit den Ideen und Konzepten herumspielt und ihnen zustimmt oder sie ablehnt. Doch in diesem Buch geht es um dich. Wenn es deinen Bewusstseinsstand nicht verändert, hat es keinerlei Nutzen. Es kann aber nur die erwecken, die dafür bereit sind. Nicht jeder ist schon reif dafür, aber immerhin schon einige, und mit jedem Menschen, der erwacht, kommt das kollektive Bewusstsein mehr in Schwung, und alles wird leichter für die anderen. Falls du nicht weisst, was Erwachen bedeutet, lies einfach weiter. Nur im Erwachen selbst kann die wahre Bedeutung des Wortes erfasst werden. Ein flüchtiger Einblick genügt, um den Prozess des Erwachens einzuleiten, der unumkehrbar ist. Für einige wird dieser Einblick kommen, während sie dieses Buch lesen. Bei vielen anderen hat der Prozess vielleicht schon eingesetzt, ohne dass sie es gemerkt haben. Sie werden es beim Lesen erkennen. Bei manchen mag er durch Verlust und Leid in Gang gekommen sein, bei anderen durch den Kontakt zu einem spirituellen Lehrer oder einer spirituellen Lehre, durch die Lektüre von Leben im Jetzt oder ein anderes spirituell lebendiges und daher die Wandlung unterstützendes Buch – oder durch eine Kombination all dessen, was ich angeführt habe. Hat der Prozess des Erwachens bereits in dir begonnen, wird er durch die Lektüre dieses Buches beschleunigt und intensiviert.
    Ein essenzieller Bestandteil des Erwachens ist die Erkenntnis des noch nicht erweckten Selbst, des Ego, wie es denkt, spricht und handelt, und die Einsicht in die kollektiv konditionierten geistigen Vorgänge, die den Zustand des Nichterwachtseins zementieren. Darum zeigt das Buch die Hauptmerkmale des Ego auf und beschreibt, wie sie sowohl beim Einzelnen als auch im Kollektiv wirken. Dies ist aus zwei zusammenhängenden Gründen wichtig: Erstens kannst du, wenn du die Grundmechanismen hinter dem Wirken des Ego nicht kennst, es auch nicht durchschauen, und dann überlistet es dich, sodass du dich immer wieder mit ihm identifizierst. Das heisst, es ergreift Besitz von dir als eine Art Hochstapler, der vortäuscht, du zu sein. Der zweite Grund ist der, dass der Akt der Erkenntnis selbst einer der Wege ist, auf denen das Erwachen stattfindet. Wenn du das Unbewusste in dir erkennst, ist das, was die Erkenntnis möglich macht, das entstehende Bewusstsein, das Erwachen. Du kannst nicht gegen das Ego kämpfen und gewinnen, ebenso wenig wie du gegen die Dunkelheit ankämpfen kannst. Erforderlich ist nur das Licht des Bewusstseins. Du selbst bist dieses Licht.

