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Schloss Gripsholm

Reclams Universal-Bibliothek Band 18390

Kurt Tucholsky

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Beschreibung

1929 verbrachte Tucholsky mit seiner Freundin den Sommerurlaub nahe Schloss Gripsholm in Schweden. Der Aufenthalt inspirierte ihn zu einer Sommergeschichte über Gelingen und Scheitern der Liebe und über die Illusion, der Realität entfliehen zu können.

Kurt Tucholsky, 9. 1. 1890 Berlin - 21. 12. 1935 Göteborg (Schweden). Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns studierte von 1909 an Jura in Berlin und Genf (Sommersemester 1910), begann aber gleichzeitig, sich mit Beiträgen für den sozialdemokratischen Vorwärts und seit 1913 für Siegfried Jacobsohns Schaubühne (seit 1918 Weltbühne) als Schriftsteller zu etablieren. 1915 wurde er in Jena zum Dr. jur. promoviert und danach zum Militär eingezogen. Nach dem Krieg arbeitete er bis 1920 als Chefredakteur der Zeitschrift Ulk, danach als freier Schriftsteller und Journalist (abgesehen von einem Intermezzo als Privatsekretär in einer Berliner Bank während der In¿ationszeit 1923-24). 1924 ging er als Korrespondent der Weltbühne nach Paris, ohne dass das seine Arbeit für andere Organe beeinträchtigt hätte. Nach dem Tod Jacobsohns übernahm er vorübergehend (1926-27) die Redaktion der Weltbühne. Seit 1929 lebte er in Hindås (Schweden). Nach der Machtergreifung Hitlers wurden seine Bücher verbrannt, er selbst ausgebürgert. Er starb nach einem Suizidversuch in einem Göteborger Krankenhaus. Die Erfahrungen des Krieges und die problematische Lage der Weimarer Republik bestärkten T. in seinem linksorientierten politischen Engagement und der Auffassung von der aufklärerischen Funktion der Literatur. Sein publizistisches Schaffen umfasst mehr als 2500 Texte, die ihn als Meister der kleinen Form vom aktuellen politischen Gedicht und Kabarettchanson über das Feuilleton bis hin zur bissigen politischen Satire auf die gefährlichen Relikte aus wilhelminischer Zeit (Militär, Justiz, Beamtenapparat) erweisen. Für die verschiedenen Genres und Rollen, die auch auf das jeweils verschiedene Publikum der Publikationsorgane abgestimmt waren, schuf sich T., z. T. noch im Kaiserreich, die Pseudonyme Ignaz Wrobel (zuständig für Politisch-Satirisches), Peter Panter (Feuilleton), Theobald Tiger (Lyrik, Lieder) und Kaspar Hauser (sah in die Welt und verstand sie nicht). Auf die verschiedenen Identitäten - die fünfte ist T. selbst - spielt auch der Titel seines ersten Sammelbandes Mit 5 PS an, denen T. zwei weitere folgen liess. Daneben erschienen als selbständige Publikationen der Reisebericht Ein Pyrenäenbuch und das Bilderbuch Deutschland, Deutschland über alles, eine von John Heart¿eld vorgenommene aggressive Montage von Fotos und T.-Texten. Aufklärung im Medium des Unterhaltungsromans versuchte T. mit der Sommergeschichte Schloss Gripsholm, die an sein früheres Bilderbuch für Verliebte Rheinsberg erinnert. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Herausgeber Sabina Becker
Seitenzahl 184
Erscheinungsdatum 01.01.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018390-8
Verlag Reclam, Philipp
Maße (L/B/H) 14.7/9.7/1.2 cm
Gewicht 90 g

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Eine Sommergeschichte
von Wortschätzchen aus Kreis HD am 23.09.2016
Bewertet: Medium: Hörbuch (CD)

