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Alles, was wir geben mussten

Roman. Das Buch zum Film. Ausgezeichnet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Belletristik 2006

(24)
Vom Autor des Bestsellers „Was vom Tage übrigblieb“, mit Anthony Hopkins und Emma Thompson erfolgreich verfilmt.
Ein grosser Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heissen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen …
Der neue grosse Roman von Ishiguro erstmals im Taschenbuch.
Rezension
Wie wird unsere medizinische Zukunft aussehen? Eine Frage, die sich jeder schon mal gestellt hat. Ishiguros Roman “Alles, was wir geben mussten” entwirft hierzu ein ebenso realitätsnahes wie bedrückendes Zukunftsbild. Im Mittelpunkt hierbei steht die Dreiecksbeziehung zwischen Tommy, Ruth und Kathy, die gemeinsam ihre Kindheit in dem Internat Hailsham verleben. Doch bald schon fallen erste Schatten auf die scheinbare Schulidylle. Alle drei werden Aufgaben zu erfüllen haben. Liebe und Freundschaft werden überführt werden in die klinische Existenz als „Spender“ oder „Betreuer“. Doch wie wird das ihr Leben und ihre Gefühle verändern? Je unaufgeregter und stiller Ishiguro seine Zukunftsvision ausmalt, desto stärkere Emotionen werden beim Lesen erzeugt. Um so weniger Fragen offen von den Figuren gestellt werden, desto mehr brennen sie dem Leser unter den Fingernägeln und werden zum eigenen inneren Konflikt. Ishiguro ist mit seinem Roman ein beängstigendes Psychogramm und ein zugleich packender, tiefschürfender Zukunftsthriller gelungen. 3/07 Anna Baumann
Portrait
Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 28 Sprachen übersetzt. Sein Roman »Alles, was wir geben mussten« (Blessing, 2005) wurde mit Keira Knightley in der Hauptrolle verfilmt. Der Autor lebt in London.

Barbara Schaden studierte Romanistik und Turkologie in Wien und München, arbeitete anschliessend als Verlagslektorin und ist seit 1992 freiberufliche Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen und Italienischen. Sie übersetzt neben Kazuo Ishiguro unter anderem Patricia Duncker und Nadine Gordimer. Barbara Schaden lebt in München.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 348
Erscheinungsdatum 06.11.2006
Sprache Englisch, Deutsch
ISBN 978-3-442-73610-2
Verlag btb
Maße (L/B/H) 189/120/30 mm
Gewicht 324
Originaltitel Never Let Me Go
Verkaufsrang 4.893
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
24 Bewertungen
Übersicht
14
7
2
0
1

Spannend, aufwühlend und beklemmend !
von einer Kundin/einem Kunden am 25.01.2011

Dieser Roman beginnt ganz harmlos: Eine junge Frau erzählt von ihrer Zeit in einem englischen Internat, schwelgt ein wenig in Erinnerungen, weiter passiert nichts. Doch bald merkt der Leser, dass in diesem Internat etwas anders ist, etwas nicht stimmt.... Mehr will ich hier über den Inhalt nicht verraten,... Dieser Roman beginnt ganz harmlos: Eine junge Frau erzählt von ihrer Zeit in einem englischen Internat, schwelgt ein wenig in Erinnerungen, weiter passiert nichts. Doch bald merkt der Leser, dass in diesem Internat etwas anders ist, etwas nicht stimmt.... Mehr will ich hier über den Inhalt nicht verraten, denn der Roman liest sich noch fesselnder, wenn man vorher nicht weiss, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Der Sprachstil dieser Geschichte ist schlicht, sachlich und unaufgeregt. Aber gerade durch die einfach gestrickte Sprache wirkt die Ungeheuerlicheit des Erzählten noch erschütternder. "Alles, was wir geben mussten" ist ein bewegender Roman, der einen nicht so schnell wieder loslässt.