    Die ererbte Störung

    Wenn wir die alten Religionen und spirituellen Traditionen der Menschheit einmal tiefer gehend betrachten, finden wir unter den vielen oberflächlichen Unterschieden zwei grundlegende Einsichten, in denen die meisten von ihnen übereinstimmen. Diese Einsichten mögen mit völlig unterschiedlichen Worten beschrieben werden, aber sie deuten immer auf eine doppelte fundamentale Wahrheit hin. Die erste dieser Einsichten ist die Erkenntnis, dass sich in der „normalen“ Geistesverfassung der meisten Menschen ein starker Anteil von etwas bemerkbar macht, das wir Gestörtheit oder sogar Wahnsinn nennen könnten. Gewisse hinduistische Kernlehren kommen der Sache vielleicht am nächsten, wenn sie diese Störung als eine Form kollektiver Geisteskrankheit ansehen. Sie nennen sie Maya, den Schleier der Täuschung. Ramana Maharshi, einer der bedeutendsten indischen Weisen, sagte klipp und klar: „Der Geist ist Maya.“
    Der Buddhismus bedient sich einer anderen Terminologie. Laut Buddha erzeugt der menschliche Geist im Normalzustand Duhkha, was als Leiden, Unzufriedenheit oder Qual übersetzt werden kann. Darin sah Buddha ein Merkmal des Menschseins. Wohin man auch geht und was man auch tut, immer begegnet man Duhkha, und es wird sich früher oder später in jeder Situation manifestieren.
    Nach der christlichen Lehre ist die normale kollektive Verfassung der Menschheit der Zustand der „Erbsünde“. „Sünde“ ist ein Wort, das zutiefst missverstanden und fehlinterpretiert worden ist. Wörtlich aus dem Altgriechischen übersetzt, der Sprache, in der das Neue Testament abgefasst wurde, bedeutet sündigen „danebentreffen“ wie ein Bogenschütze, der sein Ziel verfehlt; sündigen heisst also, das Ziel des menschlichen Daseins zu verfehlen. Es bedeutet, blind und ungeschickt zu leben und deshalb zu leiden und Leiden zu verursachen. Auch dieses Wort deutet also, sobald es von seinem kulturellen Ballast befreit worden ist und nicht mehr falsch ausgelegt wird, auf eine Störung im Menschsein hin.
    Die Errungenschaften der Menschheit sind eindrucksvoll und unbestritten. In Musik und Literatur, Malerei, Bildhauerei und Architektur haben wir grossartige Werke geschaffen. Wissenschaft und Technik haben in jüngerer Zeit für drastische Veränderungen unseres Lebensstils gesorgt und uns in die Lage versetzt, Dinge zu tun und zu erschaffen, die noch vor 200 Jahren als Wunder betrachtet worden wären. Kein Zweifel: Der menschliche Geist ist hochintelligent. Aber gerade diese Intelligenz ist von der Störung betroffen. Wissenschaft und Technik haben die destruktive Wirkung der Geistesstörung des Menschen auf die Erde erheblich verstärkt. Darum ist die Störung, der kollektive Wahnsinn, in der Geschichte des 20. Jahrhunderts am deutlichsten zu erkennen. Hinzu kommt, dass die Störung tatsächlich zunimmt und sich beschleunigt.
    1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Grausame Vernichtungskriege, von Angst, Gier und Machthunger motiviert, ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte, ebenso wie Sklaverei, Folter und zunehmende Gewaltbereitschaft aus religiösen und ideologischen Gründen. Die Menschen haben mehr unter ihresgleichen gelitten als unter Naturkatastrophen. Bis 1914 hatte der hochintelligente menschliche Geist allerdings nicht nur den Verbrennungsmotor erfunden, sondern auch Panzer, Bomben, Maschinengewehre, U-Boote, Flammenwerfer und Giftgas. Intelligenz im Dienste des Wahnsinns! Während des Stellungskriegs in Frankreich und Belgien starben Millionen Männer wegen einiger Quadratkilometer schlammiger Erde. Als der Krieg 1918 zu Ende war, blickten die Überlebenden fassungslos und voller Entsetzen auf die verheerenden Folgen: zehn Millionen Tote und noch mehr Verstümmelte und Verkrüppelte. Nie zuvor hatte der menschliche Wahnsinn auf so sichtbare Weise eine so destruktive Wirkung entfaltet. Niemand ahnte, dass das erst der Anfang war.
    Bis zum Ende des Jahrhunderts sollte die Zahl der Menschen, die durch die Hand von Mitmenschen eines gewaltsamen Todes starben, auf über 100 Millionen steigen. Sie starben nicht nur durch Kriege zwischen den Völkern, sondern auch durch Massenvernichtung und Völkermord wie die Juden im unsäglichen Grauen des Holocaust in Nazi-Deutschland oder die etwa 20 Millionen „Klassenfeinde, Spione und Verräter“ im Sowjetrussland Stalins. Sie starben aber auch bei zahllosen innerstaatlichen Konflikten wie dem Spanischen Bürgerkrieg oder unter dem Regime der Roten Khmer in Kambodscha, das ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung ermordete.
    Wir brauchen uns nur die aktuellen Nachrichtensendungen im Fernsehen anzuschauen, um uns darüber klar zu werden, dass der Wahnsinn keineswegs abgeklungen ist, sondern sich im Gegenteil bis ins 21. Jahrhundert fortsetzt. Ein weiterer Aspekt der kollektiven Funktionsstörung, an der die Menschheit krankt, ist die beispiellose Gewalt von Menschen gegenüber anderen Lebensformen und der Erde selbst – die Zerstörung Sauerstoff produzierender Wälder und anderer Vertreter der Fauna und Flora, die Tierquälerei in der industriellen Landwirtschaft, die Vergiftung der Flüsse und Meere und die Verschmutzung der Luft. Von Gier getrieben und ohne ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Ganzen, bleiben die Menschen beharrlich bei einem Verhalten, das nur in ihre eigene Vernichtung führen kann (wenn ihm nicht Einhalt geboten wird).
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 318
Erscheinungsdatum 22.09.2005
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-33706-4
Verlag Arkana Verlag
Maße (L/B/H) 20.3/12.8/3.2 cm
Gewicht 451 g
Originaltitel A New Earth
Auflage 14. Auflage
Übersetzer Erika Ifang
Verkaufsrang 3131
Buch (gebundene Ausgabe)
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Fr. 31.90
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