Tucholsky, im Buch von seiner Freundin Lydia, die er meist nur „die Prinzessin“ nennt, Peter oder Fritz genannt, da sie „Kuard“ so doof findet, geht mit ebendieser für ein paar Wochen in Urlaub. Was er dabei erlebt, packt er in die Erzählung, die er dann anschließend seinem Verleger Rowohlt verkaufen wird. Die Erlebnisse dieser ... Tucholsky, im Buch von seiner Freundin Lydia, die er meist nur „die Prinzessin“ nennt, Peter oder Fritz genannt, da sie „Kuard“ so doof findet, geht mit ebendieser für ein paar Wochen in Urlaub. Was er dabei erlebt, packt er in die Erzählung, die er dann anschließend seinem Verleger Rowohlt verkaufen wird. Die Erlebnisse dieser Reise sind kunterbunt. Von der Reise selbst bis hin zu den Besuchen von Freunden an ihrem Urlaubsort und der Rettung eines kleinen Mädchens aus den Fängen einer sadistischen Erzieherin, all das darf der Leser miterleben. Schon allein der fiktive Briefwechsel zwischen Tucholsky und Rowohlt ist wunderbar komisch – und doch so aktuell, nach all den Jahren! Die Gespräche zwischen den Protagonisten sind berührend, komisch, tiefgründig, erstaunlich – Tucholsky hat ein ganzes Kaleidoskop an Gefühlen und Reaktionen in diese Erzählung gepackt. Wunderbar auch die wohldosiert eingestreuten Plattdeutschen Sätze. Sie geben der Geschichte, aber auch den Aussagen Lydias, erstaunlich viel Tiefe und Gefühl. Umwerfend komisch, aber auch irgendwie treffend, sind Wortschöpfungen wie: „Wasser in Halbtrauer“ oder „katholische Flora“ – ich liebe es! Die Idee, dass ein Freund von „Peter“ und eine Freundin Lydias nacheinander zu Besuch nach Schweden zu den beiden Urlaubern kommen, ist herrlich anders. Karlchen und Billie sind Originale, wie so ziemlich jede Figur dieser Erzählung. In aller Komik ruht aber so viel Melancholie und Wahrheit – es ist erstaunlich. Wenn man dann noch bedenkt, wann die Geschichte entstanden ist, wieviel sich seither verändert hat und wieviel doch noch immer so ist, wie es damals war, kann man nur staunen. Uwe Friedrichsen verstand es wahrlich meisterlich, die Erzählung perfekt einzulesen. Ohne lächerliche Piepsstimme für Lydia gab er ihr eine ganz eigene Art zu sprechen, die ihre Parts sofort erkennen ließ. Sei Platt ist so klar, dass sogar ich alles verstanden habe und keine Übersetzungen benötigte. Einfach großartig, wie er mit den Worten und seiner Stimme gearbeitet hat – als wäre er eine Reinkarnation von Tucholsky. Wunderbar! Ein wenig Liebesgeschichte, ein wenig Roadtrip, ein wenig Krimi, ein wenig Reisebericht, ein wenig Schwedenflair – „Schloss Gripsholm“ ist ein bunter Strauß Worte, die verzaubern. Klassiker sind nicht jedermanns Sache. Doch diese 288 Minuten (ungekürzte Lesung!) klingen gar nicht angestaubt und machen wirklich Freude. Tucholsky war seiner Zeit einfach weit voraus – und heute wäre eine Beziehung, wie sie „Peter“ zu Lydia hatte, auch kein Skandal mehr. Tucholsky ist ein sehr wichtiger Autor, der ohne Geschwurbel dem Leser/Hörer den Irrsinn der Welt zeigt und sie damit zu verbessern versteht. Ein wunderbares Hörbuch, das man einfach nur mit den vollen fünf Sternen bewerten kann! Unbedingt hören!

Für die Tasche
von Wiebke Hartung aus Bremen am 24.06.2011

Die perfekte Sommerlektüre im Handtaschenformat: wer sich mal wieder einen Klassiker gönnen und auf schöne Sprache und gute Unterhaltung nicht verzichten will, sollte sich Schloss Gripsholm in die Tasche stecken und direkt an den Strand fahren!


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