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Arbeit und Struktur

(9)
«Dann Telefonat mit einem mir unbekannten, älteren Mann in Westdeutschland. Noch am Tag der Histologie war Holm abends auf einer Party mit dem Journalisten T. ins Gespräch gekommen, dessen Vater ebenfalls ein Glioblastom hat und noch immer lebt, zehn Jahre nach der OP. Wenn ich wolle, könne er mir die Nummer besorgen.
Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen. Und es ist schon dreizehn Jahre her. Seitdem kein Rezidiv. Seine Ärzte rieten nach der OP, sich noch ein schönes Jahr zu machen, vielleicht eine Reise zu unternehmen, irgendwas, was er schon immer habe machen wollen, und mit niemandem zu sprechen.
Er fing sofort wieder an zu arbeiten. Informierte alle Leute, dass ihm jetzt die Haare ausgingen, sich sonst aber nichts ändere und alles weiterliefe wie bisher, keine Rücksicht, bitte. Er ist Richter.
Und wenn mein Entschluss, was ich machen wollte, nicht schon vorher festgestanden hätte, dann hätte er nach diesem Telefonat festgestanden: Arbeit. Arbeit und Struktur.»
Rezension
Der allertollste Text aber, ein unfassbar genauer, anrührender, humorvoller, wahrhaftiger Text sind die Tagebucheinträge, die Wolfgang Herrndorf nach Ausbruch der Krankheit ins Internet gestellt hat. Dieses akribische Protokoll des Lebens mit der Krankheit war eben kein Text über das Sterben, sondern einer über das Leben.
Portrait
Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren und 2013 in Berlin gestorben, hat ursprünglich Malerei studiert. 2002 erschien sein Debütroman «In Plüschgewittern», 2007 «Diesseits des Van-Allen-Gürtels», 2010 und 2011 folgten die Romane «Tschick» und «Sand», 2013 das posthum herausgegebene Tagebuch «Arbeit und Struktur» und 2014 der Fragment gebliebene Roman «Bilder deiner grossen Liebe». An diesem Buch, dessen Heldin Isa ihren ersten grossen Auftritt in «Tschick» hat, arbeitete Herrndorf noch in den letzten Lebenswochen, er hat ihn selbst zur Veröffentlichung bestimmt.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Wasserzeichen
Seitenzahl 448, (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 06.12.2013
Sprache Deutsch
EAN 9783644117419
Verlag Rowohlt E-Book
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Kundenbewertungen


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Danke für dieses "Abschiedsgeschenk"!
von Odilie Pressberger aus Regensburg (Donau EKZ) am 16.01.2014

Herrndorf schrieb von März 2010 bis August 2013 in einem Internetblog über seine Krankheit (unheilbarer Gehirntumor), seine Arbeit (die Romane "Tschick" und "Sand") und seinen Entschluß, seinem Leben selber ein Ende zu setzen. Schon nach wenigen Seiten bin ich völlig gefesselt von seiner Sprache,von dieser Geschichte. Ich... Herrndorf schrieb von März 2010 bis August 2013 in einem Internetblog über seine Krankheit (unheilbarer Gehirntumor), seine Arbeit (die Romane "Tschick" und "Sand") und seinen Entschluß, seinem Leben selber ein Ende zu setzen. Schon nach wenigen Seiten bin ich völlig gefesselt von seiner Sprache,von dieser Geschichte. Ich bin überzeugt davon, ganz große Literatur zu lesen.Dieses e-book wird über lange Zeit hinaus Bestand haben!

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
von einer Kundin/einem Kunden am 22.12.2017
Bewertet: anderes Format

Beklemmend und realistisch schildert der Autor seine Krebserkrankung und seine Beweggründe, welche zum Freitod führten.

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Auf Wiedersehen, Wolfgang Herrndorf
von einer Kundin/einem Kunden am 30.08.2017
Bewertet: Taschenbuch

?Auf Wiedersehen, Haare...? So schreibt einer, der mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern gehört, über die Begleiterscheinungen seiner Bestrahlung. Er, der im März 2010 an einem bösartigen Hirntumor erkrankt und dem die Endlichkeit seines Lebens schnell bewusst wird, beginnt ein digitales Tagebuch im Internet zu schreiben. Als Therapie, als... ?Auf Wiedersehen, Haare...? So schreibt einer, der mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern gehört, über die Begleiterscheinungen seiner Bestrahlung. Er, der im März 2010 an einem bösartigen Hirntumor erkrankt und dem die Endlichkeit seines Lebens schnell bewusst wird, beginnt ein digitales Tagebuch im Internet zu schreiben. Als Therapie, als Aufschrei, als Schreiben gegen die Hilflosigkeit und auch Einsamkeit, denn Arbeit gibt ihm Struktur und damit Halt in einem Leben, dessen Dauer von heute auf morgen absehbar scheint. Zunächst ist dieses digitale Tagebuch nur für seine Freunde geplant, doch als er seine Einträge als Blog ins Internet stellt, wächst die Zahl seiner Leser schnell und sein Schreiben verändert sich, wird immer mehr zu einer literarischen Autobiographie. Während er an seinen Büchern ?Tschick? und ?Sand? arbeitet, die in Fragmenten schon lange in seiner Schublade liegen, beschreibt er geradezu lakonisch die Therapien und medikamentösen Behandlungen, denen der sich unterzieht, nummeriert seine Ärzte durch und diskutiert mit seinem Nachbarn über dessen lautstarke und enervierende Musikleidenschaft. Ebenso knapp und distanziert schildert er seinen Alltag, erinnert sich an vergangene Begebenheiten. Und doch ist man tief berührt, während man ihn durch seine Träume begleitet und über seine Sätze lacht, die so oft durchsetzt sind von scharfzüngigem Humor. Dabei macht er auch nicht Halt vor Schriftstellerkollegen oder anderen bekannten Persönlichkeiten, nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt oft seine ganze Wut spüren. Aber auch seine Liebe zur Literatur, zu den Büchern, die ihm wichtig sind und die ihn geprägt haben. Er schreibt, als ob es um sein Leben geht, schreibt, weil es um sein Leben geht. Im August 2013 nimmt er sich die letzte Freiheit, die er noch hat und setzt seinem Leben ein Ende. Auf Wiedersehen, Wolfgang Herrndorf...

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