Schweizer Aluminium für Hitlers Krieg?

Zur Geschichte der 'Alusuisse' 1918-1950

Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte Band 19

Cornelia Rauh

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Beschreibung


Die 1885 gegründete „Aluminium Industrie AG“ (später „Alusuisse“) war eines der bedeutendsten und traditionsreichsten Unternehmen der Schweiz. 1933 zählte es zu den fünf grössten Aluminiumproduzenten der Welt mit Tochterunternehmen in vielen Ländern, unter anderem auch in Deutschland. Für die moderne Rüstungswirtschaft ist das Leichtmetall unverzichtbar, insbesondere im Flugzeugbau. Dies brachte das von Rohstoffimporten abhängige Unternehmen angesichts der nationalsozialistischen Aufrüstungs- und Expansionspolitik in eine schwierige Situation. Cornelia Rauh untersucht wie der global operierende Konzern auf die Herausforderungen durch die nationalsozialistische Wirtschafts- und Rüstungspolitik reagierte und zeigt wie sich die Handlungsspielräume des Schweizer Managements immer mehr verengten.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 384
Erscheinungsdatum 15.05.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-406-52201-7
Verlag C.H.Beck
Maße (L/B/H) 23.6/16.4/2.9 cm
Gewicht 693 g
Abbildungen mit 33 Tabellen und 16 Abbildungen
Auflage 1

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Für Leser reichlich Dividende
von Hans-Joachim Adelhöfer aus Mettmann am 29.06.2009