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Im Jahr 2010 wurde das Buch verfilmt (mit Keira Knightly, Carey Mulligan und Andrew Garfield in den Hauptrollen), und auch der Film wurde von Kritikern positiv aufgenommen. Und dennoch ist es ein Buch, das die Gemüter spaltet. Trotz all der Preise sprachen manche Kritiker sogar von unerträglicher Langeweile und kaum zu überbietender Banalität. Mich hat die Geschichte sehr zum Nachdenken angeregt, und obwohl ich durchaus nachvollziehen kann, warum es für manche Leser einfach nicht "funktioniert", hat es sich eingereiht in meine persönliche Liste der wichtigsten, herausragendsten Bücher unserer Zeit. Auch wenn man das erwarten könnte, ist "Alles, was wir geben mussten" keine Zukunftsvision, sondern in unserer näheren Vergangenheit angesiedelt. (Nach der beschriebenen Technologie zu urteilen, würde ich sagen, die Geschichte beginnt in den 70er- oder 80er-Jahren.) Der Autor hat diese Vergangenheit nur leicht verändert, um wissenschaftliche Erkenntnisse und Verfahren, die wir heute tatsächlich kennen und anwenden, in einem beunruhigenden Szenario auf die Spitze zu treiben und zu fragen: was darf Wissenschaft? Es ist eine ruhige, bedächtige Dystopie. Hier gibt es keine Zombies, und es gibt zwar eine kaltblütig ausgenutzte Minderheit, aber keinen Aufstand, keinen Aufschrei. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber das Buch wird erzählt von Kathy, einem Mädchen, das zu dieser Minderheit gehört - und das dennoch ein aktiver Teil dieses menschenverachtenden Systems ist, weil sie glaubt, dass es eben so sein muss und sogar gut und richtig ist. Das ist für mich das wahrhaft Erschreckende an diesem Buch: hier werden Kinder in Internaten herangezüchtet, um klaglos ein schreckliches Schicksal anzunehmen. Das wird ganz perfide so gemacht, indem ihnen, während sie heranwachsen, häppchenweise erzählt wird, was sie erwartet - aber immer in einem Alter, in dem sie das jeweilige Häppchen noch gar nicht wirklich verstehen können. Auf diese Art und Weise haben sie es, wenn sie älter sind und es verstehen können, schon als ganz normal verinnerlicht. Ihnen wurde stets unterschwellig vermittelt, dass es sie zu etwas ganz Besonderen macht, es also sogar ein Grund ist, stolz und glücklich zu sein. Kathy plaudert über Nichtigkeiten: das wunderschöne Federmäppchen, auf das alle Kinder neidisch waren, Teenagerstreitigkeiten, Unsicherheit über Sex und Liebe... Was Kinder und Jugendliche eben so bewegt. Das unvorstellbar Entsetzliche, das die Kinder erwartet, fließt immer nur am Rande mit ein - ganz beiläufig und sogar emotionslos. Für mich machte es das nur umso bestürzender, und ich konnte das Buch kaum weglegen. Hinter der Normalität, der Banalität verbarg sich für mich ein kaltes Grauen, das den Opfern selber aber gänzlich unbewusst ist. Es geht in meinen Augen nicht nur über die Ethik der Wissenschaft, sondern es ist auch ein prägnantes, eindringliches Sinnbild der Sterblichkeit; auf eine gewisse Art und Weise kann man sich wiederfinden in diesen Kindern. Die Art und Weise, wie Kazuo Ishiguro diese Geschichte erzählt - ohne Drama, ohne großartigen Spannungsbogen - war für mich zwar gewöhnungsbedürftig, aber dennoch erstaunlich fesselnd und originell. Die Charaktere wirken merkwürdig gedämpft, und als Leser fragt man sich: wie kann man solch ein Schicksal einfach hinnehmen? Wurden diese Kinder in irgendeiner Form manipuliert, um ihre Emotionen zu bremsen, oder ist hier einfach die eben erwähnte schleichende Konditionierung am Werk? Der Leser weiß nur, was Kathy weiß - und da Kathy sich ihrer eigenen Passivität nicht bewusst ist und daher solche Fragen nicht stellt, bleibt vieles ungeklärt. Auch der Schreibstil ist gedämpft, manchmal beinahe monoton, denn Kathy erzählt stets mit sanfter Gleichmütigkeit. In diesem Buch muss man sorgfältig zwischen den Zeilen lesen, um einen schwachen Eindruck davon zu gewinnen, wer Kathy und ihre Freunde in einer anderen Gesellschaft hätten sein können. Es ist in gewisser Weise auch ein Buch über die Tragik verpasster Chancen. Fazit: Trotz allem. Trotz allem hat mich das Buch bewegt, beschäftigt, begeistert. Oberflächlich gesehen ist es scheinbar eine Ansammlung von Nichtigkeiten, von Szenen ohne Dramatik oder emotionaler Wucht - aber zwischen den Zeilen verbirgt sich eine dystopische Welt, die in ihrer nüchternen Grausamkeit ihresgleichen sucht. Es geht um Kinder, später Jugendliche, die an einem scheinbar idyllischen Ort eine hervorragende Ausbildung genießen. Ihnen wird gesagt, sie sind außergewöhnlich, etwas ganz Besonderes, auserwählt. Für was sie auserwählt sind, das wird ihnen gesagt - und dennoch nicht gesagt. Kathy, die Erzählerin, beschreibt ihre Kindheit und Jugend und ihr derzeitiges Leben als Betreuerin derjenigen, die kurz vor der "Vollendung" stehen.

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