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9 Bewertungen
Übersicht
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Eine neue Erde
von einer Kundin/einem Kunden aus Brunn am Gebirge am 03.07.2017
Bewertet: Medium: H?rbuch (CD)

Eckhart Tolle ist nicht der beste Sprecher, aber der Inhalt ist genial.

Eine neue Erde
von einer Kundin/einem Kunden am 14.10.2013
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Eckart Tolle war in Forschung und Supervision an der Cambridge University tätig. Im Alter von 29 Jahren veränderte eine spirituelle Erfahrung von Grund auf sein Leben. Seit 12 Jahren unterrichtet er weltweit und gilt bei Vielen als der bedeutendste Weisheitslehrer der Gegenwart. Seine Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt und h... Eckart Tolle war in Forschung und Supervision an der Cambridge University tätig. Im Alter von 29 Jahren veränderte eine spirituelle Erfahrung von Grund auf sein Leben. Seit 12 Jahren unterrichtet er weltweit und gilt bei Vielen als der bedeutendste Weisheitslehrer der Gegenwart. Seine Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt und haben Bestsellerstatus. In diesem Buch beschäftigt er sich mit dem seelischen Zustand des Geistes der Menschheit. Tolle geht davon aus, dass die krankhafte Verfassung des menschlichen Geistes zu einer Fehlentwicklung geführt hat und wir vor einer kritischen Weggabelung stehen. Dieses Buch kann für den Leser zu einem Werkzeug der Bewusstseinswandlung werden. Seine Themen in diesem Buch sind unter anderem: Die Stimme im Kopf, den inneren Körper fühlen, Rechthaben ins Unrecht setzen und das Überlegenheitsbedürfnis des Ego. Dieses Buch erfüllt seinen Zweck in höchstem Maße, mich hat es sehr begeistert und hat mein Leben sehr verändert.

Phantastisch
von einer Kundin/einem Kunden aus Northeim am 22.06.2011

Eckhart Tolle schafft es immer wieder, kurz und prägnant "die Dinge" auf den Punkt zu bringen. Wir können alles Gute in diesem Leben bekommen, und zwar ganz schnell und nicht erst im nächsten Leben oder in 50 Jahren. Das macht einfach nur Spaß! Mögen immer mehr Menschen erwachen, umso schneller bekommen wir eine schöne und ne... Eckhart Tolle schafft es immer wieder, kurz und prägnant "die Dinge" auf den Punkt zu bringen. Wir können alles Gute in diesem Leben bekommen, und zwar ganz schnell und nicht erst im nächsten Leben oder in 50 Jahren. Das macht einfach nur Spaß! Mögen immer mehr Menschen erwachen, umso schneller bekommen wir eine schöne und neue Erde.