Geschichtswissenschaft und Luftfahrtindustrie stellen sich gemeinsam der Aufgabe, Menschen weiterzubringen, ohne dass sich erkannte Fehler wiederholen müssen. Darin ist dieses Buch - auch Hauptbestandteil einer mit Bestnote bewerteten Habilitation - nicht nur Gefolgschaft, sondern Schrittmacher. Zunächst der Entwicklung eine... Geschichtswissenschaft und Luftfahrtindustrie stellen sich gemeinsam der Aufgabe, Menschen weiterzubringen, ohne dass sich erkannte Fehler wiederholen müssen. Darin ist dieses Buch - auch Hauptbestandteil einer mit Bestnote bewerteten Habilitation - nicht nur Gefolgschaft, sondern Schrittmacher. Zunächst der Entwicklung eines Schweizer Konzens gewidmet, zeigt es seine Stärke unter anderem darin, der Leserschaft auch ohne genauere Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Abläufe die engen Spielräume und fremdbestimmten Zwänge unternehmerischen Handelns in Konzernstrukturen zugänglich zu machen. Zudem gibt es fesselnde Einblicke in weltweite Abhängigkeiten einschließlich massiver staatlicher Eingriffe in den freien Welthandel, in politische Rahmenbedingungen bar jeglicher wirtschaftlicher Rechtfertigung und vieles mehr. Es zeigt auf, wie sehr auch fachlich fundierte unternehmerische Entscheidungen durch äußere Einflüsse ad absurdum geführt oder - wie in den Nachkriegsjahren im Zusammenwirken mit neuen Denk- und Handlungsweisen von Siegermächten und unerwartet günstiger Konjunktur geschehen - erst zum durchschlagenden Erfolg begleitet werden. Wie Produktions- und Entscheidungsprozesse ineinandergreifen. Dass das Missverhältnis zwischen Managergehalt und Tantiemen-Zufluss geradezu ein ebenso ,,alter Hut" ist wie die Steuern sparende Vorab-Verrechnung von Gewinnen der einen Unternehmenstochter mit Verlusten der anderen. Dass wir in Sachen Erpressungs-Strukturen zwischen Wirtschaft und Politik heutzutage im Vergleich mit damals lediglich eine umgekehrt proportionale Situation erleben. Wie sehr die ,,Kavallerie-Gedanken" unseres derzeitigen Bundesfinanzministers Schweizer verletzen mögen. Die Reihe entsprechender Aha-Erlebnisse ist damit nur beispielhaft aufgeführt. Unter neuem Blickwinkel werden vielschichtige Geschehnisse zugleich themengerecht ausschnitthaft, übertragbar und durch etliche Verknüpfungspunkte auch in Gesamtzusammenhängen erfassbar zu Tage gefördert. Mit vorzüglichem sprachlichen Materialeinsatz hält die Autorin selbst bei der Schilderung vermeintlich nüchterner betriebswirtschaftlicher Erwägungen und deren Folgen den Eindruck von Fakten- und Zahlenfresserei geradezu quellfrisch auf Distanz. Weit über die thematischen Grenzen hinaus steigert sie zudem die Kenntnisdichte über eine sehr umfassende Aspektepalette zur Zeit des Nationalsozialismus einschließlich deren Vor- und Nachlauf. Auch diese Art der Übererfüllung des eigentlich zu erwartenden Anspruchs dieser Arbeit setzt über geschichtswissenschaftliches Interesse hinaus pure Leselaune frei und stützt den in den geschilderten Ereignissen und Zusammenhängen selbst liegenden Spannungsbogen. Die Investition gehobenen Allgemeinwissens durch die Leserschaft genügt, um hier abseits nennenswerter lexikalischer Zollschranken reichlich Dividende abschöpfen zu können. Und selbst die vergleichsweise hohe Anzahl von mehr als 1200 Fußnoten und veredelnden Übersichten bietet über das wissenschaftliche Fundament hinaus wertvolle Aufschlüsse und Verarbeitungshilfen sowie für manchen wohl bedeutsame Wissens- und Verstehenszuwächse. Das Thema ,,Fremdarbeiterausbeutung zu Gunsten von Konzernkassen“ entrinnt unter der Fakten- und Gedankenführung der Autorin seiner moralischen Überfrachtung im Hinblick auf einen nur schwer fassbaren finanziellen Folgenreichtum. Der von betroffenen Politikern und Unternehmern in Eigenregie verkündetenen Generalamnestie hingegen wird nicht minder deutlich die Gefolgschaft versagt und stattdessen dem Schweizer Staat wie dem Schweizer Konzern eine Verstrickung ,,in das während der nationalsozialistischen Herrschaft über Europa begangene Unrecht“ angelastet: ,,Der unrechtmäßige Charakter des rassistischen NS-Zwangsarbeitersystems . . . bestand . . . ganz unabhängig davon, ob jemand Geld damit verdiente und wieviel.“ Bleibt die häufig im Anschluss an geschichtswissenschaftliche Forschungsergebnisse fällige Frage vornehmlich an Politologen und Politiker: ,,Was lernen wir daraus?“ Nach der Lektüre dieses Buches lautet mein Ergebnis mit dem Blick in die Gegenwart unverändert: ,,Offensichtlich nichts!“ Allerdings muss dies ja nicht so bleiben.

Für Leser reichlich Dividende
von Hans-Joachim Adelhöfer aus Mettmann am 28.06.2009

Geschichtswissenschaft und Luftfahrtindustrie stellen sich gemeinsam der Aufgabe, Menschen weiterzubringen, ohne dass sich erkannte Fehler wiederholen müssen. Darin ist dieses Buch - auch Hauptbestandteil einer mit Bestnote bewerteten Habilitation - nicht nur Gefolgschaft, sondern Schrittmacher. Der Leserschaft werden auch o... Geschichtswissenschaft und Luftfahrtindustrie stellen sich gemeinsam der Aufgabe, Menschen weiterzubringen, ohne dass sich erkannte Fehler wiederholen müssen. Darin ist dieses Buch - auch Hauptbestandteil einer mit Bestnote bewerteten Habilitation - nicht nur Gefolgschaft, sondern Schrittmacher. Der Leserschaft werden auch ohne genauere Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Abläufe die engen Spielräume und fremdbestimmten Zwänge unternehmerischen Handelns in Konzernstrukturen zugänglich gemacht - beispielsweise Rohstoffmangel, unzureichende oder unwirtschaftlich genutzte Transportkapazitäten und drastische Regiefehler Dritter. Zudem gibt es fesselnde Einblicke in weltweite Abhängigkeiten einschließlich massiver staatlicher Eingriffe in den freien Welthandel, in politische Rahmenbedingungen bar jeglicher wirtschaftlicher Rechtfertigung und vieles mehr. Es zeigt auf, wie sehr auch fachlich fundierte unternehmerische Entscheidungen durch äußere Einflüsse ad absurdum geführt oder - wie in den Nachkriegsjahren im Zusammenwirken mit neuen Denk- und Handlungsweisen von Siegermächten und unerwartet günstiger Konjunktur geschehen - erst zum durchschlagenden Erfolg begleitet werden. Wie Produktions- und Entscheidungsprozesse ineinandergreifen. Dass das Missverhältnis zwischen Managergehalt und Tantiemen-Zufluss geradezu ein ebenso ,,alter Hut" ist wie die Steuern sparende Vorab-Verrechnung von Gewinnen der einen Unternehmenstochter mit Verlusten der anderen. Dass wir in Sachen Erpressungs-Strukturen zwischen Wirtschaft und Politik heutzutage im Vergleich mit damals lediglich eine umgekehrt proportionale Situation erleben. Wie sehr die ,,Kavallerie-Gedanken" unseres derzeitigen Bundesfinanzministers Schweizer verletzen mögen. Die Reihe entsprechender Aha-Erlebnisse ist damit nur beispielhaft aufgeführt. Unter neuem Blickwinkel werden vielschichtige Geschehnisse zugleich themengerecht ausschnitthaft, übertragbar und durch etliche Verknüpfungspunkte auch in Gesamtzusammenhängen erfassbar zu Tage gefördert. Mit vorzüglichem sprachlichen Materialeinsatz hält die Autorin selbst bei der Schilderung vermeintlich nüchterner betriebswirtschaftlicher Erwägungen und deren Folgen den Eindruck von Fakten- und Zahlenfresserei geradezu quellfrisch auf Distanz. Weit über die thematischen Grenzen hinaus steigert sie zudem die Kenntnisdichte über eine sehr umfassende Aspektepalette zur Zeit des Nationalsozialismus einschließlich deren Vor- und Nachlauf. Auch diese Art der Übererfüllung des eigentlich zu erwartenden Anspruchs dieser Arbeit setzt über geschichtswissenschaftliches Interesse hinaus pure Leselaune frei und stützt den in den geschilderten Ereignissen und Zusammenhängen selbst liegenden Spannungsbogen. Die Investition gehobenen Allgemeinwissens durch die Leserschaft genügt, um hier abseits nennenswerter lexikalischer Zollschranken reichlich Dividende abschöpfen zu können. Und selbst die vergleichsweise hohe Anzahl von mehr als 1200 Fußnoten und veredelnden Übersichten bietet über das wissenschaftliche Fundament hinaus wertvolle Aufschlüsse und Verarbeitungshilfen sowie für manchen wohl bedeutsame Wissens- und Verstehenszuwächse. Das Thema ,,Fremdarbeiterausbeutung zu Gunsten von Konzernkassen“ entrinnt unter der Fakten- und Gedankenführung der Autorin seiner moralischen Überfrachtung im Hinblick auf einen nur schwer fassbaren finanziellen Folgenreichtum. Der von betroffenen Politikern und Unternehmern in Eigenregie verkündetenen Generalamnestie hingegen wird nicht minder deutlich die Gefolgschaft versagt und stattdessen dem Schweizer Staat wie dem Schweizer Konzern eine Verstrickung ,,in das während der nationalsozialistischen Herrschaft über Europa begangene Unrecht“ angelastet: ,,Der unrechtmäßige Charakter des rassistischen NS-Zwangsarbeitersystems . . . bestand . . . ganz unabhängig davon, ob jemand Geld damit verdiente und wieviel.“ Bleibt die häufig im Anschluss an geschichtswissenschaftliche Forschungsergebnisse fällige Frage vornehmlich an Politologen und Politiker: ,,Was lernen wir daraus?“ Nach der Lektüre dieses Buches lautet mein Ergebnis mit dem Blick in die Gegenwart unverändert: ,,Offensichtlich nichts!“. Allerdings muss dies ja nicht so bleiben.

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